Der Chaos Computer Club (CCC) ist ein 1981 gegründeter deutscher Verein, in dem sich Hacker zusammengeschlossen haben. Der Verein hat sich zu einer maßgebenden Nichtregierungsorganisation (NGO) in allen Fragen der Computersicherheit entwickelt.
Die Informationsgesellschaft – so der CCC – erfordere „ein neues Menschenrecht auf weltweite, ungehinderte Kommunikation“, weshalb der Club sich „grenzüberschreitend für Informationsfreiheit einsetzt und mit den Auswirkungen von Technologien auf die Gesellschaft sowie das einzelne Lebewesen beschäftigt“.
Die Mitgliedschaft steht jedem offen, der sich mit diesen Zielen identifizieren kann. Der CCC ist ein eingetragener Verein nach deutschem Recht mit Sitz in Hamburg und hat nach eigenen Angaben über 8.000 Mitglieder (Stand 2026). Er wurde gegründet, um Hackern eine Plattform zu geben und über Aktivitäten berichten zu können. Die Mitarbeit im CCC ist nicht an eine Mitgliedschaft gebunden.
Struktur und Veranstaltungen mini|Zelt auf dem Chaos Communication Camp mit Pesthörnchen-Flagge
Der CCC e. V. sieht sich als „galaktische Gemeinschaft von Lebewesen“ und ist dezentral in regionalen Gruppen organisiert. Kleinere Gruppen heißen Chaostreffs, während sich aktivere und größere Erfa-Kreise (Erfahrungsaustauschkreise) nennen.
Mitglieder und Interessierte treffen sich seit 1984 einmal jährlich zum Chaos Communication Congress. Außerdem findet seit 1999 im 4-Jahres-Takt im Sommer das Chaos Communication Camp statt. Der internationale Charakter des Camps hat sich inzwischen auf den Kongress übertragen, so dass dieser seinem Untertitel „Die europäische Hacker-Party“ nachkommt und Englisch als Konferenzsprache dominiert. Neben den vielen Vorträgen über technische und gesellschaftspolitische Themen gibt es auch Workshops, zum Beispiel über das Lockpicking. Die viertägige Gulaschprogrammiernacht in Karlsruhe wird vom Entropia e. V., dem Karlsruher Zweig des CCC, organisiert und ist mit zuletzt etwa 2500 Teilnehmern (Stand 2026) die zweitgrößte jährliche Veranstaltung. Zu Ostern findet regelmäßig in kleinerem Rahmen der Workshop-orientierte Easterhegg statt. Darüber hinaus gibt es über das Jahr verteilt viele kleine Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen, die von regionalen Gruppen organisiert werden und teils ein offenes Zusammenkommen der Gemeinschaft sind, teils Vorträge zu einem bestimmten Thema bieten.
Der traditionelle Preis „CCCeBIT-Award“ wurde bis 2007 jedes Jahr zur Computermesse Cebit in Hannover verliehen.
Die überwachungskritischen Demonstrationen Freiheit statt Angst wurden vom Chaos Computer Club unterstützt und teilweise mit eigenen Mobilen begleitet.
Publikationen, Radio, Podcasts Der CCC gibt die Zeitschrift Die Datenschleuder, das wissenschaftliche Fachblatt für Datenreisende heraus. Zusätzlich ist in den 1980er Jahren in zwei Ausgaben die Hackerbibel erschienen, ein umfangreiches Kompendium und Sammelsurium mit zahlreichen Dokumenten der Hackerszene. Die dritte Ausgabe der Hackerbibel erschien 2024.
Von 1989 bis 1992 gab der Verein mit der Chalisti eines der ersten deutschsprachigen elektronischen Magazine heraus. Die Hackerbibeln und alle Ausgaben der Datenschleuder bis zum Jahr 2000 sind digitalisiert und auf der Chaos-CD erhältlich. Außerdem wurde seit dem 21. Chaos Communication Congress (2004) über mehrere Jahre ein Tagungsband verfasst und veröffentlicht.
Auf dem Radiosender Fritz aus Potsdam wurde von 1995 bis 2019 im Rahmen der Sendung Blue Moon das Chaosradio ausgestrahlt, es wird vom CCC seitdem in Eigenregie als Podcast betrieben. Weitere Radiosendungen des CCC sind C-RaDaR aus Darmstadt, /dev/radio aus Ulm, Radio Chaotica aus Karlsruhe, Chaosradio Freiburg aus Freiburg im Breisgau, Fnordfunk aus Mainz, Pentaradio aus Dresden, Sibyllinische Neuigkeiten aus Essen, Nerds on Air aus Wien und Hackerfunk aus Zürich. Im Chaosradio Podcast Network werden zahlreiche Podcasts des CCC angeboten.
