Die Familie Bunnag (thailändisch ) ist eine der großen Familien Siams (bzw. Thailands). Sie stammt von Einwanderern aus Persien ab. Der Stammvater Bunnag war ein Kindheitsfreund und enger Vertrauter von König Rama I., der 1782 die bis heute regierende Chakri-Dynastie gründete. Unter den Königen Rama III. und Rama IV. waren die Bunnag mit Abstand die mächtigste unter Siams höfischen Familien, kontrollierten lange Zeit das Schatz- und das Kriegsministerium. Sie spielten auch bei der Bestimmung des Erbfolgers eine entscheidende Rolle. Erst Rama V. beschränkte im späten 19. Jahrhundert ihre Macht, um sie bei sich selbst zu konzentrieren. Mitglieder der Familie sind aber bis in die heutige Zeit in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Thailands sehr einflussreich.

Die Gründer-Generation Etwa im Jahr 1602 (964 C.S., einem Jahr des Tigers bunnag.in.th (thailändisch).), gegen Ende der Regierungszeit von König Naresuan, erreichten zwei Brüder das Königreich von Ayutthaya. Sie waren Händler, ihre Nachkommen glauben, dass sie aus Qom in Persien kamen, wo sowohl Persisch als auch Arabisch gesprochen wurde. Beide Brüder ließen sich zunächst in Siam nieder, um hier Handel zu treiben. Vermutlich waren sie sehr begabte Händler, denn sie erhielten sehr schnell eine Anstellung bei der Regierungsstelle, die für den Übersee-Handel zuständig war. Sicherlich waren ihre Sprachkenntnisse dabei auch von Vorteil. Scheich Ahmad (auch: Scheich Ahmad Qomi – ), der ältere, wurde bald von König Songtham zum Phrakhlang (Schatzminister, der auch für auswärtige Angelegenheiten zuständig war) befördert. Obwohl dieses Ministerium eigentlich traditionell eher für die Provinzen im Norden und Nordosten des Landes zuständig war, oblag ihm der Handel mit dem Indischen Ozean, der sich an der Küste der Bucht von Martaban und in Tenasserim konzentrierte. Wahrscheinlich sollte durch die Anhäufung von Einwanderern in den Ministerien von Mahatthai (Hauptstadt-, Palast-, Landwirtschafts- und Finanzministerien) und dem Phrakhlang mit ihren Handelsgütern und wirtschaftlichen Möglichkeiten im Außenhandel ein Gegengewicht geschaffen werden zu der Manpower des Kalahom-Ministeriums (Ministerium der südlichen Provinzen), dem der Handel über das Südchinesische Meer und den Golf von Siam unterstellt war und das traditionell von der siamesischen Elite kontrolliert wurde.

Der jüngere der beiden persischen Brüder, Mahumat Said (), kehrte bald in sein Heimatland zurück. Ob er jemals wieder nach Siam zurückkam, ist ungewiss. Scheich Ahmad heiratete eine siamesische Frau mit dem Namen Choei () und gründete so die Familie, die später als Bunnag-Familie bekannt wurde. Scheich Ahmad und seine Frau hatten drei Kinder: Chuen(), einen Sohn, der unter König Prasat Thong das Amt seines Vaters übernahm, Chom (), einen Sohn, der sehr früh an einem Fieber starb, und Chi (), eine Tochter, die allerdings nicht verheiratet war und auch keinen Adelstitel trug. bunnag.in.th (thailändisch).

Scheich Ahmad wurde außerdem das erste Oberhaupt der moslemischen Gemeinde in Siam (Scheich-ul-Islam), welches seitdem mit dem Titel Chula Ratchamontri () verbunden ist. Historiker haben herausgefunden, dass seither von 17 Chula Ratchamontri 13 die Nachkommen von Scheich Ahmad waren. inist.fr

Obwohl es zu jener Zeit zu häufigen Umgruppierungen innerhalb der Ministerien kam, schien Scheich Ahmad seine Position als Phrakhlang mit dem Adelstitel „Chao Phraya Bowon Ratchanaiyok“ () bis zu seinem Lebensende innegehabt zu haben. Sein Nachfolger war sein ältester Sohn Chuen, der unter dem Titel „Chao Phraya Aphai Racha“ () im Jahr 1630 sein Amt antrat. Im Jahr 1670 wurde er wiederum von seinem ältesten Sohn Sombun abgelöst, er trug den Titel „Chao Phraya Chamnanphakdi“. Diese Linie wurde erst unterbrochen, als 1685 ein griechischer Abenteurer, Constantine Phaulkon, von König Narai in dieses Amt eingesetzt wurde.

Im Reisebericht einer persischen Mission, die 1685–1686 in Siam weilte, wird erwähnt, dass die Nachkommen des Scheichs Ahmad enge Beziehungen zu der persischen Händlergemeinschaft pflegten.John O’Kane (Übers.): The Ship of Sulaiman. Routledge & Kegan, London 1972, ISBN 0-7100-7238-4.

Zu den Adelstiteln siehe auch: Thailändische Adelstitel.

