Die Röhrenvogelspinnen (Hexathelidae) bilden eine Familie innerhalb der Ordnung der Webspinnen und zählen dort zur Unterordnung der Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae). Die Familie ist in allen Tropen und Subtropen der Welt vertreten. Es handelt sich bei ihren Arten um mittel- bis große Vertreter dieser Unterordnung, die terrestrisch (bodenbewohnend) leben.
Merkmale Röhrenvogelspinnen sind mittel- bis große Vogelspinnenartige (Mygalomorphae), die je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 14 bis 28 Millimeter erreichen können. Die Spinnen sind variabel braun oder schwarz gefärbt. Wie viele Spinnen besitzen auch die Vertreter dieser Familie einen ausgeprägten Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter).
Der cephale (am Kopf gelegene) Bereich des Peltidiums oder Carapax, des Rückenschildes des Prosomas, ist entweder gewölbt oder flach, die Gestalt der Fovea (An die Muskeln des Saugmagens ansetzende Einkerbung) variiert von transversal über prokursiv bis grubenförmig. Die acht Augen sind in einer viereckigen Formation angelegt. Der Augenhügel kann deutlich ausgeprägt oder reduziert sein. Die Cheliceren (Kieferklauen) sind nach vorne hin verlängert. Ihre Klauenglieder haben jeweils eine oder zwei Zahnreihen. Rastella (an Harken erinnernde Strukturen am Ende der Cheliceren) fehlen bei den Röhrenvogelspinnen im Gegensatz zu anderen Vogelspinnenartigen. Das Labium (sklerotisierte bzw. verhärtete Platte zwischen den Maxillae und vor dem Sternum) ist entweder länger als breit oder quadratisch geformt und weist mehrere Höcker auf und die Maxillae (umgewandelte Coxen bzw. Hüftglieder der Pedipalpen) erscheinen länger als breit. Die Serrulae (Putzkämme) sind bei den Röhrenvogelspinnen ausgebildet. Das Sternum (Brustschild des Prosomas) hat eine herzförmige Gestalt. Es besitzt sechs sub- (fast) oder marginale (am Rand gelegene) Sigillen (Einbuchtungen).
Alle Beine verfügen über Bedeckungen aus Trichobothria (Tastsetae), deren Basis korallenförmig erscheint. An den Tibien (Schienen) sind die Scopulae jeweils in zwei Reihen angelegt. Überdies besitzen de Tibien selbigen Beinpaares bei den Männchen einiger Arten der Familie je einen für Vogelspinnenartige typischen Sporn. Die Tarsen (Fußglieder) vom ersten Beinpaar können mit wenigen Stacheln ausgestattet sein. An den Beinen befinden sich je drei Tarsalklauen. Davon sind zwei jeweils paarweise zueinander angelegt und besitzen je eine Reihe aus Zähnen. Die dritte Klaue hat deutlich weniger Zähne als die beiden anderen und ist zudem vergleichsweise kurz und kurvig verlaufend. Bei weiblichen Röhrenvogelspinnen fehlen die Scopulae (Bedeckungen aus Haftsetae, bzw. chitinisierten Haaren), während sie bei den männlichen im Falle einiger Arten ausgebildet sein können. Die Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) der weiblichen Röhrenvogelspinnen besitzen gut entwickelte Tarsalklauen, die mehrere Zähne aufweisen.
Das Opisthosoma (Hinterleib) hat eine ovale Gestalt. Die Atmung erfolgt über vier Buchlungen. Röhrenvogelspinnen besitzen sechs paarweise angelegte Spinnwarzen. Davon sind die posterioren (hinteren) lang und schmal geformt, ihre apikale (von der Körpermitte entfernt liegende) Segmente fingerförmig. Die Spinnwarzen sind auch ein gutes Unterscheidungsmerkmal der Röhrenvogelspinnen zu den sehr ähnlichen Australischen Trichternetzspinnen (Atracidae), die nur zwei Paare von Spinnwarzen haben.
Ein einzelner bei den Röhrenvogelspinnen peitschenförmig gebauter Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) verfügt hier außerdem über ein vergleichsweise kurzes Cymbium (erstes und vorderstes Sklerit, bzw. Hartteil des Bulbus), der von zweilappiger Gestalt und bestachelt ist. Bei den Männchen der Familie sind je Bulbus zwei Haematodochae (membranöse, dehnbarer Teile des Bulbus) ausgebildet. Der Embolus (drittes und letztes Sklerit) ist verlängert. Die Weibchen der Familie verfügen über zwei geteilte oder miteinander verwachsene Spermatheken (Samentaschen).
