mini|312px|Dreiseitenriss der Zweisitzerversion Dassault Rafale B

Die Rafale ( für Böe oder WindstoßÜbersetzung Rafale. bei Leo (Online-Übersetzer).Dirk Ruschmann: David gegen die Goliaths. In: Bilanz Nr. 1/2010, S. 46 [online in der Schweizer Mediendatenbank: Volltext als PDF (kostenpflichtig)] alternativ online: ) ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug des französischen Herstellers Dassault Aviation. Es wurde fast vollständig im nationalen Alleingang entwickelt, nachdem Frankreich aus dem Eurofighter-Konsortium ausgestiegen war.

Technisch zählt die Rafale zusammen mit dem Eurofighter und der Saab JAS 39 Gripen zu einer Gruppe moderner europäischer Kampfflugzeuge mit Deltaflügeln und Canards. Durch ihre Auslegung als leichtes, vielseitiges, sowohl land- als auch trägergestütztes Mehrzweckkampfflugzeug unterscheidet sich die Rafale von diesen Modellen in einzelnen Punkten erheblich.

Der Erstflug eines Demonstrators wurde am 4. Juli 1986 absolviert und am 19. Mai 1991 begann der erste seriennahe Prototyp den Testflugbetrieb. Seit Ende 2000 beziehungsweise Ende 2004 wird die Serienversion an die Aviation navale und die Armée de l’air ausgeliefert, die die Beschaffung von insgesamt 286 Maschinen planten.

Bis 2023 wurden insgesamt 253 Maschinen in vier Tranchen ausgeliefert. Weitere rund 250 Stück sind bestellt oder geplant, womit die Zahl der gebauten Flugzeuge bis 2031 auf rund 500 steigen soll.omnirole-rafale.com (französisch).

Die französischen Streitkräfte sind der erste und größte Nutzer. Sie haben die Rafale bei mehreren Einsätzen über Afghanistan, bei der internationalen Intervention in Libyen und in Mali operativ eingesetzt.

Entwicklungsgeschichte mini|Eine Mirage 4000 (Erstflug 1979); ersichtlich sind die an der Vorderkante rot lackierten Canards mini|Der BAe-EAP-Prototyp

Vom ACF zur Mirage 2000 Anfang der 1970er Jahre arbeitete man in Frankreich unter dem Titel Avion de Combat du Futur (ACF) an einem künftigen Jagdflugzeug. Dieses sollte etwa 1990 sowohl die Mirage III, damals das Rückgrat der französischen Jagdfliegerkräfte, als auch die damals in Einführung befindliche Mirage F1 ersetzen. Mit einer Marineversion sollten außerdem die Vought F-8 Crusader, die als Jagdflugzeuge auf den Trägern der Marine nationale eingesetzt wurden, ersetzt werden. Gefordert war ein leistungsfähiges, zweistrahliges Deltaflugzeug, das bereits mit Fly-by-wire ausgestattet sein und zu dessen Bau Kompositwerkstoffe verwendet werden sollten. 1975 (nach der ersten Ölpreiskrise und einer Wirtschaftsflaute in vielen europäischen Ländern) wurde das Projekt gestoppt, da zu hohe Kosten befürchtet wurden. Stattdessen offerierte Dassault unter dem Projektnamen Delta 2000 ein kostengünstiges, einstrahliges Deltaflugzeug, das auf Basis der Mirage III in kurzer Zeit und relativ kostengünstig entwickelt werden konnte. Erwies sich die konventionell ausgelegte Mirage F1 dem Deltaflugzeug Mirage III insbesondere bei der Wendigkeit noch als überlegen, konnten mit der Mirage 2000 – diesen Namen erhielt das Projekt Delta 2000 – die Nachteile des Deltaflügels weitgehend überwunden und dessen Vorteile genutzt werden. In: stratisc.org. Institut d’histoire des Conflits Contemporains, abgerufen am 19. Juli 2011 (französisch). Dafür wurden zum ersten Mal Kompositwerkstoffe in geringem Umfang verbaut und kleine starre Strakes vorn über dem Deltaflügel montiert. Die mit Abstand wichtigste Innovation war jedoch das Fly-by-wire-System in Kombination mit einer aerodynamisch instabilen Auslegung (siehe auch unten).

