mini|Carl-Friedrich Zimpel Carl-Friedrich Zimpel (* 11. Dezember 1801 in Sprottau, Provinz Schlesien; † 26. Juni 1879 in Pozzuoli, Kampanien), der oft auch den Namen Charles Frederick / Franz Zimpel verwendete, war ein schlesischer Eisenbahningenieur und Esoteriker, der später durch religiöse Erweckungsschriften auf sich aufmerksam machte. In seiner zweiten Lebenshälfte beschäftigte er sich außerdem stark mit homöopathischen und alternativ-medizinischen Heilmethoden, wobei er besonders durch die Entwicklung des Zimpelschen Heilssystems der Spagyrik bekannt wurde. Er war auch ein Anhänger von John Wroe, Stifter der Christian Israelite Church, den Zimpel persönlich kennengelernt haben will.
Biographie Zimpel wurde zunächst Offizier, als er mit 17 Jahren in die Preußische Armee eintrat und dort für zehn Jahre diente;Helmstädter, „Carl-Friedrich Zimpel “ (1990), S. 274. er brachte es bis zum Rang eines „Landwehr-Seconde-Lieutenants“. In dieser Zeit veröffentlichte er 1828 auch sein erstes Buch, nämlich ein Handbuch für Offiziere betreffs der Führung einer Infanteriekompanie, das später von Gustav von Griesheim überarbeitet und neu herausgegeben wurde.
Aufenthalt in den Vereinigten Staaten (1829–1837) Im Jahr 1829 wanderte Zimpel in die Vereinigten Staaten aus. Später hat man berichtet, Zimpel habe erwartet, durch die Veröffentlichung seines militärischen Handbuchs eine Beförderung zu erreichen, was aber nicht erfolgte, so dass er beschloss, „in Amerika sein Heil mit einer kleinen Erbschaft zu versuchen“. In den USA nahm Zimpel den Vornamen „Charles Francis“ an und erhielt schließlich auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. mini|Historical Marker Carrollton (New Orleans), mit der Erwähnung Zimpels mini|Topographische Karte von New Orleans, Ch. F. Zimpel (1834) Für acht Jahre war er in den USA als Eisenbahningenieur, Kartograph und Bauarchitekt tätig, insbesondere im Staat Louisiana, wo er mehrere Bauten in New Orleans entwarfU.a. die Bank of Orleans, die Banks Arcade, das Bishop’s City Hotel und das Gebäude der New Orleans Cotton Press. Er war auch für den Umbau des örtlichen Charity Hospital verantwortlich. Siehe auch Benjamin Moore Norman, Norman's New Orleans and Environs: Containing a Brief Historical Sketch of the Territory and State of Louisiana, and the city of New Orleans, New Orleans 1845, S. 152 f. und am Bau der New Orleans and Carrollton Railroad teilnahm, und zwar als Projektor (Streckenplaner) und Ingenieur. In den Jahren 1832–33 war er an der Gründung von Carrollton beteiligt, wo er auch als „deputy city surveyor“ tätig war. Der Ort Carrollton (heute ein Stadtteil von New Orleans) wurde nach William Carroll benannt und 1833 auf dem Grund einer ehemaligen Zuckerrohrplantage angelegt, weil die Erben kein Interesse an der Fortführung des Betriebs hatten; sie beauftragten deshalb Zimpel, das Land zu vermessen und in verkaufbare Parzellen aufzuteilen.John Smith Kendall: History of New Orleans, Band 2, Chicago – New York 1922, S. 750.Alfred E. Lemmon, John T. Magill, Jason R. Wiese (Hg.): Charting Louisiana. Five Hundred Years of Maps, New Orleans: The Historica New Orleans Collection 2003, S. 300.R. Christopher Goodwin u. a.: Cultural Resources Survey and Archeological Inventory of the Proposed Carrollton Revetment Project, Orleans Parish, Louisiana, Phase 1. Band 1 von 2: Final Report: November 2004, U.S. Army Corps of Engineers, New Orleans District, 2004, S. 50.
1834 erstellte Zimpel eine topographische Karte von New Orleans und Umgebung (Topographical Map of New Orleans and Its Vicinity), die er in Preußen herstellen ließ und die in New Orleans veröffentlicht wurde.Alfred E. Lemmon, John T. Magill, Jason R. Wiese (Hg.): Charting Louisiana. Five Hundred Years of Maps, New Orleans: The Historica New Orleans Collection 2003, S. 359. Während seines Aufenthalts in New Orleans arbeitete er auch als Architekt und entwarf das City Hotel, die Banks' Arcade und die Orleans Cotton Press.
