Gunzenhausen () ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Der staatlich anerkannte Erholungsort liegt am Altmühlsee. Mit etwa 17.000 Einwohnern ist Gunzenhausen die zweitgrößte, von der Fläche her mit 82,73 Quadratkilometern drittgrößte Gemeinde des Landkreises. mini|Gunzenhausen, Luftaufnahme (2016) mini|Gunzenhausen von Westen

Geographie Geographische Lage Gunzenhausen liegt im Nordwesten des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen in der Region Westmittelfranken, mitten im Fränkischen Seenland und südöstlich des Altmühlsees auf einer Höhe von , am südöstlichen Rand der Frankenhöhe. Diese bildet nach Nordwesten eine weite Fläche, die sich sanft nach Südosten neigt. Die Gesteine des Untergrunds entstammen der mittleren Keuperzeit (im Wesentlichen Sandsteinkeuper). Südlich und östlich der Umgebung Gunzenhausens erheben sich die Jura-Berge der Fränkischen Alb, z. B. der Hahnenkamm.

Durch die Stadt fließt die Altmühl. Weitere natürliche Fließgewässer im Gebiet der Stadtgemeinde sind der Wurmbach und der Hambach. Im Zuge der Entstehung des Fränkischen Seenlands wurde nördlich von Gunzenhausen der Altmühlsee angestaut. Er bekommt sein Wasser über den Altmühlzuleiter und gibt es über die Altmühl und den Altmühlüberleiter ab. Nördlich von Gunzenhausen liegen einige kleinere Weiher. Das Gemeindegebiet von Gunzenhausen ist von Hügeln und Wiesen geprägt. Neben dem Cronheimer Wald liegen im Gebiet der Stadt Ausläufer des Unteren Waldes, des Haundorfer Waldes und des Gräfensteinberger Waldes. Im äußersten Norden liegt das Feuchtgebiet Wiesmet. Zu den Erhebungen gehören der Wurmbacher Berg, der Bühl und der Büchelberg. Im Westen verläuft die Grenze zum Landkreis Ansbach. Teilweise auf Gemeindegebiet liegt das Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Flachwasser- und Inselzone im Altmühlsee. Im Süden des Altmühlsees befindet sich die Hirteninsel. In Gunzenhausen wurde der erste Geodätische Referenzpunkt Bayerns zur Ermittlung geographischer Koordinaten aufgestellt., Bayerische Vermessungsverwaltung, abgerufen am 17. August 2015.

Die Nachbargemeinden sind:

Stadtgliederung

Es gibt 34 Gemeindeteile (in Klammern ist der Ortstyp angegeben):

Außerdem gibt es die Wohnplätze Fallhaus, Fischhaus, Leonhardsruh, Unterhambacher Mühle und Walkmühle. Die Ortschaft Specksrod ist abgegangen.

Cronheim, Nordstetten, Unter- und Oberhambach haben abweichend die Vorwahl 09836.

Es gibt die Gemarkungen Aha, Büchelberg, Cronheim, Frickenfelden, Gunzenhausen, Laubenzedel, Nordstetten, Oberasbach, Pflaumfeld, Schlungenhof, Stetten, Streudorf, Unterasbach, Unterwurmbach und Wald. Die Gemarkung Gunzenhausen hat eine Fläche von 9,613 km². Sie ist in 4861 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 1977,57 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Lindenhof, Lohmühle, Reutberg, Scheupeleinsmühle und Weinberg.

Geschichte Vorgeschichtliche Funde Zahlreiche Ausgrabungsfunde im Bereich der Stadt belegen die Besiedlung bereits zu vorgeschichtlicher Zeit.

Numeruskastell am Limes

mini|Wachtturmfundament am Schlossbuck Um 90 n. Chr. besetzten die Römer die bis dahin von den Kelten bewohnten Gebiete nördlich der Donau und drangen bis in die Gegend um Gunzenhausen vor. Zur Kontrolle und Sicherung der Grenze der in das Römische Reich eingegliederten Gebiete wurde hier ein Numeruskastell am Limes errichtet. Die von Nordwesten einfallenden Alemannen zerstörten die Anlagen um 241 n. Chr.

