Großenhain, früher als Hayn bezeichnet, ist eine Große Kreisstadt in Sachsen an der Großen Röder im Landkreis Meißen.

Geographie Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend: Merzdorf, Gröden, Hirschfeld, Lampertswalde, Ebersbach, Priestewitz, Nünchritz, Glaubitz, Wülknitz und Röderaue.

Stadtgliederung Die Jahreszahlen zeigen das Jahr der Eingemeindung an.

Stadtteile: Zschieschen (1961), Mülbitz (1913), Großraschütz (1960), Kleinraschütz (1950), Naundorf (1937).

Ortsteile/Ortschaften: Folbern (1999), Rostig (1995), Skassa (1994), Weßnitz (1995), Zschauitz (1994), Walda (Oktober 2009), Kleinthiemig (Oktober 2009), Wildenhain (Oktober 2009), Bauda (Oktober 2009), Colmnitz (Oktober 2009). Seit Januar 2010: Zabeltitz, Görzig, Treugeböhla, Krauschütz, Nasseböhla, Skäßchen, Skaup, Strauch, Stroga, Uebigau.

Klima Großenhain liegt im Klimaeinflussbereich des Elbtales mit relativ milden Wintern und warmen Sommern. In Großenhain gibt es unterdurchschnittlich wenig Niederschlag; das war der Grund, dass der Großenhainer Flugplatz in den 1930er Jahren zum Ausweichflugplatz von Dresden ausgebaut wurde.

Geschichte mini|Großenhain um 1650 mini|Napoleon in Großenhain am 10. Juli 1813 bei der Parade der privilegierten Schützen, AK nach einem Gemälde mini|Marktplatz in Großenhain um 1917

Besiedlung ab 1205 Der Ort wurde 1205 als Hayn erstmals urkundlich erwähnt. Dabei wird das Getreidemaß mensura Haynensis genannt, das als Maßeinheit für Zinszahlungen mehrerer Dörfer festgelegt wird, woraus man schließen kann, dass der Ort zu diesem Zeitpunkt schon eine gewisse regionale Bedeutung hatte. Das Magdalenenkloster („Reuerinnen“) in „Ozzek“ wird 1240 mit Ländereien in Naundorf ausgestattet.Sächsisches Staatsarchiv, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 00359 1254 wurde der Ort als civitas erwähnt. 1291 wurde auf Geheiß des Markgrafen von Meißen Friedrichs des Freidigen und seines Bruders Dietzmann die Stadt befestigt und eine Stadtmauer erbaut. Im Jahr 1292 wurde die Stadt durch die Markgrafen von Brandenburg erfolglos belagert. Von 1312 bis 1316 gehörte Hayn zu Brandenburg, als Pfand für das Lösegeld des in Gefangenschaft geratenen Friedrich. 1329 stiftet der Markgraf Friederich II für Ritter Ludwig von Schenkenberg, Protonotar, eine neue Domherrenpfründe, überweist derselben den Kleinzoll zu Grossenhain. Die Stadt Hayn schloss 1398 zusammen mit den Städten Dresden, Meißen und dem Oberlausitzer Sechsstädtebund einen Vertrag zur Erhöhung der Sicherheit der Hohen Landstraße ab, die von Leipzig über Wurzen, Oschatz, (Großen)Hain, Kamenz, Bautzen, Görlitz nach Breslau und weiter nach Osten führte. Im Jahr 1429 wurde die Stadt durch die Hussiten zerstört. 1443 erlangte Hayn das Stapelrecht für Kaufmannswaren, 1489 erfolgte eine Bestätigung des Waidhandelsrechts von Seiten des Markgrafen, der den Waidhandel von Görlitz nach Hayn verlegte. Die ansässigen Tuchmacher produzierten Waren für den Fernhandel und profitierten vom Handel mit Waid.Großenhain, Streifzug durch eine sächsische Kleinstadt 2002, Gräser Verlag Dadurch erlebte die Stadt im 15. und 16. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit und entwickelte sich zum wichtigen Handelsplatz an der sehr wichtigen Handels- und Heerstraße, der Hohen Landstraße. Das Servitenkloster Hain bestand von 1318 bis 1539.

Im Jahr 1621 hatte Hain eine Kippermünzstätte, in der unter Münzmeister Marcus Brun Interimsmünzen (Kippermünzen) geschlagen wurden. Das waren hauptsächlich Kipper-Schreckenberger, Kreuzerstücke und 3-Pfennig-Stücke.

Im Jahr 1704 wurde die Stadt während des Nordischen Krieges zerstört.

Garnisonsstadt ab 1744 mini|Karte von Großenhain (1756, „Situations Plan von der Stadt Grossen Hayn: wie selbige nachdem am 8. Januar 1744 erlittenen grossen Brande situiret“) Am 8. Juni 1744 wurde Hain durch den größten Stadtbrand seiner Geschichte vollständig zerstört.

