Die Hansestadt Salzwedel [] (plattdeutsch: Soltwedel) ist Kreisstadt des Altmarkkreises Salzwedel in Sachsen-Anhalt.
Geographie Lage Die Mittelstadt Salzwedel liegt im nordwestlichen Teil der Altmark an der Einmündung der Salzwedeler Dumme in die Jeetze. Benachbarte regional bedeutsame Städte sind Uelzen (im Westen, 44 km), Lüchow (im Norden, 12 km), Gardelegen (im Süden, 41 km) und Arendsee (im Osten, 24 km).
Stadtgliederung mini|Blick auf den Nordteil der Stadt (in der Bildmitte die Katharinenkirche) mini|Blick auf den Ostteil der Stadt; in der Bildmitte ist das Neuperver Tor sowie rechts daneben der historische Wasserturm zu erkennen mini|Blick auf den Westteil der Stadt; in der Bildmitte das ehemalige Lyzeum mit seinem Staffelgiebel
Die Hansestadt Salzwedel gliedert sich in 18 Ortschaften (ehemalige Gemeinden) und 48 Ortsteile.
Zu den Ortschaften gehören gleichnamige und andere OrtsteileZuordnung von Ortschaft und Ortsteil nach Auskunft der Hansestadt Salzwedel (Sachgebietsleitung Ratsdienst und Stadtarchiv) vom 7. Mai 2019. und Wohnplätze:Zuordnung der Wohnplätze zu den Ortsteilen: Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016
Ortsteile ohne Ortschaftszuordnung sind: Böddenstedt Hoyersburg Kricheldorf und Sienau Klein Wieblitz, Groß Wieblitz und Eversdorf
Die Kernstadt Salzwedel bildet keinen Ortsteil. Darüber hinaus befinden sich auf der Gemarkung Salzwedel die Siedlungen und Wohnplätze Böddenstedter Mühle, Perver, Siebeneichen, Siedlung des Friedens und Siedlung Ost.
Am 1. Juli 2019 wurde eine Änderung der Hauptsatzung wirksam: Die Ortschaft Henningen besteht nur noch aus der Gemarkung Henningen. Es entstanden zwei neue Ortschaften: Die Ortschaft Andorf, bestehend aus der Gemarkung Andorf und der Gemarkung Grabenstedt, sowie die Ortschaft Barnebeck, bestehend aus der Gemarkung Barnebeck.
Am 1. Januar 2024 wurde erneut eine Änderung der Hauptsatzung wirksam: In der Ortschaft Benkendorf wurde eine Ortschaftsverfassung eingeführt. Damit gibt es seit Juli 2024 auch in Benkendorf einen Ortschaftsrat.
Eine frühere Gemeinde bildete nach der Eingemeindung keine Ortschaft: Wieblitz-Eversdorf mit Eversdorf, Groß Wieblitz und Klein Wieblitz
Geschichte mini|Salzwedel um 1650 Mittelsteinzeit bis Jungsteinzeit Nach der letzten Eiszeit, die etwa vor 12.000 v. Chr. endete, befand sich zwischen Salzwedel und Wustrow im Wendland ein See. Menschen hinterließen dort viele Feuersteingeräte, aber auch Geweih- und Knochengeräte. Einzelne dieser Geweihgeräte wurden in der Jeetze gefunden.
Die frühesten archäologischen Funde, die auf eine Ansiedlung hinweisen, befinden sich außerhalb des heutigen Innenstadtbereichs. Im benachbarten Wendland, insbesondere aus der Umgebung von Lüchow, sind viele mittel- und jungsteinzeitliche Fundplätze bekannt. Gruppen von Jägern und Sammlern hinterließen im Raum Salzwedel bei Kalbe (Milde) einige Artefakte, nämlich Kernbeile und Spalter.Volker Toepfer: Die alt- und mittelsteinzeitliche Besiedlung der Altmark. In: Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte, 1967, 51, S. 5–52. Dieter Kaufmann: Die Direktoren des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale). In: Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte, 1984, 67, S. 37–71, hier: S. 47.
Aus der mittleren und späten Jungsteinzeit (etwa 3600–2000 v. Chr.), und damit von bäuerlichen Kulturen, stammen nur wenige Stücke aus dem Stadtgebiet. Allerdings existieren im Umland zahlreiche „Hünenbetten“, Gräber, von denen bereits im Jahr 1843 für die Megalithprovinz Altmärkische Gruppe 142 Gräber nachgewiesen wurden. Spätere Untersuchungen konnten weitere 190 als ehemals vorhanden nachweisen.Ulrich Fischer: Die Gräber der Steinzeit im Saalegebiet. Studien über neolithische und frühbronzezeitliche Grab- und Bestattungsformen in Sachsen-Thüringen, Walter de Gruyter, 2011, S. 68 f. Hinzu kommen zahlreiche Rund- oder Ovalgräber. Die Megalithanlagen prägen sogar die Landschaft, obwohl diese Bauepoche nur von kurzer Dauer war. So bricht die Belegung bereits mit der späten Jungsteinzeit ab.
