Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 6 4 5 15 2 2 2 2 6 3 2 2 1 5 4 2 1 1 4 5 1 – – 1 1 – – 1 7 – 3 1 4 8 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 Vollständiger Medaillenspiegel
Die Olympischen Winterspiele 1928 (auch II. Olympische Winterspiele genannt) fanden vom 11. bis 19. Februar 1928 in St. Moritz in der Schweiz statt. Sie waren die ersten eigenständigen Winterspiele, die nicht in Verbindung mit Sommerspielen ausgetragen wurden. Die vorangegangenen Winterspiele von 1924 erklärte das Internationale Olympische Komitee erst rückwirkend zu Olympischen Winterspielen, sie waren eigentlich Teil der Sommerspiele 1924.
Die Spiele waren geprägt von einem zu dieser Jahreszeit außergewöhnlich warmen Wetter. Nachdem am 15. Februar gar keine Wettkämpfe stattfinden konnten, gab es zahlreiche Änderungen im Zeitplan. Der 10.000-Meter-Eisschnelllauf, zunächst abgebrochen, konnte schließlich gar nicht mehr durchgeführt werden.
Die erfolgreichsten Athleten dieser Winterspiele waren mit je zwei Goldmedaillen der Norweger Johan Grøttumsbråten, der die nordischen Wettbewerbe dominierte, sowie der Finne Clas Thunberg im Eisschnelllaufen. Thunberg war bereits 1924 in Chamonix mit fünf Medaillen erfolgreichster Teilnehmer und konnte auch in St. Moritz den 500- und 1000-Meter-Eisschnelllauf für sich entscheiden.
Zum ersten Mal nach dem Ersten Weltkrieg nahmen wieder deutsche Sportler an Olympischen Spielen teil. Frauen waren nur bei den Eiskunstlaufdisziplinen dabei.
Wahl des Austragungsortes mini|Die olympischen Ringe in St. Moritz Nach dem Erfolg der „Internationalen Wintersport-Woche“ von 1924 in Chamonix beschloss das IOC auf seiner 24. Session am 27. Mai 1925 in Prag, einen eigenen Vierjahreszyklus für die Olympischen Winterspiele einzuführen. Sie sollten im selben Jahr wie die Olympischen Sommerspiele stattfinden. Auf Widerstand stießen diese Pläne zunächst in den skandinavischen Ländern. John Falchenberg, Vertreter des NOK Norwegens, bezweifelte deren Notwendigkeit, da „der Norden bereits über einen Wintersport-Zyklus verfügt, der allen Nationen offen steht“Kluge, S. 55 (gemeint waren die Nordischen Spiele). IOC-Präsident Henri de Baillet-Latour hielt dem entgegen, dass der Wintersport nicht exklusiv in der Hand der nordischen Länder liegen dürfe, da es um weltweite Olympische Spiele ginge.Arnd Krüger (1996). The History of the Olympic Winter Games. The Invention of a Tradition. Matti Goksör, Gerd von der Lippe, Kristian Mo (Hrsg.): Winter Games – Warm Traditions. Oslo: Norsk Idrettshistorisk Vörening 1996, S. 101–122.
Nach den damals geltenden Regeln durfte das Gastgeberland der Sommerspiele auch die Winterspiele ausrichten, wenn das gewünscht wurde. Da jedoch die Niederlande als Gastgeber der Sommerspiele 1928 aus geografischen Gründen dazu nicht im Stande waren, verzichteten sie. Der Mitbegründer des Schweizerischen Olympischen Komitees (SOC), Godefroy de Blonay, kündigte bereits in Prag eine Schweizer Kandidatur an, ohne jedoch einen Ort zu nennen.
Der Schweizerische Landesverband für Leibesübungen hatte im März 1925 dem SOC drei Orte als Ausrichter Olympischer Winterspiele empfohlen: Davos, Engelberg und St. Moritz. Das SOC favorisierte St. Moritz, das sich bereits seit mehreren Jahrzehnten zu einem der renommiertesten Urlaubsorte der Alpen entwickelt hatte.
Schließlich standen am 6. Mai 1926 während der 25. Session in Lissabon alle drei Schweizer Orte zur Debatte. Von den internationalen Sportverbänden äußerte sich einzig die FIS gegen Engelberg, weil der Ort nur 1015 Meter hoch liegt, womit keine sicheren Schneeverhältnisse garantiert wären. Die Vertreter des Eislaufs bevorzugten Davos, den damaligen Sitz der Internationalen Eislaufunion (ISU). Gegen St. Moritz sprach, dass der Ort über keine Skisprungschanze und keine Drahtseilbahn verfügte, um die Bobs zum Start zu transportieren. Es wurde auch die Variante erörtert, die Wettbewerbe auf mehrere Orte aufzuteilen. Nachdem jedoch de Blonay eine Garantie vom SOC und der Gemeinde St. Moritz angekündigt hatte, die notwendigen Sportstätten zu errichten, entschied sich das IOC mit 22 Stimmen für St. Moritz. Nur der Schwede Clarence von Rosen enthielt sich der Stimme. Die Dauer der Winterspiele wurde auf acht Tage (einschließlich zwei Sonntagen) festgelegt.