Schließlich nutzt der CCC als Medium zur Informationsverbreitung auch Mastodon und einen Blog.
Organisationsform Der Chaos Computer Club hat 1999 zur Veranstaltung des Chaos Communication Camps die Chaos Computer Club Veranstaltungsgesellschaft mbH, einer GmbH nach deutschem Recht, gegründet, deren Geschäftsführer bis 2006 Tim Pritlove war.Handelsregisteränderung vom 21. Juni 2006 des Amtsgerichts Charlottenburg (Berlin). Diese richtet seitdem die Großveranstaltungen des CCC aus. Eine ehrenamtliche Sprecherin des Vereins ist Constanze Kurz. in der Süddeutschen Zeitung, abgerufen am 11. Februar 2010.
2003 kam die Wau Holland Stiftung als gemeinnützige Organisation hinzu, die seitdem Veranstaltungen und Projekte des CCC trägt.
Als eine Art „regionaler Niederlassungen“ gibt es sogenannte Erfa-Kreise (Erfahrungsaustausch-Kreis) und Chaostreffs. Die Erfa-Kreise sind fest in der Satzung verankert und bilden in der Regel lokale Vereine mit Clubräumen. Erfa-Kreise gibt es derzeit (Stand 2025) in den deutschen Städten Aachen, Bamberg, Berlin, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Erlangen, Essen, Flensburg, Frankfurt am Main, Freiburg, Fulda, Göttingen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Karlsruhe, Kassel, Köln, Leipzig, Lübeck, Mainz/Wiesbaden, Mannheim, München, Paderborn, Siegen, Stuttgart, Ulm, Unna, Würzburg sowie in Basel, Salzburg, Wien (C3W) und Zürich (CCCZH). Chaostreffs sind losere Zusammenkünfte von Mitgliedern und Interessierten.
Häufig arbeitet der CCC auch mit anderen Organisationen zusammen, die sich gegen Zensur, für Informationsfreiheit oder den Datenschutz einsetzen, wie dem FITUG und digitalcourage (vormals FoeBuD). Außerdem ist er Mitunterzeichner der gemeinsamen Erklärung des AK Vorrat zum Gesetzesentwurf über die Vorratsdatenspeicherung.
Der Ortsverband D23 des DARC, auch Chaoswelle genannt, ist eine dem CCC nahestehende Gemeinschaft von Funkamateuren.
Chaos Computer Club Frankreich Der Chaos Computer Club France (CCCF) bestand von 1989 bis 1993. Er wurde von Jean-Bernard Condat unter Regie von Jean-Luc Delacour, einem Geheimagenten des französischen Nachrichtendienstes Direction de la surveillance du territoire, gegründet und geführt. Das primäre Ziel war, die französische Hackercommunity zu überwachen und Informationen über sie zu sammeln.(englisch) Phrack No. 64, "A personal view of the french underground (1992–2007)", 2007: "A good example of this was the fake hacking meeting created in the middle 1990' so called the CCCF (Chaos Computer Club France) where a lot of hackers got busted under the active participation of a renegade hacker so called Jean-Bernard Condat."
Der CCCF gab vom 4. Januar 1993 bis 5. August 1993 ein digitales Magazin namens Chaos Digest (ChaosD) mit insgesamt 73 Ausgaben heraus ().
Geschichte Gründung Der CCC wurde am 12. September 1981 in West-Berlin am Tisch der Kommune I in den Redaktionsräumen der taz gegründet. Jedoch entwickelte sich der Club in den folgenden Jahren hauptsächlich in Hamburg, da sich dort die Gründungsmitglieder Wau Holland und Klaus Schleisiek alias Tom Twiddlebit aufhielten.
Anfang 1984 wurde die erste Ausgabe der Vereinszeitschrift Die Datenschleuder veröffentlicht. Mitte 1984 wurde ein selbst gebautes, von der Bundespost nicht zugelassenes Modem entwickelt, das Datenklo, dessen Bauanleitung 1985 in der Hackerbibel abgedruckt wurde.
