mini|hochkant|alt=Sasha Waltz sitzt an einem Tisch und schaut nachdenklich zur Seite. Sie hat schulterlanges, dunkles Haar und trägt ein langärmliges, dunkles Oberteil. Die linke Hand ruht entspannt auf dem Tisch. Die rechte Hand berührt die Seite des Halses, was eine nachdenkliche oder entspannte Haltung andeuten könnte.Der Hintergrund scheint eine Innenraumszene zu zeigen. Es sind ein Stuhl und eine Wand zu erkennen, die schlicht gehalten sind und nicht stark vom Hauptmotiv ablenken.|Sasha Waltz (2007) Sasha Waltz (* 8. März 1963 in Karlsruhe; Vorname eigentlich Alexandra) ist eine deutsche Choreografin, Tänzerin und Opernregisseurin.
Einführung 1993 gründete sie mit Jochen Sandig in Berlin die Tanzkompanie Sasha Waltz & Guests. Mit dem Stück Allee der Kosmonauten eröffnete sie die Sophiensæle Berlin, deren Gesellschafterin sie seitdem ist. Zur Spielzeit 1999/2000 übernahm sie mit Thomas Ostermeier, Jens Hillje und Jochen Sandig die künstlerische Leitung der Schaubühne am Lehniner Platz. Aufgrund eines Streits mit Ostermeier kündigte Waltz ihren Vertrag mit der Schaubühnetagesspiegel.de und machte sich mit ihrer Kompanie wieder selbstständig.
Waltz’ Dialoge sind kleine Produktionen, ebenso wie groß angelegte Projekte zur Erforschung ausgewählter öffentlicher Räume. So entwickelte sie Dialoge in Gebäuden vor deren Eröffnung, darunter 2009 für das Neue Museum Berlin und das MAXXI – Museo nazionale delle arte del XXI secolo, oder 2006 das Radialsystem V, das seitdem Proben- und Aufführungsort ihrer Kompanie in Berlin ist.
Waltz erhielt verschiedene Auszeichnungen. ballettanz wählte sie zur „Besten Choreographin“ der Spielzeit 2006/07. 2009 erhielt sie den Ordre des Arts et des Lettres und ist Trägerin des Caroline-Neuber-Preises 2010 der Stadt Leipzig und des Bundesverdienstkreuzes am Bande 2011. Waltz wurde 2013 von der Akademie der Künste Berlin als neues Mitglied in die Sektion Darstellende Kunst gewählt.Akademie der Künste Berlin – AdK-Blog vom 27. Juni 2013, abgerufen am 17. Juli 2013 Ab der Spielzeit 2019/20 bis August 2020 leiteten Waltz und Johannes Öhmann gemeinsam das Staatsballett Berlin. Dagegen hatten Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts und über 19.500 Menschen in einer Online-Petition protestiert, weil sie Sasha Waltz für diese Aufgabe für ungeeignet hielten, da die Qualitäten einer Tanztheater-Choreographin andere seien „als die, die ein klassisch-ausgebildeter Balletttänzer entwickelt hat und denen er sich verschrieben hat.“change.org Im Jahr 2021 wurde die Choreographin vom französischen Kulturministerium zum Commandeur des Arts et Lettres ernannt, der höchsten Kategorie dieses Ordens, sowie 2024 mit dem Deutschen Tanzpreis ausgezeichnet. Im Mai 2025 wurde Sasha Waltz der Helmut-Schmidt-Zukunftspreis verliehen; diese Auszeichnung ehrt international Persönlichkeiten, die mit ihrem bedeutenden Wirken für Demokratie und Gemeinwohl stehen.
Privatleben Waltz ist die Tochter eines Architekten und einer Galeristin. Sie hat vier Geschwister.Hans Georg Bögner: Tanzgespräch VII: Sasha Waltz. In: Deutsches Tanzarchiv Köln. SK Stiftung Kultur (Hrsg.): TanzGespräche. Zeitgenössischer Tanz im Dialog. M7 Verlag KBE Kiosk-Buch-Event, Köln 2000, ISBN 3-934511-13-9, S. 136. Mit fünf Jahren bekam Waltz ihren ersten Unterricht in Ausdruckstanz bei Waltraud Kornhaas in Karlsruhe. Es folgten Kurse in Ballett und Modern Dance. In ihrer Kindheit und Jugend wollte Waltz Malerin werden. Erst ein Workshop von Laurie Booth, den sie mit 16 in Freiburg besuchte, brachte sie zu dem Entschluss Tänzerin zu werden.Michaela Schlagenwerth: Nahaufnahme Sasha Waltz: Gespräche mit Michaela Schlagenwerth. Alexander Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-89581-182-1, S. 33. Waltz ist mit Jochen Sandig verheiratet. Sie haben einen Sohn László (* 1997) und eine Tochter Sophia (* 2002).Sasha Waltz. In: Munzinger-Archiv, 39/2008. Munzinger-Biographie: [Elektronische Ressource]. Ihre Kinder treten zum Teil in Sasha Waltz’ Bühnenstücken auf, wie zum Beispiel in Medea (2007). Seit den Anfängen ihres Berufslebens arbeitet Waltz mit Sandig und ihrer Schwester Yoreme Waltz zusammen. Mit Sandig teilt sie sich die künstlerische Leitung von Sasha Waltz & Guests, außerdem ist Sandig Geschäftsführer der Kompanie. Yoreme Waltz ist als Dramaturgin bei Sasha Waltz & Guests tätig.
