mini|Hauptstraße von Haßfurt (2015) mini|Marktplatz und Pfarrkirche Haßfurt ist die Kreisstadt des Landkreises Haßberge im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken, 20 km östlich von Schweinfurt. Die Stadt am Main entstand um 1230 als Grenzbefestigung zwischen den Bistümern Würzburg und Bamberg. Auch wenn das Stadtwappen einen Hasen zeigt, stammt der Ortsname vom germanischen Hasufurth („Nebelfurt“, „Weg durch den Nebel“).Stephan Diller: Haßfurt 1871–2007. Band 1, ISBN 3-938438-06-1, S. 31.

Geografie Lage Haßfurt liegt am Nordufer des Mains (Flusskilometer 355) am Südwestrand des Naturparks Haßberge. Das Mittelzentrum gehört zur Region Main-Rhön. Vier Kilometer östlich der Stadt erhebt sich die Hohe Wann, ein 387 Meter hoher Berg mit einem Naturschutzgebiet. Die Stadt wird in Wohn- oder Stadtgebiet, Neubaugebiet und Industriegebiet eingeteilt. Die nächstgelegenen Ortschaften sind Wülflingen (drei Kilometer westlich), Sylbach (zwei Kilometer nördlich) und Augsfeld (drei Kilometer südöstlich).

Naturräumliche Gliederung Haßfurt gehört zu drei naturräumlichen Haupteinheiten. Nahezu das gesamte Stadtgebiet liegt im Südende der Haupteinheit Grabfeld (138). Der nordöstliche Stadtteil Prappach gehört zur Haupteinheit Haßberge (116) und der nordwestliche Stadtteil Sailershausen, mit dem Sailershäuser Wald, zur Haupteinheit Hesselbacher Waldland (139), auch Schweinfurter Rhön genannt.

Das Haßfurter Maintal (137.2) ist Teil des Steigerwaldvorlandes (137), das hier seine nördlichste Ausdehnung besitzt. Obwohl weite Teile der Kernstadt nicht in diesem Naturraum liegen, wird der auf dem südlichen Mainufer gelegene Ortsteil Mariaburghausen diesem Gebiet zugerechnet.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Riedbach, Königsberg in Bayern, Zeil am Main, Knetzgau, Wonfurt, Theres und Schonungen.

Gemeindegliederung mini|Haßfurt mit Gemeindeteilen Haßfurt hat zehn Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen Stand 1. Juli 2008, für Mariaburghausen 1. Januar 2008, angegeben):

mini|Altes Rathaus im Gemeindeteil Sylbach

Geschichte mini|Haßfurt (Topographia Franconiae) Bis zur Gemeindegründung Der Ort geht auf eine germanische Siedlung vom 4. oder 5. Jahrhundert zurück. Aus dem Germanischen leitet sich auch der Name her, der „Nebelfurt“ bedeutet.Webseite der Stadt Haßfurt

Der Ort wurde am 19. August 1230 erstmals schriftlich erwähnt, als der Würzburger Fürstbischof Hermann I. von Lobdeburg sein Gebiet nach Osten hin gegen den Bamberger Fürstbischof Siegfried II. von Eppstein sichern wollte. Den Siedlungskern bildete der Herrenhof an der Mainfurt. Die Erhebung zur Stadt erfolgte zwischen 1230 und 1243. Das früheste Siegel der Stadt aus dem 14. Jahrhundert zeigt bereits den für das Stadtbild heute noch prägenden oberen und unteren Turm sowie einen Torturm mit Fallgitter zum südlich angrenzenden Main hin. Diese drei Tore/Türme symbolisierten das Stadtrecht. Ende des 14. Jahrhunderts bekam die Stadt eine Münzstätte. Die erste Lateinschule entstand im 16. Jahrhundert.

Haßfurt gehörte ursprünglich zum Hochstift Würzburg, lag ab 1500 im Fränkischen Reichskreis und wurde nach der Säkularisation 1803 zugunsten Bayerns 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen. 1814 fiel die Stadt endgültig an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Stadtgemeinde, wie sie noch heute existiert.

Vor der Stadt befand sich ein mittelalterliches Leprosorium, das als „Siechenhaus“ benannt war und noch im 17. Jahrhundert erwähnt wurde.

