Baden, auch Baden bei Wien, ist eine Stadt in Niederösterreich, 25 km südlich von Wien an der Thermenlinie. Als eine der bedeutenden Kurstädte Europas zählt die Stadt seit 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft Baden. Besonders bekannt ist die Stadt für ihre reichhaltige Geschichte, Biedermeierarchitektur, Kunst- sowie Weinkultur. Die Stadt wird geläufig auch als Kaiser- bzw. Kurstadt bezeichnet. Der amtliche Name lautet Baden; häufig wird, auch von der Stadt selbst, die Bezeichnung Baden bei Wien verwendet. Offizielle Gemeindefarben seit dem 15. Oktober 1968 sind Rot-Weiß. Die Stadt hat Einwohner (Stand ).

Geografie

Lage mini|Blick aus dem Helenental Richtung Osten, mit dem Aquädukt Baden der Wiener Hochquellwasserleitung im Vordergrund und dem Stadtkern dahinter, mit St. Stephan und dem Kursalon des Kurparks, sowie am rechten Bildrand das städtische Strandbad. Im Hintergrund Traiskirchen. Die Gemeinde Baden liegt in der Teilregion des Karbonat-Wienerwaldes am östlichen Rand der nördlichen Kalkalpen, im Übergangsbereich vom Wiener Becken zur Thermenlinie. Der tiefste Punkt mit knapp 220 Metern Seehöhe befindet sich im Osten des Gemeindegebiets. Die höchste Stelle liegt mit dem Badner Lindkogel (582 m) im Nordwesten des Gemeindegebiets im Wienerwald. Die am tiefsten gelegenen Bereiche östlich der Südbahn sind dem Wiener Becken zuzuordnen. Diese werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Am Rand des Stadtgebietes erhebt sich der 266 Meter hohe, für den Weinbau genutzte Hartberg (auch Harterberg genannt). Westlich des Stadtgebiets folgt der Anstieg mit einzelnen Kuppen (z. B. Römerberg) hin zu den ersten Anhöhen des Karbonat-Wienerwalds. Dies ist das zentrale Weinbaugebiet.https://www.bpww.at/sites/default/files/download_files/DW-430714-20230412-Gemeindebericht-Baden-Kurzfassung.pdf'

Flüsse/Bäche Die Stadt Baden wird am Rande des Zentrums von der Schwechat durchflossen, die aus dem Helenental kommt. Knapp außerhalb des Gemeindegebiets von Baden, in Tribuswinkel, quert die Schwechat auch den Wiener Neustädter Kanal.

Der (Badener) Mühlbach wird von der Schwechat am Beginn des Helenentals bei Baden abgeleitet. Von der Wasserkraft wurden bereits im 12. Jahrhundert dutzende Mühlen zwischen Baden und Laxenburg betrieben. Der Bach fließt in Laxenburg in den dortigen Park, um danach wieder zur Schwechat zurückzukehren.https://www.meinbezirk.at/baden/c-regionauten-community/dem-muehlbach-entlang_a5899963'

Stadtgliederung

Im Jahr 1850 wurde die Vereinigung mit Leesdorf und Gutenbrunn beschlossen. 1912 erfolgte die Erweiterung mit Weikersdorf.Pia Maria Plechl: Baden bei Wien.

An Ortschaften und Siedlungsnamen weist Baden auf als Stadt: Baden, als Dorf: Haidhof-Siedlung sowie Schildbachweg, als Einzelhäuser: Haidhof, Haidhofteich, Jägerhaus, Kiebitzmühle sowie Lorenzteich.Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH/Verlag Österreich, Wien 2002–, OBV, abgerufen am 18. September 2023.

Nachbargemeinden

Klima

Geschichte

Erste archäologische Funde auf dem Stadtgebiet aus der Königshöhle nahe der Burgruine Rauheneck können knapp 3000 Jahre vor Christus datiert werden. Diese sind Namensgeber der Badener Kultur.

Spätere Funde bezeugen die Anwesenheit von Kelten im Gebiet von Baden.

Mit der Ausbreitung Roms nach Pannonien kam die Stadt mit der römischen Kultur intensiv in Kontakt. Die Römer nutzten aktiv die warmen Schwefelquellen, welche bereits in damaligen Ortsverzeichnissen datiert sind. Es wird insbesondere diskutiert, ob Baden mit „Aquis“ auf der römischen Straße von Wien nach Ödenburg/Sopron (Scarabantia) im Itinerarium Antonini gemeint ist.So Erich Polaschek: Die Tabula Peutingeriana und das Itinerarium Antonini als geographische Quellen für Niederösterreich. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich 21 (1928), S. 1–42, bes. S. 11f (www.zobodat.at). Auch der lokale Weinbau wurde intensiviert.

