Bergneustadt (bis 1884 Neustadt) ist eine kreisangehörige Stadt im Bergischen Land rund 50 Kilometer östlich von Köln. Sie gehört zum Oberbergischen Kreis im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Köln und zum Landschaftsverband Rheinland.
Geografie mini|Karte von Bergneustadt Stadtgebiet und Nachbargemeinden Neben der Innenstadt von Bergneustadt gehören 22 Ortsteile zu dem ca. 38 km² großen Stadtgebiet:
Altenothe, Attenbach, Auf dem Dümpel, Baldenberg, Belmicke, Bösinghausen, Brelöh, Freischlade, Geschleide, Hackenberg, Höh, Hüngringhausen, Immicke, Leienbach, Neuenothe, Niederrengse, Pernze, Pustenbach, Rosenthal, Rosenthalseifen, Wiedenest und Wörde.
Die Stadt liegt am Rande des oberbergischen Kreises und grenzt im Osten an die Stadt Drolshagen des Kreises Olpe. Nördlich und westlich grenzt das Stadtgebiet von Gummersbach und südlich das der Gemeinde Reichshof an Bergneustadt.
Landschaft Das Stadtgebiet von Bergneustadt wird durch große Nadel- und Mischwaldgebiete (53,4 %) und landwirtschaftliche Flächen (22 %) geprägt, die vor allem für die Viehhaltung genutzt werden. Zum Rheinischen Schiefergebirge gehörend zeichnet sich die Landschaft zudem durch eine Vielzahl von Hügeln aus. Der mit 206,1 m ü.NN niedrigste Punkt Bergneustadts befindet sich an der westlichen Stadtgrenze zum Gummersbacher Ortsteil Derschlag, der höchste Punkt liegt mit 500 m ü.NN an der östlichen Gebietsgrenze zu Drolshagen.
Nennenswerte Gewässer in Bergneustadt sind die Dörspe, die auf Gummersbacher Gebiet in die Agger mündet, sowie die Rengse, die der Aggertalsperre zufließt und noch auf Bergneustädter Gebiet im Rengsebecken vorgestaut wird. Die Talsperre selber liegt im Stadtgebiet von Gummersbach, grenzt aber direkt an den Bergneustädter Stadtteil Hackenberg.
Geschichte Ersterwähnung miniatur|Kartenausschnitt Le Comte de la Marck, Sanson 1692 miniatur|Relief Bergneustadt 1832 miniatur|Der Stadtwald 1301 wurde der Ort das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Beleg lautet „Der märkische Drost Rutger von Altena beginnt mit dem Bau der Niestat“.Klaus Pampus: Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte (= Beiträge zur Oberbergischen Geschichte. Sonderbd. 1). Oberbergische Abteilung 1924 e. V. des Bergischen Geschichtsvereins, Gummersbach 1998, ISBN 3-88265-206-3. Es sollte ein märkischer Vorposten gegen den Kölner Erzbischof sein. Dazu wurden der neuen „Veste“ bald schon die gleichen Rechte wie Lüdenscheid zugestanden. Die Schreibweise der Erstnennung lautete Niestat.
Chronik Am 13. Mai 1301, dem Servatius-Tag, begann der Droste Rutger von Altena im Auftrage des Grafen Eberhard I. von der Mark mit dem Bau der Stadtburg Nyestadt im märkischen Sauerland im Bereich der Gemarkung Wiedenau, die Teil des Kirchspiels Wiedenest war.
Bergneustadt gehört mit Wipperfürth, Lüdenscheid und Lennep zu einer Reihe landesherrlicher Städtegründungen im bergisch-märkischen Raum, die bereits im 13. Jahrhundert ihren Ausgang hatte. In rein bäuerlicher Landschaft, in der nicht die geringsten Ansätze einer städtischen Entwicklung vorhanden waren, ließ Graf Eberhard II. im südlichsten Zipfel seiner Grafschaft eine Stadtburg bauen. Sie übernahm die Funktion der Grenzwacht gegenüber den Grafschaften Berg und Sayn-Homburg wie auch gegenüber dem kur-kölnischen Sauerland. Diese unvermittelte Gründung des Burgfleckens ist nur aus dem Kräftespiel der Territorialgewalten heraus zu verstehen.
Aus mancherlei Gründen wurde diese kleine Stadt in den ersten Jahrhunderten mit landesherrlichen Privilegien und städtischen Funktionen geradezu überschüttet, zum Beispiel Stadtgerichtsbarkeit, Sitz des Vogtei- und Femegerichts, Mauer- und Marktrecht. Die den Bürgern gewährten Freiheiten waren beispielhaft. Die militärischen, administrativen und richterlichen Aufgaben sowie das blühende Wirtschaftsleben der Stadt (Erzförderung und Verarbeitung zu Fabrikaten mit teilweise eigenen Warenzeichen, Geschützen und Hakenbüchsen, Holzkohleproduktion, weitverzweigte Handelsbeziehungen) bewirkten eine hervorragende Stellung und Ausstrahlungskraft weit über das Aggerland hinaus.