Bronzezeit bis Frühmittelalter Ein spätbronzezeitlicher Fund vom alten Wasserwerk und ein Gräberfeld (etwa an der heutigen B71) deuten auf eine dauerhafte Besiedlung des näheren Stadtgebiets Salzwedels seit etwa 1000 v. Chr. hin.
In der frühen Eisenzeit bestand ein Friedhof etwa auf diesem Gebiet (ab 700 v. Chr.) und es entstand ein neuer Friedhof namens „Auf dem hohen Felde“, also ganz in der Nähe. Zum Ende der vorrömischen Eisenzeit ab ca. 200 v. Chr. wurden neue Friedhöfe auf dem Perver Windmühlenberg (südöstlich von Salzwedel) und auf dem ehemaligen Exerzierplatz bei Kricheldorf (südlich von Salzwedel) angelegt. Aus der spätrömischen Kaiserzeit und der Völkerwanderung (180–500 n. Chr.) gibt es nur sehr wenige Einzelfunde.
Mittelalter und die Salzwedeler Burg als Beginn der Stadtentwicklung mini|Burggarten mit Burgturm und Mönchskirche (im Hintergrund)
Seit dem Jahr 800 wird eine Siedlung an der Stelle der heutigen Stadt in Nachbarschaft der Burg Salzwedel vermutet. Der alte Name Soltwidele weist auf eine Furt durch die Jeetze an der alten Salzstraße hin. Im Jahr 1112 wird die Burg bei Salzwedel zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Salzwedel führt seine Stadtgründung auf die Markgrafenbrüder Johann I. und Otto III. zurück, die zeitweilig auf der Burg Salzwedel lebten; die erste Bezeichnung als Stadt datiert aus dem Jahre 1233. Ab 1247 entstand unmittelbar nordöstlich der Altstadt die Neustadt als planmäßige Gründung und eigenständige Stadt. Beide Städte lagen innerhalb der Stadtmauer. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erscheinen die von Wallstawe, danach die von Böddenstedt als castellani (Burgmannen) von Salzwedel.Historische Commission der Provinz Sachsen (1909): Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt, Band 43, Selbstverlag Erst im Jahr 1713 wurden Altstadt und Neustadt vereinigt.
Hanse (1263–1518), Juden (ab dem 13. Jahrhundert), Polaben Von 1263 bis 1518 war Salzwedel Mitglied der Hanse – 1518 wurde es ausgeschlossen –, so dass die Stadt an dessen Handel partizipieren konnte. So erreichten aus der Hansestadt Getreide, Häute, Tücher oder Bier Visby auf Gotland und Russland. In die Stadt wurden vorwiegend Gewürze, Heringe und auch Zinn- und Kupfergefäße über die Jeetze geschifft. Aufgrund der hochwertigen Stoffe war Salzwedel als „Tuchmacherwerkstatt“ weit über die Grenzen der Region hinweg bekannt. Bis heute zeugen Straßennamen wie Schmiede-, Wollweber- oder Radestraße und die eingepflasterten Wappen des jeweiligen Handwerks für die einstige Tradition in Salzwedel.
Bis ins 13. Jahrhundert lassen sich Spuren jüdischen Lebens in Salzwedel nachweisen. Aus dem Jahr 1297 ist die „Stendaler Judenordnung“ überliefert.Quellen zur Geschichte der Juden in der Mark Brandenburg (1273–1347). Die Bezeichnung ist allerdings irreführend, denn darin wurden nur die Privilegien der örtlichen Juden bestätigt, dazu, dass sie wie die übrigen Bürger behandelt werden sollten. In Salzwedel waren jüdische Familien seit Beginn des 14. Jahrhunderts ansässig. Nach 1344 standen sie erst unter dem Schutz des Markgrafen Ludwig V. und wenige Jahrzehnte danach des Rates der Stadt Salzwedel. Als Gegenleistungen für zur Verfügung gestellte Wohnungen mussten sie zweimal im Jahr Abgaben leisten. Damals soll es eine „Judengasse“ und eine Synagoge gegeben haben.Salzwedel (Sachsen-Anhalt), Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum.
In der im 18. Jahrhundert ausgestorbenen polabischen („wendischen“) Sprache der Gegend wurde Salzwedel Ljosdit (Lôsdît, Lósdy) genannt, was eventuell von ljos (slawisch lěsă, „Wald“) abgeleitet wurde.
