mini|Modell der Talsperre mini|Schiffsschleusensystem der Talsperre während der Bauphase, Nov. 2002 mini|Satellitenbild des Stausees (die Drei-Schluchten-Talsperre ist etwa 1/3 von der linken Kante entfernt; die Bildmitte gehört zur Gezhouba-Talsperre, etwa 1/3 von der rechten Kante), Juli 2000 mini|Laufrad einer Francis-Turbine für das Wasserkraftwerk
Die Drei-Schluchten-Talsperre (, amtlich: 長江三峽水利樞紐 / 长江三峡水利枢纽 Pinyin: Chángjiāng Sānxiá Shuǐlì Shūniǔ, wasserwirtschaftliches Drehkreuz der Drei-Schluchten-Region) ist eine Stauanlage mit einem Wasserkraftwerk, einer Doppel-Schleusenanlage und einem Schiffshebewerk im Jangtsekiang in China; sie liegt im Ort Sandouping 38 km flussaufwärts von Yichang in der Provinz Hubei. Das Wasserkraftwerk ist mit einer installierten Generator-Leistung von 22,5 Gigawattinventorspot.com: . Bericht vom Mai 2011. Abgerufen am 12. Januar 2019. das bisher größte der Erde, auch wenn es höhere und längere Talsperren und größere Stauseen gibt und China seit 2025 ein noch leistungsstärkeres Kraftwerk (Wasserkraftwerk Medog) errichtet. Der durch die Staumauer entstandene Stausee erstreckt sich durch die berühmten Drei Schluchten über 663 km bis weit nach dem 500 km entfernten Hafen von Chongqing. Die Anlage wird von der China Three Gorges Corporation (CTG) betrieben.
Einleitung Kein anderes Großprojekt war in den letzten Jahren so umstritten wie diese Talsperre in der Volksrepublik China. Die Befürworter begründen seine Notwendigkeit hauptsächlich mit der Verbesserung des Hochwasserschutzes. So hatten die Hochwasser des Jangtsekiang beispielsweise 1954 über 30.000 Menschenleben gekostet. Beim Hochwasser 1994 entstand ein Sachschaden von 20 Milliarden Euro.Christine Faustmann: . Maturaarbeit Geographie & Wirtschaftskunde, BG/BRG/BORG Hartberg 2002. Abgerufen am 12. Januar 2019. Weitere Gründe für den Bau waren die Stromerzeugung (Wasserkraftwerk) und die Verbesserung der Schifffahrt. Die Gegner befürchteten Nachteile durch die ökologischen Folgen, die geologischen Gefährdungspotentiale und die soziokulturellen Folgen des Projekts.Lorenz King, Marco Gemmer, Martin Metzler: Das Dreischluchtenprojekt am Yangtze – Giessener Forschergruppe untersucht Auswirkungen des weltgrößten Staudammprojektes. In: Spiegel der Forschung. 1/20, 2002, S. 38–54. (Volltext, PDF; 1,3 MB)
Der Jangtsekiang ist mit 6.380 km der längste Strom Chinas und der drittlängste der Erde. Auf seinem Weg fließt er vom tibetischen Hochland durch das Rote Becken, dann durch die Drei Schluchten und schließlich in die Ebene von Yichang, bis er bei Shanghai ins Ostchinesische Meer mündet. Sein Einzugsgebiet ist knapp zwei Millionen Quadratkilometer groß; es umfasst den Lebensraum eines Drittels der chinesischen Bevölkerung (Gesamtpopulation etwa 1,4 Mrd. Menschen) und 25 % des chinesischen Ackerlandes. Der mittlere Abfluss des Jangtsekiang beträgt 32.500 m³/s (zum Vergleich: Rhein 2.330 m³/s). Er ist außerdem eine der wichtigsten Binnenwasserstraßen Chinas.
Begriffsunterscheidung Obwohl es sich bei dem Absperrbauwerk der Talsperre um eine Staumauer handelt, wird die englische Bezeichnung „Three Gorges Dam“ meist falsch mit „Drei-Schluchten-Damm“ bzw. „-Staudamm“ übersetzt. Dieser sehr häufige Fehler findet sich vereinzelt sogar in Fachliteratur und ist dem Umstand geschuldet, dass im englischen Vokabular keine vergleichbare Unterscheidung getroffen wird – das Wort „dam“ kann sowohl eine Staumauer als auch einen Staudamm oder auch eine ganze Talsperre bezeichnen.
Projekt Vorgeschichte Die Idee, den Jangtsekiang zur Energiegewinnung zu nutzen, existierte schon seit Jahrzehnten. Es war der Traum jedes großen chinesischen Herrschers, den unberechenbaren Fluss zu bändigen. So äußerte erstmals 1919 Sun Yat-sen seine diesbezüglichen Gedanken.
