mini|alt=|Stadtbahntriebwagen des Typs TW3000 an der Haltestelle Hannover Hauptbahnhof mini|hochkant|U-Stadtbahn-Logo, wie es von einigen Betrieben in Nordrhein-Westfalen verwendet wird mini|hochkant|Logo der Stadtbahn Stuttgart Die Stadtbahn ist ein schienengebundenes und elektrisch angetriebenes Transportsystem des öffentlichen Personennahverkehrs in Metropol- und städtischen Regionen. International wird sie bzw. vergleichbare Systeme meist als , , , oder bezeichnet. Der Begriff wird für das Gesamtsystem, eine Linie und umgangssprachlich auch für ein einzelnes Fahrzeug verwendet. In Deutschland wird gegebenenfalls auch der Begriff „U-Bahn“ verwendet.

Deutschland Begriffsgeschichte Unter der Bezeichnung Stadtbahn firmierten anfangs ganz verschiedene schienenbasierte Nahverkehrssysteme, die der heute üblichen Definition nicht entsprachen.

Ursprünge mini|Die Stadtbahn Mülhausen Ab 1870 war der zuvor bereits aus Wien bekannte Begriff Stadtbahn auch in Berlin geläufig, als sich die Planungen für die 1882 eröffnete Berliner Stadtbahn konkretisierten.Berliner Stadtbahn auf stadtschnellbahn-berlin.de, abgerufen am 7. Februar 2022

Während es sich in Berlin und Wien um Vollbahnen auf unabhängigem Bahnkörper handelte, eröffnete in Kassel 1884 eine klassische Pferdestraßenbahn, die von der im gleichen Jahr gegründeten Actiengesellschaft Casseler Stadteisenbahn betrieben wurde. Ihre Benennung erfolgte in Abgrenzung zur bereits seit 1877 existierenden Casseler Straßenbahn-Gesellschaft, die eine Dampfstraßenbahn betrieb. Letztlich fusionierten beide 1897 zur Großen Casseler Straßenbahn AG.

Dem Kasseler Beispiel folgte die am 30. August 1889 eröffnete Stadtbahn Halle, wiederum eine Pferdestraßenbahn. Sie erhielt ihren Namen in Abgrenzung zur konkurrierenden Halleschen Straßenbahn-AG und wurde schon 1890, anlässlich der bevorstehenden Elektrifizierung, in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft Stadtbahn Halle umbenannt. Diese wiederum wurde 1917 kommunalisiert.

Die Forster Stadteisenbahn verkehrte von 1893 bis 1965 und transportierte ausschließlich Güter, während die von 1897 bis 1956 existierende Spremberger Stadtbahn teilweise auch Personen beförderte.

Im Rheinland existierte das am 30. Dezember 1896 durch die Berliner Union-Elektricitäts-Gesellschaft (UEG) gegründete Unternehmen Solinger Stadtbahn, das aber schon zum 1. Januar 1903 in der Solinger Kleinbahn AG aufging.

In Hamburg wurde die Eisenbahnverbindung von Ohlsdorf nach Blankenese, das heißt die Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn und ein Teil der Altona-Blankeneser Eisenbahn, schon um die Jahrhundertwende als Stadtbahn bezeichnet. Sie ging 1906 in der Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn auf, aus der wiederum 1934 die heutige S-Bahn Hamburg hervorging.

Im heute französischen Mülhausen verkehrte außerdem zwischen 1907 und 1918 die sogenannte Stadtbahn Mülhausen, hierbei handelte es sich jedoch um einen Oberleitungsbus-Betrieb, damals meist gleislose Bahn genannt.

Ebenfalls gegen Ende des 19. Jahrhunderts bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in Deutschland an einigen Stellen Tunnel für Straßenbahnen gebaut. So zum Beispiel der Spreetunnel Stralau–Treptow im heutigen Berlin oder der Schwabtunnel zu Stuttgart. Diese Tunnel haben bzw. hatten zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit der Infrastruktur, für die in der Nachkriegszeit der Begriff Stadtbahn verwendet wurde, jedoch wurden damals eher Begriffe wie „Unterpflasterbahn“ oder „U-Strab“ verwendet, und der Tunnelanteil an den Gesamtnetzen war sehr gering.

Einen eigenen Begriff für ein System, das oberirdische und Tunnel-Strecken kombiniert, gab es anders als in den USA (dort wurde der Begriff „subway-surface“ schon früh für derartige Netze verwendet) im deutschsprachigen Raum bis Ende des Zweiten Weltkrieges nicht.