Während der Regentschaft des Kaisers Claudius (41–54 n. Chr.) erhielt die Ansiedlung die Bezeichnung Aquae (deutsch: Bäder), die direkt auf ihre schon damals bedeutende Rolle als Heilbad hinweist. In der Epoche entstanden Gutshäuser, mehrere Tempel, und auch eine römische Kaserne. Die ansässige Bevölkerung vermischte sich mit römischen Zuwanderern und wurde zunehmend romanisiert.

869 wurde der Ort als „Padun“ neuerlich erwähnt, als König Karlmann dort Gericht machte. Ab dem 12. Jahrhundert wird wieder Baden häufiger erwähnt, meist in Zusammenhang mit Weingartenschenkungen an Klöster, die im heutigen Stadtgebiet Lesehöfe hielten. Im Hochmittelalter hatte die Umgebung eine außerordentlich hohe Dichte an Burgen und Herrschaften. Die Burg Scharfeneck war ab etwa 1100 besiedelt, ein Besitzer der Burg Rauheneck ist 1130 erstmals belegt, die Veste Rohr um 1180. Die Leesdorfer Wasserburg, das heutige Schloss Leesdorf scheint im Jahr 1114 auf. Burg Rauhenstein wird erstmals 1186 im Klosterneuburger Traditionskodex erwähnt. Wann die Wasserburg Weikhardsdorf, wo das heutige Schloss Weikersdorf erbaut wurde, entstand, ist nicht bekannt.

Ab 1285 kam es zu Siedlungserweiterungen im Bereich des damals gegründeten Augustiner-Eremitenklosters (aufgehoben 1812) und des „Neustift“ (heutige Neustiftgasse). Ein Richter von Baden ist 1337 erstmals nachgewiesen. Neben den Schwefelbädern existierten kontinuierlich Badstuben. Am besten dokumentiert ist das Schwitzbad im Baumgarten (heutige Neustiftgasse 6).

1341 erhielt Baden unter Albrecht II. das Marktrecht und im Jahr 1480 von Friedrich III. das Stadtrecht (als einziger Ort zwischen St. Pölten – Wien – Bruck an der Leitha und Wiener Neustadt – Ebenfurth bis ins 19. Jhd.).

Kaiser Friedrich III. verbrachte regelmäßig mit seiner Gattin Eleonore Helena Zeit in Stadt, ebenso wie Matthias Corvinus. Kaiserin Eleonores Gepäckwagen wurde 1466 auf dem Weg zur Kur vom Gefolge des Wilhelm von Puchheim der Burg Rauhenstein überfallen und ausgeraubt, weshalb der Kaiser in Folge die Burg brechen ließ. mini|Südliche Ansicht von Baden (1486), mit dem überbrückten Mühlbach und der Schwechat, dem heutigen Josefsplatz, im Vordergrund und der um 1800 geschleiften Stadtmauer und Graben (siehe heute Grabengasse und dortige Mauerreste). mini|KaiserBad zu Baden (Topographia Provinciarum Austriacarum, Merian, 1649)

1488 besuchte die ungarische Königin Beatrix die Stadt, um ihre Kinderlosigkeit zu heilen.

1531 schenkte Kaiser Ferdinand I. der Stadt das Frauenbad. 1613 setzte Kaiser Matthias ein eigenes Badgericht und eine Badeordnung aus 22 Gesetzen ein.

Zahlreiche Badener beteiligten sich am Haueraufstand des Jahres 1597.

Die Türkeneinfälle mit der Zerstörung Badens sowohl 1529 als auch 1683, die Wirren der Reformation und Gegenreformation, die Pest 1713 sowie ein größerer Brand 1714 waren einschneidende Ereignisse im Leben der Stadt.

Der sächsische Kurfürst, später König von Polen und Großherzog von Litauen, August der Starke konvertierte am 1. Juni 1697 heimlich in der katholischen Hofkapelle, der heutigen Frauenkirche, zum katholischen Glauben (siehe August der Starke).

Peter der Große besuchte 1698 auf Einladung von Kaiser Leopold I. die Stadt, woraufhin er russische Beamte beauftragte nach Thermalquellen in Russland zu suchen.

Kaiser Joseph I. kam ab 1707 regelmäßig zur Kur.

1758 unterstützte Maria Theresia den Bau einer neuen barocken Badeanlage. Im Josefsbad verhängte sie ein Badeverbot für Frauen. Auch sie kam mit Gefolge mehrmals zur Kur und verordnete eine Bekleidungspflicht in den Bädern.

