Remshalden ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage Remshalden liegt rund 25 Kilometer nordöstlich von Stuttgart im Remstal entlang der Bundesstraße 29. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhenlage von an der Rems beim Austritt aus dem Gemeindegebiet bis auf der Buocher Höhe.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Remshalden wird von folgenden Gemeinden und Ortschaften umschlossen (beginnend im Norden, im Uhrzeigersinn): Winnenden-Breuningsweiler, Berglen-Reichenbach, Berglen-Hößlinswart, Schorndorf, Winterbach, Weinstadt und einer zu Waiblingen gehörenden Waldexklave.

Gemeindegliederung mini|Kirchplatz, Grunbach

Zur Gemeinde Remshalden gehören die Ortsteile Buoch, Geradstetten, Grunbach, Hebsack und Rohrbronn, die identisch mit den gleichnamigen zuvor selbstständigen Gemeinden sind.

Zur Altgemeinde Buoch gehört alleine das Dorf Buoch. Zur Altgemeinde Geradstetten gehört das Dorf Geradstetten, die Weiler Bauersberger Hof und Kernershof sowie das Gehöft Rollhof. Zur Altgemeinde Grunbach gehört das Dorf Grunbach und der Weiler Osterhof. Zur Altgemeinde Hebsack gehört alleine das Dorf Hebsack. Zur Altgemeinde Rohrbronn gehört alleine das Dorf Rohrbronn.

Die Ortsteile sind durch den vorangestellten Gemeindenamen und, nachgestellt und mit Bindestrich getrennt, den Namen des Ortsteils offiziell benannt.

Wüstungen Auf dem Gebiet des Ortsteils Geradstetten liegt der abgegangene Weiler Seldeneck (auch Selneck)Burg Seldeneck (Burg Selneck) [Wüstung]. LEO-BW. Abgerufen am 12. September 2015. mit der ehemaligen Burg Seldeneck. Auf dem Gebiet des Ortsteils Grunbach liegt die abgegangene Ortschaft Erlachhöfe.Erlachhöfe [Wüstung]. LEO-BW. Abgerufen am 12. September 2015. In beiden Ortsteilen liegt die Wüstung Vehrenbach mit ihren abgegangenen Höfen Ober-VehrenbachOber-Vehrenbach (Fehrbach) [Wüstung]. LEO-BW. Abgerufen am 12. September 2015. und Unter-Vehrenbach.Unter-Vehrenbach (Fehrbach) [Wüstung]. LEO-BW. Abgerufen am 12. September 2015.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 537–540.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Remshalden.

Ortsteile Buoch links|80px|Buoch mini|hochkant|Wasserturm, Buoch

Buoch ist der mit 519 m über dem Meeresspiegel am höchsten gelegene Ortsteil, in dem etwa 700 Menschen leben. Im Jahr 1270 wurde Buoch erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort war ursprünglich im Besitz der Herren von Winnenden und kam über die Herren von Neuffen an das Kloster Lorch und mit diesem infolge der Reformation an Württemberg und an das Amt, später Oberamt Winnenden, ab 1808 an das Oberamt Waiblingen, seit 1938 Landkreis Waiblingen. Die spätgotische Pfarrkirche St. Sebastian weist im Turmchor romanische Bauteile auf. Im Gebäude des früher weithin bekannten Buocher Gasthofes Hirsch wurde im April 1987 das Museum im Hirsch eingerichtet. Es zeigt die Keramikproduktion in Buoch vom 12. bis ins 14. Jahrhundert sowie Dichter und Maler in Buoch vom Anfang des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Geradstetten links|80px|Geradstetten

