mini|hochkant=2.3|Gladiatorendarstellung auf einem Mosaik in Leptis Magna, heutiges Libyen, etwa 80 bis 100 n. Chr.

Ein Gladiator (lateinisch zu für „(Kurz-)Schwert“)Gladiator – Duden, Bibliographisches Institut; 2016 war im Römischen Reich ein Berufskämpfer, der in öffentlichen Schaustellungen gegen andere Gladiatoren kämpfte. Der Kampf der Gladiatoren gegeneinander wird als Gladiatur bezeichnet. Gladiatorenkämpfe gab es von 264 v. Chr. bis Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr.

Ursprung Der Ursprung der Gladiatorenkämpfe ist nicht vollständig geklärt. Vermutet wird, dass sie eine religiöse Bedeutung im Rahmen von Totenfeiern hatten. Nach römischen Quellen waren die Gladiatorenspiele etruskischen Ursprungs. Allerdings fehlen bei Darstellungen etruskischer Leichenspiele Szenen, die als Gladiatorenkämpfe deutbar wären. Jedoch zeigen Grabmalereien aus Paestum in Kampanien aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Kämpfe zwischen zwei bewaffneten Männern, wobei zum Teil eine dritte Person dargestellt ist, die als Kampfrichter gedeutet wird. Daher wird der Ursprung der Spiele heute auch in Kampanien vermutet, das die Etrusker zu dieser Zeit beherrschten.

Erste Gladiatorenspiele Die ersten belegten Gladiatorenspiele in Rom fanden 264 v. Chr. statt, als Decimus Iunius Pera und sein Bruder in Gedenken an ihren kurz zuvor verstorbenen Vater Decimus Iunius Brutus Pera auf dem Forum Boarium, einem Marktplatz in Rom, drei Sklavenpaare gegeneinander kämpfen ließen, die aus 22 Kriegsgefangenen ausgewählt wurden. Dem Beispiel folgten sehr bald weitere römische Adelige, die mit diesen als munus („Dienst“, Plural: munera) bezeichneten Vorführungen gleichfalls ihre Verstorbenen ehrten. Da diese Form der Gladiatorenkämpfe neben den Scheiterhaufen abgehalten wurden, nannte man die Gladiatoren auch bustuarii (von lateinisch bustum „Scheiterhaufen“). Der römische Philologe Maurus Servius Honoratus schrieb dazu:

Trotz dieses Zitates ist die These, dass Gladiatorenkämpfe die mildere Variante griechischer und römischer Menschenopfer zu Ehren Verstorbener waren, nach Auffassung einiger Historiker nicht zutreffend. Sie vertreten vielmehr die Meinung, dass mit den blutigen Kämpfen die Eigenschaften des Verstorbenen demonstriert werden sollten, jene Eigenschaften, die nach dem Verständnis der damaligen Menschen die Größe des Römischen Reiches bedingten: Mut, Kraft, Tapferkeit, Entschlossenheit und Gleichmut gegenüber dem Tod.

Veranstalter dieser Gladiatorenkämpfe waren reiche Privatleute – sie waren als einzige in der Lage, sich sowohl die Kosten für die Gladiatoren als auch das anschließende aufwändige Festmahl zu leisten. Im Laufe der Zeit entdeckten vor allem römische Politiker, dass die Veranstaltung solcher munera ein geeignetes Mittel war, sich die Anerkennung der römischen Bevölkerung zu sichern. Die Zuschauer verfolgten das Geschehen dicht gedrängt am Rand stehend – Sitztribünen gab es bei den ersten Veranstaltungen nicht.

Gladiatorenkämpfe im 1. Jahrhundert v. Chr. Als die Beliebtheit von Gladiatorenkämpfen beim römischen Volk stieg und als man es als Recht anerkannte, auf diese Weise unterhalten zu werden, wurden die Spiele prächtiger und größer inszeniert. Kurz darauf wurden die ersten hölzernen Sitztribünen errichtet und erste Tierhetzen (venationes) in die munera aufgenommen. Beide Erweiterungen des Programms entwickelten sich allmählich als feste Bestandteile der Veranstaltungen. Die Veranstalter waren nach wie vor wohlhabende Privatpersonen, denen jeder Anlass willkommen war, sich auf diese Weise die Achtung des römischen Volkes zu verschaffen. Und je außergewöhnlicher die Veranstaltung war, desto eher stiegen die Wohlhabenden in der Gunst des Volkes.