Lebensraum mini|Länder in denen Röhrenvogelspinnen vorkommen Die Arten der Röhrenvogelspinnen kommen in Argentinien, Chile, Australien und Neuseeland vor.
Die Vertreter dieser Familie leben typischerweise in selbstgegrabenen Erdhöhlen oder Astlöchern. Der Eingang zur Höhle wird normalerweise immer selbst bearbeitet. Die Spinnen machen einen Gang, den sie mit Netz ausspinnen. Dieses Verhalten kommt auch bei anderen Vogelspinnenartigen vor. Aufgrund der Größe der Spinnen sind diese mit Spinnennetz ausgekleideten Röhren sehr auffällig. Das ist der Grund, weshalb sie im englischen Sprachraum „funnel-web spiders“ heißen („funnel“ für Trichter und „web“ für Netz). Die Höhlen werden vor allem an natürlichen Felsen gefunden. Sie kommen auch gerne in die Nähe von Häusern, wo sie in Gärten oder in der Hauswand geeignete Nischen finden. Sie sind nachtaktiv.
Systematik Hedin et al. definierten 2018 die Hexthelidae neu und stellten drei neue Familien auf, deren Gattungen zuvor zu den Hexathelidae gestellt wurden. In der Phylogenie von Kulkarni et al. (2023) sind die Röhrenvogelspinnen nicht monophyletisch. Der World Spider Catalog listet für die Hexathelidae aktuell 7 Gattungen und 45 Arten. (Stand: Februar 2026) Bymainiella , 1978 Bymainiella lugubris , 1978 Bymainiella monteithi , 1978 Bymainiella polesoni , 1978 Bymainiella terraereginae (, 1976) Hexathele , 1871 Hexathele cantuaria , 1968 Hexathele cavernicola , 1968 Hexathele exemplar , 1960 Hexathele hochstetteri , 1871 Hexathele huka , 1968 Hexathele huttoni , 1908 Hexathele kohua , 1968 Hexathele maitaia , 1968 Hexathele nigra , 1968 Hexathele otira , 1968 Hexathele para , 1968 Hexathele petriei , 1887 Hexathele pukea , 1968 Hexathele putuna , 1968 Hexathele ramsayi , 1968 Hexathele rupicola , 1968 Hexathele taumara , 1968 Hexathele waipa , 1968 Hexathele waita , 1968 Hexathele wiltoni , 1968 Mediothele , 1978 Mediothele anae , 2012 Mediothele australis , 1978 Mediothele lagos , 2012 Mediothele linares , 2012 Mediothele minima , 2012 Mediothele nahuelbuta , 2012 Paraembolides , 1980 Paraembolides boycei (, 1978) Paraembolides boydi (, 1978) Paraembolides brindabella (, 1978) Paraembolides cannoni (, 1978) Paraembolides grayi (, 1978) Paraembolides montisbossi (, 1978) Paraembolides tubrabucca (, 1978) Paraembolides variabilis (, 1978) Plesiothele , 1978 Plesiothele fentoni (, 1936) Scotinoecus , 1892 Scotinoecus cinereopilosus (, 1889) Scotinoecus fasciatus , 1901 Scotinoecus major , 2012 Scotinoecus ruiles , 2012 Teranodes , 1985 Teranodes montanus (, 1927) Teranodes otwayensis (, 1978)Ehemals der Familie der Röhrenvogelspinnen zugeordnet wurden die folgenden Taxa: Atracinae, nun Australische Trichternetzspinnen Atrax O. P-Cambridge, 1877 — Australien Hadronyche L. Koch, 1873 — Australien Illawarra Gray, 2010 — Australien Nun als Macrothelidae Macrothele Ausserer, 1871 — Afrika, Europa, Asien Nun als Porrhothelidae Porrhothele Simon, 1892 — Neuseeland
Literatur Simon, E. (1892): Histoire naturelle des araignées. Paris. Vol. 1, S. 1–256. Raven, R.J. & Platnick, N.I. (1978): A new genus of the spider family Dipluridae from Chile (Araneae, Mygalomorphae). J. Arachnol. Vol. 6, S. 73–77 (PDF).
Einzelnachweise Hedin, M., Derkarabetian, S., Ramírez, M. J., Vink, C. & Bond, J. E. (2018): Phylogenomic reclassification of the world’s most venomous spiders (Mygalomorphae, Atracinae), with implications for venom evolution. Scientific Reports. Vol. 8 (1636), S. 1–7. doi:10.1038/s41598-018-19946-2 (PDF).
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Kategorie:Vogelspinnenartige