Im Historical District Carrollton (New Orleans) erinnert noch heute eine Zimpel Street an den schlesischen Ingenieur; in dieser Straße wurde bereits 1849 die erste German Protestant Church errichtet.John Smith Kendall: History of New Orleans, Band 2, Chicago – New York 1922, S. 752. Unterstützt wurde Zimpel bei seinen Surveys im Gebiet von New Orleans von einem vermutlich deutschstämmigen Assistenten namens William Mithof, der sich einige Jahre später in Carrollton niederließ.
mini|Moderner Street Marker mit falsch geschriebenem Namen von Zimpel in Old Carrollton, New Orleans (20. März 2019) Nach der Anlage von Carrollton war Zimpel für zwei Jahre am Bau der New Orleans & Carrollton Railroad beteiligt.William R. Mitchell Jr., James R. Lockhart: Classic New Orleans, New Orleans – Savannah 1993, S. 214. Er war jedoch schon länger mit dem Eisenbahnbau beschäftigt, denn schon im Oktober 1831 ließ er sich einen Entwurf für einen Eisenbahnwagen, der auf einer einzigen Schiene läuft, patentieren,Journal of the Franklin Institute of the State of Pennsylvania; Devoted to the Mechanic Arts, Manufactures, General Science, and the Recording of American and Other Patented Inventions (hg. von Th. P. Jones), Band 9 (New Series), Philadelphia 1832, S. 233. was darauf hindeutet, dass er von Anfang an in ausgeprägtem Maß finanzielle Interessen verfolgte. Im Rahmen seiner Eisenbahnbau- und Projektierungstätigkeit machte Zimpel Erfahrungen mit Gelbfieber, das unter den Arbeitern in den Sümpfen Louisianas und im weiten Tal des Mississippi grassierte; diese Erfahrungen bildeten die Grundlage seiner späteren Dissertation, die er 1849 der medizinischen Fakultät in Jena vorlegte (siehe weiter unten).
Über seine weiteren Aktivitäten bis 1837, als er nach Deutschland zurückkehrte, ist nur wenig bekannt. Zimpel selbst gab später an, er habe in seiner Zeit in den USA das gesamte Land „von Canada bis an Texas“Zimpel, „Beiträge zur Aetiologie des gelben Fiebers“ (1850), S. 69. kennengelernt, doch mag das stark übertrieben sein (weil Zimpel zeitlebens flunkerte, was seine Reisen betraf). Belegt ist jedoch, dass er in Louisiana an Spekulationskäufen von Land beteiligt war, u. a. im Gebiet der Orte „Dublin“ und „Germantown“. Wie aus einem Brief Zimpels hervorgeht, war Germantown von ihm zunächst als Name für das gerade entstehende Carrollton vorgesehen gewesen,Transcriptions of Parish Records of Louisiana. Jefferson Parish (Gretna): Series 1, Police Jury Minutes, New Orleans: Louisiana Historical Records Survey, S. 131. es handelte sich also nicht um die im Norden Louisianas, bei Minden, gelegene deutsche Kolonie gleichen Namens, die ebenfalls in den 1830er Jahren gegründet wurde. Außerdem verkaufte Zimpel Teilhaben an Landbesitz gegen Versprechungen, die sich dann aber nicht erfüllten. Es kam deshalb ab 1840 (als Zimpel bereits die USA verlassen hatte) zu mehreren Prozessen gegen ihn und seine Geschäftspartner; die Details sind in den Prozessberichten des Obersten Gerichtshofs von Louisiana (Supreme Court of the State of Louisiana) nachzulesen.„Slidell v. McCoy's Exeutor“, in: Thomas Curry, Reports of Cases Argued and Determined in the Supreme Court of the State of Louisiana, Band 15 (New Orleans 1841), S. 340 ff.; Thomas Curry, Reports of Cases Argued and Determined in the Supreme Court of the State of Louisiana, Band 8 (New Orleans 1854), S. 218 ff. – „Charles Fortier v. Charles F. Zimpel“ (1851), in: William W. King, Reports of Cases Argued and Determined in the Supreme Court of the State of Louisiana, Band 6 (New Orleans 1851), S. 53 ff. Ob die Probleme bei Zimpels Landspekulationen, bei welchen seine Rolle und sein Geschäftsgebaren als zwielichtig erscheinen, ein Grund für seine Rückkehr aus den USA nach Europa waren, ist nicht erwiesen, aber durchaus möglich.
