mini|Luftaufnahme von Ober-Ramstadt mini|Die Modau in Ober-Ramstadt mini|200px|Ober-Ramstadt und seine Stadtteile
Ober-Ramstadt (im lokalen Dialekt: Owwe-Ramschd) ist eine Stadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Geographische Lage Ober-Ramstadt liegt etwa 10 km südöstlich von Darmstadt an der B 426 im vorderen Odenwald. Am Bach „Modau“,Der Bach Modau („Muotdaha“) wird im Lorscher Codex das erste Mal im Jahre 804 urkundlich erwähnt (Urkunde 216). der durch Ober-Ramstadt fließt und Anfang des 14. Jhd. auch Drusbach hieß, liegt das Hochwasserrückhaltebecken Ober-Ramstadt, das einen drei Hektar großen Stausee bildet. Die höchste Erhebung in der Gemarkung ist der 337 m ü. NHN liegende „Hoher Rodberg“.Hoher Rodberg – Ober-Ramstadts höchste Erhebung ist weitgehend unbekannt. In: Darmstädter Echo, 13. August 2016. Über diesen Höhenrücken führt die Hohe Straße, eine alte Verbindung, die wahrscheinlich von Dieburg über Ober-Ramstadt in Richtung Bergstraße führte.
Nachbargemeinden Ober-Ramstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Roßdorf, im Osten an die Stadt Reinheim, im Südosten an die Stadt Groß-Bieberau, im Süden an die Gemeinde Modautal, im Westen an die Gemeinde Mühltal (deren Ortsteil Nieder-Ramstadt den Namenszusatz von Ober-Ramstadt bedingt) sowie im Nordwesten an die kreisfreie Stadt Darmstadt.
Gliederung Zur Stadt gehören seit 1977 neben der Kernstadt Ober-Ramstadt 15.574 Einwohner (Stand: 30. Juni 2017) der aus den zwei Ortsteilen Ober- und Nieder-Modau bestehende Stadtteil Modau, 2559 Einwohner (Stand: 30. Juni 20) und Wembach-Hahn, 1040 Einwohner (Stand: 30. Juni 2017). Bereits 1972 schloss sich Rohrbach, 1364 Einwohner (Stand: 30. Juni 2017), freiwillig an.
Fläche und Nutzung Von der Gesamtfläche des Stadtgebiets von knapp 4200 ha entfallen auf die Kernstadt 2251 ha, auf die Stadtteile Modau 934 ha, Rohrbach 489 ha und Wembach-Hahn 512 ha. Die Fläche wird zu jeweils gut 40 % land- und forstwirtschaftlich genutzt. Verkehrs- und Gebäudeflächen haben einen Anteil von jeweils gut 7 %.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte, Römerzeit, bis 500 n. Chr. Bereits aus der Jungsteinzeit (5000–2000 v. Chr.) finden sich erste Spuren in der Ober-Ramstädter Gemarkung. 1964 wurden „Im Goldgrund“ (Buchenhof) Grabungen durchgeführt und die Reste einer Ansiedlung aus der Zeit der Bandkeramik (etwa 2200 v. Chr.) gefunden.Werner Jorns: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte des nördlichen Odenwaldes, In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1956, Heft 1, S. 25–28, Heft 2, S. 59–61.Siedlungsgebiet im Goldgrund entdeckt. In: Odenwälder Nachrichten: 15. April 1964, 1. Mai 1964, 31. Mai 1968. Von 1963 bis 1965 wurden sechs Hügelgräber An der Ludwigseiche nördlich des Kuhfalltor erforscht.Cornelius Ankel: Stein- und eisenzeitliche Funde aus einem Grabhügel „An der Ludwigseiche“ bei Ober-Ramstadt. In: Fundberichte aus Hessen, 9.–10. Jahrgang, 1969/70, S. 69–76. Im angrenzenden Geisenwald befinden sich etwa 18 große und kleinere Hügelgräber mit deutlichen Spuren früherer Ausgrabungen. Die Gräber stammen wahrscheinlich aus der Hallstattzeit (ca. 800–550 v. Chr.).Wertvolle Funde bei Ober-Ramstadt – vor 3700 Jahren – Hügelgräber. In: Darmstädter Echo, 20. Juli und 19. August 1965. Vor Beginn der Arbeiten an der Umgehungsstraße wurden 1997/98 archäologische Grabungen im Gewann „Hinter dem Büche / Faulbach“, unweit des „Michaelshof“ durchgeführt. Gefunden wurden ein Axt-Stück und eine dreieckige Speerspitze aus Feuerstein aus der Jungsteinzeit. Weiterhin fand man Reste einer spätbronzezeitlichen Siedlungsstelle mit teilweise gut erhaltenen Strukturen. In den Abbruchresten einer römischen Villa (200 n. Chr.) wurden hunderte von Scherben, Nägeln und Reste von Krügen gefunden, darunter auch eine Amphore. Weiterhin kamen Reste einer römischen Ofenanlage zu Tage. Dieser Befund ist einzigartig, zu dem es bislang noch keine bekannten Vergleichsbeispiele gibt. 50 Prozent der Funde im Grabungsbereich stammten aus der späten Bronzezeit (1300–800 v. Chr.). Ebenfalls nahezu 50 Prozent des Fundmaterials datiert in die römische Kaiserzeit (27 v. Chr. – 284 n. Chr.).D. Vorlauf: Abschlussbericht über die archäologische Untersuchung vom 2. Juni – 22. Juli 1997 und vom 29. Juni – 17. Juli 1998. Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie e. V. (Marburg). Landesamt für Denkmalpflege, Abt.: Archäologie u. Paläontologische Denkmalpflege, LfD DA-EV 1997:104.Trasse der Umgehungsstraße ist Fundgrube für Archäologen. In: Darmstädter Echo, 20. Juni 1997, 11. Juli 1997, 7. Juli 1998, 9. März 1999, Lokalanzeiger, 4. Juli 1997. mini|hochkant=1.6|Germanien zur Römerzeit. Droysen: Historischer Handatlas, 1886 Im Jahr 2020 wurden im Rahmen der Bauarbeiten am Windpark Silberberg an den Zufahrtswegen Ecke Kreuzstraße/Bodenäckerweg Scherben aus der Spätbronzezeit (1300–800 v. Chr.) gefunden. Insgesamt handelte es sich um 3.739 Einzelstücke, 75 Prozent des Fundmaterials war Gefäßkeramik.Scherbenfund am Windpark. In: Darmstädter Echo, 29. August 2020.Thomas Becker, David Sarnowski: Ober-Ramstadt – von großen Gruben und Hohlwegen. In: Hessen-Archäologie 2020. 2021, S. 356–360.
In der Heyerstraße 8 wurde 1959 ein römerzeitliches Brandgrab (150–180 n. Chr.) mit reicher Ausstattung (15 Gefäße, darunter eine kleine Glasflasche) beim Aushub einer Baugrube gefunden. Das Grab gehörte offenbar zu dem 1970 entdecken Fundplatz auf dem Gelände Am Schwimmbad 7 und Lichtenbergstraße 24/26 (Fundamentmauerwerk, Ziegel, Abfallgrube, bisher noch wenig römische Keramik – Terra Nigra).Ein römisches Brandgrab entdeckt; Odenwälder Nachrichten, 13. Juni 1959.Robert H. Schmidt: Die villa rustica Lichtenbergstraße/Am Schwimmbad in Ober-Ramstadt …und ein zugehöriges Brandgrab von der Heyerstraße… In: Ober-Ramstädter Hefte, 13, Ober-Ramstadt 1985.Robert H. Schmidt: Das Brandgrab Ober-Ramstadt, Heyerstraße 8, In: Römerzeitliche Gräber aus Südhessen — Untersuchungen zu Brandbestattungen. Selbstverlag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1996, S. 118–122.Robert H. Schmidt: Lichtenbergstraße/Am Schwimmbad, In: Römerzeitliche Gräber aus Südhessen — Untersuchungen zu Brandbestattungen. Selbstverlag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1996, S. 124–126. 1967/68 wurden in der Flur „Ober der Pfingstweide“ die Fundamente eines römischen Gutshofs (Villa rustica) freigelegt.Verein für Heimatgeschichte e. V. Ober-Ramstadt. Villa Rustica. In: Jahresbericht 1967, S. 41.Verein für Heimatgeschichte, Jahresbericht 1968, 1970.Die villae rusticae Ober der Pfingstweide. In: Ober-Ramstädter Hefte, 2, Ober-Ramstadt 1971 und Grundriss des 1967/68 untersuchten Hauptgebäudes der Villa rustica, Ober der Pfingstweide.Robert H. Schmidt: Die eisernen Kleinfunde aus der villa rustica Ober der Pfingstweide in Ober-Ramstadt In: Ober-Ramstädter Hefte, 15, Ober-Ramstadt 1987. Die Masse des keramischen Materials wurde der Mitte des zweiten bis zur Mitte des dritten Jahrhunderts n. Chr. zugeordnet. Um 1787 wurden hier viele Fundament-Mauern ausgebrochen und die Steine, die durch einen guten Mörtel verbunden waren, zur Ausbesserung des angrenzenden Alter Darmstädter Weg verwendet.Georg Wilhelm Justin Wagner: Die Wüstungen im Großherzogthum Hessen, S. 75. Philipp Knell: Ein zweiter Ort in Ober-Ramstadt. In: Odenwälder Nachrichten, 24. Juli 1954 Der Flurname Pfingstweide bedeutet ein bis Pfingsten gehegtes, dann beweidetes Grundstück. Der ehemalige Standort der Villa rustica befindet sich heute im Betriebsgelände der Deutschen Amphibolin-Werke. Der südhessische Raum gehörte in römischer Zeit zur Civitas Auderiensium in der Provinz Germania superior. mini|250px|Die Civitas Auderiensium lag westlich des Limes (rote Linie) und südlich des Mains Für den Odenwald muss nach derzeitigem Kenntnisstand davon ausgegangen werden, dass die Römer ein relativ unbesiedeltes Land vorfanden.
