mini|Textur gesunder menschlicher Haut Die Dermatologie (von ,Gemoll: Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch. und „-logie“, von ) ist ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit dem Aufbau und den Funktionen der Haut sowie der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Haut befasst. Ein Mediziner, der sich mit Hauterkrankungen befasst, ist ein Dermatologe.
Geschichte mini|Melanom Dermatologische Kenntnisse sind bei den Sumerern 2000 v. Chr. vorhanden gewesen. Schriftliche Zeugnisse der antiken Hautheilkunde liefern Texte der Babylonier, Assyrer, Ägypter sowie in ihren Übersetzungen nicht immer verlässlicheErhart Kahle: Dermatologie im Alten Testament. In: Berichte der physikalisch-medizinischen Gesellschaft Würzburg. Neue Folge, Band 88, 1984, S. 187–194. biblische Texte.Benedikt Ignatzek: Dermatologie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 293 f.; hier: S. 293. Im 14. Jahrhundert befasste sich der byzantinischen Mediziner Johannes Aktuarios mit dermatologischen Themen.Johann Stur: Die Dermatologie des Johannes Aktuarios. In: Archiv für Dermatologie und Syphilis. Band 159, 1930, Nr. 3, S. 650–662.
Fortschritte bei Erforschung der Hautkrankheiten im 19. Jahrhundert beruhen insbesondere auf der als Zellularpathologie bezeichneten Lehre Rudolf Virchows.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 44.
Spezialgebiete der modernen Dermatologie, die 1777 erstmals im Werk De morbis cutaneis des Pariser Arztes Anne Charles Lorry (1726–1783) umfangreich und präzise dargestellt wurdeAxel W. Bauer: Lorry, Anne Charles. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 865. und als deren Begründer der Engländer Robert Willan (1757–1812) und der Österreicher Joseph Jakob Plenck (1735–1807) gelten, umfassen unter anderem Hauttumore (Dermatoonkologie), insbesondere das maligne Melanom, Basalzellkarzinom sowie das Spinozelluläre Karzinom, Erkrankungen der Übergangsschleimhäute und Hautanhangsgebilde (z. B. Trichologie), die Dermatoallergologie, die Dermatochirurgie, Andrologie, physikalische Therapien wie Ultraviolett-Bestrahlung z. B. PUVA, Photodynamische Therapie und Lasertherapie, die Dermatohistologie, die Phlebologie, Venerologie, Proktologie, Psychosomatische DermatologieWolfgang Harth, Uwe Gieler: Psychosomatische Dermatologie. Springer, Berlin 2006, ISBN 978-3-540-24890-3 und die kosmetische Dermatotherapie.
Durch Ferdinand Hebra wurde 1845 die pathologisch-anatomische Erfassung der Dermatologie begründet.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 40.
Das erste amerikanische Lehrbuch der Dermatologie (Practical treatise on diseases of the skin) verfasste Louis Adolphe Duhring aus Philadelphia 1877.Barbara I. Tshisuaka: Duhring, Louis Adolphe. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 326.
Mit der Venerologie, mit deren Geschichte sich zum Beispiel Ende des 19. Jahrhunderts der Wiener Chirurg Johann Karl ProkschWerner E. Gerabek: Proksch, Johann Karl. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 1184. beschäftigte, deckt die Dermatologie bzw. Dermatovenerologie auch die sexuell übertragbaren Krankheiten ab inklusive der eigentlichen Geschlechtskrankheiten (Venerea) und befasst sich somit mit Haut- und Geschlechtskrankheiten. Im Jahr 1899 fand in Brüssel der erste Internationale Kongress zur Bekämpfung der GeschlechtskrankheitenPaul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 52. statt.
Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die dermatologische Therapie durch die Lichtbehandlung (etwa durch Joakim Nikolai Lindholm (1832–1907), Johan Christoffer Svendsen (1865–1899) und Niels Ryberg Finsen) grundlegend erweitert. Auch Röntgenstrahlen kamen zur Anwendung, erstmals durch Leopold Freund, des Weiteren durch Tage Sjögren (1859–1939) und Thor Steinbeck (1864–1914).Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 52.