Wiederaufnahme und europäische Kooperation

Im Jahr 1977 wurde bei der Armée de l’air die Idee eines modernen, nun nach 1990 in Dienst zu stellenden Jagdflugzeuges unter dem Projekttitel Avion de Combat Tactique (ACT) wieder aufgegriffen. Dabei sollte auf dem Projekt ACF aufgebaut und die Auslegung als zweimotoriges Deltaflugzeug mit Fly-by-Wire-Steuerung übernommen werden. 1978 wurde außerdem bei der Marine Nationale das Projekt Avion de Combat Marine (ACM) ins Leben gerufen, um endlich die F-8 zu ersetzen. Im Jahr 1979 wurde erstmals darüber gesprochen, die beiden französischen Projekte sowie die Projekte Großbritanniens und Deutschlands, die unter den Projektnamen Air Staff Target 403, kurz AST 403, respektive Taktisches Kampfflugzeug 1990, kurz TKF90, ebenfalls ein modernes Jagdflugzeug beschaffen wollten, zu einem europäischen Projekt zusammenzuführen. Für dieses europäische Projekt entwickelten alle drei beteiligten Unternehmen – Dassault, MBB und BAe – je einen eigenen Entwurf. 1983 wurde der EAP-Prototyp (Experimental Aircraft Program) präsentiert, der unter der Federführung von BAe entstanden war und den ACA-Entwurf (Agile Combat Aircraft) von BAe mit dem TKF90-Entwurf von MBB vereinigte. Dassault hingegen stellte 1983 auf Basis des ACT und ACM einen eigenen, überarbeiteten Entwurf unter dem Namen Avion de Combat eXpérimental (ACX) vor. Obwohl die Unfähigkeit sich auf einen Entwurf zu einigen, bereits von erheblichen Differenzen zeugte, wurden Ende 1983 und Ende 1984 zwischen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien zwei Kooperationsverträge zur Entwicklung eines European Fighter Aircraft (EFA) unterzeichnet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man sich auf einige Grundlagen geeinigt:

Canard-Delta-Auslegung Zwei Triebwerke Fly-by-Wire-Steuerung Erstflug 1987 Bau von rund 900 Maschinen ab 1991

Trotzdem konnte man sich auch danach weder auf einheitliche Spezifikationen noch über die Arbeitsteilung einigen. Frankreich wollte ein kleineres, günstigeres Mehrzweckkampfflugzeug mit ausgeprägten Kurzstarteigenschaften, das für Einsätze von den relativ kleinen französischen Flugzeugträgerndamals hatte Frankreich zwei Flugzeugträger: die Clemenceau (1997 außer Dienst gestellt), die bauähnliche Foch (2000 verkauft). 2001 wurde die Charles de Gaulle in Dienst gestellt, um diese zu ersetzen. besser geeignet war und bessere Exportchancen haben sollte, während Deutschland und Großbritannien ein möglichst leistungsfähiges und wendiges Jagdflugzeug im Sinn hatten.Dassault Aviation Rafale M. In: ffaa.net. French Fleet Air Arm, abgerufen am 20. Juli 2011 (französisch). Außerdem beanspruchte Frankreich die Systemführerschaft und 50 % Arbeitsanteil. Im August 1985 scheiterten die Verhandlungen endgültig, woraufhin der damalige französische Verteidigungsminister Charles Hernu bekanntgab, dass Frankreich aus dem EFA-Programm aussteige und das ACX in Eigenregie zur Serienreife entwickeln werde. Die übrigen vier Nationen entwickelten das EFA zum Eurofighter.Hélène Masson: In: frstrategie.org. Abgerufen am 19. Juli 2011 (französisch).

Entwicklung im Alleingang mini|links|Der Prototyp Dassault Rafale-A

Nach dem Ausstieg aus dem EFA-Programm entwickelte Dassault aus dem ACX in relativ kurzer Zeit einen flugfähigen Demonstrator namens Rafale A, der die Machbarkeit des Projekts zeigen sollte. Nach der öffentlichen Vorstellung am 13. Dezember 1985 fand der Erstflug am 4. Juli 1986 auf dem Militärflugplatz Istres-Le Tubé statt, noch mit F404-GE-400-Triebwerken vom US-Hersteller General Electric. Dabei wurde mit Mach 1,3 bereits Überschallgeschwindigkeit erreicht.

Im Februar 1987 kündigte der damalige französische Präsident François Mitterrand die Beschaffung eines auf dem Rafale-A-Demonstrators basierenden Serienflugzeugs sowohl für die Armée de l’air als auch für die Aviation navale an. Insbesondere in der Marine gab es Bedenken bezüglich der Verfügbarkeit eines adäquaten Jagdflugzeugs: Die F-8 Crusader waren bereits Mitte der 1960er Jahre beschafft worden und konnten maximal bis 1993 in Dienst gehalten werden, während die Rafale frühestens 1998 zur Verfügung stehen würde. Die Marine hätte deshalb die Beschaffung der rasch verfügbaren US-amerikanischen McDonnell Douglas F/A-18 vorgezogen. Das weckte jedoch Befürchtungen, dass eine entsprechende Reduzierung der Stückzahl bei der Rafale dieses Projekt zu teuer werden ließe.Hervé Coutau-Bégarie: Le problème du porte-avions. In: institut-strategie.fr. Abgerufen am 20. Juli 2011 (französisch). Stattdessen erhielt ein Teil der F-8 Crusaders und der Dassault Super Étendard einer Lebensdauerverlängerung und Modernisierung. Die F-8 konnten somit bis 1999 genutzt werden, was jedoch nach wie vor zu einer Lücke von rund zwei Jahren führte, in der kaum Jagdflugzeuge zur Verfügung standen.McDonnell Douglas F-18 FN Hornet. In: ffaa.net. French Fleet Air Arm, abgerufen am 20. Juli 2011 (französisch).

