Dahlem ist ein Ortsteil im Bezirk Steglitz-Zehlendorf in Berlin. Er befindet sich im Südwesten der Stadt zwischen den Ortsteilen Zehlendorf und Steglitz, der Ortslage Lichterfelde West und dem Forst Grunewald. Viele Villen und kleine Parkanlagen prägen das Bild des Ortsteils. Zahlreiche Wissenschaftseinrichtungen sind in Dahlem angesiedelt, darunter auch die Freie Universität Berlin mit mehreren Instituten. Zudem befindet sich hier mit dem Museumszentrum Berlin-Dahlem ein Museumsstandort der Staatlichen Museen zu Berlin mit einer der weltweit bedeutendsten ethnologischen Sammlungen. Seit 2021 werden diese Sammlungen im Humboldt Forum ausgestellt. In Dahlem verblieben ist das Museum Europäischer Kulturen.
Geschichte Dahlem im Mittelalter mini|St.-Annen-Kirche, als Steinbau begonnen um 1300, ältestes Gebäude von Dahlem
Das Dorf Dahlem entstand Anfang des 13. Jahrhunderts etwa zwischen 1200 und 1220 „aus wilder Wurzel“, also ohne slawische Vorbesiedlung. Allerdings sind offenbar Slawen aus kleinen benachbarten Siedlungen, die aufgegeben wurden, in das neu gegründete Dorf als Kossäten umgesiedelt worden. Die erste Dorfkirche aus Stein entstand vermutlich um 1300.
Die erste urkundliche Erwähnung Dahlems stammt aus dem Jahr 1275 (Dalm). Im Schossregister, einem Steuerverzeichnis der damaligen Zeit, findet sich bereits 1450 eine Erwähnung des Ritterhofes des Otto von Milow. Der Ort Dalem, wie er im Schossregister bezeichnet wurde, war zu dieser Zeit 40 Hufen groß, davon standen dem Pfarrer zwei abgabenfreie Hufen zu. Es gab weiterhin eine Kirchhufe sowie zehn freie Hufen, die Otto von Milow zustanden. Drei Hufen waren wüst, also nicht belegt. Nach dem Tod des letzten Milow ging das Dorf Dahlem und der Ritterhof vor 1480 an die Brüder Heinrich und Peter von Spiel, die schon 1480 über 20 der 52 Hufen Dahlems verfügten. Die übrigen Hufen waren abgabenpflichtig; es gab einen Kossätenhof. Die von Spiel erhielten das Dorf mit Ober- und Untergerichtsbarkeit, hinzu einen See und das Recht, dort zu fischen (1483). Ein Wohnhof der von Spiel mit einer Größe von 14 Hufen wurde schon 1518 erwähnt. Zu dieser Zeit gab es weiterhin einen Krug. Das repräsentative Gutshaus wurde 1560 von den Spiels erbaut und ist heute das älteste Profangebäude von Berlin. Im Jahr 1608 erschien erstmals ein Rittergut. Im Jahr 1624 lebten sechs Hufner, vier Kossäten, ein Hirte und ein Paar Hausleute in Dahlem. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Dahlem schwer verwüstet; im Jahr 1652 lebte noch „ein Mann von 36 Jahren“, alle anderen Bauern- und Kossätenhöfe waren zerstört. 1655 wurde das wüst liegende Dahlem und das Rittergut an Georg Adam von Pfuel verkauft, der es sechzehn Jahre später an seinen Neffen Cuno Hans von Wilmersdorff (1638–1720) veräußerte. Letzterer begann intensive Baumaßnahmen in dem vom Dreißigjährigen Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogenen Dorf. Seine Bemühungen waren teilweise erfolgreich: Im Jahr 1688 lebte im Dorf wieder ein Schulze mit sechs Hufen. Hinzu kamen 28 wüste Bauernhufen der Familie von Wilmersdorf, zwei Kossätenhöfe mit je einer wüsten Hufe und ein Schäfer. Die Statistik verzeichnete für Dahlem „17 Personen“.