Definition in Meyers Konversations-Lexikon von 1908 Meyers Konversations-Lexikon von 1908 definiert den Begriff wie folgt:

Definition in der Enzyklopädie des Eisenbahnwesens von 1921 Die Enzyklopädie des Eisenbahnwesens von Victor von Röll beschreibt Stadtbahnen 1921 wie folgt:

Stadtbahn als Kombination straßenbündiger und straßenunabhängiger Netzabschnitte Am 4. Juli 1961 beschloss die Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt am Main die Entwicklung einer „Stadtbahn als Tiefbahn mit oberirdischem Netz auf eigenem Gleiskörper“.stadtgeschichte-ffm.de Es folgten in Deutschland immer mehr Straßenbahnstrecken, die in den Innenstädten in Tunnel und in Außenbereichen auf eigene Trassen neben die Straßen oder zwischen die beiden Richtungsfahrbahnen verlegt wurden. Während kaum ausgebaute Straßenbahnsysteme mit wenigen unabhängig trassierten Abschnitten als U-Straßenbahnen oder Schnellstraßenbahnen bezeichnet wurden, etablierte sich der Begriff Stadtbahn zunächst vor allem für die modernisierten Systeme mit einem hohen Anteil an Tunnelstrecken. Weitere Meilensteine diesbezüglich waren die Gründungen der „Stadtbahngesellschaft Ruhr mbH“ am 7. Juli 1969 sowie der „Stadtbahngesellschaft Rhein-Sieg mbH“ im Jahr 1974. In Stuttgart beschloss der Gemeinderat am 10. Juni 1976, statt der bis dahin geplanten U-Bahn, ein Stadtbahnkonzept.

Aktuelle Definition mini|Der Begriff „Stadtbahn“ wird von der Mehrheit der deutschen Verkehrsunternehmen für ein Mischsystem verwendet, das vollständige unabhängige, U-Bahn-mäßig ausgebaute Streckenabschnitte … mini|… mit oberirdischen Straßenbahnstrecken kombiniert … mini|… die oft auf einem vom übrigen Straßenverkehr unabhängigen Gleiskörper betrieben werden Das deutsche Recht unterscheidet begrifflich nicht zwischen Straßenbahn (auch Tram genannt) und Stadtbahn sowie U-Bahn, kennt jedoch materiell verschiedene Ausbauqualitäten der Trasse bzw. verschiedenen Stufen der Unabhängigkeit der Trasse von anderen Verkehrsarten (vgl. § 4 Abs. 1–2 PBefG, § 1 Abs. 2 BOStrab). Insbesondere aus der Verwendung der unterschiedlichen Bezeichnungen durch die jeweiligen Verkehrsunternehmen ergibt sich eine recht konsistente Differenzierung zwischen Straßen- und Stadtbahnsystemen, die sich im Wesentlichen inhaltsgleich in Literatur zum Thema wiederfindetIvo Köhler: Handbuch Straßenbahn. Fahrzeuge, Anlagen, Betrieb, Seite 17f. GeraMond, München 2006.Martin Pabst: Straßenbahn-Fahrzeuge. Band 1: Klassische Straßenbahnwagen, Seite 7ff. GeraMond, München 2000.Martin Pabst: Straßenbahn-Fahrzeuge. Band 2: Niederflur- und Stadtbahnwagen, Seite 7ff. GeraMond, München 2000.Robert Schwandl: Schnellbahnen in Deutschland, Seite 5f. Robert-Schwandl-Verlag, Berlin 2007. und sich entlang der im PBefG beschriebenen unterschiedlichen Ausbaustandards der Trasse bewegt.

Die Stadtbahn wird meist im abgeschlossenen, aber nicht vollständig kreuzungsfreien System betrieben wurde – wo erforderlich (oder sinnvoll) – im Tunnel, aufgeständert, in Einschnitten oder auf Dämmen und ansonsten häufig als eigenständiger Bahnkörper errichtet ist typischerweise mittels Zugbeeinflussung gesichert und wird nur in Abschnitten auf Sicht gefahren bzw. unterliegt den Regeln der StVO weist eine deutlich höhere Kapazität als Straßenbahnen auf (20.000–100.000 Fahrgäste/Tag)Johannes Bouchain: Stadtbahnqualitäten - Räumlich-funktionale und gestalterische Eigenschaften eines modernen öffentlichen Verkehrsmittels Diplomarbeit an der HafenCity Universität; Studiengang Stadtplanung; Hamburg Januar 2008VDV-Stadtbahnsysteme.pdf verkehrt in Deutschland gemäß BOStrab, soweit keine Eisenbahninfrastruktur genutzt wird (dann Betrieb nach EBO auf diesen Abschnitten) bündelt oft mehrere Linien in einem oder mehreren Tunneln, sodass diese Eigenschaften einer Stammstrecke erhalten — verhältnismäßig wenig dichte Takte auf Außenästen können sich so im Zentrum zu sehr dichten Takten überlagern

Die Abgrenzung zwischen Straßen- und Stadtbahn ist fließend und kann sich durch bauliche Maßnahmen (Streckenaus- und -umbau, Sanierungen) ändern. Der Begriff „Straßenbahn“ wird vorwiegend für Systeme verwendet, die „den Verkehrsraum öffentlicher Straßen benutzen und sich mit ihren baulichen und betrieblichen Einrichtungen sowie in ihrer Betriebsweise der Eigenart des Straßenverkehrs anpassen“ (§ 4 Abs. 1 Nr. 1 PBefG), d. h. Bahnen, die teilweise oder ausschließlich im Mischverkehr mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV) auf der Fahrbahn verkehren.

