Trinidad und Tobago ( [], []) ist ein karibischer Inselstaat, der im Wesentlichen die Inseln Trinidad und Tobago umfasst. Die Inseln sind die südlichsten der Kleinen Antillen und liegen vor der Küste Venezuelas.
Geographie
Geologie Im Gegensatz zu den meisten anderen Inseln der Region sind Trinidad und Tobago nicht vulkanischen Ursprungs, sondern waren einst Teil des südamerikanischen Festlandes. Von diesem ist die 4.825 km² große, auf dem südamerikanischen Festlandssockel liegende Hauptinsel Trinidad durch den Golf von Paria getrennt, der über zwei Meerengen, die Bocas del Dragón und die Boca del Serpiente, mit dem Karibischen Meer bzw. dem Atlantischen Ozean verbunden ist. Tobago liegt nordöstlich von Trinidad und liegt gemäß der IHO-Definition auf der Grenze zwischen Karibischem Meer und Atlantik.
Trinidad wird von drei Mittelgebirgsketten durchzogen. Die Northern Range verläuft in West-Ost-Richtung entlang der Nordküste und beheimatet die beiden höchsten Erhebungen des Landes, den Cerro del Aripo (941 m) und El Tucuche (936 m). Die Central Range ist mit einer Maximalhöhe von 325 m deutlich niedriger und verläuft von Südwesten nach Nordosten diagonal durch die Mitte der Insel. Die Southern Range verläuft entlang der Südküste und erreicht maximal 305 m. Auch Tobago (303 km²) ist durch ein Gebirge (die Main Ridge, ein Naturschutzgebiet) gezeichnet und stark bewaldet.
Trinidad verfügt über zahlreiche Flüsse, von denen viele den Südhängen der Northern Range entspringen und sich in der südlich davon gelegenen Tiefebene nach Westen oder Osten wenden. Insbesondere die Caroni Plain, ein Landschaftsgroßraum zwischen Northern Range und Central Range, ist dadurch sehr fruchtbar. Die längsten dieser Flüsse sind der 42 km lange Ortoire River, der nach Osten in den Atlantik entwässert, und der 40 km lange Caroni River, der nach Westen über den Caroni Swamp in den Golf von Paria mündet. Das Land verfügt trotz des Reichtums an Flüssen über keine nennenswerten Seen; mit dem Arena-Reservoir, dem Hollis Reservoir und dem Navet Reservoir gibt es lediglich drei Stauseen, die der Trinkwasserversorgung dienen.
Klima Das Klima ist tropisch; im Bergland im Süden von Trinidad existiert ein Savannenwald. Die Regenzeit dauert von Juni bis Dezember, wobei Jahresniederschläge um 2.000 mm erreicht werden. Die Durchschnittstemperatur beträgt tagsüber etwa 30 °C, nachts fällt sie auf ca. 20 °C. Im Gegensatz zu den meisten Inseln der Karibik liegen Trinidad und Tobago südlich der Hurrikan-Zone.
Flora und Fauna Trinidad und Tobago liegen in einem Biodiversitäts-Hotspot. Die Lage der Inseln nahe dem südamerikanischen Kontinent und die Vielfalt an Habitaten führte zu einer sehr hohen Artenvielfalt. Ökologen zählten 97 einheimische Säugetier-, 400 Vogel-, 55 Reptilien-, 25 Amphibien- und 617 Schmetterlingsarten, über 2.200 Arten an Gefäßpflanzen sowie ca. 40 Arten an Süßwasserfischen. Kaum ein anderes Gebiet Westindiens und nur wenige Gebiete Südamerikas weisen diese Vielfalt auf. Die bis zu hohen Bergketten sind mit tropischem Regenwald bedeckt. In Trinidad endemische Tierarten sind unter anderem der Trinidadguan, der Oropuche-Guppy und der Golden Tree Frog (Phyllodytes auratus). Umweltverschmutzung durch Urbanisierung und Industrialisierung bedrohen die Artenvielfalt.
Naturschutz Während auf Tobago mit dem Main Ridge Forest Reserve bereits 1776 eines der ersten Naturschutzgebiete der westlichen Hemisphäre eingerichtet wurde,UNESCO.org: wurde Naturschutz auf Trinidad erst in den 1950er-Jahren ein Thema. 1953 wurde das Naturschutzgebiet Caroni Swamp eingerichtet., 1954 folgte mit dem Nariva Swamp das zweite große Feuchtgebiet der Insel. Eine international bekannte Forschungsstation ist das in den 1960er-Jahren eingerichtete Asa Wright Nature Centre.