Organisation Anfang 1926 gründete sich in St. Moritz unter der Leitung von Gemeindepräsident M. Nater ein Ortskomitee. Nach der Wahl von St. Moritz als Veranstaltungsort bildete sich ein Vollzugsausschuss unter dem Namen „Exekutiv-Komitee der II. Olympischen Winterspiele“, bestehend aus Persönlichkeiten der Schweizer Sportwelt. Den Vorsitz des Ausschusses übernahm William Hirschy, der Präsident des SOC. Um die Arbeiten gut aufzuteilen, bildeten sich eine Reihe von Kommissionen: Von technischen Kommissionen, die sich um jede Sportdisziplin kümmerten, über eine Finanzkommission bis hin zur Presse- und einer Empfangskommission. Die Präsidenten der Kommissionen gehörten dem Vollzugsausschuss an, der die Rolle eines Organisationskomitees übernahm. Weiterhin gab es ein Ehrenkomitee, dem die Präsidenten des Nationalrats, des Ständerats und des Grossen Rats des Kantons Graubünden, Bundesrat Karl Scheurer (Chef des Militärdepartements), der Gemeindepräsident von St. Moritz sowie der Präsident des Schweizerischen Landesverbandes für Leibesübungen angehörten.
Die eidgenössischen Räte genehmigten dem SOC einen Zuschuss von 100.000 Schweizer Franken (SFr) mit der Auflage, davon 40 Prozent für die Organisation der Spiele und 60 Prozent für die Teilnahme der Schweizer Mannschaft an den Spielen in St. Moritz und in Amsterdam zu verwenden.Offizieller Bericht, Teil 1, S. 6 Die Entscheidung des Bundesrats, die Herausgabe von Sonderbriefmarken zur Finanzierung der Winterspiele zu verweigern, stieß dagegen auf Unverständnis. Somit konnten von den Organisatoren nur drei Vignetten verkauft werden. Die finanzielle Hauptlast lag bei der Gemeinde St. Moritz und beim Kanton Graubünden.
Die Hälfte der Ausgaben von 706.000 SFr wurde für die Sportanlagen aufgewendet. Das Exekutivkomitee und die Kommissionen belasteten das Budget mit 104.500 SFr und für Administration wurden 76.900 SFr verbucht. Größte Einnahmequellen waren der Eintrittskartenverkauf mit 282.000 SFr und ein Garantiekapital von 232.200 SFr. Über eine nationale Kollekte kamen 37.800 SFr zusammen. Die Spiele warfen keinen Profit ab und der negative Saldo von 104.800 SFr ging zu Lasten der Gemeinde St. Moritz und des Skiclubs Alpina St. Moritz.Abrechnung per 1. April 1929 unter Berücksichtigung der Beschlüsse des SOC in Lausanne vom 23. und 24. Juni 1928, Gemeindearchiv, St. Moritz
Olympische Standorte Wettkampfstätten mini|Eisbahn beim Kulm-Hotel Das Hauptzentrum der Winterspiele befand sich in St. Moritz-Dorf mit dem Eisstadion Badrutts Park. Die Mehrheit der Wettbewerbe sowie die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie wurden dort ausgetragen. Das Stadion verfügte über eine Natureisfläche von 30 × 60 Meter und bot 4700 Zuschauern Platz (davon 4000 Tribünenplätze). Eigens für die Spiele war eine neue Tribüne errichtet worden. Der Pflichtteil der Eiskunstlaufbewerbe wurde aus Zeitdruck in die Eisbahn beim Kulm-Hotel verlegt.
Die Naturbahn Cresta Run entlang der Straße nach Celerina war die Wettkampfstätte für das Skeletonrennen. Sie bestand aus Natureis und die 15 Kurven waren der natürlichen Geländeform angepasst. Die Streckenlänge betrug 1210 Meter und der Höhenunterschied 157 Meter. Die Bahn, die ausschließlich männlichen Fahrern vorbehalten ist, wurde erstmals 1884 angelegt und wird seitdem jedes Jahr neu aufgebaut.
Der Bobwettbewerb wurde im Eiskanal Bobsleigh Run ausgetragen. Dieser verfügte über eine Länge von 1570 Metern, einen Höhenunterschied von 120 Metern und 16 Kurven. Der Olympia Bobrun ist heute die einzige Natureisbobbahn der Welt und wird nach wie vor für Wettkämpfe verwendet. Zuletzt fand dort die kombinierte Skeleton- und Bob-WM 2013 statt. Die Streckenführung wurde seit der ersten Inbetriebnahme 1904 nicht groß verändert, einzig den untersten Teil passte man den höheren Geschwindigkeiten an.