Mittelalter 500–1500 Die Gründung von Ober-Ramstadt lässt sich überwiegend der fränkischen Hauptsiedlungsperiode vom 5. bis in das 8. Jahrhundert zuordnen. Dies belegen Ortsnamenendungen wie -heim, -statt/stadt, -felden, -brücken, -hausen/husen, -rod, und -weiler/wiler. Ober-Ramstadt ist vermutlich aus zwei voneinander rund 500 m entfernt gelegenen fränkischen Gehöft-Gruppen hervorgegangen. Die eine könnte auf dem hochwasserfreien Höhenrücken zwischen Alicestraße und Untere Adlergasse gelegen haben, denn dort konnte eine Römerstraße erschlossen werden. Die andere zweifellos bedeutendere Ansiedlung lag unterhalb der evangelischen Kirche. Die gewaltige acht Meter hohe Mauer, die die Kirche und den Kirchhof umgibt, deutet auf einen frühmittelalterlichen Königshof (Reisestation) hin.Willi Görich: Heidelberger Höhenwege, Römerstraßen und Burgen. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1954, Heft 3, S. 10.Hans H. Weber: Der Schloßberg zwischen Ober-Ramstadt und Nieder-Modau. In: Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, 1961, Heft 4, S. 122. Scherben und Mauerfunde bei Ausgrabungen belegen karolingischen Ursprung um ca. 900 n. Chr. und auch römerzeitliche Funde.Evangelische Kirche Ober-Ramstadt. In: Jahresbericht 1969 des Vereins für Heimatgeschichte, S. 38.Robert H. Schmidt: Die villa rustica Lichtenbergstraße/Am Schwimmbad in Ober-Ramstadt und ein zugehöriges Brandgrab von der Heyerstraße, In: Ober-Ramstädter Hefte, 13, S. 92, Ober-Ramstadt 1985.Gärten der Erinnerung. In: Faltblatt, Evangelisches Dekanat „Vorderer Odenwald“, 2015. Eine weitere Kernzelle von Ober-Ramstadt dürfte die Wildhube gewesen sein, die zum Wildbann Dreieich gehörte, der erstmals 843 urkundlich erwähnt wurde. Die Wildhube, zu ihr gehörte vermutlich eine Eigenkirche, hatte für die mittelalterliche Entwicklung von Ober-Ramstadt große Bedeutung gehabt. Die Wildhube könnte ein Fronhof gewesen sein. Noch heute wird unterhalb der Friedhofsgärtnerei das Gelände als Frondwiese bezeichnet.Frondwiese. In: Parzellenkarten der Gemarkung Ober-Ramstadt 1842. I. Band, Blatt 9, Flur I., Abt. G. Die Lage der Wildhube ist nicht bekannt. Vermutlich handelt es sich um den Hof hinter der Kirche, der 1403 in einer katzenelnbogischen Urkunde verzeichnet ist.Hof hinter der Kirche. In: Urkunde der Grafschaft Katzenelnbogen Nr. 2297, 12. Jan. 1403. Auf den Höfen der Hübner lastete auch die Beherbergungspflicht für den anreisenden hohen Besuch und seine Jagdbegleitung.Dr. phil. Adolf Müller: Aus Darmstadts Vergangenheit, S. 20. 1972 wurden in der Nordost-Ecke des Friedhofs (2) Kellergewölbe entdeckt, die im Zusammenhang mit dem Hof stehen könnten.
mini|Westfranken (Francia Occidentalis) und Ostfranken (Francia Orientalis) um das Jahr 1000