Das Erprobungsprogramm wurde fortgesetzt: am 4. März 1987 wurde zum ersten Mal Mach 2 erreicht, im April 1987 wurden Trägerlandungen auf der Clemenceau und im Juli 1988 auf der Foch simuliert. 1990 wurde eines der beiden Triebwerke der Rafale A durch das von Snecma (heute ein Teil von Safran) seit 1986 entwickelte M88-1-Triebwerk ersetzt, womit am 27. Februar 1990 zum ersten Mal geflogen wurde. In: flickr.com. Abgerufen am 19. Juli 2011. Nach 867 Flügen wurde die Rafale A am 24. Januar 1994 außer Betrieb genommen.Fakultät für Luftfahrt der Polytechnischen Universität Bukarest, , abgerufen am 19. Mai 2023 (englisch).

Erprobungsprogramm + Rafale-Prototypen Flugzeug Kennung Erstflug Flüge Flugstunden Außerdienststellung A F-ZJRE 4. Juli 1986 867 k. A. 24. Januar 1994 C 01 F-ZWVR 19. Mai 1991 861 1081 – M 01 F-ZWVM 12. Dezember 1991 723 438 – B 01 F-ZWVS 30. April 1993 700 741 – M 02 – 8. November 1993 348 297 – C 02 1991 gestrichen

Nach der Entscheidung von 1987, die Rafale A zu einem Serienflugzeug weiterzuentwickeln, wurde am 21. April 1988 der Vertrag zur Entwicklung mit einem Industriekonsortium unterschrieben. Dieses bestand neben Dassault aus Thomson-CSF (heute Thales Group, zuständig für das Radar und EloKa-Systeme) und Snecma (heute Safran, zuständig für das Triebwerk). Für die weitere Erprobung wurden vier seriennahe Prototypen gebaut, die mit umfassender Testinstrumentierung ausgestattet wurden. Als erstes hob das einzige einsitzige Luftwaffenflugzeug Rafale C 01 am 19. Mai 1991 ab. Ein zweiter Prototyp des Luftwaffeneinsitzers wurde gestrichen. Am 12. Dezember 1991 respektive am 8. November 1993 flogen außerdem erstmals die beiden Marine-Einsitzerprototypen Rafale M 01 und M 02. Am 30. April 1993 war zudem bereits der einzige Luftwaffendoppelsitzer, der Prototyp Rafale B 01, zu seinem Erstflug abgehoben.

mini|links|Der Prototyp Rafale C 01 auf der Paris Air Show 1993

Bereits im Sommer 1992 wurde die M 01 auf die US-amerikanische Naval Air Station Lakehurst verlegt, um auf dem dortigen Testkatapult – die französischen Träger verwenden amerikanische Katapulttechnik – Katapultstarts zu erproben. Im April 1993 fand auf der Foch der erste echte Trägereinsatz statt. 1993 konnte der erste Prototyp des seit 1989 entwickelten RBE2-Radars geliefert werden. Außerdem wurden im März des Jahres mit der Kanone und der Magic II die ersten Waffen getestet. 1995 wurde zum ersten Mal eine MICA von einer Rafale abgefeuert und 1996 folgte der erste Schuss auf ein sich bewegendes Ziel mit einer Magic II. Ebenfalls ab 1996 wurden die M88-1-Triebwerke durch die Serienvariante M88-2 ersetzt und das Abwehrsystem SPECTRA integriert. Tests mit besonders schwerer Beladung (drei 2000-l-Zusatztanks, vier Luft-Luft-Raketen und zwei Apache), realitätsnahe Tests mit SPECTRA, Luft-Luft-Flugkörperschießen mit mehreren Zielen und die Integration der Serienkonfiguration des RBE2 folgten im Laufe des Jahres 1997.

Ebenfalls im Jahr 1997 wurde das Flugtestprogramm beendet und die Serienproduktion aufgenommen. Am 4. Dezember 1998 hob die erste Serienmaschine zum Erstflug ab, die zweisitzige B 301, in Beisein des damaligen Verteidigungsministers Alain Richard.Air & Space Europe, Production Rafale Aircraft: The Take-Off! 1999, doi:10.1016/S1290-0958(00)88423-3 (englisch). Ein Marschflugkörper vom Typ Scalp EG wurde 1999 zum ersten Mal mit einem Testschuss an der Rafale erprobt.

Technik Aerodynamik