Das 4. Jahrtausend v. Chr. beschreibt den Zeitraum von 4000 v. Chr. bis 3000 v. Chr. Es brachte große Veränderungen im menschlichen Kulturgeschehen. In ihm erfolgte der Übergang zur Bronzezeit (in Palästina ab 3300 v. Chr.) und die Einführung der Schrift. Es entstanden die Stadtstaaten von Sumer und das Königreich von Ägypten, die beide eine vorrangige Entwicklung nehmen sollten. Die Landwirtschaft breitete sich über weite Teile Eurasiens aus. Die Weltbevölkerung verdoppelte sich im Verlauf des Jahrtausends von 7 auf 14 Millionen Menschen.

mini|Rekonstruktion von Pfahlbauten der Jungsteinzeit

Zeitalter/Epochen Atlantikum (7270 bis 3710 v. Chr.). Subboreal (3710 bis 450 v. Chr.). Mitteleuropa: archäologische Kulturen des Jungneolithikums (4400 bis 3500 v. Chr.) und Spätneolithikums (3500 bis 2800 v. Chr.). Nordeuropa: Nordisches Mittelneolithikum (3300 bis 2350 v. Chr.). Um 3300 v. Chr. Einsetzen der Bronzezeit in Palästina und generell im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds.

Kalender und Zeitrechnung mini|Haab-Kalender der Maya 1. Januar 4000 v. Chr.: Beginn der Zeitrechnung im Kalender der Freimaurer – Jahr 0 AL (Anno Lucis). 18. März 3952 v. Chr.: Schöpfungstag gemäß den Abschätzungen Beda Venerabilis' 3950 v. Chr.: Schöpfungsjahr gemäß der Chronologie von Joseph Justus Scaligers 3929 v. Chr.: Schöpfungsjahr gemäß den Berechnungen von John Lightfoot. 7. Oktober 3761 v. Chr.: Beginn des hebräischen Kalenders aus dem 12. Jahrhundert. 21. Juni 3507 v. Chr.: Beginn der Kalenderrechnung der Aymara. 11. bzw. 13. August 3114 v. Chr.: Schöpfungstermin laut Kalender der Maya. Tag 0 in der langen Zählung (13.0.0.0.0). Mitternacht, 18. Februar 3102 v. Chr.: Nach Berechnungen des indischen Mathematikers Aryabhata aus dem 6. Jahrhundert setzt mit dem Nirwana Krishnas das Kali-Yuga ein. Die im Mahabharata geschilderten Ereignisse fanden somit um 3137 v. Chr. statt.