Seit 1700 besaßen die von Wilmersdorf den Ort erblich und lehnsrechtlich. Sie verfügten über einen freien Rittersitz und Wohnhof sowie 14 freie Ritterhufen, Gärten und einen Weinberg. Außerdem besaßen sie die Ober- und Untergerichtsbarkeit, das Kirchenpatronat sowie die Windmühlengerechtigkeit (1715). Der Schulzenhof war mittlerweile wieder wüst gefallen (1707), ebenso ein Meierhof mit sechs Hufen und zwei Sechshufnerhöfe. Besetzt waren nur zwei Vierhufnerhöfe, zwei der drei Kossätenhöfe sowie die Schmiede, die 1707 erstmals erschien. Ein Jahr später gab es im Dorf eine Windmühle. Im Jahr 1711 gab es im Dorf zwei Hufner, vier Kossäten, einen Schmied, einen Hirten, einen Schäfer, einen Großknecht und einen Jungen. Sie zahlten für die nur noch 36 Hufen große Gemarkung je vier Groschen an Abgaben. Aus dem Jahr 1745 wurde lediglich von zwei Bauern, vier Kossäten, der Windmühle und dem Rittergut berichtet. 1771 standen im Dorf sechs Giebel (= Wohnhäuser), in denen unter anderem der Schmied, der Hirte, der Schäfer, der Großknecht und der Kleinknecht wohnten. 1799 verkaufte der letzte Wilmerstorff Dahlem und Schmargendorf an den Grafen Friedrich Heinrich von Podewils, der aber bereits 1804 starb. In seiner Zeit als Gutsherr wurden die letzten Bauern umgesiedelt und durch Landarbeiter ersetzt.
Dahlem bestand in dieser Zeit im Jahr 1800 aus dem Dorf und Gut mit 14 Feuerstellen (= Haushalten). Es gab zwei Ganzbauern, drei Ganzkossäten, eine Schmiede, einen Krug, eine Windmühle und eine Schäferei. Im gleichen Jahr erschien erstmals das Forsthaus Hundekehle. Für 80.000 Taler erwarb Carl Friedrich von Beyme das Gut. Dahlem kam im Jahr 1804 an die Kinder der Fürsten von Schönburg und von dort an die Familie von Beyme. Im Jahr 1817 bestand Dahlem aus dem Vorwerk Ruhleben, dem Forsthaus Hundekehle und Wirtshaus Paulsborn.
Nach dem Tod Beymes im Jahr 1838 verkaufte seine Tochter Charlotte von Gerlach 1841 das Dorf an den preußischen Domänenfiskus. Ab 1901 erfolgte die Aufteilung der Königlichen Domäne Dahlem mit dem Ziel, dort einen vornehmen Villenort mit angegliederten wissenschaftlichen Einrichtungen („Deutsches Oxford“) zu bauen. Die angrenzenden Gründerzeit-Villenkolonien in Lichterfelde West und Grunewald waren bereits eine begehrte und teure Wohnlage. In der Domäne lebte der Pächter mit 16 Jungen und Mägden sowie 35 Tagelöhnern. Es gab vier Arbeiter und drei Bediente. Die Domäne war 1935 Morgen groß; hinzu kamen zwei kleinere Besitzungen, die zusammen jedoch nur fünf Morgen Fläche belegten. Die Statistik verzeichnete weiterhin einen Grobschmiedemeister, einen Schankwirt und drei Arme. Im Jahr 1860 standen in der Domäne ein öffentliches, sowie 12 Wohn- und 14 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Brennerei und eine Getreidemühle.
Entwicklung ab 1901 mini|links|hochkant|Bebauungsplan 1911 von Herman Jansen und Heinrich Schweitzer mini|Eingang zum U-Bahnhof Dahlem-Dorf
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Dahlem lediglich die traditionelle Verbindung zwischen Steglitz und dem Jagdschloss Grunewald, aus der die heutige Königin-Luise-Straße hervorging und den Dahlemer Weg, die Verbindung nach Schmargendorf und Zehlendorf. Die Pläne des preußischen Kulturpolitikers Friedrich Althoff zur Verlegung des Botanischen Gartens von Schöneberg nach Dahlem und für einen Wissenschaftsstandort („Deutsches Oxford“) führten ab 1897 zu ersten Veränderungen. Mit dem Ende des letzten Pachtvertrages der Domäne Dahlem, 1901, begann die Entwicklung zur heutigen Form. Am 25. März 1901 trat das Gesetz zur Aufteilung des Domänengeländes in Kraft, für dessen Umsetzung die Königliche Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem zuständig war. Die ersten Mitglieder der Kommission waren Hugo Thiel, Ministerialdirektor im preußischen Landwirtschaftsministerium, Eberhard Ramm, Oberregierungsrat im preußischen Landwirtschaftsministerium und bis 1920 Amtsvorsteher der Domäne Dahlem, Rudolf Zarnack, Gutsverwalter, Nathan Dorn, für den Verkauf der Grundstücke zuständig, drei Beamte der beteiligten Ministerien sowie der Architekt Walter Kyllmann. Ab 1910 gehörten auch der erste Direktor der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Adolf von Harnack, und Hofbaumeister Ernst von Ihne der Kommission an. 1919 wurde sie in Staatliche Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem umbenannt. Sie wurde erst 1933 im Rahmen von Verwaltungsreformen aufgelöst. Die Kommission war dem preußischen Finanz- und Landwirtschaftsministerium direkt unterstellt.