Zwischen 1944 und 1946 wurde das „United States Bureau of Reclamation“, eine US-amerikanische Aufsichtsbehörde für Wasserversorgungsprojekte, beauftragt, eine solche Talsperre zu entwerfen. Als es jedoch so weit war, wurde das Vorhaben durch den chinesischen Bürgerkrieg gestoppt. Auch Mao Zedong (Vorsitzender der Kommunistischen Partei) versuchte 1958 das Projekt zu realisieren, doch dieser Versuch scheiterte an den zu hohen Baukosten.
Als 1969 die Provinz Hubei das Projekt wiedererweckt hatte, lehnte Mao Zedong das Vorhaben aus politisch-militärischen Gründen ab. Als Ersatz wurde die kleinere Gezhouba-Talsperre nach 18 Jahren Bauzeit fertiggestellt. Sie liegt 38 km unterhalb der Drei-Schluchten-Talsperre bei der Stadt Yichang.
In den 1980er Jahren wurde das Projekt aufgrund der stärker werdenden Energieknappheit zum Schlüsselprojekt in Deng Xiaopings Reform- und Modernisierungspolitik. So wurde 1985 das Drei-Schluchten-Projekt wieder aufgegriffen. Auf Grund starker Proteste und Bedenken des Nationalen Volkskongresses wurden 1986 Vertiefungsstudien durchgeführt. 1986 wurde auf der Basis einer bilateralen Vereinbarung ein chinesisch-kanadisches Konsortium mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt, die durch die Weltbank und durch die kanadische Regierung finanziert wurde.
1992 wurde das Projekt durch die Abstimmung im Volkskongress genehmigt, allerdings mit einem Negativrekord, denn noch nie vorher in der Geschichte des Nationalen Volkskongresses wurde ein Entschluss mit nur zwei Dritteln Mehrheit angenommen (Ergebnis: 1767 pro, 177 contra und 664 Enthaltungen). Ministerpräsident Li Peng, ehemaliger Energieminister, war der Hauptverfechter des Projektes. Da jede Kritik dem Projekt gegenüber untersagt wurde, konnten sich Kritiker nur im Ausland darüber äußern. Das Buch der Projektgegnerin Dai Qing wurde verboten, ihr wurde ein Publikationsverbot auferlegt und sie musste für zehn Monate ins Gefängnis.
Bauverlauf Die China Three Gorges Projekt Corporation (CTGPC) erhielt vom chinesischen Staat den Auftrag für die Ausführungsplanung und den Bau des Kraftwerkes, der Schleusenanlagen und des Schiffshebewerkes.
Am 14. Dezember 1994German.China.org: Chronik des Drei-Schluchten-Staudamms, vom 20. September 2006. Abgerufen am 20. Februar 2019. wurde mit einer Eröffnungsfeier der kommende Baubeginn verkündet und am 5. Januar 1995 mit dem ersten Bauabschnitt, dem Erstellen des Fangdamms als Vorarbeit zum Bau der Staumauer, begonnen. Um die Schifffahrt aufrechterhalten zu können, musste der Jangtsekiang als 3,7 Kilometer langer Kanal um die Baustelle geführt werden. Die Arbeiten dazu begannen im April 1995, der Kanal war am 6. Oktober 1997 schiffbar, und am 8. November 1997 wurde der Fluss vollständig umgeleitet.
Ebenfalls im April 1995 ist mit den Arbeiten an der Staumauer, dem Kraftwerk auf der linken Flusshälfte, der Doppel-Schleusenanlage und dem Schiffshebewerk begonnen worden. An dieser Großbaustelle waren bis zu 18.000 Arbeitskräfte beschäftigt. Pro Tag wurden bis zu 350 LKW-Ladungen mit je 20 Tonnen Beton verbaut.
Am 1. Juni 2003 wurden die Wehrfelder der Staumauer geschlossen; damit begann die erste Teilflutung. Am 17. Juni 2003 konnte durch eine Live-Übertragung des staatlichen chinesischen Fernsehens im ganzen Land die Durchfahrt des ersten Fährschiffes durch die fünfstufige Schleusenanlage mitverfolgt werden.Frankfurter Allgemeine: Drei-Schluchten-Staudamm, Schleusen frei, Bericht vom 17. Juni 2003. Abgerufen am 22. Februar 2019.
Die erste Turbine mit einer Nennleistung von 700 Megawatt konnte am 24. Juni 2003 im Kraftwerk auf der linken Flusshälfte in Betrieb genommen werden. Ende 2003 lieferten bereits 4 Turbinen elektrische Energie. Knapp drei Jahre danach, am 20. Mai 2006, konnte das staatliche chinesische Fernsehen wieder eine Zeremonie übertragen. Bei dieser gossen Bauarbeiter die letzte Betonladung auf die Staumauer, womit die Errichtung der Talsperre abgeschlossen war.ORF extra, News: Die letzte Ladung Zement. 20. Mai 2006. Abgerufen am 12. Januar 2019. Die Fertigstellung erfolgte 9 Monate vor dem geplanten Zeitpunkt (Feb. 2007). Alle 14 Turbinen des linken Kraftwerks waren ebenfalls in Betrieb. Geliefert wurden 8 Einheiten, bestehend aus den Generatoren, Transformatoren und Turbinen durch ein Joint Venture der Unternehmen Alstom, ABB, Kvaerner und der chinesischen Firma Haerbin Motor. Die restlichen 6 Einheiten durch das Joint Venture Voith, Siemens, General Electric und der chinesischen Firma Oriental Motors.BOKU Universität für Bodenkultur, Wien. Fachexkursion zu Erd- und Grundbau, China 2015; Autoren: Aschinger, Diermayr, Gullner, Hochreiter, Hörander, Trettler: , Teilbericht Oktober 2015. Abgerufen am 12. Januar 2019.