Umwelt und Klima mini|Globale Durchschnittstemperaturen der letzten 10.000 Jahre nach Marcott et al., 2013 (ganz rechts im Diagramm sind die durch die globale Erwärmung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts möglichen Temperaturen eingezeichnet) Der Meeresspiegel erreicht nahezu sein heutiges Niveau (um 2 bis 1 Meter niedriger), 120 bis 130 Meter über dem Minimum der Würm-Kaltzeit. 4000 bis 3000 v. Chr.: Die globalen Jahresdurchschnittstemperaturen unterschieden sich nur geringfügig von den Temperaturen in der Normalperiode von 1961 bis 1990. Die Nordsee erlebt einen Meeresspiegelrückgang bzw. -stillstand. Im Ostseeraum etabliert sich das Littorinameer. Der west- und mitteleuropäische Eichenmischwald verändert sich in seiner Zusammensetzung, Ulmen und Linden werden sukzessive durch Buchen und Hainbuchen ersetzt. Um 4000 v. Chr.: Der Tschadsee erlangt mit 1 Million Quadratkilometer ein temporäres Maximum seiner Ausdehnung (das 440-fache seiner heutigen Oberfläche), mit Tiefen größer als 65 Meter. Ab diesem Zeitpunkt beginnt jedoch ein unaufhaltsamer Rückgang. 3900 bis 3780 v. Chr.: Piora-Schwankung I bzw. Rotmoos-Schwankung I oder engl. 5.9 kiloyear event. Eindeutige Abkühlung auf der Südhalbkugel. Um 3650 v. Chr.: Dürreperiode im Ägäisraum und Ende der afrikanischen Feuchtigkeitsperiode. 35. Jahrhundert v. Chr.: Ende des neolithischen Subpluvials. Die Sahara verwandelt sich allmählich in die heutige Wüstenlandschaft. 3500 bis 3110 v. Chr.: Piora-Schwankung II bzw. Rotmoos-Schwankung II. Gletscherhochstand in den Alpen. 32. Jahrhundert v. Chr.: Die Untersuchungen des Glaziologen Lonnie G. Thompson von der Ohio State University deuten auf einen bedeutenden, globalen Klimaumschwung, der wahrscheinlich durch eine verminderte Sonnenaktivität verursacht wurde. Diese These wird durch folgende Punkte gestützt: Eisbohrkerne aus Grönland und aus der Antarktis erreichen ihren niedrigsten Methangehalt. Jahresringe von Bäumen aus Irland und England belegen eine Dürreperiode. Eisvorstoß an der Quelccaya-Eiskappe in den Anden Perus. Pflanzen werden vom Eis eingeschlossen. Bohrkerne aus Seen in Südamerika zeigen drastische Änderungen in der Pollenzusammensetzung. Um 3150 v. Chr.: Eventueller Meteoriteneinschlag des so genannten Tollmann-Ereignisses. 3050 v. Chr.: Der älteste lebende Baum der Welt, eine Langlebige Kiefer (Pinus longaeva), beginnt in den White Mountains Kaliforniens zu wachsen.

Kulturelle Entwicklungen Ausbreitung der Trichterbecherkultur (TBK) im nördlichen Mitteleuropa und Südskandinavien. Diffusion der westeuropäischen Megalithkultur nach Mitteleuropa (z. B. Michelsberger Kultur, Walternienburg-Bernburger Kultur, Wartberg-Kultur) und schließlich Vereinigung mit der Trichterbecherkultur. Ausbreitung von Feuchtbodensiedlungen an den Ufern nordalpiner Seen (an norditalienischen Seen schon im 5. Jahrtausend v. Chr.) Austronesier setzen während des Jahrtausends vom chinesischen Festland nach Taiwan über.