Werdegang Ausbildung Nach dem Abitur studierte Waltz von 1983 bis 1986 Tanz an der School For New Dance DevelopmentAmsterdamse Hogeschool voor de Kunsten in Amsterdam. Daran schloss sich eine Weiterbildung in New York von 1986 bis 1987 an. In New York war sie als Tänzerin in den Kompanien von Pooh Kaye, Yoshiko Chuma & School Of Hard Knocks und Lisa Kraus & Dancers engagiert. Es folgte eine Zusammenarbeit mit Choreografen, Bildenden Künstlern und Musikern, darunter Tristan Honsinger, Frans Poelstra, Mark Tompkins und David Zambrano. Während ihrer Ausbildung in Amsterdam und New York schuf Waltz ihre ersten eigenen Choreografien, darunter Das Meer in mir (1985), Goldstaub (1986), How come we go (1987), Schwarze Sirene (1987) und Rifle (1987).
1990er Jahre 1992 erhielt Waltz ein Stipendium des Künstlerhaus Bethanien in Berlin als Artist in Residence. Hier entstanden ihre ersten fünf Dialoge in Zusammenarbeit mit den Tänzern Frans Poelstra, Nasser Martin-Gousset, Takako Suzuki, Kitt Johnson, Carme Renalias und David Zambrano sowie den Musikern Tristan Honsinger, David Moss, Dietmar Diesner, Sven-Åke Johansson und Peter Hollinger. Waltz zeigte an verschiedenen Orten in Berlin eigene Tanzproduktionen, darunter die Soli False Trap (Tanzfabrik Berlin, 1991) und Paulinchen – allein zu Haus (Kunsthaus Tacheles, 1996) sowie das Duett Bungalow (Hackesche Höfe, 1993). Außerdem entstand die Travelogue-Trilogie mit Twenty to Eight (1993), Tears Break Fast (1994) und All Ways Six Steps (1995). Nach der Premiere von Twenty to eight 1993 gründete Waltz Sasha Waltz & Guests, um mit dem Stück auf der Tanzplattform in Berlin 1994 aufzutreten. Sasha Waltz & Guests tourte mit der Travelogue-Trilogie durch Europa und im Jahr 1995 mit Unterstützung des Goethe-Instituts durch Nordamerika und Kanada (u. a. Atlanta, New York, Chicago, Montreal, Houston und Los Angeles). 2007 studierte eine neue Tänzergeneration das erste Stück der Trilogie Twenty to eight ein. Es ist seitdem im Repertoire der Kompanie und wird regelmäßig aufgeführt.
Sophiensæle Berlin 1996 gründete Waltz mit Sandig, Jo Fabian und Dirk Cieslak die Sophiensæle als „eine der ersten spartenübergreifenden Produktions- und Spielstätten in freier Trägerschaft“.Überlebensnotwendige Maßnahmen. Pressemitteilung auf nachtkritik.de, 1. September 2010. Abgerufen am 31. März 2011. Zur Eröffnung zeigte Waltz das Stück Allee der Kosmonauten (1996). Sie wurde als „aufregendste Erneuerin des Tanztheaters seit Pina Bausch“ bezeichnet. Das Stück über den trostlosen Alltag in einer Plattenbausiedlung, für das Sasha Waltz u. a. Bewohner in Berlin-Marzahn interviewte, wurde zum 34. Berliner Theatertreffen (1997) eingeladen und war im selben Jahr offizieller deutscher Beitrag beim Theaterfestival Theater der Nationen in Seoul. 1999 tourte Waltz mit Allee der Kosmonauten auf Einladung des Goethe-Institutes durch Indien. Die Verfilmung der Produktion unter der Leitung von Waltz im Jahr 2000 wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.
Nach Allee der Kosmonauten kreierte Waltz Zweiland (1997), Na Zemlje (1998) und Dialoge ’99/I in den Sophiensælen, bevor sie an die Schaubühne am Lehniner Platz wechselte.