Von der ersten urkundlichen Erwähnung bis 1806 links|100px|Ehemaliges Wappen (bis 1937) mini|Färberturm Eine Urkunde aus dem Jahr 823 (21. August 823Jahresbericht des Historischen Vereins im Rezat-Kreis, Band 6, S. 7.) liefert den ersten verlässlichen schriftlichen Hinweis auf Gunzenhausen: Kaiser Ludwig der Fromme übereignete das Kloster „Gunzinhusir“ dem Reichskloster Ellwangen. Im Mittelalter belehnten die Ellwanger Äbte zunächst die Adelsfamilien der Truhendinger und Oettinger mit Gunzenhausen, bis die Herrschaft 1349 an Burkhard von Seckendorff überging. 1368 erwarb Burggraf Friedrich von Nürnberg die Stadt, die dadurch in den Besitz der Hohenzollern wechselte. Die Stadt erhielt nun erstmals das Recht zur Abhaltung von Jahrmärkten, die Erlaubnis zum Bau umfangreicher Befestigungsanlagen mit Stadtmauer, Türmen und Graben sowie der großen Stadtkirche und gelangte in den ersten Jahrzehnten der Hohenzollern-Herrschaft zu einer ersten Blütezeit.

Die Hohenzollern-Nebenlinie des Markgraftums Brandenburg-Ansbach besaß und regierte die Territorien um Gunzenhausen. Architektonisch prägte der absolutistische Fürst Karl Wilhelm Friedrich (1712–1757), genannt auch der „Wilde Markgraf“, der Gunzenhausen zu seiner persönlichen Residenz ausbaute, das barocke Bild der Stadt im 18. Jahrhundert.

Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches fiel Gunzenhausen, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis gelegen hatte, 1806 an das Königreich Bayern.

Gunzenhausen war Sitz des 1862 eingerichteten Bezirksamts Gunzenhausen, aus dem 1939 der Landkreis Gunzenhausen wurde. 1972 wurde dieser Landkreis im Zuge der Gebietsreform mit dem Landkreis Weißenburg zusammengelegt und Gunzenhausen verlor seinen Status als Kreisstadt.

Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs

Antisemitismus Westmittelfranken war eine strukturschwache Agrarregion mit meist kleinbäuerlichen Höfen, einer überwiegend protestantischen Bevölkerung und einem in zahlreichen Orten relativ hohen Anteil an Juden. Im Jahr 1925 lebten in der Gemeinde Gunzenhausen 4394 Protestanten, 811 Katholiken und 219 Bürger jüdischen Glaubens. 1933 waren es bei einer Gesamtbevölkerung von 5686 Bewohnern noch 184 Bürger jüdischen Glaubens. Die NSDAP war in Mittelfranken unter ihrem Gauleiter Julius Streicher gegen Ende der 1920er Jahre sehr stark geworden. Sie agitierte permanent mit zahlreichen Ansprachen, Massenkundgebungen und SA-Aufmärschen. Fast die gesamte Auflage von Streichers antisemitischer Zeitung Der Stürmer wurde bis 1933 in Nürnberg und Mittelfranken verkauft.Gunnar Beutner: Das Pogrom von Gunzenhausen 1934 – Anfänge des NS-Terrors in Westmittelfranken. In: Heike Tagsold (Hrsg.): „Was brauchen wir einen Befehl, wenn es gegen Juden geht?“ Das Pogrom von Gunzenhausen 1934. Antogo Verlag, Nürnberg 2006, ISBN 3-938286-04-0, (= Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts e. V. (Hrsg.): Hefte zur Regionalgeschichte, Nr. 4), S. 7ff. Die NSDAP erzielte bei Wahlen überdurchschnittliche Ergebnisse: 1930 waren es bereits 35 % (gegenüber knapp 19 Prozent im Reichsdurchschnitt), 1932 66 %, am 6. März 1933 kam die NSDAP auf 67,5 % gegenüber dem Reichsdurchschnitt von 43,9 % der Stimmen.