Martina Hingis (* 30. September 1980 als Martina Hingisová in Košice, Tschechoslowakei) ist eine ehemalige Schweizer Tennisspielerin. Im Einzel war sie 209 Wochen lang Weltranglistenerste und gewann fünf Grand-Slam-Turniere. Dreizehn weitere Grand-Slam-Titel gewann sie im Doppel und sieben im Mixed. Hingis ist neben Serena Williams die einzige Tennisspielerin, die auch die fünf WTA-Auszeichnungen Spielerin des Jahres, Doppel-Team des Jahres, Aufsteigerin des Jahres, Neuling des Jahres und Rückkehrerin des Jahres gewinnen konnte.. In: WTA Tennis. 10. Dezember 2015, abgerufen am 28. Januar 2022.

Karrierebilanz Martina Hingis gewann 38 Titel bei WTA-Turnieren im Einzel und 42 im Doppel. Zudem gewann sie fünf Grand-Slam-Titel im Einzel – dreimal die Australian Open und je einmal Wimbledon und die US Open – sowie dreizehn Grand-Slam-Titel im Doppel und sieben im Mixed. 1998 gelang es ihr, mit verschiedenen Partnerinnen sämtliche Grand-Slam-Turniere im selben Jahr zu gewinnen. Zwischen 1997 und 2001 stand sie 209 Wochen lang an der Spitze der Weltrangliste. Sie ist die jüngste Spielerin, die jemals das Einzelranking angeführt hat. Mit 16 Jahren und drei Monaten war sie auch die jüngste Siegerin im 20. Jahrhundert bei einem Grand-Slam-Turnier im Einzel. Nach ihrem Rücktritt im Alter von nur 22 Jahren entschied sie sich 2006 für ein Comeback, das sie noch einmal bis auf Platz 6 der Weltrangliste führte. Am 1. November 2007 verabschiedete sie sich ein zweites Mal vom Profisport. 2013 kehrte sie erneut auf die WTA Tour zurück, diesmal nur noch für die Doppelkonkurrenz.. In: WTA Tennis. 5. April 2013.

Hingis ist eine von sieben Spielerinnen, die die Weltrangliste sowohl im Einzel als auch im Doppel angeführt haben. Nur sie, ihr einstiges Idol Martina Navratilova und Arantxa Sánchez Vicario schafften dies sogar zeitgleich.Nächster Titel für Hingis. Was Martinas Sieg mit Anna Kournikowa zu tun hat. In: Blick. 15. Januar 2016.

Biografie Kindheit und Anfänge (bis 1993) Martina Hingis wurde am 30. September 1980 in Košice im slowakischen Teil der damaligen Tschechoslowakei, heute Slowakei, geboren. Ihre Eltern sind der Tennisspieler Karol Hingis, welcher der ungarischen Minderheit in der Slowakei angehört, und die aus Mähren stammende Tennisspielerin Melanie Molitor. Den Vornamen hat Hingis nach der Tennisspielerin Martina Navrátilová erhalten, die ebenfalls in der Tschechoslowakei geboren und von ihrer Mutter verehrt wurde.

Nach der Scheidung ihrer Eltern zog ihre Mutter mit Hingis 1988 in die Schweiz nach Trübbach im Kanton St. Gallen. Hingis soll bereits als Zweijährige mit dem Tennistraining begonnen haben; sie selber sagte dazu: Frau des Jahres. «Alle sind hinter dir her». In: Weltwoche. 14. Dezember 2017, S. 20–25 (Titelgeschichte, mit Interview). Mit vier Jahren bestritt sie ihr erstes Turnier. 1990 spielte sie im Alter von zehn Jahren bereits in der 2. Mannschaft des Winterthurer Tennisklubs TC Schützenwiese in der Nationalliga B an den Interclubmeisterschaften mit. Zwei Jahre später wurde sie mit der 1. Mannschaft Schweizer Meister.

Hingis gewann nach diversen Siegen bei Juniorenturnieren 1993 in Langenthal (Schweiz) als Zwölfjährige das erste ITF-Turnier. Im selben Jahr gewann sie das Juniorinnenturnier der French Open. Mit zwölf Jahren war sie bis heute die jüngste Spielerin, die als Juniorin einen Grand-Slam-Titel gewonnen hat. 1994 konnte sie diesen Titel verteidigen; zudem gewann sie auch den Juniorinnen-Titel in Wimbledon und wurde in dieser Altersklasse als Nummer 1 geführt.

Auf der Profitour (1994–1995) 1994 gab Hingis als 13-Jährige und Nummer 387 der WTA-Weltrangliste in Zürich ihr Debüt auf der Profitour. Dort besiegte sie Patty Fendick, ehe sie in der zweiten Runde Mary Pierce unterlag. In Essen und in Filderstadt erreichte sie dann jeweils den Viertelfinal, zum Jahresende wurde sie bereits auf Rang 87 geführt.