Btx-Hack mini|Das für Btx verwendete Modem mit fester Anschlusskennung
Öffentliche Bekanntheit erlangte der CCC am 19. November 1984 mit dem BTX-Hack, der großes Medienecho erzeugte.Wau Holland auf der Dafta – Der CCC im „Heute Journal“ des ZDF zum Btx-Hack, 1984. ZDF heutejournal, 15. November 1984. Durch einen Datenüberlauf im Btx-System, das von der Bundespost als sicher bezeichnet worden war, bekam ein Teilnehmer Teile des Hauptspeicherinhalts des betreffenden Serie-1-Zugangsrechners auf sein Endgerät ausgegeben. Bei einer Analyse des Dumps stellte sich heraus, dass sich darin die Zugangskennung eines Benutzerkontos der Hamburger Sparkasse (Haspa) einschließlich des Passworts im Klartext befand. Daraufhin loggte sich ein Mitglied des CCC als dieser Benutzer der Haspa ein und rief wiederholt eine kostenpflichtige Seite des CCC ab. Dadurch wurden in einer Nacht knapp 135.000 DM der Hamburger Sparkasse (Haspa) zugunsten des Kontos des Vereins fällig, die nach der Aufdeckung zurückgezahlt wurden.
Voraus ging eine Demonstration einer vergleichbaren Sicherheitslücke durch Wau Holland bei der 8. DAFTA, doch wurde das Problem bei der Post nicht behoben. Nach dem Hack erklärte Haspa-Vorstand Benno Schölermann, die Versicherung der Post, dass Btx sicher sei, sei falsch gewesen, und dass man vor der Tüchtigkeit der Leute vom CCC hohe Achtung habe.
mini|Rüdiger Proske (li.) interviewt Steffen Wernéry (m.) und Wau Holland (re.) kurz nach dem HASPA-Hack für die ARD in Wernérys Wohnung in Hamburg-Eppendorf, von wo der Hack gestartet wurde
Nach dem Btx-Hack wurde der Ruf nach einer Veranstaltung immer lauter, auf der man sich den bekannten und noch kommenden Hacks widmen könne. So wurde kurzerhand Ende Dezember 1984 im Eidelstedter Bürgerhaus in Hamburg-Eidelstedt der erste Chaos Communication Congress veranstaltet.
Klage der Vorwerk Elektrowerke GmbH & Co. KG 1985 wurde der Club in eine Angelegenheit verwickelt, in der es um Informationsfreiheit ging – eines der späteren Schwerpunktthemen des CCC. Unter Berufung auf die Informationsfreiheit sammelten sich auf den BTX-Seiten des Clubs diverse Texte zu kontroversen Themen an.
So ließ sich auch ein Auszug aus der Dissertation „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern“ (PDF; 970 kB) von Michael Alschibaja Theimuras aus dem Jahr 1978 aufrufen. Da insbesondere Staubsauger des Typs Kobold von Vorwerk zu Verletzungen führten, fürchtete der Traditionsbetrieb negative Schlagzeilen und sah sich daher durch den CCC geschädigt. Er verklagte den Club auf 500.000 DM Schadensersatz wegen Rufschädigung und verlangte von der Bundespost als Betreiber des BTX-Systems eine Sperrung der Seite. Erst nachdem der Doktorvater der Dissertation und ein Betroffener nachgewiesen worden waren, zog das Unternehmen die Klage zurück.
Eingetragener Verein Am 14. April 1986 wurde der Chaos Computer Club e. V. gegründet und in das Vereinsregister beim Amtsgericht Hamburg unter der Nummer 10940 eingetragen. Eine Gemeinnützigkeit wurde jedoch vom Finanzamt Hamburg nicht anerkannt. Ein Artikel in der Datenschleuder 60 bringt die Motivation zur Vereinsgründung auf den Punkt: „Die damals in Aussicht stehenden Ermittlungsverfahren (wegen NASA/Span-Hack etc.) sollten klar kanalisiert werden, um eine weitergehende Kriminalisierung der Hackerszene (§ 129a) zu verhindern und vor allem die Ermittlungsverfahren an (anwaltlich) gerüstete Stellen (Vorstand) zu lenken. Das hat auch soweit ganz gut funktioniert.“
Der Verein ist das finanzielle Rückgrat der Datenschleuder und für Projekte zur Erforschung von neuen Technologien. Außerdem sind seine Sprecher als Sprachrohr der Hacker-Szene aktiv.
NASA-Hack An das von der NASA und ESA betriebene SPANet (Space Physics Analysis Network) waren weltweit etliche Großrechner insbesondere der Firma Digital angeschlossen. Aufgrund einer Sicherheitslücke im Betriebssystem VMS, die 1986 in den USA behoben wurde, aber erst Mitte 1987 in Europa, gelang es norddeutschen Hackern, Zugriff auf die Systeme und etliche Rechner in diesem Netzwerk zu erhalten. Hierzu zählten Maschinen der NASA, der ESA, Rechner der französischen Atomenergiekommission (Commissariat à l’énergie atomique), Universitäten und Forschungseinrichtungen. Nachweislich konnte jedoch nur Schaden auf Rechnern des „Hacker-Fahrschule“ getauften CERN entdeckt werden, von wo aus weitere Netze erreicht werden konnten.