Eine Mercator-Karte aus dem Jahre 1575 zeigt, wie die eindrucksvolle Stadtburg auf dem Bergsporn im Dörspetal beschaffen war. Burghaus mit Eckturm, der Bergfried und der zentrale Kirchturm (capella St. Johannis) beherrschten das Stadtbild. Doppelte Ringmauern und zwei wuchtige Tore schützten vor unerwünschten Eindringlingen. Ein beschaulicher Gang über die Wallstraße, die Hauptstraße und durch den Burggraben öffnen dem kundigen Betrachter noch heute den Blick in das mittelalterliche Gewebe der Stadt.
Von 1610 bis 1818 erlitt die Stadt durch politische Machtverschiebungen bedingte Rechtsverluste. 1631 wurde das ganze 'Amt Neustadt' unter Adam von Schwarzenberg als Teil der Grafschaft Gimborn vom Herzogtum Berg getrennt. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ seine Spuren, die Pest in den Jahren 1634/36 raffte die Einwohner hinweg, verheerende Großbrände führten 1717 und 1742 zu riesigen Verlusten, und um 1800 kam es zum Zusammenbruch des Eisengewerbes. Armut und Elend beherrschten die Stadt und ihre Einwohner. Nur langsam erholte man sich von den Rückschlägen und gelangte zu neuen Kräften.
Bei Einführung von Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild im Großherzogtum Berg wurde 1808 im Kanton Gummersbach des Arrondissements Siegen im Département Sieg die Mairie (Bürgermeisterei) Neustadt eingerichtet. Nachdem das Rheinland 1814 an Preußen gefallen war, wurde aus der Mairie die preußische Bürgermeisterei Neustadt, die 1816 zum neuen Kreis Gummersbach kam. Die Bürgermeisterei umfasste neben Neustadt auch die beiden Gemeinden Lieberhausen und Wiedenest.
Der Bau von Fernstraßen um 1830 und die 1896 bis 1903 errichtete Eisenbahnlinie Köln– bzw. Siegburg–Olpe verhalfen der Stadt zu neuem Leben und befreiten sie aus ihrer provinziellen Abgeschiedenheit. Die heimische Textilindustrie machte sich im 19. Jahrhundert einen Namen.
Neustadt erhielt 1858 die Rheinische Städteordnung; Lieberhausen und Wiedenest bildeten seitdem die Landbürgermeisterei Neustadt.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Köln 1858, S. 67. 1884 wurde Neustadt in Bergneustadt umbenannt. Am 1. Oktober 1932 wurde Bergneustadt Teil des neuen Oberbergischen Kreises.
Seit 1950 erlebt Bergneustadt ein starkes industrielles Wachstum. Kraftfahrzeugindustrie, Papier-, Metall- und Kunststoffbearbeitung sowie Maschinenbau führen die Tradition der florierenden Handelsbeziehungen fort.
Am 1. Juli 1969 wurden durch das Gesetz zur Neugliederung des Oberbergischen Kreises Teile der damaligen Nachbargemeinden Denklingen, Gummersbach und Lieberhausen eingegliedert.Martin Bünermann: Die Gemeinden des 1. Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Ein Handbuch zum kommunalen Neugliederung mit systematischen Übersichten und Verzeichnissen der neuen und der aufgelösten Gemeinden (= Kommunale Schriften für Nordrhein-Westfalen. 32, ). Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 80.
Entwicklung der Einwohnerzahl miniatur|Diagramm der Einwohnerentwicklung
Jahr 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1962 1967 1969 Einwohner 1.549 3.518 3.816 4.183 6.280 9.276 10.078 11.453 16.256 Jahr 1990 2003 2005 2011* 2013 2017 2020 2022* Einwohner 20.040 20.683 20.721 18.799 18.835 18.876 18.502 18.526 * Zensus
Politik Stadtrat Der Stadtrat der Stadt Bergneustadt hat 34 Sitze, die sich seit der Kommunalwahl vom 14. September 2025 auf die einzelnen Parteien wie folgt verteilen: Wahldatum CDU SPD UWG GRÜNE FDP FWGB AfD Gesamt 14. September 2025 37,2 % 26,4 % 5,5 % 4,9 % 2,3 % 5,1 % 18,6 % 100 % 12 Sitze 9 Sitze 2 Sitze 2 Sitze 1 Sitz 2 Sitze 6 Sitze 34 Sitze 13. September 2020 13 10 4 3 2 2 – 34 25. Mai 2014 15 11 2 2 2 0 – 32 30. August 2009 16 9 1 2 3 1 – 32
Bürgermeister Im September 2020 wurde Matthias Thul (CDU) im zweiten Wahlgang als Nachfolger von Wilfried Holberg gewählt. Matthias Thul wurde bei der Kommunalwahl 2025 mit 61,04 % wiedergewählt.Bürgermeisterwahl 2025, oberberg-aktuell.de
Finanzen Die Stadt Bergneustadt ist überschuldet und gehört zu den besonders finanzschwachen Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, die unter § 3 Stärkungspaktgesetz fallen.