Die Skilanglaufrennen begannen in St. Moritz-Bad und führten rund um den Silvaplaner- und den Silsersee.
mini|Die Olympiaschanze in St. Moritz Für die Skisprungwettbewerbe ließ die Gemeinde im Vorfeld der Winterspiele eine neue Schanze oberhalb von St. Moritz-Bad errichten. Die 1927 eingeweihte Olympiaschanze hatte einen K-Punkt von 66 Metern und eine Zuschauerkapazität von 8000 Personen. Sie wurde in den folgenden Jahren einige Male ausgebaut und erweitert und hat heute einen K-Punkt von 95 Metern (Stand Anfang des 21. Jahrhunderts). Der Zustand der Anlage hat sich jedoch mittlerweile deutlich verschlechtert, so dass sie zurzeit geschlossen ist. Eine allfällige Sanierung würde etwa 8 Millionen SFr kosten.
Für die Sportanlagen waren Ausgaben von insgesamt knapp 350.000 Franken budgetiert, wovon allein der Bau der Olympiaschanze 257.000 Franken kostete. Alle Anlagen wurden bei den Winterspielen 1948 erneut verwendet.
Unterkünfte Ein olympisches Dorf war noch nicht vorgesehen, alle Teilnehmer wurden in den bestehenden Hotels untergebracht. Dies war jedoch keine einfache Sache: Etwa 1000 Wettkämpfer und einige hundert Offizielle und Presseleute waren über den normalen Betrieb hinaus zu beherbergen.
Die Gemeinde St. Moritz hatte sich verpflichtet, die Unterkünfte der Athleten und Offiziellen für Preise zwischen 10 und 18 Franken je nach gewählter Hotelkategorie sicherzustellen.Offizieller Bericht, Teil 1, S. 9 Chr. Jilly, Präsident der Verwaltungs- und Unterkunftskommission und M. Nater, Gemeindepräsident von St. Moritz, hatten die schwierige Aufgabe, die Delegationen auf die verschiedenen Hotels zu verteilen.
Teilnehmer mini| Mit 25 teilnehmenden Nationen konnte sich St. Moritz im Vergleich zu den Spielen von Chamonix deutlich steigern, blieb aber deutlich hinter den 46 Teilnehmerländern bei den Sommerspielen im selben Jahr in Amsterdam zurück. Mit Japan nahm erstmals ein asiatischer Vertreter an Winterspielen teil. Die offizielle Teilnehmerzahl wird vom IOC mit 464 Athleten angegeben. Nicht darin enthalten sind die Teilnehmer an den Demonstrationswettbewerben, sowie Reserveathleten und Wettkämpfer, die ihre Teilnahme zurückzogen.
Europa (396 Athleten aus 20 Nationen) (24) (43) (2) (18) (38) (32) (13) (6) (1) (1) (5) (7) (25) (39) (26) (10) (24) (41) (27) (14)Amerika (62 Athleten aus 4 Nationen) (10) (23) (5) (24)Asien (6 Athleten aus 1 Nation) (6)(Anzahl der Athleten)
Medaillen und Diplome Die Olympiamedaillen mit einem Durchmesser von 50 Millimetern hatte Arnold Hünerwadel aus Lenzburg entworfen und die Firma Huguenin Frères in Le Locle hatte sie hergestellt. Auf der Vorderseite ist ein Eisläufer mit ausgestreckten Armen zu sehen, umgeben von Schneekristallen. Die Rückseite enthält die olympischen Ringe mit der Beschriftung „II•JEUX OLYMPIQUES D•HIVER ST•MORITZ 1928“ darunter. Auf jeder Seite ist ein Olivenzweig abgebildet.
Die Medaillenvergabe erfolgte in der Abschlusszeremonie durch IOC-Präsident Henri de Baillet-Latour und IOC-Vizepräsident Godefroy de Blonay. Gleichzeitig erhielten die Teilnehmer Erinnerungsmedaillen (ein Werk des Bildhauers Milo Martin aus Morges) und olympische Diplome. Die Diplome, nach Entwurf des Grafikers Jean-Jacques Mennet aus Lausanne gedruckt, wurden vom IOC-Präsidenten und William Hirschy, dem Präsidenten des Schweizerischen Olympischen Komitees, signiert.
Wetter Das größte Problem dieser Winterspiele stellte das Wetter dar. Obwohl die erste Februarhälfte im Engadin als sicherste Schneeperiode gilt, hatten Organisatoren und Athleten in St. Moritz mit dem einsetzenden Tauwetter zu kämpfen. Am 14. Februar 1928, dem vierten Tag der Winterspiele, verursachte ein Föhneinbruch einen Temperaturanstieg von drei Grad um 8 Uhr, auf 25 Grad Celsius in den Mittagsstunden.Kluge, S. 76, Anmerkung 57