mini|300px|Sporttaucherin
Als Tauchen wird im Allgemeinen das Eindringen eines Körpers in eine Flüssigkeit bezeichnet. In der Regel ist damit das Tauchen von Menschen unter Wasser gemeint. Im Gegensatz zum Schwimmen und Schnorcheln ist beim Tauchen der gesamte Körper unter der Wasseroberfläche. Die Bedingungen über dem Wasser unterscheiden sich stark von denen, die unter Wasser herrschen, was besondere Anforderungen an den Menschen und die Technik stellt, denen mit besonderen erlernten Fähigkeiten und entsprechender Ausrüstung begegnet wird. Personen werden Taucher genannt.
Geschichte des Tauchens
Die Geschichte des Tauchens beginnt ca. 4500 v. Chr. mit der Ernte von Schwämmen, Perlen und Korallen. In der Antike sollen auch Taucher bei Kampfeinsätzen gegen feindliche Schiffe eingesetzt worden sein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts beginnt die Verwendung von Helmtauchgeräten am Grund des Gewässers. Die ersten leichteren Schwimmtauchgeräte gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Geburtsstunde des heute praktizierten Sporttauchens liegt in den 1950er/60er Jahren, nachdem in den Jahren davor Forscher und Erfinder wie Hans Hass und Jacques-Yves Cousteau die ersten praxistauglichen Tauchgeräte entwickelt hatten. Zu dieser Zeit ging der Tauchsport immer mehr vom Freitauchen (Luftanhalten bzw. Apnoetauchen) zum Gerätetauchen über und die ersten Tauchorganisationen wurden gegründet.Norbert Gierschner: Meine illustrierte Chronologie und Bibliografie der Tauchgeschichte. Band 1. Tauch-Info-Büro, Berlin 2007, ISBN 978-3-937522-16-6. Band 2: ISBN 978-3-937522-17-3.
Sporttauchen
mini|Apnoetaucherin mit Monoflosse
Tauchen als Freizeitbeschäftigung wird als Sport- oder Freizeittauchen bezeichnet und hat sich in unterschiedliche Unterbereiche aufgeteilt. Die Unterschiede lassen sich dabei einerseits an der Art und dem Umfang der verwendeten Ausrüstung und andererseits an dem beim Tauchen verfolgten Ziel festmachen.
Apnoetauchen
Apnoetauchen ist die älteste und ursprünglichste Form des Tauchens. Das Tauchen erfolgt mit angehaltenem Atem ohne künstliche Atemluftversorgung, wobei der Taucher oft nur mit einer ABC-Tauchausrüstung und einem Tauchanzug ausgestattet ist. Apnoetauchen wird sowohl als Breiten- wie als wettkampfmäßiger Extremsport betrieben. Es existieren unterschiedliche Disziplinen wie statisches Zeittauchen, Streckentauchen oder Tieftauchen. Die weltweit größte Verbreitung hat das Apnoetauchen jedoch in Form der Unterwasserjagd.
Schnorcheln
Eine Sonderform des Apnoetauchens ist das Schnorcheln. Der Taucher oder Schnorchler schwimmt unter Verwendung eines Schnorchels an der Wasseroberfläche und taucht kurzzeitig ohne Atemgerät in geringe Tiefen. Häufig wird zur Beobachtung der Unterwasserwelt oder bei der Wasserrettung geschnorchelt.
Unterwassersportarten Die Unterwassersportarten Unterwasser-Rugby und Unterwasserhockey verwenden an der Oberfläche Schnorchel, um dem Spiel zu folgen. Die Spieler tauchen allerdings ab, um ins Spielgeschehen einzugreifen und sind dann Apnoetaucher.