Zuständig für den Umweltschutz ist das Ministry of Planning and Development. Es ist damit auch verantwortlich für die Umsetzung der Biodiversitätskonvention und die Erhaltung der biologischen Ressourcen des Landes. Dem Ministerium sind unter anderem eine Fachabteilung für Wald- und Forstwissenschaft, die Umweltbehörde Environmental Management Authority und die Agentur für Grünanlagen unterstellt.Biodiversity.gov.tt:
Städte Im Jahr 2023 lebten 53 Prozent der Einwohner Trinidad und Tobagos in Städten. Die größten Städte sind (Stand Zensus 2011) Chaguanas (83.516 Einwohner), San Fernando (48.838 Einwohner), San Juan (45.146 Einwohner), Port of Spain (37.074 Einwohner) und Arima (33.606 Einwohner).
Bevölkerung
Die Bevölkerung Trinidads konzentriert sich überwiegend auf den westlichen Teil der Insel, während der östliche und nördliche Teil der Insel stark ländlich geprägt sind. Port of Spain ist im Laufe der Zeit mit den weiter östlich gelegenen Vororten zusammengewachsen und bildet den East-West Corridor, in dem mehr als 500.000 Menschen leben, was knapp die Hälfte der Einwohner ausmacht. Die südlich der Northern Range gelegene Agglomeration macht das wirtschaftliche Zentrum der Insel aus.
Die Bevölkerung wächst langsam. Die Fertilitätsrate lag 2019 bei 1,7 Kindern pro Frau. Auf 1.000 Einwohner kamen 2019 16,6 Geburten und 8,5 Todesfälle. Aufgrund einer hohen Emigrationsrate wuchs die Bevölkerung nur um 0,4 %.
Die Lebenserwartung der Einwohner Trinidad und Tobagos ab der Geburt lag 2020 bei 73,6 Jahren (Frauen: 76,4, Männer: 71).
Volksgruppen
Die ursprünglich indianische Bevölkerung (Arawak) ist seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ausgestorben. Heute machen Indigene nur noch 0,11 % der Bevölkerung aus. Wie überall in der Karibik, wo Plantagenwirtschaft betrieben wurde, beruhte diese auf der brutalen Ausbeutung von Sklaven. Mit der Abschaffung der Sklaverei in den britischen Kolonien im Jahre 1834 wurden die Sklaven durch Kontraktarbeiter, vor allem aus Britisch-Indien, ersetzt. Die Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Kontraktarbeiter unterschieden sich nur unwesentlich von denen der Sklaverei.Elizabeth Abbott: Sugar. A bittersweet history. London und New York 2010, S. 313 ff.
Die Einwohner sind, abhängig davon, welcher Insel sie sich zugehörig fühlen, als Trinidadier („Trinidadians“) und Tobagoer („Tobagonians“) bekannt.
Laut Zensus von 2011 betrachten sich etwa 34,2 % der Bevölkerung als Nachkommen der in früheren Jahrhunderten aus Afrika verschleppten Sklaven, circa 35,4 % verorten ihre Vorfahren auf dem indischen Subkontinent und ungefähr 22,8 % sehen sich als „gemischter“ Ethnizität; etwas mehr als 1,4 % haben andere Angaben gemacht, davon sind 0,6 % Weiße („Caucasian“), 0,3 % chinesischer und jeweils 0,1 Prozent portugiesischer, syrisch-libanesischer sowie indigener Herkunft. Im Jahre 2017 waren 3,7 % der Bevölkerung Migranten.
Religionen Zum Zeitpunkt des Zensus 2011 bekannten sich 98 % der Trinidadier, die zur entsprechenden Frage eine Antwort gaben, zu einer Religion. 62 % der Antwortenden waren Christen, 21 % Hindus und 6 % Muslime. Die Gruppe der Christen unterteilt sich, wie im angloamerikanisch geprägten Teil der Karibik üblich, in zahlreiche teils sehr kleine Gruppierungen. Die größten sind die römisch-katholische Kirche mit 24,3 % der antwortenden Befragten, verschiedene evangelische Gruppierungen mit zusammen 13,5 %, Anglikaner mit 6,4 % und Spiritual Baptists mit 6,4 %.
Sprachen Englisch, das von über 95 % der Bevölkerung gesprochen wird, ist die am weitesten verbreitete Sprache. Spanisch ist aufgrund der Nähe zu Venezuela ebenfalls (meist als Zweitsprache) verbreitet, unter den Trinidadiern indischer Abstammung teilweise auch Hindi. Im ländlichen Raum haben sich kleine Sprachinseln von Arawak-Dialekten, Antillen-Kreolisch („Patois“ genannt) und Tamil gehalten.