Vor dem Erlass der Toleranzpatente für die Juden in Wien und Niederösterreich, durch Joseph II. Ende des 18. Jhd. konnten sich lange keine Menschen jüdischen Glaubens ansiedeln; so war ihnen auch der Besuch der städtischen Bäder größtenteils verwehrt. Infolge der Toleranzpatente fand sich aber ab dem 19. Jahrhundert ein kleines Zentrum jüdischer Kultur an der Bäckerstraße 363 (heute Breyerstraße 3) und eine jüdische Gemeinde entstand. Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde weiter an und stellte 1934 mit 1108 personen, 5 % der Bevölkerung, sogar die drittgrößte jüdische Gemeinde Österreichs dar (nach Wien und Graz), und bildet heute die letzte Israelitische Kultusgemeinde Niederösterreichs.Christoph Lind (Bearb.), Die Zerstörung der jüdischen Gemeinden Niederösterreichs 1938–1945, in: H. Arnberger/C. Kuretsidis-Haider (Hrsg.), Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung, Mandelbaum-Verlag, Wien 2011.

Wolfgang Amadeus Mozart war zwischen 1773 und 1791 öfters zu Gast. Das „Ave Verum Corpus“ für den Badener Schulmeister Anton Stoll entstand 1791 im heutigen Mozarthof in der Renngasse und wurde in der Stadtpfarrkirche uraufgeführt. Mozart dirigierte dort im gleichen Jahr auch die von ihm geschriebene Missa brevis in B (KV 275). Auch entstanden nachweislich Teile seiner Opern „Die Zauberflöte“ und „La clemenza di Tito“ in der Kurstadt.

Die Stadt blieb bis zur Anlage neuer Straßenzüge in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und dem Abriss der Stadtbefestigung von 1804 bis 1813 weitgehend unverändert von ihrer mittelalterlichen Struktur und Erscheinung. mini|Stadtbrand am 26. Juli 1812. – Vordergrund: Josefsplatz, Löschwasserschöpfen aus dem Mühlbach; Hintergrund: Josefsbad (links), Neubad (Mitte), dahinter das brennende Dach der Frauenkirche

Kaiser Franz I. verbrachte von 1796 bis 1834 jeden Sommer mit seiner Familie in Baden und erhob die Stadt zu seiner Sommerresidenz. Dadurch avancierte Baden zum bedeutsamen Kurort. Im Gefolge des Hofes kam im Sommer auch die gesellschaftliche Oberschicht, um sich in Baden zu erholen und auf Sommerfrische zu fahren. Die Kinder des Kaisers, unter anderem der spätere Kaiser Ferdinand I. und Kaiserinnen Marie Louise und Maria Leopoldina und ihre restlichen Geschwister verbrachten einen Gutteil ihrer Kindheit in der Stadt.

1803 besuchte Königin Luise von Preußen die Stadt.

Sowohl als am 11. August 1804 das Kaisertum Österreich ausgerufen wurde, als auch am 6. August 1806 die Krone des heiligen römischen Reiches niedergelegt und die Reichsfürsten von ihren Pflichten entbunden wurden, befand sich Kaiser Franz I/II. und der habsburgische Hofstaat in Baden.https://stadtarchiv-aschaffenburg.de/wp-content/uploads/2018/06/11-1_001-068_Inhalt1.pdf?utm_source=chatgpt.com

Ein für die Stadt und ihr heutiges Bild außerordentlich prägendes Ereignis war der Stadtbrand 1812. Fast der gesamte Ortskern brannte nieder. Neben wenigen verschonten Gebäuden blieb nur die barocke Pestsäule von Giovanni Stanetti am Hauptplatz verschont. Die Brandursache ist bis heute umstritten.

In Folge wurde die Stadt nach Plänen von Joseph Kornhäusel neu erbaut und erhielt ihr im Großen und Ganzen noch heute erhaltenes weltweit einzigartiges, stilistisch einheitliches Stadtbild der Biedermaierarchitektur.

1813 kaufte der Kaiser schließlich das Kaiserhaus von Fürst Nikolaus II. Esterhazy.

Napoleons zweite Frau Marie Louise wohnte nach der Regentschaft ihres ersten Mannes mehrere Jahre in Stadt, in welcher sie auch einen Gutteil ihrer Jugend verbrachte. Ihr gemeinsamer Sohn, der Herzog von Reichstadt wuchs zu großen Teilen in der Kurstadt auf.

Auch Napoleon selbst gastierte an der Sommerresidenz seines Schwiegervaters.

Auch Fürst Metternich richtete sich in der Stadt eine Sommerresidenz ein, wo ihn regelmäßig seine Liebhaberin Fürstin Bagration besuchte. Die Stadt war folglich auch der Ort, an dem der Kaiser und Metternich den Wiener Kongress im Sommer 1814 maßgeblich vorbereiteten.

Während des Wiener Kongresses selbst war Baden ein wichtiger Nebenschauplatz, an welchem der europäische Hochadel, Gesandtschaften und Staatsmänner verkehrten und in Hinterzimmern Abkommen schlossen und sich Intrigen, insbesondere in den Anwesen von Fanny von Arnstein und Caroline Pichler abspielten. Die folgenden Jahrzehnte erlebt die Stadt den Aufstieg zur „heimlichen Hauptstadt“ und gesellschaftlichen Drehscheibe des Habsburgerreiches.