Volkhardinghausen ist ein Stadtteil von Bad Arolsen im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geographische Lage Volkhardinghausen liegt im Langen Wald rund 6 km südsüdöstlich der Arolser Kernstadt. Es befindet sich südwestlich von Landau und östlich von Elleringhausen. Die Westgrenze des Naturparks Habichtswald verläuft wenige Kilometer östlich. Durch die Ortschaft fließt ein den dortigen „Klosterteich“ speisender Bach, der nordostwärts zur Watter entwässert.

Durch Volkhardinghausen verläuft die Kreisstraße 9, die Elleringhausen im Westen durch das Dorf führend mit Landau im Nordosten verbindet; über diese Straße besteht bei Landau Anschluss an die Bundesstraße 251.

Geschichte

(Siehe auch Hauptartikel: Kloster Volkhardinghausen)

Ortsgeschichte Über die Anfänge des Dorfes ist wenig bekannt. Eine kleine Siedlung bestand bereits vor 1221, als dort ein Augustinerinnen-Chorfrauenstift erwähnt wurde. Besitzer des Orts waren wahrscheinlich die Herren von Gudenberg, die ihn als Lehen der Grafen von Schwalenberg innehatten und dem Stift im Verlauf des 13. Jahrhunderts mehrfach Grundbesitz und Zehnteinkünfte verkauften oder schenkten.Volkhardinghausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg, im Historischen Ortslexikon Hessen Nachdem 1278 Giso von Gudenberg dem Stift seinen Besitz u. a. in Volkhardinghausen schenkte, wird von einem dortigen Dorf nicht mehr berichtet, und vom 13. bis zum 16. Jahrhundert bestand der Ort nur aus der Klosteranlage.Volkhardinghausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg, im Historischen Ortslexikon Hessen mini|Hinweistafel Volkhardinghausen Das Stift verarmte im 15. Jahrhundert und wurde in der Zeit von 1461 bis 1469 in ein Kollegiatstift von Augustiner-Chorherren umgewandelt. Nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1525 wurde es aufgelöst und dann im Jahre 1567 in einen gräflichen Meierhof und ein Armenhospital umgewandelt. 1576 starb Antonius Huppen, der letzte der Chorherren, denen Wohnrecht bis an ihr Lebensende eingeräumt worden war, und das Stift wurde endgültig aufgelassen. 1579 lebte der Pfarrer und Liederdichter Philipp Nicolai mit seinem Bruder Jeremias eine Zeitlang im ehemaligen Kloster Volkhardinghausen.

Die Stiftsgebäude fielen 1624 im Dreißigjährigen Krieg weitgehend schwedischen Truppen und einem von ihnen verursachten Großbrand zum Opfer. Lediglich das Konventshaus, ein zweigeschossiger Steinbau mit steilem Staffelgiebel sowie Teile des Kreuzgang blieben stehen. 1715 wurde die Meierei aufgeteilt und mit der Ansiedlung von 16 Kolonisten entstand das heutige Dorf Volkhardinghausen.

Der erhaltene Flügel des Kreuzganges, der zuvor als Stall genutzt worden war, wurde nach Restaurierung von 1968 bis Ende 2022 als Kapelle für Gottesdienste und Trauerfeiern genutzt, dann jedoch aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.Waldeckische Landeszeitung: Klosterkirche Volkhardinghausen soll zum Jahresende schließen. 18. Mai 2022Waldeckische Landeszeitung: Klosterkirche Volkhardinghausen schließt nach 54 Jahren. 26. Oktober 2022

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Januar 1974 wurde Volkhardinghausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Arolsen eingegliedert. Für Volkhardinghausen, wie auch für alle anderen durch die Gebietsreform nach Bad Arolsen eingegliederten Gemeinden, wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Volkhardinghausen angehört(e):

vor 1712: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Landau ab 1712: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Waldeck, Amt Landau ab 1807: Fürstentum Waldeck, Amt Landau ab 1815: Fürstentum Waldeck, Oberamt der Diemel ab 1816: Fürstentum Waldeck, Oberjustizamt der Diemel ab 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (seit 1849), Kreis der TwisteTrennung zwischen Justiz (Kreisgericht Arolsen) und Verwaltung. ab 1867: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (Akzessionsvertrag mit Preußen), Kreis der Twiste ab 1871: Deutsches Reich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Twiste ab 1919: Deutsches Reich, Freistaat Waldeck-Pyrmont, Kreis der Twiste ab 1929: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis der Twiste ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Stadt Bad Arolsen

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Volkhardinghausen 110 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 18 Einwohner unter 18 Jahren, 39 waren zwischen 18 und 49, 27 zwischen 50 und 64 und 27 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 45 Haushalten. Davon waren 18 Singlehaushalte, 18 Paare ohne Kinder und 9 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 9 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 27 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung 1738: 19 Häuser 1770: 24 Häuser, 96 Einwohner

Religion Die Einwohner Volkhardinghausens sind vorwiegend evangelisch und gehören zur Kirchengemeinde Landau. Die katholischen Einwohner gehören kirchlich zur katholischen Gemeinde in Bad Arolsen.

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 158 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 138 evangelische (= 88,46 %), 13 katholische (= 8,33 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

Als einziges Klostergebäude ist ein spätgotischer Bau mit Staffelgiebel übrig geblieben, der einen restaurierten Rest des ehemaligen Kreuzganges enthält. Dieser wurde von 1968 bis Ende 2022 von der Kirchengemeinde Bad Arolsen-Landau, zu der Volkhardinghausen kirchlich gehört, als Klosterkapelle für Gottesdienste und Trauerfeiern genutzt. Der Klosterteich unterhalb der Klosterkapelle diente früher den Mönchen zur Fischzucht und wird noch heute als Fischteich genutzt.

Naturräume Wenige Kilometer nördlich von Volkhardinghausen liegt der Stausee Twistesee. Die Franzoseneiche, die nahe der nach Elleringhausen führenden Kreisstraße 9 nahe der „Waldschmiede“ steht, ist ein historischer Grenzpunkt an der Stelle, wo die Gemarkungen von Landau, Braunsen, Elleringhausen und Volkhardinghausen zusammenstoßen.

Infrastruktur Am Ortsausgang nach Landau steht ein Dorfgemeinschaftshaus.

Literatur Gottfried Ganßauge, Walter Kramm, Wolfgang Medding: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Neue Folge, Bd. 2: Kreis der Twiste. Elwert, Marburg 1938, S. 240–242. Dorf-Sippenbuch Dorfsippenbuch Volkhardinghausen, Kreis der Twiste, Kurhessen. Verein für bäuerliche Sippenkunde und bäuerliches Wappenwesen, Goslar 1939.

Weblinks Stadtteil Volkhardinghausen. In: Webauftritt der Stadt Bad Arolsen.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Bad Arolsen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974 Kategorie:Ersterwähnung im 13. Jahrhundert