Der Echte Beinwell (Symphytum officinale), auch Gemeiner Beinwell, Beinwell, Arznei-Beinwell, Beinwurz, Bienenkraut, Hasenlaub, Milchwurz, Schadheilwurzel, Schmalwurz, Schwarzwurz, Wallwurz, Komfrei oder Wundallheil genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Gattung Beinwell (Symphytum) in der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) gehört. Sie wird als Heilpflanze verwendet und angebaut.
Beschreibung mini|links|Illustration mini|links|Behaarte Blattunterseite mini|links|Blütenstand mit gelblichweißen Blüten mini|Stiel mit Borsten mini|links|Einzelne Klausen bei Reife mini|Blütenstand mit violetten bis purpurfarbenen Blüten mini|Blüte aufgeschnitten mini|Klausen mit Elaiosom
Erscheinungsbild, „Wurzelstock“ und Laubblätter Der Echte Beinwell wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 30 bis 60 Zentimetern, selten bis zu 1 Meter. Oft stehen mehrere Pflanzenexemplare zusammen. Der „Wurzelstock“ besteht aus gedrungenen, purpur-braunen Hauptwurzeln, die bis 30 Zentimeter lang werden. Stängel und Laubblätter sind steif, borstig behaart oder bei der Unterart Sumpf-Beinwell (Symphytum officinale subsp. uliginosum) fast kahl. Der aufrechte bis aufsteigende, verzweigte Stängel besitzt lange, ziemlich gerade abstehende, weiße, borstige Haare (Trichome).
Die großen, einfachen Laubblätter sind im unteren Stängelbereich wechselständig angeordnet, im oberen Teil der Pflanze eventuell gegenständig.https://minnesotawildflowers.info/flower/common-comfrey Der Blattgrund läuft je nach Unterart mehr oder weniger deutlich mit 2 bis 3 Millimeter breiten Flügeln am Stängel herab. Die untersten 30 bis 60 Zentimeter langen und 10 bis 20 Zentimeter breiten Laubblätter sind lang gestielt und besitzen eine zungenförmig-lanzettliche bis eiförmige Blattspreite mit spitzzulaufendem oberem Ende. Die mittleren und oberen Laubblätter sind sitzend und besitzen eine etwas kleinere Blattspreite, die mit einer Länge von bis zu 25 Zentimeter ei- bis lanzettförmig ist.
Blütenstand, Blüte und Frucht Die Blütezeit reicht je nach Standort von Mai bis September oder Oktober. Viele Blüten stehen in beblätterten, reichblütigen Doppelwickeln zusammen. Die 2 bis 6 Millimeter langen Blütenstiele sind nickend.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf etwa bis zu 7 Millimeter langen Kelchblätter sind bis zu einem Viertel ihrer Länge verwachsen und die Kelchzipfel sind lanzettlich mit zugespitztem oberen Ende. Die meist hell-purpurfarbenen, schmutzig rotvioletten, violetten, aber auch gelblich-weißen, meist 1,4 bis 1,5 (1 bis 2) Zentimeter langen Kronblätter sind verwachsen und enden in dreieckigen Kronlappen mit zurückgebogenen Spitzen. Die Krone besitzt mit einer Länge von etwa 4 mm relativ lange Schlundschuppen. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden; sie sind mit der Kronröhre verwachsen und überragen die Krone nicht. Die 3 Millimeter langen Staubfäden sind im unteren Bereich fast so breit wie die etwa 3,5 Millimeter langen Staubbeutel. Der Fruchtknoten der meisten Blüten ist steril.
Selten werden Klausenfrüchte gebildet; diese zerfallen in glatte, glänzende, schwarze Teilfrüchte (Klausen), die bei einer Länge von 3 bis 4 Millimeter schief eiförmig sind.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24, 26, 36, 40, 48 oder 54.
Artabgrenzung Im Unterschied zur Hybride mit dem Rauen Beinwell, dem Futter-Beinwell, sind die Blätter im Allgemeinen herablaufend am Stängel angewachsen, die Internodien geflügelt und die Oberflächen der Samen glänzend schwarz statt fein gekörnt und mattbraun.
Ökologie Der Echte Beinwell ist eine ausdauernde Halbrosettenpflanze. Das rübenförmige Rhizom enthält als Reservestoff u. a. Inulin. Der Echte Beinwell wurzelt bis 1,8 Meter tief. Eine Vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung des Rhizoms und durch abgetrennte Teile.
Die Blüten sind homogame „Glockenblumen mit Streueinrichtung“. Schlundschuppen verschließen den Streukegel, so dass der Nektar nur für langrüsselige Bienen-Arten, beispielsweise Hummeln, mit einer Rüssellänge über 11 Millimetern zugänglich ist. Die Besucher klammern sich am mit auffälligen Papillen ausgestatteten Rand der Krone fest und bringen ihren Rüssel an die am Austritt des Griffels verbleibende Öffnung. Dabei rieselt der mehlige Pollen auf sie herab. Kurzrüsselige Arten, wie beispielsweise Erdhummeln, stechen die Kronröhre seitlich an, um an den Nektar zu gelangen. Auch spontane Selbstbestäubung scheint möglich zu sein.