Ereignisse mini|300px|Petroglyphen von Chiribiquete

6500 bis 3500 v. Chr.: Höhlenmalereien der Arte esquemático in der Höhle Roca dels Moros bei Cogul in Katalonien. 4000 bis 3000 v. Chr.: Bau am Tempel des Enki E-abzu in Eridu – Phasen Eridu 11 bis Eridu 2, Lagen XI bis I. Um 4000 v. Chr.: Im englischen Plumstead, einem Vorort Londons, wird zum Überqueren eines Sumpfgebiets der Belmarsh Trackway angelegt. Dieser hölzerne Bohlenweg gilt als älteste bisher bekannte Wegekonstruktion. Beginn der iberischen Zivilisation. Die Iberer waren wahrscheinlich von Nordafrika oder vom östlichen Mittelmeerraum aus eingewandert. Erstbesiedlung von Thera (Santorin), die wahrscheinlich von Kreta aus erfolgte. 3838 v. Chr.: Im Gebiet der heutigen Grafschaft Somerset in England wird der Post Track gebaut – ein hölzerner Bohlenweg, der durch das Moor der Somerset Levels führt. 3807/3806 v. Chr.: Der Post Track wird weitestgehend durch den 1970 entdeckten, fast 2000 Meter langen Sweet Track ersetzt. Dessen Bauzeit wurde dendrochronologisch anhand der Jahresringe der verwendeten Baumstämme datiert.Johannes Hoops: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde: Euhemerismus – Fichte. Walter de Gruyter, 1994, ISBN 3-11-013188-9, S. 153. Um 3800/3500 v. Chr.: Massengräber in Tell Brak sowie Brandspuren und Wurfgeschosse um 3500 v. Chr. in Tell Hamoukar deuten auf kriegerische Auseinandersetzungen. 3794 v. Chr.: In Kolumbien erste amerikanische Funde von Keramik in der Nähe von Puerto Hormiga (Bolívar). In Puerto Badel bei Arjona entsteht im 31. Jahrhundert v. Chr. die erste Siedlung. Um 3600 v. Chr.: In Kolumbien erste Höhlenmalereien im Chiribiquete-Nationalpark (Caquetá). Beginn der Tempelphase auf Malta. Der Ġgantija Tempelkomplex auf Gozo ist die älteste freistehende Tempelanlage und das älteste religiöse Bauwerk der Welt. 3600 bis 3200 v. Chr.: Auf Malta Baubeginn am ersten Tempel des Sonnentempels von Mnajdra. Seine Steinbänke und Steintische unterscheiden ihn von anderen europäischen Megalithanlagen. 3600 bis 3000 v. Chr.: Auf Malta Bau der Tempelanlagen von Ta’ Ħaġrat und Kordin III. Um 3500 v. Chr.: Einsetzen der Indus-Kultur mit erstem Gußmetall bei Mohenjo-Daro. In Harappa beginnt die Bronzezeit um 3300 v. Chr. Domestizierung des Lamas auf der Puna und in der südlichen Küstenebene Perus. Dort auch Anbau von Baumwolle, Erstellung von Fischernetzen und Webstoffen in Köperbindung. Um 3300 v. Chr.: Entstehung städtischer Zentren und Stadtstaaten mit Großarchitektur, Kunst und Schrift, das sumerische Uruk als erster Vertreter. 3300 bis 2900 v. Chr.: Bau am Sonnenobservatorium bzw. Ganggrab von Newgrange in Irland. Um 3200 v. Chr.: Erstmaliger Anbau von Mais in Südamerika. Um 3100 v. Chr.: In Mesopotamien erfolgt die Gründung von Kisch. Um 3085 v. Chr.: Im prädynastischen Ägypten bildeten sich zwei Königreiche, Unterägypten im Nildelta und Oberägypten im Niltal. Zum Ende des 4. Jahrtausends werden beide Königreiche um 3085 v. Chr. von Pharao Narmer/Menes vereinigt, Gründung von Memphis als Hauptstadt. Das ägyptische Reich dehnt sich bis zum Sinai aus. Die Herrscher lassen sich in Mastabas, den Vorläufern der Pyramiden, bestatten.

Wichtige Personen mini|Gletschermumie „Ötzi“ (Rekonstruktion im Musée de Préhistoire de Quinson, Alpes-de-Haute-Provence, Frankreich) Ötzi, der Mann vom Tisenjoch (um 3340 v. Chr.) Fu Xi (), mythischer Urkaiser Chinas (geboren 3322 v. Chr.). Krishna (18. Juli 3228 v. Chr. bis 17./18. Februar 3102 v. Chr.)

mini|300px|Serech des Narmer

Erste, zum Teil nicht sicher belegte, Herrscher Altägyptens: 00. Dynastie: Pen-abu (um 3300 v. Chr.) Stier (um 3250 v. Chr.) Skorpion I. (um 3250 v. Chr.) 0. Dynastie: Hedju-Hor (um 3200/3150 v. Chr.) Ni-Hor (um 3220 bis 3175 v. Chr.) Doppelfalke (um 3230/3100 v. Chr.) Hat Hor (um 3210/3100 v. Chr.) Krokodil (um 3160/3100 v. Chr.) Skorpion II. (um 3025 v. Chr., aber auch datiert um 3200 oder um 3100 v. Chr.) Ka (um 3020 v. Chr., aber auch um 3125 v. Chr.) 1. Dynastie: Narmer (um 3100/3000 v. Chr., aber auch 3185/3150 bis 3125 v. Chr.) Hor Aha (3000 bis 2980 v. Chr., auch 3125 bis 3100 v. Chr.) Djer (2980 bis 2960 v. Chr., auch 3100 bis 3055 v. Chr.) Wadji (2960 bis 2930 v. Chr., auch 3055 bis 3050 v. Chr.) Meritneith – Gemahlin von Wadji Den (2930 bis 2910 v. Chr., 3050 bis 2995 v. Chr.) Unterägyptische Kleinkönige: Seka Iucha Tiu Itjiesch Niheb Imichet Wenegbu Wasch