Wegen seiner Lage zwischen Würzburg und Bamberg war Haßfurt 1624 Ort einer Konferenz über eine Vereinheitlichung des Münzwesens in den beiden Bistümern. Das Problem war die Geldentwertung der Kipper- und Wipperzeit. Zugegen in Haßfurt waren der Geheimrat Georg Schell aus Würzburg und der Kanzler des Fürstbischofs Johann Georg II. Fuchs Freiherr von Dornheim aus Bamberg. Die „Conferenz zu Haßfurt“ führte zu keiner Einigung.Gelehrte Anzeigen, Ausgabe vom 19. Januar 1844, S. 4

Haßfurt spielte Ende des 19. Jahrhunderts eine Rolle als Verladestation von Granitsteinen für den Bau des Reichstags in Berlin. Die Steine kamen aus dem Fichtelgebirge.Chicago Daily Tribune vom 29. November 1885. In der Meldung ist die Rede von acht Jahren Bauzeit, 160.000 Kubik-Yards (umgerechnet 120.000 m³) hochglanzpolierten Granits und Kosten von 1.325.000 US-Dollars.

Straßen und Bahnen Im Spätmittelalter führte eine so genannte Geleitstraße auf der nördlichen Mainseite von Bamberg über Haßfurt nach Schweinfurt. Der viel ältere Rennweg führt von Königshofen nach Hallstadt und weit nördlich an Haßfurt vorbei. Parallel zur Geleitstraße, südlich des Mains, befand sich eine Straße, die weit weniger befahren und begangen wurde als die nördlich des Mains. Dokumente vom frühen 16. Jh. weisen zudem deutlich stärkeren Verkehr von Haßfurt nach Osten als nach Westen auf. Die Geleitstraße war nicht befestigt, sondern war im Grunde ein Naturweg, der die Fortbewegung von Fuhrwerken zwar ermöglichte, aber mit Schwierigkeiten verbunden war; die Pferde und Wagenräder sanken teilweise tief im Morast ein. Die Post verkehrte ab 1744 einmal täglich, wenige Jahre später häufiger, von Schweinfurt nach Bamberg hin und zurück. Noch um 1800 herum brauchte der Postwagen 6 Stunden für 18 km von Haßfurt nach Stettfeld. Bauern in der Nähe der Straße boten ihre Hilfe an und machten daraus ein Geschäftsmodell, das die Vermutung nahelegt, dass eine Verbesserung des Untergrunds bewusst verhindert wurde. 1825 war die erste Chaussee anstelle des Feldwegs fertig, eine Straße mit befestigtem steinernem Untergrund und einer Breite für zwei entgegen kommende Fuhrwerke. Die Steine lieferten die benachbarten Steinbrüche, für den Unterhalt des Straßenabschnittes waren die Gemeinden zuständig. Bei Ebelsbach querte die Chaussee den Main und verlief an dessen Südufer weiter nach Bamberg. Die Straßenführung ähnelte damit der der heutigen Bundesstraße 26. Um 1910 befuhren erstmals Automobile die Strecke, nämlich in Form von Postbussen.

1835 wurde erstmals die Idee einer Bahnverbindung zwischen Bamberg und Aschaffenburg auf den Tisch gebracht, und zwar von Vertretern der unterfränkischen Handelsstände. Das stieß bei der Regierung in München auf wenig Wohlgefallen, weil diese gerade die Flussschifffahrt ausbaute und diese als optimalen Beförderungsweg ansah. 1843 taten sich Banken zusammen, um eine Kapitalgesellschaft für den Bau einer Eisenbahn von Bamberg nach Frankfurt zu gründen, die so genannte Ludwigs-Westbahn. Dieser Vorstoß setzte sich gegen andere durch, die zum Beispiel eine Trassenführung von Nürnberg über Marktbreit nach Frankfurt bevorzugten. 1846 wurde die Bahnlinie beschlossen. Das Gesetz über die Zwangsabtretung von Grundeigentum für öffentlichen Zwecke von 1837 führte zu Zwangsenteignungen; jedoch erhielten viele Landwirte, deren Äcker durch die neue Trasse zerschnitten wurden, Abfindungen. In Haßfurt und in den Nachbargemeinden wurde durch die Schienen der Zugang zum Main deutlich erschwert. Im Sommer 1850 war der erste Bauabschnitt von Bamberg nach Haßfurt fertiggestellt, Ende 1852 hatte die Bahn Schweinfurt erreicht. Anfangs fuhren zwei Züge täglich in beide Richtungen. Die Fahrzeit von Haßfurt nach Bamberg lag bei etwa 40 Minuten. In den Jahren bis 1867 entstanden weitere Strecken in Bayern, die mit der Ludwigs-Westbahn vernetzt waren.