Gerätetauchen
mini|Eine Gruppe von Gerätetauchern
Beim Gerätetauchen verwendet der Taucher ein Drucklufttauchgerät (SCUBA) oder ein Kreislauftauchgerät (Rebreather), um unter Wasser überleben zu können. Durch die künstliche Atemgasversorgung sind Tauchgänge von mehreren Stunden möglich. Meist stehen die körperliche Betätigung, der Spaß, die Erholung, das Abenteuer und Naturbeobachtungen im Vordergrund der Motivation des Tauchens. Das Gerätetauchen ist heute weltweit seine meistverbreitete Art. Jährlich werden etwa 1,7 Millionen Menschen als Gerätetaucher ausgebildet.936'000 Brevetierungen () bei einem Marktanteil von 56 %, () ergeben einen Markt von etwa 1.7 Millionen. Beim Sporttauchen wird in der Regel Druckluft oder Nitrox als Atemgas verwendet und nicht, wie manchmal vermutet wird, reiner Sauerstoff. Dieser wirkt abhängig von der Einwirkzeit ab einem Partialdruck von 1,4 bis 1,6 Bar (ab ca. 6–7 Metern Tiefe bei Verwendung von reinem Sauerstoff bzw. etwa 57 Metern bei Einsatz von Pressluft mit 21 % Sauerstoff) toxisch auf das Zentralnervensystem und erzeugt eine Sauerstoffvergiftung. Deshalb überschreiten Sporttaucher normalerweise eine Tauchtiefe von 50 Metern nicht (Einige wenige Tauchorganisationen erlauben sogar 60 Meter.) und halten sich nur rund eine Stunde unter Wasser auf. Meist wird zur Erhöhung der Sicherheit in einem Buddyteam oder einer kleinen Gruppe getaucht. Für Gerätetaucher gibt es eine große Auswahl an Ausrüstungsgegenständen und ein reichhaltiges Angebot zur Tauchausbildung.
Technisches Tauchen
Das technische Tauchen (Tec-Diving) ist eine immer populärer werdende Sonderform des Gerätetauchens, die es Freizeittauchern ermöglicht, mit Techniken und Verfahren, die ursprünglich dem Berufstauchen vorbehalten waren, tiefere und längere Tauchgänge zu unternehmen. Die Grenze zum normalen Gerätetauchen ist fließend. Ursprünglich sprach man von technischem Tauchen, wenn bei einem einzigen Tauchgang das Atemgasgemisch mehrfach gewechselt wird. Heute gibt es auch vom Atemgas unabhängige Definitionen.
In der Regel wird bei einem einzigen tiefen Tauchgang das Atemgasgemisch mehrfach gewechselt, da jedes Gemisch bei unterschiedlichen Tiefen verschiedene Vorteile und Gefahren mit sich bringt. Dies hat zur Folge, dass manche Taucher mit zahlreichen Flaschen versehen ins Wasser steigen, siehe dazu auch Sidemount-Tauchen. Technische Taucher verwenden Ausrüstungsteile wie zum Beispiel Wing-Jackets, Vollmasken, Stage-Flaschen, Backplate mit Harness und anderes, die über das übliche Niveau des Sporttauchen hinausgehen. Technisches Tauchen erfordert wegen der abweichenden Ausrüstungen und den speziellen Atemgasen jeweils spezifische, weitergehende Ausbildungen.
Formen des Sporttauchens
Für Sporttaucher gibt es einige spezielle Formen, die nicht selten auch spezielle Kenntnisse und eine tiefergehende Ausbildung voraussetzen:
Eistauchen: Als Eistauchen bezeichnet man das Tauchen unter einer geschlossenen Eisdecke. Besondere Gefahren sind hier in erster Linie die Auswirkung der niedrigen Wassertemperatur auf Taucher und Gerät sowie die nahezu ausgeschlossene Möglichkeit, die Einstiegsöffnung ohne Führungsleine wiederzufinden.
Historisches Tauchen: In letzter Zeit wächst auch unter Sporttauchern das Interesse an alter Tauchtechnik. Insbesondere Helmtauchgeräte, wie sie zwischen 1900 und 1950 den Stand der Technik darstellten, aber nach und nach aus der Berufstaucherei verschwanden, finden hier neue Beachtung. Im Vordergrund steht hier das Erleben des Umgangs mit alter Technik, vergleichbar mit der Liebhaberei von Oldtimern.
Höhlentauchen: Viele Höhlen sind ganz oder teilweise mit Wasser gefüllt, sie tauchend zu erkunden stellt einen besonderen Reiz dar. Damit verbunden sind jedoch Gefahren eigener Art, insbesondere Enge, Dunkelheit und die Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Da der Höhlentaucher in der Regel keine Möglichkeit hat, in Gefahrensituationen kurzfristig aufzutauchen, muss er über ein besonders hohes Maß an Selbstkontrolle verfügen und auch in technischer Hinsicht vorsorgen. Hierzu dienen vor allem ein erheblich größerer Luftvorrat, redundante Ausrüstung und die Verwendung einer Führungsleine.