Von Gaius Iulius Caesar wird überliefert, er habe seine Gladiatoren mit Rüstungen aus Silber ausstatten lassen, um die römische Bevölkerung zu beeindrucken. Über die Ausmaße, die ein solcher Bestechungsversuch der römischen Bevölkerung annehmen konnte, berichtete Sueton, ein römischer Biograf, über Caesar:

Römisches Kaiserreich Gladiatorenkämpfe als öffentliche Aufgabe Während Wagenrennen, Theateraufführungen und Tierhetzen als öffentliche Aufgabe verstanden wurden, waren die Gladiatorenkämpfe bis 44 v. Chr. eine rein privat finanzierte Angelegenheit. Dies änderte sich in der Zeit der Staatskrise nach der Ermordung Caesars. Die Ädilen beschlossen in diesem Jahr zum ersten Mal, nicht nur Wagenrennen öffentlich auszurichten, sondern auch Gladiatorenkämpfe. Sie fanden im Rahmen der ludi Cereales statt, den Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Ceres. Begleitet wurden diese ersten öffentlich finanzierten Gladiatorenkämpfe von Tierhetzen.

Gladiatorenkämpfe als kaiserliches Privileg mini|Darstellung der Krawalle im Jahr 59 während der Gladiatorenspiele zwischen „Fans“ aus Pompeji und Nuceria Alfaterna auf einem pompejanischen Wandgemälde, woraufhin Nero Gladiatorenkämpfe in der Region verbot. Es war vor allem Augustus, der die Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen als kaiserliches Privileg etablierte:

Die Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen wurde immer mehr in den Kaiserkult integriert – das galt insbesondere in den Provinzstädten. Zu den Zeiten von Augustus war es zwar den Senatoren noch möglich, solche Spiele zu veranstalten, doch schon 22 v. Chr. ließ Augustus in einem Dekret festhalten, dass in diesen Fällen nicht mehr als 120 Gladiatoren eingesetzt werden durften. Gleichzeitig begrenzte Augustus die Zahl der Tage, an denen Gladiatorenspiele veranstaltet werden konnten: vom 2. bis 8. Dezember; an den Tagen der „Saturnalien“ zwischen dem 17. und 23. Dezember zur Wintersonnenwende; zum Frühlingsfest „Quinquatrus“ zwischen dem 19. und 23. März. Wer es wagte, privat Gladiatorenkämpfe zu veranstalten, lief, angesichts ihrer zunehmend engeren Verbindung mit dem Kaiserkult, Gefahr, den Zorn der römischen Kaiser auf sich zu ziehen.

Die relative Seltenheit der aufwändigen und kostspieligen Gladiatorenkämpfe blieb über die Jahrhunderte weitgehend konstant. Noch im Jahr 354 n. Chr. wurden von den 176 Festtagen 102 für Theateraufführungen, 64 für Wagenrennen und nur 10 für Gladiatorenkämpfe genutzt.

Besonderheiten des Gladiatorenlebens Gladiatoren-Gattungen

mini|hochkant|Darstellung eines Gladiators, Griff eines römischen Klappmessers, Elfenbein mini|hochkant|Klappmessergriff aus Elfenbein, Gladiatordarstellung, Römisch-Germanisches Museum, Köln Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich eine Reihe unterschiedlicher Gladiatorengattungen, die sich in ihrer Ausrüstung zum Teil deutlich unterschieden. Die ursprüngliche Hauptausrüstung bestand aus einem Schwert, Beinschienen, einem Helm, einem Schild und einem Metallgürtel, der den Lendenschurz halten sollte. Die meisten Gladiatoren hatten auch einen Armschutz. Selten trugen die Kämpfer einen (Ober-)Körperschutz.

Die wichtigsten Gladiatorengattungen (Gladiatorentypen) waren: Samnit, Thraker, Hoplomachus, Murmillo, Retiarier und Secutor. Anfangs kämpften die nach Völkern benannten Gladiatorentypen wohl in der Ausrüstung der jeweiligen Ethnie. Später wurde die Ausrüstung verfeinert. Der Hoplomachus, möglicherweise eine Weiterentwicklung des Samniten, war ein schwer bewaffneter Gladiator mit prächtigem Helm. Der Murmillo trug auf dem Helm ein Fischsymbol (murma – Fischart). Wahrscheinlich wurde er ursprünglich gegen den Retiarier eingesetzt, der mit einem Netz, Armpanzer und einem Dreizack antrat. Später kämpfte der Secutor gegen den Retiarier. Er trug einen runderen und glatteren Helm, in dem sich das Netz des Retiariers nicht verfangen konnte.

Ferner gab es: Andabates (blinder Gladiator), Crupellarius, Dimachaerus (zwei Dolche), Eques (berittener Gladiator), Essedarius (Streitwagenkämpfer), Gallier, Laquearius (Lassokämpfer), Paegniarius (Peitsche?), Pontarius (Brückenkämpfer), Provocator, Sagittarius (Bogenschütze), Scaeva (Linkshänder, zum Beispiel als Secutor Scaeva), Scissor (Röhre mit Klingen am linken Arm) bzw. dessen möglicher Nachfolger, der Arbelas, Veles (leichtbewaffneter Gladiator), Venator (kämpft gegen wilde Tiere).