Mit dem Beginn des Reisejournalismus in der Populärliteratur des frühen 19. Jahrhunderts rückte auch Haßfurt in den Fokus von Blättern wie der Gartenlaube:

Anfang des 20. Jahrhunderts Im Jahr 1900 hatte Haßfurt 2500 Einwohner. Die Straßenbeleuchtung mit Karbidlampen hielt in den Großstädten Einzug. Die erste (von damals 26) kleinen Gemeinden mit Karbidbeleuchtung war Haßfurt. Das Telefon gab es seit 1901. Die Jahresstatistik für 1905 weist ein langsames Wachstum mit einer Umschaltstelle (Amt/Vermittlung), 15 Privatsprechstellen (Telefonen), drei Sprechstellen bei Behörden, drei öffentlichen Telefonstellen (Telefonzellen) und insgesamt 14 Telefonteilnehmern einschließlich derer in den Behörden auf.Statistischer Bericht über den Betrieb der Königlich Bayerischen Posten und Telegraphen im Verwaltungsjahre 1905. Dort findet sich Haßfurt als 186. Ortsnetz des Deutschen Reichs. 1910 wurde Haßfurt kanalisiert.

Jüdische Bevölkerung Wie in vielen Orten Unterfrankens lebten auch in Haßfurt von der Stadtgründung an Juden als nicht ganz kleine Minderheit unter der überwiegend katholischen Bevölkerung. Bereits im späten 13. Jahrhundert ist von Judenverfolgungen die Rede, etwa im Zusammenhang mit dem Rintfleisch-Pogrom 1298, als die Juden aus Haßfurt vertrieben oder umgebracht wurden. Eine zweite Welle der Judenverfolgung fand, wie in vielen Gemeinden Europas, zu Zeiten der Pest um 1350 statt. Danach sind in Haßfurt ansässige Juden erstmals wieder 1414 nachweisbar.

Die Juden blieben immer in der Minderheit. Sie nahmen am normalen zivilen Leben der Stadt und auch als Soldaten am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und am Ersten Weltkrieg teil.Emanuel Kohnstamm wird auf dem Denkmal der Gefallenen zwischen Bahnhof und Post genannt, Leo Luitpold Frank, Louis Frank, Julius Silbermann stehen auf der Gefallenentafel an der Südseite der Ritterkapelle. Die meisten lebten vermutlich in der Judengasse, die es heute nicht mehr gibt. Die Bürgerlisten (Matrikel) von 1817 führen nur sechs jüdische Familienvorstände auf:

die Wein- und Spezereihändler Israel Jacob Heßlein und Seligmann Jacob Heßlein den Vieh- und Weinhändler Moises Salomon Lonnerstädter den Tuchhändler Joseph Peretz Neubauer den Viehhändler Seligmann Peritz Dessauer den Warenhändler Jakob Salomon Friedmann

Erst im 19. Jahrhundert konnten Juden in Haßfurt eine eigene Gemeinde gründen, die zum Distriktsrabbinat Schweinfurt gehörte. 1841 zählte Haßfurt 1602 Einwohner, davon waren 22 jüdischen Glaubens. 1840 waren es in der Umgebung (Ebern, Gleusdorf, Hofheim, Königshofen) „2458 Seelen in 562 Familien“, die dem Rabbinat angehörten.Allgemeine Zeitung des Judenthums. Leipzig 1. Februar 1840, S. 63. Die Anzahl der Juden wuchs bis 1910 allein in Haßfurt auf 125 (4,4 % der Bevölkerung). 1888 errichteten sie in der Schlesingerstraße die erste Synagoge, eine Religionsschule und ein rituelles jüdisches Bad. Der jüdische Friedhof befand sich im benachbarten Dorf Kleinsteinach, wo sich die israelitische Kultusgemeinde befand. Zu den prägenden Personen jüdischen Lebens um 1900 gehörte der Gymnasiallehrer Moritz Hammelburger. Nach seinem Tod folgte ihm 1928 Lothar Stein, dem nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 die Arbeitserlaubnis entzogen wurde.

1933 lebten noch 91 Juden in der Stadt (2,6 %). Diese Zahl ging aufgrund der Judenverfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus stark zurück. Ab September 1935 verbot die Stadtverwaltung den ansässigen Juden, mit örtlichen Firmen Geschäftsbeziehungen zu unterhalten. Die Juden durften keine Parkbänke mehr benutzen, Kinder auf keinen Spielplätzen spielen.

Erster Weltkrieg Wie im ganzen Deutschen Kaiserreich überwog auch in Haßfurt 1914 die Begeisterung für den Ersten Weltkrieg. Der Bahnhof der Kleinstadt war dafür das Zentrum der Euphorie Ausdruck zu verleihen. Dort liefen die Züge der Mobilmachung durch. In den ersten vier Tagen nach Kriegsbeginn meldeten sich 18 Kriegsfreiwillige aus der Stadt. Im September 1915 waren 173 Bürger aus Haßfurt im Krieg, die wenigsten kamen zurück.Diller, S. 38 ff.

Nationalsozialismus