MB-trac war eine Traktorenmarke des deutschen Kraftfahrzeugherstellers Daimler-Benz und Teil der Markenfamilie Mercedes-Benz. Die Produktion erfolgte über einen Zeitraum von 18 Jahren zwischen 1973 und 1991. Der MB-trac wurde auf der Basis von Unimog-Aggregaten entwickelt, hatte jedoch eine ungefederte Hinterachse. Charakteristisch sind die vier gleich großen Räder mit Allradantrieb und die in Fahrzeugmitte positionierte Fahrerkabine. Nachdem der Unimog in seinem ursprünglich priorisierten Marktsegment, der Landwirtschaft, an Bedeutung verlor, sollte der MB-trac dort Marktanteile zurückgewinnen.
Am 17. Dezember 1991 stellte die Daimler-Benz AG die Herstellung des MB-trac ein.
Geschichte mini|MB-trac 65/70 (440.161) mini|Unimog 403 – Grundlage der MB-trac Entwicklung Entwicklung des MB-trac Mit sinkenden Absatzzahlen des Unimogs in der Landwirtschaft verlor Mercedes-Benz Marktanteile im Schleppersegment. Das Einsatzgebiet des Unimogs hatte sich von der Landwirtschaft weg entwickelt und sein Schwerpunkt verlagerte sich zunehmend in Richtung Kommunen, Bauwirtschaft und Militär. Auch wurde der Unimog in manchen Exportländern nicht als Ackerschlepper anerkannt und als Lkw besteuert. Mit einer neuartigen Entwicklung auf Basis von Unimog-Aggregaten wollten einige hochrangige Mitarbeiter im Werk Gaggenau dieser Negativtendenz entgegenwirken und einen uneingeschränkt anerkannten und zeitgemäßen Traktor auf den Markt bringen. Es gab jedoch auch teils heftigen Widerstand gegen das Projekt, weshalb die Arbeiten teilweise im Geheimen durchgeführt wurden. Im Mai 1967 wurde begonnen, erste Entwürfe für den neuen Mercedes-Benz-Traktor zu entwickeln, und am 25. März 1968 wurde der erste Prototyp in Auftrag gegeben, der ab April 1969 einsatzbereit war. Im darauf folgenden Jahr wurde ein weiterer Prototyp gebaut. „Mercedes-Benz A 60“ (A = Ackerschlepper oder Arbeitsmaschine) war die Bezeichnung für diese ersten Fahrzeuge. Sie verfügten bereits über die wesentlichen Merkmale des späteren MB-tracs: Rahmenbauweise, gefederte angetriebene Vorderachse, Sitzplatz in der Mitte und drei Anbauräume. Die Aggregate stammten hauptsächlich aus dem Unimog 403. Feldversuche mit Prototypen gab es ab 1970 in den Niederlanden auf schweren Polderböden und am Herstellungsort Gaggenau.
Interne Differenzen und eine Aktionärsversammlung verhinderten eine produktive Entwicklung, bis sie letztlich 1971 gestoppt wurde. Als jedoch bekannt wurde, dass die Deutz AG einen Konkurrenzschlepper, den INTRAC, auf den Markt bringen wollte, wurde die Entwicklung des MB-tracs wieder aufgenommen. In den Farben kieselgrau und blutorange wurde der MB-trac 65/70 auf der DLG-Ausstellung 1972 vorgestellt. Die Resonanz war positiv. Während der Ausstellung wurden rund 350 Bestellungen entgegengenommen. Am 1. Juli 1973 begann daraufhin die Serienfertigung und bereits 1974 belegte der MB-trac Platz eins in der deutschen Zulassungsstatistik bei den Allradschleppern von 51 bis 70 PS (38 bis 51 kW).
mini|MB-trac der Baureihe 443 als Zweiwegefahrzeug Der MB-trac wurde hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt. Des Weiteren war er auch in der Forstwirtschaft, bei Kommunen (unter anderem für den Winterdienst, die Straßenunterhaltung) und in Bauunternehmen (mit Plattenverdichter oder zur Straßenreinigung) vorzufinden. Ferner gab es MB-trac für spezielle Zwecke. Einige wurden beim Militär (z. B. als Flugzeugschlepper oder bei Standortverwaltungen), im Bergbau, als Zweiwegefahrzeug, Industriezugmaschine oder in anderen speziellen Bereichen eingesetzt, oft verbunden mit teils erheblichen Umbauten.