Abstammungslinie Rattanakosin Folgende Liste soll eine grobe Übersicht geben. (Die Seitenangaben in eckigen Klammern beziehen sich auf die Seite der Online-Biografien. Arabische Nummern bezeichnen die Geburtsreihenfolge für Söhne, römische die für Töchter. Nicht alle Söhne/Töchter sind auf den 115 Biografieseiten der Website der Bunnags ausführlich beschrieben.)

Stammvater Der Stammvater der heutigen Bunnag-Familie, ein Nachfahre von Scheich Ahmad, hieß mit Geburtsnamen Bunnag. Er lebte von 1738 bis 1801 und war ein Kindheitsfreund von Thong Duang, dem späteren Chaophraya Chakri, der 1782 schließlich König Rama I. wurde und die bis heute regierende Chakri-Dynastie begründete. Thong Duang und Bunnag heirateten zwei Schwestern, was die Bindung der beiden noch verstärkte. Nachdem er König wurde, machte Rama I. Bunnag zum Kalahom (Kriegsminister) und verlieh ihm den Titel Chaophraya Ankha-Mahasena ().

Generation 2: Dit und That Bunnag mini|hochkant|Chaophraya Prayurawong (Dit Bunnag) 1 Dit/Dis (Somdet Chaophraya Borommaha Prayurawong - , genannt Somdet Chaophraya Ong Yai - „der große Somdet Chaophraya“; 2331–2398 BE, 1788–1855 AD), Mahatlek (königlicher Page) bei Rama I., Krommatha (Handels- und Außenminister) und Phrakhlang (Schatzminister) bei Rama II. (ab 1822) bis IV., Kalahom (Kriegsminister) bei Rama III. (ab 1830) und Rama IV.; er spielte eine entscheidende Rolle bei der Thronbesteigung sowohl von Chetsadabodin (Rama III.) 1824, der eigentlich nur ein Prinz zweiten Grades war, als auch von Mongkut (Rama IV.) 1851. Als es zu Erbfolgestreitigkeiten zwischen den Söhnen Ramas III. und Mongkut kam, leitete er als höchstrangiger Minister den Großen Rat und bezog eindeutig für Mongkut Stellung. Dieser war ihm anschließend zutiefst verpflichtet und entlohnte ihn und seine Familie mit höchsten Positionen und größtem Einfluss.Sud Chonchirdsin: Bunnag Family. 2004, S. 289.

mini|Statue des Chaophraya Phichaiyat (That Bunnag) vor dem nach ihm benannten Wat Phichaiyat 2 That (Somdet Chaophraya Borommaha Phichaiyat – , genannt Somdet Chaophraya Ong Noi – „der kleine Somdet Chaophraya“; 2334–2400 BE, 1792–1857), Kalahom unter Rama III.

Einem Bericht zufolge hat sich König Rama IV. (Mongkut) bei einer Zeremonie im September 1851, bei der That ein neuer Ehrenname verliehen wurde, entgegen dem Protokoll vor den beiden Somdet Chaophraya niedergeworfen.Barend Jan Terwiel: Thailand’s Political History. From the Fall of Ayutthaya in 1767 to Recent Times. 2005, S. 138. Das Partikel ong in der üblichen Bezeichnung für die beiden Bunnag-Patriarchen (Ong Yai und Ong Noi) war eigentlich Mitgliedern der Königsfamilie vorbehalten.Chris Baker, Pasuk Phongphaichit: A History of Thailand. 2. Auflage, Cambridge University Press, 2009, S. 30. Die Bunnag waren, wie König Rama IV. Teil der „fortschrittlichen Partei“ Siams, die Reformen und Öffnung zum Westen vorantrieb.Baker, Pasuk: A History of Thailand. 2009, S. 45.

Bunnag hatte noch zahlreiche weitere Kinder aus seinen neun Ehen. Relevant sind vor allem mehrere seiner Töchter: Drei ältere Schwestern von Dit und That (Töchter Bunnags mit seiner Hauptfrau Nuan, der Schwester von Königin Amarindra) bekamen verantwortungsvolle Positionen in der Palastverwaltung: Chao Khun Ying Nun () im Großen Palast, Chao Khun Ying Khum () im Vorderpalast und Chao Khun Ying Tai () im Haushalt von Prinzessin Theppayawadi.

Rama I. ehelichte insgesamt fünf Töchter Bunnags als Nebenfrauen: Chao Chom Manda Tani (); ihr Sohn Prinz Surinthararak (1790–1830) übernahm unter Rama II. die Aufsicht über das Hauptstadt-, während der Herrschaft Ramas III. über das Schatz- und Außenhandelsministerium (das sein Onkel Dit Bunnag leitete) und betätigte sich außerdem als Dichter. Chao Chom Chit, Som, Chu und Nok blieben kinderlos.