Unser Wissen über Gladiatoren und ihre Bewaffnung schöpfen wir aus schriftlich-literarischen Quellen und Inschriften (Epigraphik). Es existieren Darstellungen von Gladiatoren auf Grabsteinen, Fresken und Ähnlichem. Ergänzt werden diese Quellen durch erhaltene Statuetten. Viele Kenntnisse über die Waffen der Gladiatoren sind den Ausgrabungen in Pompeji zu verdanken.

Weibliche Gladiatoren mini|Marmorrelief aus Halikarnassos mit zwei Gladiatorinnen

Kurz nach Cäsars Tod (44 v. Chr.), tauchten auch weibliche Gladiatorinnen auf.The Badass Female Gladiators of Ancient Rome auf atlasobscura.com, abgerufen am 31. Juli 2024.Selten, aber tödlich: Die Gladiatorinnen Roms bei National Geographic, abgerufen am 31. Juli 2024. Im British Museum in London befindet sich ein Relief, das in das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert wird und in Halikarnassos, dem heutigen Bodrum in der Türkei, gefunden wurde.British Museum, Inventarnummer 1847,0424.19. Informationen zum Objekt auf der Website des British Museum. Es zeigt zwei Gladiatorinnen, die soeben von dem vom Kampf begeisterten Publikum ehrenhaft aus der Arena – nicht jedoch aus der Gladiatorenschule – entlassen werden. Dieses Unentschieden (stantes missio) galt fast noch mehr als ein Sieg, da es äußerst selten vorkam. Sogar die Namen, unter denen diese zwei Gladiatorinnen (lateinisch gladiatrixKarl Ernst Georges: Lateinisch-deutsches Handwörterbuch.) auftraten, sind bekannt: Amazona und Achilla. Trotz dieser überlieferten Abbildung, welche die beiden Kombattantinnen in der Ausrüstung von provocatores zeigt, waren weibliche Gladiatoren die Ausnahme in den Gladiatorenkämpfen. Zwar hatte schon Nero Frauen (und auch Kinder) gegeneinander und gegen Kleinwüchsige kämpfen lassen, normalerweise diente der Einsatz dieser Personengruppen aber eher der Erheiterung des Publikums.

Der Einsatz weiblicher Gladiatoren widersprach zu sehr der Grundidee der Gladiatoren, dass die in der Arena Kämpfenden die alten römischen Militärtugenden von Mut, Standhaftigkeit und Siegeswille demonstrierten. Deswegen fanden sich nicht viele Anhänger für Frauenkämpfe. Kaiser Septimius Severus ließ im Jahre 200 n. Chr. den Einsatz weiblicher Gladiatoren verbieten.

Soziale Herkunft der Gladiatoren Bei den ersten Kämpfern handelte es sich um Sklaven oder Kriegsgefangene. Auch später wurden vor allem Gefangene, verurteilte Verbrecher (damnatio ad ludum gladiatorium) und Sklaven als Gladiatoren eingesetzt. Bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. verpflichteten sich auch freie Bürger als Gladiator. Obwohl Gladiatoren gesellschaftlich den Sklaven gleichgestellt waren, stieg das Interesse, Gladiator zu werden, zeitweilig so an, dass der Senat dies durch ein Gesetz einzuschränken versuchte. So sollen gegen Ende der Republik fast die Hälfte der Gladiatoren ehemals freie Bürger gewesen sein, die mit dem Eintritt in den Berufsstand der Gladiatoren ihre Freiheit aufgaben. Bei dieser Entscheidung mag für manche ein Beweggrund gewesen sein, dass ein Gladiator nur ein- bis dreimal pro Jahr zu kämpfen hatte, in der restlichen Zeit gut versorgt war und die Konditionen seines Einsatzes selbst bestimmen konnte.

Beispielhaft war auch die medizinische Versorgung, die man den Gladiatoren angedeihen ließ. Einer der berühmtesten Ärzte der Antike, Galen, sammelte seine Erfahrungen während der Zeit, in der er in der Gladiatorenschule von Pergamon die Kämpfer betreute.Vgl. auch Peter Moog: Gladiatoren im medizinischen Schrifttum der Antike. In: Mathias Schmidt, Dominik Groß, Axel Karenberg (Hrsg.): Neue Forschungen zur Medizingeschichte. Beiträge des „Rheinischen Kreises der Medizinhistoriker“ (= Schriften des Rheinischen Kreises der Medizinhistoriker. Band 4). Kassel 2017, S. 41–54.