Landesname Die Benennung Trinidads erfolgte durch Christoph Kolumbus im Rahmen seiner dritten Reise 1498. Kolumbus benannte die Insel nach der Dreifaltigkeit, einem Begriff aus der christlichen Theologie. Die Herkunft des Namens Tobago ist nicht zweifelsfrei geklärt; als am wahrscheinlichsten gilt eine Herleitung vom spanischen Wort für Tabak, tabaco, das sich wiederum nach herrschender Meinung von der Taíno-Bezeichnung für die Tabakpflanze herleitet.
Geschichte
Sowohl Trinidad als auch Tobago wurden ursprünglich von Indianern südamerikanischen Ursprungs bewohnt. Die Erstbesiedelung Trinidads durch Jäger und Sammler fand vor mindestens 7.000 Jahren statt. Somit handelt es sich um die am frühesten besiedelte Insel der Karibik. Als erste keramische Kultur besiedelten die Saladoiden um 250 v. Chr. Trinidad und Tobago. Sie hatten über die gesamten Antillen bis Hispaniola ein Handelsnetz gespannt, das auch das nördliche Südamerika mit einschloss. Auch den Ackerbau brachten die Saladoiden auf die Inseln.Prehistory of the Caribbean Culture Area. Southeast Archaeological Center, National Park Service, abgerufen am 25. Dezember 2014. Spuren der Saladoiden finden sich unter anderem in Blanchisseuse.Basil Reid: . In: The Pelican, abgerufen am 25. Dezember 2014. Zur Zeit des Erstkontakts mit Europäern lebten auf Trinidad arawakisch sprechende Volksstämme wie Nepoya und Suppoyo, die die Saladoiden im 7. bis 9. Jahrhundert n. Chr. von den Inseln der Karibik verdrängten, sowie karibische Gruppen, die ab 1200 n. Chr. auf den Antillen auftauchten. Tobago dagegen wurde von Insel-Kariben und Galibi bewohnt.
Christoph Kolumbus erreichte die Insel Trinidad am 31. Juli 1498. Wegen ihrer drei markanten Bergspitzen benannte er sie nach der Dreifaltigkeit. Aber erst 1592 ließen sich spanische Siedler auf der Insel nieder. Hauptwirtschaftszweige waren der Anbau von Kakao und Tabak. 1797 übernahmen die Briten die Kontrolle über Trinidad.
Der Name der Insel Tobago leitet sich vermutlich vom Wort Tabak ab. Auch sie wurde von Kolumbus entdeckt. Im 17. Jahrhundert stritten Franzosen, Briten, Niederländer und Kurländer um die Herrschaft über die Insel. In dieser Zeit wechselte Tobago 31-mal den Besitzer. 1704 wurde sie zu neutralem Territorium erklärt. 1797 besetzten die Briten Trinidad und sicherten durch den Frieden von Amiens ihre Besitzung. Im Frieden von Paris ging 1814 auch Tobago in den Besitz von Großbritannien über. 1888 wurde die Verwaltung von Tobago der von Trinidad unterstellt.
Der Inselstaat war früher ein Zentrum der Sklaverei. Die Vergangenheit spiegelt sich heute noch in den Namen der Einwohner. Viele tragen die englischen Vornamen, mit denen ihre Vorfahren gerufen wurden, nun als Familiennamen. Beispiele hierfür sind die Fußball-Nationalspieler Stern John und Kelvin Jack.
Im Zweiten Weltkrieg war Trinidad der größte alliierte Militärstützpunkt in der Karibik, da es eine wesentliche Rolle in der U-Boot-Bekämpfung im Atlantik und im Karibischen Meer spielte. In dieser Zeit entstanden die Grundlagen für die heutige Infrastruktur und Industrie der Insel.
Noch vor der Unabhängigkeit, unter britischer Verwaltung, wurde 1946 das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt.Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 383.
1958 wurde Trinidad und Tobago ein Teil der Westindischen Föderation, deren Hauptstadt Port of Spain war und die aus mehreren britischen Kolonien zu dem Zweck gebildet worden war, als Bundesstaat in die Unabhängigkeit entlassen zu werden. Die Föderation zerbrach aber schon 1962; am 31. August wurde Trinidad und Tobago eigenständig unabhängig. Das Frauenwahlrecht wurde bei der Unabhängigkeit 1962 bestätigt. Zunächst war das Land eine Monarchie unter Elisabeth II., seit 1976 ist es eine Republik im Rahmen des Commonwealth of Nations.
1990 stürmten 114 Mitglieder von Jamaat al Muslimeen, einer muslimischen Rebellengruppe unter der Führung von Yasin Abu Bakr (eigentlich Lennox Phillip), das Parlamentsgebäude „Red House“ und die damals einzige Fernsehstation von Trinidad und Tobago. Dort hielten sie sechs Tage lang Beamte als Geiseln, bevor sie aufgaben.