In dermatologischen Fachbüchern wurden traditionell Abbildungen und Beschreibungen verwendet, die sich auf dermatologische Manifestationen auf weißer Haut bezogen. Im 21. Jahrhundert wird in Lehrbüchern verstärkt beleuchtet, wie Hauterkrankungen auf stärker pigmentierter Haut erscheinen. Hierfür werden verschiedene Begriffe wie „Skin-of-Colour-Dermatologie“ oder „diversitätssensible Dermatologie“ verwendet.
Weiterbildungscurriculum Die Weiterbildung zum Facharzt dauert 60 Monate. Das Weiterbildungscurriculum zum Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten umfasst nachfolgende Teilgebiete:
Allgemeine Dermatologie, operative Chirurgie, Dermato-Onkologie Stationäre Behandlung von Patienten auf dem Gebiet der allgemeinen Dermatologie, der operativen Chirurgie sowie der Dermato-Onkologie: Bösartige Melanome der Haut Mikrographisch, histologisch kontrollierte Exzision und plastische Defektrekonstruktion Sentinel-Lymphknotenbiopsie mit Farbstoff- und Radionuklidmarkierung Lymphknotensonographie Chemo- und Immuntherapie Nicht-Melanozytäre bösartige Hauttumoren Mikrographisch, histologisch kontrollierte Exzision und plastische Defektrekonstruktion Operative Dermatologie Chirurgie gutartiger und bösartiger Hauttumoren Oberflächenchirurgie (Dermabrasion, Shaving, Laser) Feigwarzen (Condylomata acuminata) Plastische und korrektive Chirurgie (z. B. Axillenabsaugung, Liposuktion) Ulcuschirurgie Dermatologische Phlebologie Stripping und Crossektomie der V. saphena magna, parva Endoluminale Varizenchirurgie mit Radiofrequenz Seitenastexhairesen Perforanschirurgie Spalthauttransplantation bei Ulcus cruris
Allgemeine Dermatologie, Allergologie, Autoimmundermatosen Stationäre Behandlung von Patienten aus allen Gebieten der allgemeinen Dermatologie, Allergologie sowie Autoimmundermatosen. Schwere allergische und pseudoallergische Reaktionen der Haut und Schleimhaut Arzneimittelallergie Nahrungsmittelallergie Allergische und toxische Kontaktekzeme Akute und chronische Urtikaria Quincke-Ödem, Angioödem Spezifische Immuntherapie unter Herz-, Kreislaufüberwachung Ultra-Rush-Hyposensibilisierung bei Hymenopterenallergie Diagnostische Provokationstestung unter Herz-, Kreislaufüberwachung Unverträglichkeit gegen Medikamente Unverträglichkeit gegen Nahrungsmittel Unverträglichkeit gegen Nahrungsmittelzusatzstoffe Unverträglichkeit gegen sonstige Agenzien Blasenbildende Hautkrankheiten/Autoimmunerkrankungen Progressiv-systemische Sklerodermie Kutaner/Systemischer Lupus erythematodes, Dermatomyositis Pemphigus-, Pemphigoidkrankheiten Vasculitiden Schwerpunkte der allgemeinen Dermatologie: Psoriasis Atopische Dermatitis Infektionserkrankungen, wie Herpes Zoster, Erysipel, Phlegmone Chronische Ulzerationen der Haut, u. a. bei venöser Insuffizienz Graft-versus-Host-Reaktion
Untersuchungsverfahren Zur optischen Untersuchung wird gelegentlich die Diaskopie mit Glasspatel zur Beurteilung extravasaler Infiltrate bei Entzündungen verwendet. Ein anderes optisches Verfahren, das häufig u. a. für Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen eingesetzt wird, ist die Dermatoskopie bzw. Auflichtmikroskopie zur detaillierteren Untersuchung insbesondere oberflächlicher Neubildungen der Haut. Ein einfacher klinischer Test bei Verdacht auf Mastozytose, Urticaria factitia und Atopie ist die Prüfung des Dermographismus. Infolge etablierter serologischer Verfahren sind die Prüfung des Nikolski-Phänomens und der Tzanck-Test nur noch selten eingesetzte klinische Untersuchungsverfahren.