Sasha Waltz ist bis heute mit Amelie Deuflhard und Jochen Sandig Gesellschafterin der Sophiensæle. Auf der Basis eines neuen Mietvertrags für 15 Jahre ab 2011, der Sanierung des Gebäudes durch Mittel der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und der Gründung eines neuen Teams zur künstlerischen Leitung haben die drei Gesellschafter die zunächst fraglicheMichaela Schlagenwerth: Abgeben heißt Aufgeben. In: Berliner Zeitung, 20. Mai 2010 Weiterführung der Sophiensæle über 2010 hinaus beschlossen.
Schaubühne 1999 ging Waltz als erste Choreografin an die Schaubühne am Lehniner Platz und übernahm zusammen mit Thomas Ostermeier, Jens Hillje und Jochen Sandig die künstlerische Leitung. Am 22. Januar 2000 eröffnete die Schaubühne mit zwei Premieren unter der neuen Leitung: Thomas Ostermeier zeigte Lars Noréns Personenkreis 3.1. in deutscher Erstaufführung. Sasha Waltz präsentierte die Uraufführung von Körper, das eine Einladung zum 37. Berliner Theatertreffen (2000) erhielt und dessen spartenübergreifender Ansatz einen symbolischen Neubeginn für die Schaubühne darstellte,Franz Anton Cramer: die seit 1970 von Peter Steins Sprechtheater geprägt wurde.
mini|Körper – Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin
Körper, erster Teil der gleichnamigen Trilogie. Die Kritik würdigte die eindringlichen Bilder, „etwa dann, wenn die 14 Tänzerinnen und Tänzer fast nackt in einen großen senkrecht aufgestellten Glaskasten kriechen, wenn ihre Leiber sich umeinander winden und an den Scheiben plattgedrückt werden. Wie große Reptilien in einem Aquarium ohne Wasser, von unheimlicher Intimität und Befremdlichkeit zugleich.“Anke Dürr: „Körper“ in Berlin. Tanz die Leber! In: Spiegel Online, 21. August 2010. Abgerufen am 31. März 2011. Die Berliner Zeitung sprach von „Zauberszenen“ und „einer neuen, nie gesehenen Schönheit“.Arno Widmann: Körper. In: Berliner Zeitung, 26. Juli 2000. Andere Pressestimmen vermissten die narrativen ElementeAnke Dürr: „Körper“ in Berlin. Tanz die Leber! Spiegel Online, 21. August 2010. Abgerufen am 31. März 2011. und kritisierten die bloße Aneinanderreihung von Szenen, die „nicht in ein choreographisches bzw. inszenatorisches Ganzes“ fügen.
Erstmals im Theaterraum der Schaubühne zu choreografieren, war für Waltz wichtig bei der Abkehr vom Stil früherer Arbeiten:
Auch wenn die Produktion nach Meinung der Presse weit entfernt gewesen sei von einem „Meisterwerk“Horst Vollmer: Tanznetz.de, 22. Januar 2000. Abgerufen am 31. März 2011. oder „Tanzereignis“, Körper galt als vielversprechender Neubeginn und entfaltete eine nachhaltige Wirkung, nicht zuletzt beim Publikum: In Berlin avancierte es zur „beliebtesten Produktion des Hauses“. Gemessen an der Zahl der Aufführungen und Reichweite der Tourneen weltweit ist es das erfolgreichste Stück der Kompanie Sasha Waltz & Guests.
Nach Körper folgten die beiden anderen Teile der Trilogie: S (2000) und noBody (2002).
An der Schaubühne kreierte Waltz die Installation insideout (2003)Katrin Bettina Müller: Rekonstruktion des Labyrinths. In: taz, 24. November 2006. für die Kulturhauptstadt Graz (2003) sowie Impromptus (2004) und Gezeiten (2005). Impromptus entstand in der Auseinandersetzung mit der Musik von Franz Schubert.
Im Jahr 2004 verließ Waltz nach einem Streit mit Thomas Ostermeier die Schaubühne, „um mehr Selbständigkeit, künstlerischen Freiraum und Kooperationsmöglichkeiten zu erhalten“. Sie gründete mit Jochen Sandig und Yoreme Waltz die Kompanie Sasha Waltz & Guests neu. Mit der Schaubühne schloss sie einen Vertrag, der die Kompanie verpflichtet, dort 25 Aufführungen pro Jahr zu spielen.Website der Sasha Waltz & Guests GmbH
Sasha Waltz & Guests Waltz und Jochen Sandig gründeten 1993 ihre Tanzkompanie. Einzelne Mitglieder arbeiten auch als selbständige Produzenten, etwa Nasser Martin-Gousset, Tänzer der Travelogue-Trilogie, dessen eigene Stücke Sasha Waltz & Guests koproduzierte. Weitere assoziierte Choreografen sind Charlotte Engelkes, Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola und Luc Dunberry, die ebenfalls Tänzer in Sasha Waltz’ Kompanie waren bzw. sind.