Ab Mitte der 1980er verschlechterte sich die Lage auf dem Traktorenmarkt und Daimler-Benz sah eine Fusion als notwendig an, um weiter profitabel Traktoren bauen zu können. Nachdem eine Union mit Claas, Fendt und Schlüter gescheitert war, kam unter Beteiligung der Deutschen Bank eine Kooperation mit der Deutz AG zustande. 1987 wurden die Trac-Technik-Entwicklungsgesellschaft (TTE) mit Sitz in Köln und die Trac-Technik Vertriebsgesellschaft (TTVG) mit Sitz in Gaggenau gegründet. An beiden hielt Deutz 60 % der Anteile. Es wurde vertraglich festgelegt, dass IN-trac (Schreibweise wurde 1987 an den MB-trac angepasst) und MB-trac bis zur Markteinführung eines gemeinsamen Nachfolgers 1991 weitergebaut und dann eingestellt werden. Die Trac-Technik-Entwicklungsgesellschaft (TTE) betrieb mit Nachdruck die Arbeiten am gemeinsamen Nachfolger. Beide Partner einigten sich auf eine Konstruktion mit Fahrerkabine in der Mitte, Motorhaube und sechs- sowie zwölfgängigem Lastschaltgetriebe, jedoch erschien eine wirtschaftliche Produktion nicht möglich. Schätzungen ergaben, dass der geplante MB-trac 1020 um bis zu 15 Prozent teurer als die aktuelle Generation werden würde, sodass ein gewinnbringender Absatz am Markt nicht durchsetzbar erschien. Trotz des gescheiterten Nachfolgers bestand Deutz darauf, die Produktion vertragsgemäß Ende 1991 einzustellen. Die Produktion endete am 17. Dezember 1991 nach 41.365 verkauften Einheiten, darunter 24.603 mit Vierzylindermotor. Statt eines MB-trac-Nachfolgers lief 1991 eine neue Unimog-Baureihe in Gaggenau vom Band.
Namensgebung Ursprünglich war für dieses Fahrzeug der Name Unitrac (Unimog + tractor [englisch]) vorgesehen. Das war jedoch nicht möglich, weil der Name bereits von Tractortecnic für ein auf dem Unimog basierendes Gleiskettenfahrzeug verwendet wurde. Außerdem sollte das neuentwickelte Fahrzeug die Forderung der Landwirte nach einem auf die Landwirtschaft spezialisierten Traktor erfüllen und kein Vielzweck-Fahrzeug wie der Unimog sein. Somit wurde eine Assoziation mit dem Unimog auch kritisch gesehen. So kam es stattdessen zum Namen MB-trac (Mercedes-Benz + tractor [englisch]). Die Marke MB-TRAC war bis zum 1. Dezember 2017 für die Daimler AG geschützt.Markenregister
Für das Produktmarketing, einschließlich der Beschriftung des Fahrzeugs, wurde von Mercedes-Benz die Schreibweise MB trac (ohne Bindestrich) etabliert. In technischen Unterlagen wie dem Werkstatt-Handbuch gebrauchte Mercedes-Benz jedoch die Schreibweise MB-trac (mit Bindestrich). In diesem Artikel wird einheitlich die Variante mit Bindestrich verwendet.
Produktionszahlen
Jahr 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 Gesamt Stückzahl 520 1.100 1.468 2.093 2.150 1.998 2.001 1.719 2.113 2.703 3.700 3.082 3.611 2.956 2.205 2.211 1.850 1.950 1.935 41.365
Modellgeschichte Es wurden vier MB-trac Baureihen gebaut. Die Baureihen 442 und 443 werden jedoch meist zusammengefasst. So ergibt sich folgende Unterteilung: Kleine Baureihe (seit 1973, Baureihe 440) MB-trac 65/70–900 (turbo) Mittlere Baureihe (seit 1982, Baureihe 441) MB-trac 1000 & 1100 Große Baureihe (seit 1976, Baureihen 442 und 443) MB-trac 1100–1800 intercooler
1973–1982: Produktion der „Mittelschalter“ und Einführung der großen Baureihe mini|MB-trac 65/70 (440.161). Bauzeit: 1973–1975
Das erste Modell, der MB-trac 65/70, wurde als Baumuster 440.161 eingeführt und gehörte damit der Baureihe 440 an. Nach seiner Vorstellung auf der DLG-Ausstellung zwischen dem 28. Mai und 4. Juni 1972 wurde es ab dem 1. Juli 1973 in Serie produziert und war nur als 25-km/h-Variante erhältlich. Die Bezeichnung sollte der Vergleichbarkeit für den Exportmarkt dienen. „65“ steht für 65 PS und „70“ für 70 SAE-PS. Diese Bezeichnungssystemmatik wurde jedoch verworfen und alle folgenden Modelle wurden mit den gerundeten PS multipliziert mit zehn bezeichnet. Entsprechend folgte im Juli 1975 der MB-trac 800 (Baumuster 440.163) und kurz darauf im August der MB-trac 700 (Baumuster 440.162), der nach kurzer Parallelbauzeit, die im Januar 1976 endete, den 65/70 ablöste. Der MB-trac 800 war von Anfang an als 40-km/h-Variante erhältlich, während der MB-trac 700 vorerst auch nur 25 km/h schnell war. Der MB-trac 800 hatte Portalachsen mit Scheibenbremsen, während der MB-trac 700 die Portalachsen des 65/70 mit Trommelbremsen übernahm.