Im nach der Anthese vergrößerten, mehr oder weniger hängenden Kelch entwickeln sich ein bis zwei, selten bis zu vier schwarz glänzende Klausen, die an ihrem Grund ein Elaiosom tragen und später halb hohl sind. Es erfolgt Schwerkraftausbreitung durch herausfallende Klausen, Ameisenausbreitung und Schwimmausbreitung durch eine Luftblase in der Klausenhöhlung. Die Ameisen, die zur Ausbreitung beitragen, sind besonders Formica-Arten, im Süden ist es auch Messor barbarus.
Vorkommen Das weite Verbreitungsgebiet des Echten Beinwell in Eurasien reicht in West-Ost-Richtung von Spanien bis ins westliche Sibirien sowie China und in Nord-Süd-Richtung vom Vereinigten Königreich bis Italien sowie Rumänien. In Südeuropa ist der Echte Beinwell eher selten und im Norden oft nur eingebürgert vertreten. Er ist in allen Bundesländern Österreichs anzutreffen.
Der Echte Beinwell zeigt stickstoffhaltige Böden an. Als Standort werden sonnige bis halbschattige, feuchte, nährstoffreiche und tiefgründige Böden, besonders Lehmböden, Gräben oder feuchte Wegränder bevorzugt, sowie feuchte Wiesen, Ufer, Auenwälder und Moorwiesen meist bis in Höhenlagen von 1000 Metern. Er gedeiht in Gesellschaften der Ordnung Molinietalia, kommt aber auch in feuchten Arrhenthereten und in Gesellschaften der Verbände Senecion fluviatilis, Aegopodion oder Alno-Ulmion vor.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).
Systematik mini|Sumpf-Beinwell (Symphytum officinale subsp. uliginosum) Die Erstveröffentlichung von Symphytum officinale erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 136.
Von Symphytum officinale gibt es mindestens zwei Unterarten: Symphytum officinale subsp. officinale: Sie kommt von Europa bis zum Kaukasusraum und bis Sibirien vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie bis zu einer Höhenlage von 1100 Metern auf. Im Inntal steigt sie bis zu einer Höhenlage von 1350 Metern, im Prättigau bis 1460 Metern und wird im Schnalstal in Bauerngärten bis in 2000 Metern angebaut. Sumpf-Beinwell (Symphytum officinale subsp. uliginosum , Syn.: Symphytum uliginosum , Symphytum tanaicense ): Das Verbreitungsgebiet umfasst Österreich. Ungarn, Ukraine und Rumänien. Die Stängel und Blätter sind fast kahl. Der Blattgrund läuft nur wenig am Stängel herab. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.
Es gibt eine Reihe von Hybriden und auch Mehrfachhybriden mit anderen Beinwellarten, beispielsweise: mit Symphytum asperum Futter-Beinwell (Symphytum ×uplandicum , Syn.: Symphytum peregrinum auct.) mit Symphytum asperum und Symphytum grandiflorum Symphytum × hidcotense , mit Symphytum tuberosum Symphytum × wettsteinii ,https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:120847-1 mit Symphytum cordatum Symphytum × ullepitschii ,https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:120842-1 mit Symphytum orientale Symphytum × ferrariense ,https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:120782-1 mit Symphytum caucasicum Symphytum × mosquense & .https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:1012262-1
Inhaltsstoffe Zu den Inhaltsstoffen zählen als wichtiger Inhaltsstoff das Allantoin, sowie Schleim- und Gerbstoffe, Asparagin, Alkaloide, ätherisches Öl, Flavonoide, Harz und Kieselsäure, Pyrrolizidinalkaloide.
Nutzung
Verwendung in der Küche Die frischen Beinwellblätter weisen einen sehr hohen Proteinanteil auf; diese Proteine sind biologisch sehr hochwertig und in ihrem Nährwert durchaus mit tierischem Eiweiß vergleichbar. Die Alkaloide sind im Tierversuch zwar als krebserregend nachgewiesen worden; bei gelegentlichem Verzehr in angemessenen Mengen besteht allerdings kein erhöhtes Risiko, wie Untersuchungen an Menschen und Tieren ergeben haben.
In der Mittelschweiz bäckt man die Blätter in Teig. Die rauen Blätter des Beinwells eignen sich besonders gut dafür. Seine großen Blätter können auch zum Einwickeln benutzt werden.
Ältere Pflanzenteile hat man früher in Teilen Österreichs dem Tabak beigemischt.
Verwendung in der Heilkunde In der Pflanzenheilkunde werden die getrockneten Wurzeln (Symphyti radix, speziell Radix consolidae), aber auch das Kraut (Symphyti herba) sowie die Blätter (Symphyti folium) des Beinwells eingesetzt. Sie enthalten Schleimstoffe, Allantoin, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Cholin sowie, abhängig von Anbaugebiet und Sorte, Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden. Aus der Wurzel, deren Parenchym Schleim enthält, wurde wie bei Paracelsus erwähnt das Präparat Mucilago consolidae regalis (von Consolida regalis, laut Zekert die Art Gewöhnlicher FeldritterspornOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 140.) gewonnen.Friedrich Dobler: Die chemische Fundierung der Heilkunde durch Theophrastus Paracelsus: Experimentelle Überprüfung seiner Antimonpräparate. In: Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, Neue Folge, 10, 1957, S. 76–86, hier: S. 80.