mini|Hahn-Meitner-Bau der Freien Universität Berlin (ehemaliges Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie)
Die Kommission entschied sich, das Gelände für die Villenkolonie selber zu vermarkten um einen höheren Gewinn für den Staat zu erzielen und gleichzeitig die Bodenspekulation einzudämmen. Sie traf sich viele Jahre im Alten Krug in der Königin-Luise-Straße. Bereits 1898 gab es einen Plan von Walter Kyllmann zur Entwicklung der Villenkolonie, der einen Verbund mit den bereits bestehenden Villenkolonien in Grunewald, Steglitz und Lichterfelde in gleichförmiger Parzellierung vorsah. Aufgrund dieses Planes entstanden bis 1907 die Rheinbaben- und Podbielskiallee mitsamt den Nebenstraßen und die Altensteinstraße, ab 1902 die Habelschwerdter Allee, Goßlerstraße, Rudeloffweg, Von-Laue- und Boetticherstraße. Die Habelschwerdter Allee, Schorlemer-, Lentze-, Engler-, Thiel- und Pacelliallee wurden auf Wunsch Wilhelm II. mit breitem Mittelstreifen für Reitwege 1904 angelegt. Die als Anmarschweg des Garde-Schützen-Bataillon zu den Schießplätzen im Grunewald dienende Fabeckstraße wurde auf einer Hälfte gepflastert und auf der anderen Hälfte mit einem Marsch- und Reitweg versehen. 1908 erhielt auch der westliche Teil der Königin-Luise-Straße, der zu den Schießständen führte, eine Pflasterung. Bereits 1905 verkehrte hier die Straßenbahn der Gemeinde Steglitz.
Kyllmans Plan, der im Laufe der Zeit viele Veränderungen erfuhr, rief viel Kritik hervor, weil er wenig Rücksicht auf die landschaftlichen Gegebenheiten Dahlems nahm. Hugo Thiel zog deshalb 1907 für die weitere Planung, die unter anderem wegen der geplanten Einschnittbahn notwendig geworden war, den jungen Architekten Heinrich Schweitzer hinzu, der gemeinsam mit dem Stadtplaner Hermann Jansen einen neuen Bebauungsplan nach den Gesichtspunkten eines landschaftsbezogenen Städtebaus entwickelte. Die neu entstandene Einschnittbahn führte deshalb in einem weiten Bogen mit begrünten Böschungen bis zur damaligen Endhaltestelle U-Bahnhof Thielplatz. Die neugeplanten Straßen entstanden in einem geschwungenen, den natürlichen Höhenlinien folgenden Netz, das für eine optimale Besonnung der Grundstücke sorgen sollte. Die langen Grünzüge Messel- und Finkenpark sowie Thielpark und Schwarzer Grund bieten vielen Grundstücken eine Parklage.
mini|Geheimes Preußisches Staatsarchiv
Zwischen 1901 und 1915 entstanden so 539 Grundstücke für 27 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund Millionen Euro) mit 384 privaten Neubauten. Die Anzahl der Bewohner wuchs von 194 auf 5500. Der Käufer war verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren ein villenartiges Haus zu errichten und musste bei Überschreitung des Termins eine Vertragsstrafe von 1000 Mark pro Jahr zahlen. Die Besiedlung Dahlems blieb aufgrund der hohen Grundstückspreise nur wohlhabenderen Schichten vorbehalten, hierfür sorgte nicht zuletzt die Aufteilungskommission mit ihrem Verkaufsleiter Nathan Dorn. Trotzdem entstanden in Dahlem im Zuge der Ansiedlung von Behörden und Forschungsinstituten Mietwohnungen für mittlere Beamte und Wissenschaftler, wie in der Ladenbergstraße, in der Umgebung der Habelschwerdter Allee und am Corrensplatz.
Bei der Umsetzung der Pläne für eine Villenkolonie kam es zu Interessenkollisionen mit dem von Friedrich Althoff entwickelten Konzept für ein „Deutsches Oxford“. Die beiden Bebauungspläne von Kyllmann (1899) und Schweitzer/Jansen (1911) versuchten die unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen. Auf persönliche Intervention Kaiser Wilhelms II. wurden deshalb große Flächen für Staatsbauten reserviert.
Eingemeindung nach Berlin mini|Ehemaliges Postamt in der Königin-Luise-Straße