Erfindungen und Entdeckungen mini|300px|Im Wachsausschmelzverfahren hergestelltes Bronzezepter von Nachal Mischmar, Israel

Silber war bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. als Nebenprodukt der Bleigewinnung bekannt, wie Schlackenhaufen im Ägäisraum und in Kleinasien bezeugen. Um 4000 v. Chr.: Domestizierung des Hausesels in Ägypten. Erste Nutzung des Rades für Transportmittel. In Ägypten und in Mesopotamien wird Flachs (Leinen) angebaut und systematisch verarbeitet.Karl-Heinz Schlote: Chronologie der Naturwissenschaften: der Weg der Mathematik und der Naturwissenschaften von den Anfängen in das 21. Jahrhundert. Harri Deutsch Verlag, 2002, ISBN 3-8171-1610-1, S. 6.Wilhelm Endlich: Kleb- und Dichtstoffe in der modernen Technik. Vulkan-Verlag GmbH, 1998, ISBN 3-8027-2183-7, S. 6. Es ist möglich, dass die Leinenverarbeitung schon im 5. Jahrtausend v. Chr. stattfand. 38. Jahrhundert v. Chr.: Erfindung der Pinselmalerei in China. 3700/3500 v. Chr.: Schatzfund von Nachal Mischmar in Israel, erstmalige Anwendung des Wachsausschmelzverfahrens. Ab 3500 v. Chr.: Bekanntwerden des Metalls Zinn, wie Bronzefunde der Kura-Araxes-Kultur im Südkaukasus bekunden. Im südtürkischen Taurusgebirge, wo auch Zinnerz abgebaut worden sein könnte, wurden das Bergwerk Kestel und die Verarbeitungsstätte Göltepe entdeckt und auf etwa 3000 v. Chr. datiert. Ob es sich hier um die Quelle des großen vorderasiatischen Zinnverbrauches handelte, bleibt vorläufig offen. Um 3300 v. Chr.: Die Sumerer führen das Sexagesimalsystem ein. Ab etwa 3200 v. Chr.: Entwicklung der Schrift in Sumer (Keilschrift) und Ägypten (Hieroglyphen). Domestizierung des Haushuhns in Indien. Um 3100 v. Chr.: Zahlschrift in Mesopotamien und etwas später in Ägypten (um 3000 v. Chr.)

Kulturen mini|300px|Dioritvase der Periode Naqada II

Ägypten: Naqada I (4500 bis 3500 v. Chr.). Naqada II (3500 bis v. Chr. bis 3200 v. Chr.). Naqada III (3200 bis 3000 v. Chr.). 1. Dynastie (ab 3080 v. Chr. bis 2925 v. Chr.). Maadi-Kultur in Unterägypten (4000 bis 3500 v. Chr.). Nubien: Um 3200 v. Chr. entsteht eine organisierte Gesellschaft, die jedoch bis 2600 v. Chr. ein Vasall Oberägyptens bleibt. A-Gruppe (3800 bis 3100 v. Chr.). Israel: Ghassulien-Kultur (4500 bis 3500 v. Chr.) Mesopotamien (Sumer): mini|300px|Mesopotamien 4000-3000 v. Chr.

Obed-Zeit (5500 bis 3500 v. Chr.) – Obed IV (um 3900/3800 v. Chr.) Frühe Uruk-Zeit (4200 bis 3800 v. Chr.) – Uruk XII bis Uruk IX bzw. LC-2. Mittlere Uruk-Zeit (3800 bis 3400 v. Chr.) – Uruk VIII bis Uruk VI. Späturuk-Zeit (3400 bis 3100/3000 v. Chr.) – Uruk V bis Uruk IV. Dschemdet-Nasr-Zeit (3100 bis 2900 v. Chr.) – Uruk III.