mini|MB-trac 1300 (443.161). Bauzeit: 1976–1987. Farbgebung, Luftansaugung und Kabine lassen auf ein sehr frühes Baujahr schließen. mini|Unimog U 1200 (424.122). Bauzeit: 1976–1988. Die Baureihe 442/443 wurde gemeinsam mit der schweren Baureihe Unimog (SBU) entwickelt. Bereits 1969, zur Zeit des A 60-Prototyps, wurde intern ein MB-trac-Programm mit 60, 90 und 120 PS geplant, das bis 1973 realisiert werden sollte. Dieser Termin wurde jedoch mehrmals nach hinten verschoben. Auch ein Lastenheft für einen MB-trac mit einem 150 PS-V-8-Motor wurde zu dieser Zeit erstellt. Um die geforderten Motorleistungen erreichen zu können, war die Neuentwicklung einer schweren Baureihe notwendig. Diese schwere Baureihe Trac (intern SBT, diese Bezeichnung wird jedoch in Literatur und Fachkreisen kaum verwendet), wurde zeitgleich mit der schweren Baureihe Unimog (SBU) entwickelt. Entsprechend sind viele Gemeinsamkeiten zu erkennen und es wurde versucht, gleiche Baugruppen zu verwenden. Entsprechend der Anforderungen beider in aufgelöster Bauweise konzipierter Neuentwicklungen wurde das Getriebe UG 3/40 neu entwickelt. 1974 hatte die große Baureihe der MB-trac dann vom 15. bis 22. September auf der DLG-Ausstellung in Frankfurt am Main gemeinsam mit dem U 120 (Unimog 425, SBU) Premiere. Zu diesem Zeitpunkt wurde das angekündigte Modell noch unter der Bezeichnung MB-trac 95/105 beworben. Die Produktion begann erst knapp zwei Jahre später im Juli 1976. Entsprechend der neuen Bezeichnungssystematik nun als MB-trac 1000. Zeitgleich ging auch der MB-trac 1300 (Baumuster 443.161) in Serie. Da der 95 PS starke MB-trac 1000 in dieser Leistungsklasse zu keinem marktgerechten Preis angeboten werden konnte, wurde dessen Leistung auf 110 PS erhöht. Dies geschah kurz nach Produktionsbeginn. Bereits produzierte MB-trac 1000 erhielten nachträglich die Leistungssteigerung und die Bezeichnung wurde zu MB-trac 1100 (Baumuster 442.161) geändert.
Der MB-trac 1100 blieb der einzige MB-trac der Baureihe 442. Der MB-trac 1300 sowie alle später eingeführten Modelle der „großen Baureihe“ gehörten der Baureihe 443 an, selbst der nachfolgende MB-trac 1100 mit Baumuster 443.160. Da die Baureihe 442 kaum zur 443 abzugrenzen ist, werden beide Baureihen im Sprachgebrauch unter „große Baureihe“ beziehungsweise „schwere Baureihe“ zusammengefasst. Im Dezember 1979 wurde die Baureihe 443 um den MB-trac 1500 (Baumuster 443.162) erweitert.
1980 wurden mit der Zusatzbezeichnung S (schnell) und K (kommunal; siehe „Varianten“) zwei 40-km/h-Versionen des MB-trac 700 der Produktpalette hinzugefügt. + Änderung der Bezeichnungen und Einführung der zusätzlichen Varianten 1980 Bis 1980 Ab 1980 Baumuster Verkaufsbezeichnung Baumuster Verkaufsbezeichnung 440.162 MB-trac 700 440.162 N MB-trac 700 S 440.162 S 440.162 K MB-trac 700 K 440.163 MB-trac 800 440.163 N MB-trac 800 440.163 S
Dadurch, dass der MB-trac 700 S mit dem gleichen Getriebe wie der MB-trac 800 ausgestattet war, die trommelgebremsten Achsen jedoch eine andere Übersetzung hatten, musste bei der 40-km/h-Version des MB-trac 700 S der größte Gang im Hauptschaltgetriebe gesperrt werden. Dass der MB-trac 700 (S) abweichend von den anderen Fahrzeugen der Baureihe 440 über Trommelbremsen und einen Gang weniger verfügt, wurde über die Modellwechsel hinweg bis zum Produktionsende 1991 beibehalten.
Im August 1981 kam der MB-trac 900 (Baumuster 440.164) hinzu. Er hatte serienmäßig einen Turbolader, eine stärkere Kupplung und eine pneumatische Federspeicherbremse. Ansonsten war er dem MB-trac 800 sehr ähnlich. Eine weitere Neuerung betraf die Schaltung der Zwischengänge. Sie wurden bei entsprechender Ausstattung pneumatisch über ein Schaltventil am Hauptschalthebel gewechselt.