Anzahl der Hautärzte Im Jahre 2010 gab es nach Angaben der Bundesärztekammer 5.314 Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Deutschland. Facharztbezeichnung Ende 2007 Ende 2008 Ende 2010 Veränderung 2007→2010 Haut- und Geschlechtskrankheiten 5.114 5.180 5.314 + 3,9 %
Berufsvertretung Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft e. V. (DDG) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft für Dermatologie in Deutschland. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Die 1998 gegründete Deutsche Dermatologische Akademie (DDA) ermöglicht und überwacht die qualitätsgesicherte und effektive wissenschaftliche Weiterbildung der Hautärzte. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD) ist der Zusammenschluss der deutschen niedergelassenen Hautärzte zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen und sozialpolitischen Interessen.Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) Mit seiner „AG JuDerm“ – Junge DermatologenJunge Dermatologen (JuDerm) hat der BVDD Anfang 2013 eine eigene Interessenvertretung der Studenten und Weiterbildungsassistenten zur Nachwuchsförderung und Unterstützung der niedergelassenen Dermatologen ins Leben gerufen.
Siehe auch International Society for Dermatologic Surgery
Literatur Aktuelle Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) Peter Altmeyer, Thomas Dirschka, Roland Hartwig: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer bei Elsevier, München/Jena 2002, ISBN 3-437-22300-3. Peter Altmeyer, Klaus Hoffmann: Basiswissen Dermatologie – Eine vorlesungsorientierte Darstellung. W3L Verlag, Herdecke/Bochum 2006, ISBN 3-937137-95-5. André Basset, René Burgun: Geschichte der Dermatologie. In: Illustrierte Geschichte der Medizin. Deutsche Bearbeitung von Richard Toellner u. a., Sonderauflage in sechs Bänden. 1986, Band III, S. 1512–1539. Otto Braun-Falco, Gerd Plewig, Helmut H. Wolff: Dermatologie und Venerologie. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2005, ISBN 3-540-40525-9. Peter Fritsch: Dermatologie und Venerologie. 2. Auflage. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2004, ISBN 3-540-00332-0. Beate M. Henz, Helmut Kerl, Thomas Rosenbach: Dermatologie und Venerologie (De Gruyter Lehrbuch). 2. Auflage. De Gruyter, Berlin/New York 2007, ISBN 3-11-015123-5. Jean Hewitt, Pierre Huard, Michael Jänner: Dermatologie gestern und heute, mit Abbildungen aus der Zeit von Jean-Louise Alibert (1768–1837). Bad Oldesloe 1979. Günter W. Korting: Praxis der Dermatologie. Ein Lehrbuch für die Aus- und Weiterbildung. Stuttgart 1982. Roland Niedner, Yael Adler: Hautkrankheiten im Blick für die Kitteltasche. Wissenschaftliche Verlagsges., 2004, ISBN 3-8047-2045-5. Albin Proppe: Die geschichtliche Entwicklung der Dermatologie im Spiegel der Universitäts-Hautklinik Kiel (= Schriftenreihe der Nordwestdeutschen Dermatologischen Gesellschaft. Heft 2). Lipsius und Tischer, Kiel 1951.´ Paul Richter: Geschichte der Dermatologie. In: Josef Jadassohn: Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten. Band XIV, 2. Teil, Berlin 1928, S. 1–252.Vgl. Walther Schönfeld: Paul Richter. Dermatologe und Medizinhistoriker, der Verfasser der „Geschichte der Dermatologie“ in Jadassohn’s Handbuch XIV, 2, 1928. In: Dermatologische Wochenschrift. Band 132, 1955, S. 1149 ff. Martin Röcken und andere: Taschenatlas Dermatologie. Grundlagen, Diagnostik, Klinik. 2. Auflage. Thieme, Stuttgart 2024, ISBN 978-3-13-162222-8. Walther Schönfeld: Zur Geschichte der Dermatologie. In: Heinrich Adolf Gottron, W. Schönfeld (Hrsg.): Dermatologie und Venerologie. I, 1. Stuttgart 1961, S. 1–41. Josef Smolle, Frank Mader: Beratungsproblematik Haut. Diagnostik, Therapie und Pflege im Praxisalltag. Springer Verlag, 2002, ISBN 3-540-41706-0. Gustav Wagner: Der Beitrag der Königlich-Hannoverschen Hof- u. Leibärzte zur Entwicklung der Dermatologie im 18. und 19. Jahrhundert (= Schriftenreihe der Nordwestdeutschen Dermatologischen Gesellschaft. Heft 5).