Generation 3

Linie Dit Bunnag (1.-) mini|hochkant|Chaophraya Si Suriyawong (Chuang Bunnag) 1.1 Chuang (Somdet Chaophraya Borommaha Si Suriyawong - ) (1808–1882) [S. 1–5], studierte Schiffsbau und Nautik; Kalahom (Minister der Südprovinzen) unter Rama IV. (1855–1869), Regent für den noch minderjährigen König Rama V. (Chulalongkorn) von 1868 bis 1873. Laut John Bowring (dem zeitgenössischen britischen Gesandten) lag die wahre Macht während der Regierungszeit von Rama IV. bei seinem Kalahom, während sich der König nur für Zeremonien begeisterte. Andere Ausländer sagten sogar, dass der Kalahom der wahre König sei.Paul M. Handley: The King Never Smiles. Yale University Press, 2006, S. 32. Er spielte eine wesentliche Rolle beim Abschluss der Handelsverträge Siams mit Großbritannien und anderen westlichen Nationen (u. a. Bowring-Vertrag). Nach dem Tod Rama IV. war Si Suriyawongs Regentenposition die Bedingung dafür, dass Chulalongkorn überhaupt König werden konnte. Als Regent trieb der reformorientierte Si Suriyawong die Abschaffung der Sklaverei voran, was sich aufgrund des Widerstands von Traditionalisten allerdings nur schrittweise umsetzen ließ.Baker, Pasuk: A History of Thailand. 2009, S. 52. 1.2 Chum (Phraya Montri Suriyawong - ) (1820–1866) [S.6], 18 Söhne, 10 Töchter; Sondergesandter an den Hof der britischen Königin Victoria (1857) 1.3 Kham (Chaophraya Thipphakorawong Mahakosathibodi - ) (1813–1870) [S.7], kinderlos, Phrakhlang (Schatz- und Außenminister, 1851–1865) und enger Vertrauter von Rama IV., Autor der Königlichen Chroniken von Rattanakosin (Regierungszeiten von Rama I.–III.) und eines Werks über Naturphänomene, das versuchte, damals verbreitete abergläubische Vorstellungen zurückzudrängen,Craig J. Reynolds: National Identity and Its Defenders. Thailand Today. Silkworm Books, 2002, S. 165. sowie von „Verteidigung der Polygamie“;Lipi Ghosh: Religion, Sex and Issues of Identity. Women in Thailand. In: Women Across Asia. Issues of Identities. Gyan Publishing House, 2006, S. 233. veröffentlichte außerdem Artikel über Wissenschaft und Buddhismus in der sich entwickelnden siamesischen Presse.Baker, Pasuk: A History of Thailand. 2009, S. 302. 1.4 Mek (Phraya Wongsaphoranaphusit - ) (1821–1889) [S.8] 1.5 To (Phraya Ratchanuwong Ratchinikun )(1822–1870) [S.8] 1.6 Nok Yung (Phraya Aphaiyasongkhram ) (1823–1866) [S.8] 1.7 Wan/Wan Parian / (Phraya Si Soraratchaphakdi )(1830–1883) [S.9] 1.8 Thuam (Chaophraya Phanuwong Mahakosathibodi )(2373–2456 BE, 1830–1913 AD) [S.10], Außenminister unter Rama V. (1871–1881) 1.9 Chon (Phra Phromathiban )(2379–2436 BE, 1836–1893 AD) [S.11] 1.10 Tu (Phra Rattananyapati )(2379–2436 BE, 1836–1893 AD) [S.11] 1.11 Po (Phra Satchaphirom ) (2379–2426 BE, 1836–1883 AD) [S.11] 1.12 Chin (Phraya Uthaiyatham )(2379–2454 BE, 1836–1911 AD) [S.11] 1.13 Yot (Nai Rakphuwanat )(2381–2415 BE, 1838–1872 AD) [S.11] 1.14 Thet (Chaophraya Thipphakorawong Chaophraya Suraphanphisut )(2384–2450 BE, 1842–1907 AD) [S.12], leitender Bevollmächtigter (Gouverneur) für das Monthon Ratchaburi 1.15 Phon (Chaophraya Phatsakorawong ) (2392–2463 BE, 1849–1920 AD) [S.13]; 15.–19. Lebensjahr in Ausbildung in England, sprach und schrieb fließend Englisch; Landwirtschaftsminister (1892–1894) und Kultusminister (1892–1902) unter Rama V.

Linie That Bunnag (2.–) mini|Königliche Nebenfrau Samli mit ihren Töchtern 2.1 Sanit (Phra Suriyaphak ) [S.14], Generalkommissar der Polizei unter Rama III. 2.9 Phae (Chaophraya Si Phiphat ) [S.15] 2.10 Yaem (Phraya Woraphong Phiphat ) [S.16] 2.11 Iam (Phraya Itsaranuphap ) [S.16] 2.12 Cham (Phraya Kalahom Ratchasena ) [S.17] 2.15 To (Phraya Nanaphithaphasi ) [S.17] 2.16 Choti (Nai Chaiyakhan Hum Phrae Mahatlek ) [S.17] (2378–2402 BE, 1835–1859 AD) 2.? Samli (Chao Khun Chom Manda Samli ; 1835–1900), Nebenfrau von König Rama IV., Mutter von Königin Sukhumala Marasri (Hauptfrau von Rama V.)

Generation 4

Linie Dit