Orientierungstauchen: Beim Orientierungstauchen geht es um schnelles und genaues Tauchen. Diese Wettkampfsportart vereint Elemente des Orientierungslaufes und des Flossenschwimmens.
Solotauchen: Beim Solotauchen wird nicht wie sonst üblich mit einem Buddy getaucht. Dies hat aus Sicht einiger Taucher Vorteile, erfordert aber zusätzliche Ausrüstung und Ausbildung.
Unterwasserfotografie und Unterwasservideografie: Mit speziellen Kameras oder konventioneller Fotoausrüstung in wasser- und druckdichten Gehäusen ist es möglich, unter Wasser Foto- und Videoaufnahmen zu fertigen. Diese besondere Form der Foto- und Videografie findet nicht nur im professionellen Bereich, sondern auch im Tauchsport Anwendung.
mini|Wracktauchen Wracktauchen: Schiffswracks stellen besondere Anziehungspunkte für Taucher dar, einerseits aus Interesse am versunkenen Schiff selbst, aber auch wegen der oft bemerkenswerten Tier- und Pflanzenwelt, die solche Artefakte als neuen Lebensraum bewohnen. Das Wracktauchen birgt jedoch Gefahren: Andersartige Strömungsverhältnisse, hängengebliebene Fischernetze, hervorstehende, scharfe Kanten und, sofern man in das Wrack eindringt, die Gefahr des Hängen- oder Steckenbleibens sowie der Orientierungsverlust.
Umwelt- und Denkmalschutz Die in den 1950er Jahren beginnende Popularisierung des Tauchsports zog zunächst teilweise erhebliche Umweltschäden nach sich. Insbesondere der Umstand, dass Tauchgeräte bedenkenlos, dafür aber mit großem Erfolg bei der Unterwasserjagd und der Bergung von Altertümern eingesetzt wurden, führte an manchen Orten zur Vernichtung des Habitats und der Nahrungsquellen von Tier- und Pflanzenwelt sowie zur unwiederbringlichen Zerstörung von archäologischen Fundstätten. Daher haben einerseits die staatlichen Behörden Schutzvorschriften erlassen oder sogar bestimmte Bereiche gänzlich für das Tauchen gesperrt. Die Erhaltung einer intakten Umwelt und der Fundstätten liegt auch im eigenen Interesse der Taucher, was Tauchorganisationen dazu veranlasste, Verhaltenskodizes und spezielle Kurse auszuarbeiten, die zu umwelt- und denkmalgerechtem Tauchen anhalten sollen. Dies verhindert, dass Sporttaucher Gesetzesverstöße begehen, die mit teilweise drastischen Strafen belegt sind. Die Beachtung dieser Prämissen macht das Tauchen zu einer Sportart, welche umweltverträglich ist und es ermöglicht, ungeahnte Einblicke in die Unterwasserbiologie oder auch in die Kulturgeschichte zu erhalten.
Durch Sporttaucher werden auch nicht selten Gewässerteile von Abfall befreit oder neue künstliche Habitate, wie beispielsweise künstliche Korallenriffe geschaffen.
Tauchen mit Behinderung
Auch Menschen mit Behinderung haben mittlerweile vielseitige Möglichkeiten zur Ausübung des Tauchsportes. Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung kommt es zu einem bemerkenswerten ehrenamtlichen Engagement in diesem Bereich des Tauchsports. Die Ausbildungsanforderungen sind gegenüber den Nichtbehinderten keineswegs verringert, sondern eher erhöht. Der Grund liegt darin, dass trotz möglicherweise eingeschränkten Fähigkeiten des Tauchschülers der gleiche Sicherheitsstandard wie bei einem nichtbehinderten Gerätetaucher einzuhalten ist. Tauchbegleiter für Behinderte sollten idealerweise erfahrene Sporttaucher mit einer entsprechenden Zusatzausbildung sein, in der die künftigen Begleiter auf die Besonderheiten des Tauchens mit Behinderten vorbereitet werden.
Im kulturellen Begleitprogramm der Paralympics 2012 hat die britische Performance-Künstlerin Sue Austin mit einem selbst entwickelten Rollstuhl mit Propeller-Antrieb ein Unterwasser-Ballett choreografiert.Weltweit erster Rollstuhl für Gerätetauchen entwickelt. In: bizeps.or.at
Kindertauchen