Geradstetten hat rund 4700 Einwohner und liegt 255 m ü. NN. Der Ort Geradstetten entstand wahrscheinlich schon im 9. Jahrhundert. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er in einer Urkunde, die am 8. Januar 1291 ausgestellt wurde. In ihr wird ein Rufoni de Gerhartstetin genannt. Mehrere Adelsfamilien hatten Teile des Ortes als württembergisches Lehen inne, darunter die von Urbach und die von Zyllnhardt. Letztere verkauften 1506 einen Teil und 1687 den Rest an das Herzogtum Württemberg, welches das gesamte Dorf nun wieder in Besitz genommen hatte. Geradstetten kam zum Amt, später Oberamt Schorndorf und 1938 zum Landkreis Waiblingen. Letzter Bürgermeister von Geradstetten war von 1950 bis 1974 Wilhelm Gayer,Jan Knauer: Bürgerengagement und Protestpolitik. Das politische Wirken des „Remstalrebellen“ Helmut Palmer und die Reaktionen seiner Mitmenschen. Dissertation an der Eberhard Karls Universität Tübingen, 2012, S. 235 f. nach dem später die Wilhelm-Gayer-Straße benannt wurde.Wilhelm-Gayer-Str. / Wilhelm-Gayer-Straße in 73630 Remshalden, auf strassenkatalog.de Wilhelm Gayer stand im andauernden Konflikt mit seinem Hauptkritiker Helmut Palmer. Der Konflikt entstand wegen unterschiedlicher Meinungen im Obstanbau und eskalierte in Anspielungen Palmers auf die NS-Vergangenheit Gayers.Ursprünglich war Wilhelm Gayer Anhänger der SPD. 1933 wurde er Mitglied der NSDAP, um sein Amt als Bürgermeister von Widdern nicht zu gefährden. Er war bis 1943 als Bürgermeister verschiedener weiterer Gemeinden in Württemberg tätig, darunter in Ensingen und vom 1. März 1939 bis zu seinem Einzug in die Wehrmacht Ende 1943 als Bürgermeister von Heubach. In seiner Entnazifizierungsakte (im Staatsarchiv Ludwigsburg) wurde er nur als Mitläufer eingestuft, der den Nationalsozialismus nur unwesentlich gefördert habe. Nach dem Krieg war Gayer Mitglied der CDU (siehe dazu Jan Knauers Dissertation, Tübingen 2012)

Grunbach links|80px|Grunbach

Grunbach wurde 1142 erstmals urkundlich erwähnt und ist der älteste und größte Ortsteil mit rund 6000 Einwohnern. 1293 übernahm die Grafschaft Württemberg den Schutz der Güter des Klosters Lorch in Grunbach und ließ sich auch das Recht zur Verwaltung des Orts durch einen eigenen Vogt übertragen. In Grunbach ist bereits 1328 eine Kelter bezeugt; die Weinbautradition kann durch eine Vielzahl von Urkunden nachgewiesen werden. Sie lässt sich auch an den drei ehemaligen Keltern in der Schillerstraße ablesen. Das Wahrzeichen Grunbachs ist die 1481 fertiggestellte evangelische Pfarrkirche, eine einst den Heiligen Dionysius und Veranus geweihte Wehrkirche. Grunbach war dem württembergischen Amt Schorndorf unterstellt, seit 1758 dem Oberamt Schorndorf. 1861 bekam Grunbach mit der Eröffnung der Remsbahn Anschluss an das Schienennetz der Württembergischen Eisenbahn. 1938 wurde Grunbach dem Landkreis Waiblingen zugeordnet. Letzter Bürgermeister von Grunbach bis zur Bildung der neuen Gemeinde Remshalden 1974 war Helmuth Kuhnle, der bis zum 30. Januar 1975 auch erster amtierender Bürgermeister der Gemeinde Remshalden war.

Hebsack links|80px|Hebsack

Hebsack zählt rund 1500 Einwohner. Dieser Ortsteil wurde 1299 erstmals urkundlich erwähnt und war überwiegend im Besitz der Grafschaft Württemberg. Jedoch auch das Kloster Zimmern bezog noch Einkünfte aus Hebsack, welche nach der Reformation an die Grafen von Öttingen fielen. Diese wurden im Jahre 1744 von Württemberg übernommen. Hebsack gehörte in das Gericht Winterbach und war seit dem 19. Jahrhundert eine eigene Gemeinde im württembergischen Oberamt Schorndorf und somit seit 1938 Bestandteil des Landkreises Waiblingen. Die spätgotische Wendelinskirche wurde 1938/39 wegen einer Straßenbaumaßnahme abgebrochen. Der Marienaltar von 1512/13 sowie der Taufstein und die Kanzel befinden sich in der 1947 erbauten Kreuzkirche. Schon 1920 hatte dort eine Hemdenfabrik große Bedeutung, in der jährlich rund 10.000 blaue Fuhrmannshemden gefertigt wurden.