1856 erhält Hayn die amtliche Bezeichnung „Großenhain“.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts war Hain zeitweise, nach dem Wiederaufbau nach dem Stadtbrand 1744 fast ständig mit Garnisonen belegt. Zuerst waren es vor allem Infanteriebataillone, nach den Koalitionskriegen Kavallerie, für die ab 1875 die Kaserne errichtet wurde. Die zwei am längsten in Großenhain stationierten Regimenter waren zum einen das Linien-Infanterie-Regiment „Prinz Anton“ und das 1. Husaren-Regiment „König Albert“ Nr. 18, dessen letzter Regimentschef König Friedrich August III. war, der in diesem Regiment auch seinen Militärdienst ableistete.

Am 15. November 1913 wurde im Auftrag des Militärs der Bau eines Flugplatzes begonnen. Auf diesem landete bereits am 21. Februar 1914 das erste Flugzeug, die bei DFW in Lindenthal bei Leipzig gebaute Stahl-Taube mit der Militärzulassungsnummer A 183.13. Seit 1914 gab es in Großenhain einen Militärflugplatz mit der „Flieger-Ersatz-Abteilung 6“, die Piloten und Beobachter ausbildete, und einer „Kampfeinsitzerschule“. Im Ersten Weltkrieg wurden hier zwischen 6.000 und etwa 60.000 Mann zum Piloten oder Beobachter ausgebildet, darunter auch Manfred von Richthofen. Danach wurde der Flugplatz als Militärfliegerstation, Not- und Verkehrslandeplatz, Fliegerhorst der Luftwaffe genutzt. Im November 1918 wurde in Großenhain der erste Arbeiter- und Soldatenrat Sachsens gebildet. In der Zwischenkriegszeit waren zwei Schwadronen Reichswehrkavallerie in Großenhain stationiert, und während des Zweiten Weltkrieges wurde eine Remonteschule eingerichtet. Im Kriegsverlauf blieb die Stadt von Kampfhandlungen verschont.

Zeit des Nationalsozialismus Im Amtsgerichtsgefängnis befand sich von März 1933 bis Juli 1933 ein frühes Konzentrationslager für politische Gegner des NS-Regimes. Die Gesamtzahl der Inhaftierten ist unbekannt, neun Personen sind nachweislich bekannt. Die Anzahl der Häftlinge, die im Lager und an den Folgen ums Leben kamen, ist ebenfalls nicht bekannt. Bis 1876 befand sich auf dem Gelände die Katharinenkirche, die wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Im Jahre 1876/78 entstand das Gerichtsgebäude mit dazugehörigen Gefängnis. Heute befindet sich die Pension „Altes Gefängnis“ in dem Gebäude.

Ab 1945 Am 22. April 1945 wurde die Stadt kampflos von der Roten Armee eingenommen. Danach wurde der Militärflugplatz von der 105. Jagdbombenfliegerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland genutzt. Das NVA-Panzerregiment 16 „Leo Jogiches“ war in Großenhain stationiert.

Bis 1949 wurden ca. 4.500 Neubürger aufgenommen.

Im November 1949 besuchte der erste Präsident der DDR, Wilhelm Pieck, zum zweiten Mal nach seinem Aufenthalt im August 1946 die Stadt Großenhain.

Mit der DDR-Kreisreform am 25. Juli 1952 wird Großenhain Sitz des Kreises Großenhain im Bezirk Dresden. alternativtext=Erinnerung an die Friedliche Revolution in Großenhain, Foto: Januar 2025|mini|Die erste Demonstration in Großenhain im Herbst 1989 hatte ihren Ausgangspunkt in der Marienkirche, Foto: Januar 2025 Im Oktober 1989, zu Anfang der Wende, beginnen in Großenhain die ersten Donnerstags-Demonstrationen. Daran erinnert eine Gedenktafel im Boden vor dem Haupteingang zur Marienkirche.

Großenhain war ein Standort der DDR-Leichtindustrie. Betriebe waren unter anderem:

VEB Getreideverarbeitung Riesa, Betriebsteil Großenhain VEB Polstermöbelindustrie Oelsa-Rabenau, Betriebsteil Innengestaltung Großenhain VEB Elektromotorenwerk Großenhain VEB Dampfhammerwerk Großenhain VEB Herrenmode Dresden, Werk Großenhain VEB Schmiede Großenhain VEB Textilmaschinenbau Großenhain VEB Zellstoff und Papier Heidenau, Werk Großenhain VEB Ofen- und Herdbau heute Stema VEB Meißner Schuhfabrik, Werk Großenhain VEB Oberlausitzer Textilbetriebe, Betrieb Neusalza-Spremberg, Werk 4 Großenhain VEB Textilveredlung Großenhain VEB Kreisbau Großenhain BMK Ausbau Großenhain VEB Stanz- und Emaillierwerk Großenhain

Nach der Wiedervereinigung mini|hochkant|Ehemalige Papierfabrik Großenhain mit dem beim Tornado eingestürzten Schornstein (Höhe vor Einsturz 96 Meter) 1991 begann die Konversion des Fliegerhorstes in einen zivilen Verkehrslandeplatz, die 1993 abgeschlossen wurde.