Auffällig neben ihrem geringen Alter war ihr taktisch kluges Spiel. Entgegen dem Trend zu immer grösserer Schlaghärte, dem sogenannten «Powerplay», zeichnete sich Hingis’ Spiel eher durch gutes Antizipationsvermögen, genaues Platzieren der Schläge, viel Ballgefühl und gutes Netzspiel aus, mit dem sie viele Gegnerinnen auskonterte. Dies machte Hingis zum natürlichen Gegenpol der heraufziehenden Generation Williams, die Tennis in eine Disziplin für Scharfschützen zu verwandeln begann, wie es ein Kommentator der Süddeutschen Zeitung ausdrückte.

1995 wurde die 14-Jährige mit ihrem Erstrundensieg bei den Australian Open zur jüngsten Spielerin, die jemals ein Match bei einem Grand-Slam-Turnier im Einzel gewann. In Hamburg, wo Hingis mit Jana Novotná und Anke Huber auch erstmals Top-Ten-Spielerinnen besiegte, erreichte sie ihren ersten WTA-Final. Bei den US Open erreichte sie erstmals den Achtelfinal eines Grand-Slam-Turniers. Am Jahresende belegte sie im Ranking bereits Platz 16.

Vor ihrem Durchbruch: jüngste Siegerin in Wimbledon (1996) 1996 erreichte die 15-Jährige bei den Australian Open erstmals den Viertelfinal eines Grand-Slam-Turniers, in dem sie Amanda Coetzer in drei Sätzen unterlag. Einen weiteren Erfolg erzielte sie im Viertelfinal der Offenen Italienischen Meisterschaften in Rom; beim dritten Aufeinandertreffen mit der Weltranglistenersten Steffi Graf konnte sie die Deutsche erstmals mit 2:6, 6:2 und 6:3 besiegen.

Höhepunkt des Jahres waren die Wimbledon Championships, bei denen sie an der Seite von Helena Suková die Doppelkonkurrenz gewann. Mit 15 Jahren und neun Monaten wurde sie jüngste Gewinnerin eines Wimbledon-Titels im 20. Jahrhundert. Einzig die Engländerin Charlotte Dod war bei ihrem Einzelsieg in den 1880er Jahren noch etwas jünger. Steffi Graf bedeutete für sie dann in Wimbledon wie auch bei den US Open jeweils das Aus (im Achtel- bzw. im Halbfinal). Zwischen diesen Turnieren nahm Hingis auch an den Olympischen Spielen in Atlanta teil; im Doppel kam sie dort mit Patty Schnyder bis in den Viertelfinal.Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik IV. Seoul 1988 – Atlanta 1996. Sportverlag Berlin, Berlin 2002, ISBN 3-328-00830-6, S. 862–863. Am 7. Oktober rangierte sie erstmals unter den Top Ten.

In Filderstadt feierte sie nach Siegen über Arantxa Sánchez Vicario, die Nummer 2 der Weltrangliste, Lindsay Davenport (Nr. 6) und Anke Huber (Nr. 5) ihren ersten Turniersieg im Einzel. Im Final von Oakland besiegte sie Monica Seles glatt mit 6:2 und 6:0. Bei den WTA Tour Championships am Jahresende unterlag die mittlerweile 16-Jährige erneut der Weltranglistenersten Graf. Hingis war zu diesem Zeitpunkt bereits die Nummer 4 der Welt.

Drei Grand-Slam-Titel und Weltranglistenerste (1997) mini|Hingis 2006 bei den Zurich Open

Das Jahr begann vielversprechend und sollte für Hingis zum besten auf der Tour werden; sie gewann die Australian Open, Wimbledon und die US Open und stand im Endspiel von Roland Garros; zudem gelangen ihr neun weitere Turniersiege. Das ergab eine Siegquote von 93,8 Prozent. In Abwesenheit von Steffi Graf, die 1997 verletzungsbedingt nur 19 Partien spielte, wurde Hingis nun auch jüngste Weltranglistenerste aller Zeiten.

Das Tennisjahr begann mit einem Auftaktsieg beim Turnier in Sydney, ehe Hingis auch erstmals den Final eines Grand-Slam-Turniers erreichte. Im Endspiel der Australian Open besiegte sie Mary Pierce klar mit 6:2 und 6:2. Sydney und Melbourne markierten nur den Auftakt einer langen Erfolgsserie. Mit 37 aufeinanderfolgenden Siegen zu Jahresbeginn egalisierte Hingis den Rekord von Martina Navrátilová – der zweitbeste Saisonstart aller Zeiten nach Steffi Grafs 45 Siegen 1987. Am 31. März 1997 wurde sie die jüngste Nummer 1 der Weltrangliste.