Der Begriff „Stadtbahn“ wird demgegenüber vornehmlich für Systeme verwendet, die „einen besonderen Bahnkörper haben und in der Betriebsweise den unter [§ 4 Abs. 1] Nummer 1 [PBefG] bezeichneten Bahnen gleichen oder ähneln“, d. h. Bahnen, die vollständig unabhängige, häufig U-Bahn-mäßig ausgebaute Streckenabschnitte mit oberirdischen, häufig von früheren und teilweise parallel weiterbetriebenen Straßenbahnsystemen übernommenen Abschnitten kombinieren. Ein weiteres mehrheitlich vertretenes Merkmal sind die im Vergleich zu klassischen Straßenbahnen deutlich größeren und längeren bzw. in längeren Verbänden eingesetzten und zweirichtungstauglichen Fahrzeuge. Entsprechende Systeme finden sich u. a. in Hannover, Karlsruhe, Köln und Bonn, Stuttgart und in den Teilnetzen der Stadtbahn Rhein-Ruhr. Das System in Frankfurt am Main entspricht den o. g. Kriterien ebenfalls, wird allerdings offiziell als „U-Bahn“ bezeichnet. Ebenso werden die Systeme in Braunschweig und Erfurt trotz ihrer vollständig oberirdischen Trassierung als „Stadtbahn“ bezeichnet.

Eine (Stadt-)Bahn, die gleichzeitig als Mischsystem zwischen Eisen- und Straßenbahn betrieben wird, wird als Tram-Train bezeichnet (siehe dazu: Verknüpfung zwischen Straßenbahn und Eisenbahn).

Die Stadtbahn unterscheidet sich von der U-Bahn dadurch, dass nicht alle U-Bahn-typischen Kriterien vorliegen, und von der Straßenbahn, dass wesentliche Kriterien einer U-Bahn im größten Teil des Streckennetzes erfüllt sind. Folgende Eigenschaften gelten bei Stadtbahnsystemen als charakteristisch:Stephan Hertel: Vor- und Nachteile einer Systemverknüpfung von S-, U-Bahn und Straßenbahn; 2001 größeres Platzangebot in den Fahrzeugen als bei Straßenbahnen höhere Geschwindigkeit (sowohl Höchstgeschwindigkeit als auch Reisegeschwindigkeit zwischen Stationen) als bei Straßenbahnen Streckenführungen, die zum Großteil unabhängig vom Straßenverlauf erfolgen und möglichst geringer Anteil von Gleisen im Straßenraum technisch gesicherte Bahnübergänge oder keine Bahnübergänge Zweirichtungsfahrzeuge, die keine Wendeschleife benötigen und auch Mittelbahnsteige bedienen können in Deutschland werden echte U-Bahn-Systeme im Regelbetrieb per Stromschiene mit Strom versorgt, Stadt- und Straßenbahnen aber per Oberleitung. Diese Unterscheidung gilt aber international nicht, da es viele U-Bahnen mit Oberleitung gibt. Es werden selten mehr als zwei U-Bahn-Linien durch denselben Tunnel geführt Da Stadtbahnen zur Teilnahme am Straßenverkehr ausgelegt sind, gibt es Beschränkungen in Bezug auf die maximale Fahrzeugbreite und die maximale Länge von Zugverbänden

Ferner werden Stadtbahnen und U-Bahnen dadurch unterschieden, wie die eingesetzten Fahrzeuge konzipiert sind, die wiederum von den Herstellern auch als U-Bahn-Triebwagen bzw. Stadtbahn-Triebwagen beworben werden. Während Stadtbahn-Fahrzeuge darauf ausgelegt sind, alle Erfordernisse für eine Teilnahme am Straßenverkehr zu erfüllen, sind U-Bahn-Triebwagen darauf ausgelegt, längere Züge zu bilden, und häufig auch breiter, um höhere Fahrgastkapazitäten als Stadtbahnzüge zu ermöglichen. Dadurch bedingt wäre ein Einsatz von U-Bahn-Triebwagen auf Strecken, die die Anforderungen einer echten U-Bahn in Teilen nicht erfüllen, auch nicht denkbar.

Übersicht über die deutschen Betriebe