Tätigkeit als Eisenbahningenieur in Europa (1838–1846) Zimpel selbst schrieb, dass er während seiner Rückreise mehrere Monate in England verbrachte, „um die dort gebräuchlichen, mir bis dahin nur durch Mittheilungen bekannt gewordenen Principien dieses Zweiges der Ingenieur-Wissenschaft genauer kennen zu lernen“,Zimpel, Eisenbahnbauwesen (1840), S. III. wobei er sich auf die Konstruktion und Ausführung von Eisenbahnen bezog. In den folgenden Jahren war er weiterhin als Eisenbahn-Ingenieur tätig, und seine Aktivitäten als Projektor (Streckenplaner) und Bauleiter für mehrere Eisenbahnlinien im mittel- und südosteuropäischen Raum sind recht gut belegt; sie sollten ihn über fast ein Jahrzehnt bis in die zweite Hälfte der 1840er Jahre beschäftigen.
Im Frühjahr 1838 traf er als Projektor der für den Bau ausgeschriebenen Eisenbahnen von Budapest nach Preßburg und von Ofen nach Raab in Budapest ein. Die Wiener Zeitung, die darüber Mitteilung macht, nennt ihn den „in Nordamerika rühmlichst bekannten Ingenieur“,Wiener Zeitung, Nr. 84 vom 11. April 1838, S. 533 während er in anderen Berichten der Zeit als „amerikanischer Eisenbahn-Ober-Ingenieur“ vorgestellt wirdAllgemeine Bauzeitung, 4. Jg. (Wien 1839), S. 228; Brünner Zeitung der k.k. priv. mähr. Lehenbank, Nr. 208 vom 31. Juli 1839, S. 508; Kais. Königl. Schlesische Troppauer-Zeitung, Nr. 89 vom 8. November 1839, S. 1114. – Zimpel selbst bezeichnete sich als „Chief-Engineer“.Zimpel, Eisenbahnbauwesen (1840), S. III. Noch im selben Jahr veröffentlichte er in Österreich eine Karte der geplanten ungarischen Eisenbahnen, und zwar „dargestellt nach den verschiedenen Stadien der im Jahre 1838 durch den amerikanischen Eisenbahn-Ingenieur Ch. F. Zimpel gepflogenen Vorerhebungen“.Beschreibender Katalog des k.k. historischen Museums der österreichischen Eisenbahnen, Wien: Verlag des k.k. histor. Museums der österr. Eisenbahnen, 1902, S. 586. Im Sommer 1839 war Zimpel in der Wiener Vorstadt, Landstraße, Nr. 40, gemeldet,Intelligenzblatt zur Klagenfurter Zeitung, Nr. 52 vom 30. Juni 1839, S. 888 und man kann annehmen, dass er noch mit der Projektierung von Bahnstrecken in Ungarn beschäftigt war, denn im Juni legte er der königlichen Statthalterei einen Entwurf des geplanten Eisenbahnnetzes und einen ausführlichen Plan der Strecke Waitzen–Pest vor.Hermann Strach (Hg.), Geschichte der Eisenbahnen der Oesterreichisch-ungarischen Monarchie, Band I, Teil I, Wien: K. Prochaska 1898, S. 178. Zudem ließ er in Budapest bei einem örtlichen Tischler Holzmodelle nordamerikanischer Eisenbahnbrücken herstellen, die dort auch öffentlich gezeigt wurden.Der Ungar, Nr. 216 vom 20. September 1842, S. 994 Allerdings kam der Bau der ungarischen Bahnstrecken zunächst nicht voran, und Zimpel wandte sich ab 1840 anderen Projekten zu.
Als im Juli 1840 die Projektierung der Eisenbahnlinie von Frankfurt/Oder nach Glogau in Niederschlesien beschlossen wurde, beauftragte man den „Oberingenieur“ Zimpel mit dieser Aufgabe. Dieser übernahm am 17. August „gegen eine kontraktmäßige Vergütigung von tausend und resp. vierhundert Reichsthalern Entschädigungskosten“ die Projektierung, und zwar für die gesamte, längere Linie von Frankfurt/Oder nach Breslau, die als „Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn“ in die Bahngeschichte einging. Im folgenden Jahr arbeitete er immer noch an der Projektierung dieser Linie, und am 31. Mai 1841 gab er in Berlin einen „Bericht nebst vollständigem Kostenanschlag zu der von Frankfurt nach Breslau projectirten Eisenbahn“.Beschreibender Katalog des k.k. historischen Museums der österreichischen Eisenbahnen, Wien: Verlag des k.k. histor. Museums der österr. Eisenbahnen, 1902, S. 603. Ein Jahr später, 1842, legte er auch lithographierte Profil-Pläne der Berlin–Frankfurter Eisenbahn (Berlin: Schropp u. Comp.) vor. Allerdings wurde Zimpels für den niederschlesischen Abschnitt projektierte Streckenführung am Ende nicht übernommen, als der Bau zwei Jahre später endlich begann.Illustrirte Zeitung (Leipzig), Nr. 73 vom 23. November 1844, S. 326