Im Endspiel von Roland Garros, dem einzigen Grand-Slam-Turnier, das Hingis im Jahr 1997 nicht gewinnen konnte, unterlag sie überraschend der Aussenseiterin Iva Majoli. Zuvor hatte sie mit Arantxa Sánchez und Monica Seles zwei frühere French-Open-Champions bezwungen.

Wenige Wochen später setzte Hingis in Wimbledon ein weiteres Ausrufezeichen. Mit ihrem Sieg auf dem heiligen Rasen gegen die Serve-und-Volley-Spezialistin Jana Novotná (2:6, 6:2 und 6:3) wurde sie dort die jüngste Siegerin im Dameneinzel im 20. Jahrhundert. Nur der Engländerin Charlotte Dod war 1884, in der Urzeit des Tennissports, der Turniersieg einige Monate früher gelungen.

Hingis’ Erfolgsserie hielt auch bei den US Open an. Nach glatten Zweisatzsiegen über Arantxa Sánchez und Lindsay Davenport stand sie erstmals auch im Final der US Open. Sie besiegte die 17-jährige Venus Williams deutlich mit 6:0 und 6:4; sie waren zuvor bereits zweimal aufeinander getroffen – jedes Mal mit dem besseren Ende für Hingis. Doch es sollte die aufstrebende Venus Williams sein, die mit ihrem Power-Spiel schon bald die Vorrangstellung der Schweizerin herausforderte.

Hingis dominierte 1997 die Tour und reagierte etwas dünnhäutig auf den Einwurf, sie profitiere von der Abwesenheit von Steffi Graf. Mehrmals äusserte sie sich wenig respektvoll über deren Spielvermögen. Die beiden trafen zwischen 1995 und 1997 in sieben Partien aufeinander, fünf Mal mit dem besseren Ende für Graf. Das mit Spannung erwartete Zusammentreffen (vermeintlich das einzige in diesem Jahr) im Final von Tokio kam wegen einer Verletzung bei Graf nicht zustande.

Australian-Open-Sieg und vier Grand-Slam-Titel im Doppel (1998)

Das Jahr begann ähnlich erfolgreich wie das Vorjahr. Hingis gewann erneut die Australian Open. Im Final besiegte sie Conchita Martínez mit 6:3 und 6:3. Dann aber riss die Erfolgsserie; auf Halbfinalniederlagen in Wimbledon und Paris gegen Monica Seles und Jana Novotná folgte der Einzug ins Endspiel der US Open, in dem Hingis gegen Davenport wiederum sieglos blieb. Einschliesslich der WTA Tour Championships zum Jahresende gewann sie nur fünf Turniere. Hingis offenbarte immer mehr Schwächen gegen die junge, aufstrebende Generation von «Power»-Spielerinnen wie die Schwestern Venus und Serena Williams. Auch Jennifer Capriati kehrte auf die Tour zurück. Und Lindsay Davenport, schon immer eine druckvoll agierende Spielerin, präsentierte sich nun auch körperlich und mental in immer besserer Verfassung.

Es war Davenport, die nach ihrem Sieg in Flushing Meadows über die Schweizerin im Oktober 1998 Hingis’ 80 Wochen andauernde Vorherrschaft zunächst beendete. Hingis beendete das Jahr auf Rang 2 der Weltrangliste. Sie hielt sich mit dem Gewinn aller Grand-Slam-Titel im Doppel schadlos. Sie war nach Martina Navrátilová und Arantxa Sánchez Vicario zudem die dritte Spielerin, die beide Weltranglisten gleichzeitig anführte.

Sieg in Australien und Endspiel in Paris (1999) Das Jahr 1999 begann wie die vorherigen Jahre. Hingis gewann ihren dritten Australian-Open-Titel in Folge. Dies war zuletzt Steffi Graf und Monica Seles gelungen. An der Seite von Anna Kurnikowa gewann sie auch das Doppel. Die Russin und die «Swiss Miss», wie Hingis hin und wieder auch genannt wurde, bildeten ein Team, das nicht nur sportlich Schlagzeilen machte. Im bunten Blätterwald wurden die beiden bald auch als die «Spice Girls des Tennis» bezeichnet. Ihre vormalige Partnerin Jana Novotná, zu dem Zeitpunkt 30 Jahre alt, mit der sie mehrere Grand-Slam-Titel gewonnen hatte, hatte sie als «zu alt und zu langsam» bezeichnet.Chris Smith: Riot Girls. In: New York Magazine. 27. August 2001.

Trotz einiger Erfolge und ihres eindrucksvollen Spiels machte Hingis in diesem Jahr mit wenig respektvollen Bemerkungen über einige ihrer Gegnerinnen von sich reden. Sie präsentierte sich zunehmend dünnhäutig gegenüber den Konkurrentinnen, deren kraftvollem Spiel sie nun immer öfter unterlag. Hingis zog die Kritik der Medien und von Teilen der Öffentlichkeit auf sich, die sie der Respektlosigkeit bezichtigten.