Bis 2008 war auch das Kraftwerk mit seinen 12 Turbinen auf der rechten Flusshälfte in Betrieb. Dadurch wurde die ursprünglich geplante Leistung von 18,2 GW erreicht.
Im Berg auf der rechten Seite des Flusses wurde in Tunnelbauweise ein zusätzliches Kraftwerk erstellt, in dem weitere 6 Turbinen mit 700 MW untergebracht wurden. Diese konnten im Jahr 2012 in Betrieb gesetzt werden. Mit den beiden Turbinen mit je 50 MW, für die Produktion des Eigenbedarfes,Der Standort dieser Turbinen konnte nicht ermittelt werden erhöhte sich die Kraftwerksleistung auf 22,5 GW. Die 20 Turbinen für die Kraftwerke auf der rechten Flussseite und im unterirdischen Werk im Berg wurden durch zwei neu gegründete chinesische Unternehmen geliefert: Harbin Power Equipment, die sich das Know-how von Alstom, ABB und Kvaerner angeeignet hatte, und durch Dongfang Electrical Machinery, die nach dem Know-how von Voith, Siemens und General Electric arbeitet.GegenStrömung, von Christian Russau: Das Geschäft mit der Wasserkraft. 2016. Abgerufen am 12. Januar 2019.
Schleusen und Hebewerk Es wurde eine Doppel-Schleusenanlage, bestehend aus zwei parallel verlaufenden fünfstufigen Schleusentreppen, erstellt. Mit den Ein- und Ausfahrtstrecken ist die Schleusenanlage mehr als 6.400 Meter lang.
In den Projektplänen von 1992 war das Schiffshebewerk bereits eingezeichnet und bewilligt. Mit den ersten Bauarbeiten wurde am 24. April 1995 begonnen. Die verantwortlichen Experten bei der CTGPC waren jedoch über die Sicherheit des Aufzugsystems sehr besorgt. Zum Einbau war eine Hebetechnik mit Seilzügen vorgesehen. Die Ingenieure befürchteten, dass aufgrund der kolossalen Masse von Wanne mit Schiff das ganze System instabil sein würde. Dies könnte zu Sicherheitsrisiken führen. Das Hebewerk wurde mit einem Baustopp belegt.Chinadaily.com.cn: World's largest shiplift completes China's Three Gorges project, Bericht vom 19. September 2016. Abgerufen am 12. Januar 2019.
Ein Joint Venture aus Lahmeyer International mit Hauptsitz in Bad Vilbel und Krebs+Kiefer erhielt den Auftrag über die Prüfung und mögliche Durchführbarkeit des bestehenden Projekts. Sie erarbeiteten ein neues Konzept, in dem das Schiffshebewerk mit Zahnstangenantrieb und Drehspindel ausgerüstet wird. Als Lastenausgleich wurden Gegengewichte an 256 Stahlseilen vorgesehen. Das Konzept gelangte ab 2008 zur Ausführung. Am 18. September 2016 konnte schließlich das Schiffshebewerk in Betrieb genommen werden.Ingenieure.de: Weltgrößtes Schiffshebewerk geht am Jangtse in China in Betrieb. 4. Oktober 2016. Abgerufen am 20. Februar 2019. Somit waren schließlich die letzten großen Bauarbeiten an der Drei-Schluchten-Talsperre abgeschlossen.
Kosten Die Kosten des Bauwerks wurden anfangs mit 26 Mrd. US-Dollar beziffert; bis 2002 wurden allerdings schon 50 Mrd. US-Dollar verbaut, so dass Schätzungen von Gesamtkosten von 75 Mrd. US-Dollar bis 2013 ausgingen. Finanziert wurde die Talsperre vom chinesischen Volk, das mit einer Sondersteuer belastet wurde, sowie zu 65 % durch Kredite der staatlichen chinesischen Entwicklungsbank. Auch ausländische Investoren waren an dem Projekt beteiligt, von denen als wichtigste die Investmentbank Morgan Stanley sowie die kanadische Regierung zu nennen sind.
Die deutsche Bundesregierung trat als Bürge für den Milliardenauftrag bei Siemens ein. mini|Drei-Schluchten-Talsperre im April 2007
Technische Daten Bauart: Gewichtsstaumauer aus Beton Bauzeit: ab 5. Januar 1995