Rohrbronn links|80px|Rohrbronn

In Rohrbronn, dem kleinsten Ortsteil Remshaldens, leben rund 700 Menschen. Erstmals erwähnt wurde Rohrbronn im Jahr 1400. Die Siedlung gehörte zu Winterbach und war mit diesem Ort aus staufischem Besitz an Württemberg gekommen. Zu dieser Zeit gab es nur sieben Häuser. Das Dorf Rohrbronn gehörte zum Stabsamt Winterbach und wurde 1809 Teilgemeinde von Hebsack und nach kurzzeitiger Eingemeindung in Winterbach 1828 selbständige Gemeinde im Oberamt Schorndorf, das 1938 als Kreis Schorndorf im Landkreis Waiblingen aufging. Über die Jahrhunderte hinweg bestand der Haupterwerb im Wein- und Obstbau, vor allem im Kirschenanbau, was sich im Ortswappen Rohrbronns niedergeschlagen hat. 1965 wurde die evangelische Christuskirche Rohrbronn fertiggestellt.

mini|Haus von Helmut Palmer, Geradstetten

Einwohnerstatistiken mini|Buoch – Bleistiftzeichnung von General Eduard von Kallee, 1846 mini|Die Rems bei Geradstetten mini|Weinberge, Remshalden

Die Einwohnerzahlen wurden jeweils zum 30. Juni durch die Gemeindeverwaltung Remshalden festgestellt. Die Zahlen weichen von den amtlichen Zahlen des Statistischen Landesamtes ab. Die Zahlen von 1961 und 1970 sind Volkszählungsergebnisse. Jahr Buoch Geradstetten Grunbach Hebsack Rohrbronn Insgesamt 1961 432 3.127 3.232 768 353 7.912 1970 512 4.461 4.715 1.282 503 11.473 1980 620 4.374 5.310 1.573 668 12.545 1985 665 4.298 5.422 1.625 613 12.623 1997 686 4.697 5.808 1.607 709 13.507 2000 713 4.751 5.843 1.578 708 13.593 2005 673 4.739 5.966 1.564 686 13.628 2010 647 4.672 6.057 1.481 658 13.483 2013 647 4.697 6.154 1.443 647 13.588 2014 654 4.733 6.220 1.453 650 13.710 2019 698 4.984 6.561 1.574 692 14.509

Flächenverteilung Die Markungsflächen der fünf Ortsteile weisen zum 22. November 2004 folgende Flächen aus: Ortsteil ha Grunbach 473 Geradstetten 631 Hebsack 110 Rohrbronn 141 Buoch 158 Insgesamt 1513

Geschichte Landesgeschichtliche Zugehörigkeit der Vorgängergemeinden Remshaldens Die Gemarkung Remshaldens lag im Hochmittelalter als Bestandteil des Pagus Ramesdal (Remsgau) im nördlichen Randgebiet des Herzogtums Schwaben. Die Teilorte gehörten im Verlauf des Spätmittelalters zu den Kerngebieten Altwürttembergs und waren somit seit 1806 auch Bestandteile des neu gegründeten Königreichs Württemberg und des 1918 entstandenen freien Volksstaates Württemberg. 1938, im Zuge einer württembergischen Gebietsreform während der NS-Zeit, kamen alle Orte, die bisher auf die Oberämter (bzw. seit 1934 Kreise) Schorndorf (namentlich Grunbach, Geradstetten, Hebsack und Rohrbronn) und Waiblingen (nämlich Buoch) verteilten waren, zum Landkreis Waiblingen. 1945 fiel der Landkreis Waiblingen in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Seit der 1973 erfolgten Kreisreform gehörten die beiden Vorgängergemeinden Remshaldens, Geradstetten und Grunbach, zum neu gebildeten Rems-Murr-Kreis.

Gemeindefusion mini|Remshalden und Umgebung

Remshalden entstand im Rahmen der Gemeindereform in Baden-Württemberg durch folgende Schritte: 1. Januar 1972: Eingemeindung von Rohrbronn und Hebsack nach Geradstetten und von Buoch nach Grunbach 13. Mai 1974: Vereinbarung zur Bildung von Remshalden wurde per Unterschrift durch den Bürgermeister Wilhelm Gayer von Geradstetten und den Bürgermeister Helmuth Kuhnle von Grunbach besiegelt 1. Oktober 1974: Vereinigung von Geradstetten und Grunbach zur neuen Gemeinde Remshalden

Einwohnerentwicklung Die Angaben beziehen sich auf den heutigen Gebietsstand der Gemeinde.

Jahr Einwohner 1961 7.912 1970 11.473 1980 12.545 1985 12.632 1991 13.234 1995 13.283 1997 13.507 2000 13.593 2005 13.628 2007 13.533 Jahr Einwohner 2008 13.461 2009 13.396 2010 13.386 2011 13.455 2012 13.527 2013 13.494 2014 13.630 2015 14.076 2016 14.005 2017 14.077 Jahr Einwohner 2018 14.074 2019 2020 2021 2022 14.338 2023 14.395 2024 14.354

Religion mini|hochkant|Kirchplatz, Grunbach mini|hochkant|Ansicht der südlichen Nachkriegssiedlung von Geradstetten mit der katholischen Kirche St. Elisabeth