Die Bekanntheit der „freundlichen Stadt im Grünen“ wurde durch die Landesgartenschau 2002 vergrößert.

Der Großteil der Betriebe Großenhains wurde nach 1990 geschlossen.

Am 24. Mai 2010 verwüstete ein Tornado der Stärke F3 auf der Fujita-Skala große Teile Großenhains und der angrenzenden Gemeinden. In der Stadt wurden etwa vierzig Menschen teilweise schwer verletzt und ein Kind durch einen umstürzenden Baum getötet. In den Stadtteilen Walda und Kleinthiemig wurden 80 Prozent der Hausdächer zerstört.

Verwaltungszugehörigkeit Als Folge der Beschlüsse des Wiener Kongresses verlor das kursächsische Amt Hayn große Teile seines Gebietes. Das Amt zerfiel in Gerichtsbezirke, welche erst 1874 mit der Bildung der Amtshauptmannschaft Großenhain wieder vereint von Großenhain aus verwaltet wurden. 1939 erhielt die Amtshauptmannschaft Großenhain die reichseinheitliche Bezeichnung Landkreis.

Bei der Verwaltungsneugliederung und faktischen Auflösung der Länder in der DDR im Jahr 1952 wurde der Kreis Großenhain aus dem Ostteil des ehemaligen Landkreises Großenhain gebildet. Großenhain wurde die Kreisstadt.

Noch vor der Wiedervereinigung 1990 wurde der Kreis Großenhain ein Landkreis nach Maßgabe der neuen Kommunalverfassung der DDR vom 17. Mai 1990, die am 3. Oktober 1990 nach den Vorschriften des Einigungsvertrages zu sächsischem Landesrecht wurde.

Am 1. August 1994 entstand durch Zusammenlegung der Landkreise Riesa und Großenhain der Landkreis Riesa-Großenhain. Großenhain blieb weiterhin Kreisstadt. Am 1. August 2008 wurde der Kreis zusammen mit dem damaligen Landkreis Meißen zum neuen Landkreis Meißen vereint, dessen Kreisstadt Meißen ist. Großenhain verlor nach über fünfzig Jahren den Kreisstadtstatus.

Religionen Die Stadt Großenhain ist seit Einführung der Reformation 1548 Sitz des Superintendenten des Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirkes Großenhain. Ihm ist das heutige Kirchspiel Großenhainer Land mit der Ephoralkirche Marienkirche Großenhain unterstellt. Durch Eingemeindungen von umliegenden Orten liegen inzwischen auch der Pfarrbereich Wildenhain komplett und der Pfarrbereich Skäßchen teilweise innerhalb des Großenhainer Stadtgebietes. Die zugehörigen Kirchen befinden sich in den Ortsteilen Bauda, Görzig, Skäßchen, Skassa, Strauch, Walda, Wildenhain und Zabeltitz. Zu Jahresbeginn 2013 sind die beiden Kirchenbezirke Großenhain und Meißen zusammengelegt worden. Daraus entstand der Kirchenbezirk Meißen-Großenhain mit dem Sitz der Superintendentur in Meißen.https://www.sonntag-sachsen.de/2014/48/der-brueckenbauer-geht

Seit 1907 besteht in Großenhain wieder eine katholische Kirchengemeinde, die Katholische Pfarrei St. Katharina Großenhain. Sie besitzt die bis 1907 neuerrichtete gleichnamige Pfarrkirche und ist dem 1921 wiedererrichteten Bistum Dresden-Meißen untergeordnet.

Einwohnerentwicklung Jahr 1834 1875 1880 1933 1939 1946 1950 1960 1981 1984 1995 1998 1999 Einwohner 5.755 10.686 11.045 13.510 16.488 17.708 1 18.847 2 19.514 18.079 19.117 18.037 18.055 17.703 Jahr 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2007 2009 2010 2012 2013 2022 2023 Einwohner 17.475 17.222 17.011 16.793 16.554 16.798 15.652 19.682 19.566 18.537 18.384 18.102 Bei den Einwohnerzahlen sind die Eingemeindungen zu berücksichtigen.1 29. Oktober, 2 31. August, ab 1960 am 31. Dezember

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