Die Hebesätze der kommunalen Steuern betragen in Bergneustadt bei der Gewerbesteuer 460 %, bei der Grundsteuer A 325 % und bei der Grundsteuer B 959 % (jeweils Stand Januar 2016).Angabe der Hebesätze auf der Homepage der Stadt Bergneustadt, Abruf am 28. Januar 2016. Hinsichtlich der Grundsteuer B ist Bergneustadt damit einer der teuersten Standorte in Deutschland.
Wappen Das Bergneustädter Wappen bekundet die historische Zugehörigkeit zu seinen einstigen Landesherren, der Grafen von der Mark und der von Berg. Entsprechend führt das Siegel in der oberen Hälfte des Schildes den märkischen Schachbalken, zweireihig rot-silbern geschacht auf goldenem Grund. Das Wappen der Grafschaft Mark führte diesen Schachbalken dreireihig.
Der oben und unten gezinnte Balken, der in der unteren Hälfte des Schildes erscheint, kommt doppelt im Wappen des ältesten Grafengeschlechts von Berg vor, das 1225 mit Erzbischof Engelbert von Köln ausstarb und dem die Grafen von der Mark entstammen. Dasselbe Wappen, wie es das Neustädter Siegel zeigt, wird übrigens einfach von vielen bergischen Ritterfamilien geführt.
Das Siegel von Bergneustadt stellt die Vereinigung des Märkischen und des alten Bergischen Wappens dar.
miniatur|Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa
Städtepartnerschaften und Städtefreundschaften Bergneustadt pflegt folgende Partnerschaften: Châtenay-Malabry, Frankreich, seit 1967 Landsmeer, Niederlande, seit 1968 (Châtenay-Malabry und Landsmeer sind ihrerseits seit 1986 verbunden) Bergneustadt ist Mitglied in der größten internationalen Städtefreundschaft Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa, in der sich 36 Städte und Gemeinden (Stand: Juli 2024) mit Namen Neustadt aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen, der Slowakei und den Niederlanden zusammengeschlossen haben. Zusammen mit Neustadt (Wied) und Neustadt/Westerwald bildet Bergneustadt ein geographisches Dreieck, mit jeweils etwa 50 Kilometer Entfernung zueinander.
Kultur und Sehenswürdigkeiten miniatur|Gewölbefresken in der Kirche Wiedenest miniatur|Ehem. Stadtbücherei miniatur|Altstadtkirche Bergneustadt miniatur|Kreuzkirche Wiedenest
Bauwerke
Heimatmuseum Bergneustadt Die Evangelische Kreuzkirche Wiedenest ist eine der so genannten Bunten Kerken, eine Kirche mit mittelalterlichen Wand- und Deckenmalereien, hier Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Die denkmalgeschützte Evangelische Kirche Die Rengser Mühle Auf dem nordöstlich der Stadt liegenden hohen Knollen steht seit 1982 ein über 30 m hoher hölzerner AussichtsturmAussichtsturm auf dem Knollen auf der Website der Stadt Bergneustadt
Musik und Theater Schauspielhaus Bergneustadt The Voices (gemischter Chor mit neuerem Liedgut) Losemund Theater Bergneustadt mehrere Kantoreien, Singkreise, Kirchen-, Kinder- und Jugendchöre in den evangelischen, katholischen und evangelisch-freikirchlichen Kirchengemeinden Liederkranz (gemischter Chor mit traditionellem Repertoire) Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Bergneustadt Schulorchester, Schulchor und Unterstufenchor am Wüllenwebergymnasium Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Bergneustadt Big Band der Musikschule Bergneustadt
Vereine Der Förderkreis für Kinder, Kunst & Kultur engagiert sich seit 1996 für die Menschen in Bergneustadt und Oberberg. Der Verein bemüht sich um ein attraktives und umfassendes Veranstaltungsprogramm. Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen Kinder und Jugendliche, denen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in den Bereichen Kunst, Kultur und Sport ermöglicht werden soll. Neben der Kinderkunstschule, den Bildhauerworkshops und Kunstprojekten fördert der Verein vor allem auch junge Musiker und bietet ihnen Gelegenheit für öffentliche Auftritte. Des Weiteren werden Ausflüge und Ferienfreizeiten veranstaltet.