Reformation und Frühe Neuzeit Die Reformation fasste in Salzwedel 1541 Fuß. Ab dem 16. Jahrhundert gehörte Salzwedel zum Salzwedelischen Kreis. mini|links|Bevölkerungsverluste durch den Dreißigjährigen Krieg im gesamten Reich mini|Salzwedel Mitte des 17. Jahrhunderts nach Matthäus Merian Die seit dem 13. Jahrhundert entstandene Franziskanerkirche am Rande der Altstadt wurde von 1577 bis 1581 zur evangelischen umgestaltet und als Schulkirche genutzt. Im 18. Jahrhundert wurde sie zur Garnisonskirche. Das Augustinerchorherrenstift zum Hl. Geist in Perver wurde Ende des 16. Jahrhunderts mit der Burg Salzwedel zum Amt Salzwedel vereinigt. Große Teile der Kirche wurden 1792, nach langem Verfall, abgebrochen. Das St. Annenkloster bei der Nikolaikirche war ebenfalls verfallen. Der Platz des Klosterhofes wurde schon 1727 zum Exerzierplatz umgewidmet.Lieselott Enders: Die Altmark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft in der Frühneuzeit (Ende des 15. bis Anfang des 19. Jahrhunderts). 2. unveränderte Auflage. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2016, S. 1154 (1. Auflage: 2008).
Der Dreißigjährige Krieg brachte die Stadt an den Rand des Ruins, ohne dass sie belagert wurde. Grund dafür war die Einquartierung fremder Truppen, darunter auch der Söldner Peter Hagendorf im Winterlager von Dezember 1627 bis Februar 1628. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Folgen des Krieges überwunden waren. In Salzwedel-Neustadt gab es 1670 neben 287 bewohnten Häusern noch immer 145 wüste Hausstellen.Eckhard Oelke: Über die Wiederbesiedlung des heutigen Sachsen-Anhalt nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). In: Hercynia N. F., 2005, 38, S. 5–24, hier: S. 20.
Salzwedel wurde verkehrstechnisch stärker an Berlin angebunden. 1649 wurde die Botenpost Berlin – Tangermünde – Stendal – Gardelegen – Salzwedel eingerichtet, der 1682 eine zweimal pro Woche bediente Fahrpost folgte.Eckhard Oelke: Über die Wiederbesiedlung des heutigen Sachsen-Anhalt nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). In: Hercynia N. F., 2005, 38, S. 5–24, hier: S. 11.
Bis 1817 wuchs die jüdische Bevölkerung im Kreis Salzwedel auf 110 Personen. Ihre rechtliche Gleichstellung erfolgte erst im späten 19. Jahrhundert. Im Jahr 1860 lebten nur noch 68 Juden in Salzwedel. Bei einer Gesamteinwohnerzahl von etwa 11.000 entsprach dies einem Bevölkerungsanteil von 0,6 %.
Von 1800 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs mini|Ansichtskarte, um 1900 mini|hochkant|Entkerntes Fachwerkhaus (1990)
1816 wurde Salzwedel Sitz des Kreises Salzwedel in der preußischen Provinz Sachsen. 1870 erhielt die Stadt einen Eisenbahnanschluss. Damit verlor die Jeetzeschifffahrt an Bedeutung. In der Folge kamen weitere Bahnstrecken hinzu.
Nach dem Ersten Weltkrieg entstand Hoyersburg als Ortsteil von Salzwedel. Die Gründung der Siedlung erfolgte vorrangig, um Russlanddeutsche anzusiedeln, die vor allem als Forstarbeiter für die Stadt tätig waren.
Bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging die Anzahl der Juden zurück. Im Jahr 1930 lag die Zahl jüdischer Einwohner Salzwedels bei 50 Personen.Geschichte jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt - Versuch einer Erinnerung, S. 223
Mit dem Nationalsozialismus wurden die jüdischen Einwohner ab 1933 diskriminiert, sukzessive vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, entrechtet und schließlich in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Die kleine Salzwedeler Synagoge in einem Hinterhof am Lohteich, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts genutzt wurde, wurde während der Reichspogromnacht 1938 zerstört und geplündert. Die jüdischen Salzwedeler wurden überwiegend am 13. April 1942 über Magdeburg, Potsdam und Berlin ins Warschauer Ghetto derportiert, wenn sie nicht zuvor ins Ausland fliehen konnten. Dies gelang zum Beispiel den drei Söhnen der Familie Bachenheimer. Die Spuren der Familien Stein, Hirsch und Jacob sowie der Eltern der Bachenheimer-Söhne verlieren sich nach ihrer Ankunft im Warschauer Ghetto. 16 Stolpersteine erinnern heute an Salzwedels ermordete Juden. Nach 1945 und dem Ende des Holocausts lebten nur noch drei jüdische Salzwedeler in der Stadt.Miteinander e. V.: Jüdische Schicksale in Salzwedel, abgerufen am 18. Dezember 2022.