Rio de Janeiro ([, ], „Fluss des Januars“), amtlich , ist nach São Paulo die zweitgrößte Stadt Brasiliens und Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Sie liegt an der Guanabara-Bucht im Südosten des Landes. Der Name Fluss des Januars beruht auf einem Irrtum des Seefahrers Gaspar de Lemos, der die Bucht am 1. Januar 1502 entdeckte und für die Mündung eines großen Flusses hielt.

Im administrativen Stadtgebiet leben rund 6,21 Millionen Menschen (Zensus 2022). Die Metropolregion Rio de Janeiro hat rund 13,3 Millionen Einwohner (Schätzung 2018). Somit gehört Rio de Janeiro zu den Megastädten dieser Erde.

Von 1815 bis 1821 war Rio de Janeiro Hauptstadt des Vereinigten Königreichs von Portugal, Brasilien und den Algarven und nach der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 bis 1960 die Hauptstadt des Landes. Danach trat sie diese Funktion an Brasília ab, bleibt aber nach São Paulo bedeutendstes Handels- und Finanzzentrum des Landes. Von 1808 bis 1822 war die Stadt auch Sitz des portugiesischen Hofes, der wegen eines Angriffs durch Napoleon Bonaparte nach Brasilien flüchten musste. Die Bewohner der Stadt nennt man Cariocas.

Wahrzeichen von Rio de Janeiro sind der Zuckerhut, die 38 Meter hohe Christusfigur auf dem Gipfel des Corcovados und die Strände der Stadtteile Copacabana, Leme, Ipanema und Leblon, die zu den berühmtesten Stränden der Welt zählen. Die Stadt ist auch bekannt wegen des jährlich stattfindenden Karnevals von Rio. Die bunte Parade der Sambaschulen gehört zu den größten Karnevalsumzügen der Welt.

Geographie

Geographische Lage Rio de Janeiro liegt unmittelbar nördlich des südlichen Wendekreises, eingebettet zwischen dem Atlantik im Süden, der Guanabara-Bucht im Osten und den Ausläufern der Serra do Mar, eines Teils des zentralbrasilianischen Hochlandes, im Norden und Westen. Das administrative Stadtgebiet hat eine Fläche von 1182 Quadratkilometern und liegt durchschnittlich 31 Meter über dem Meeresspiegel.IBGE: Área Territorial Oficial Es ist geprägt durch die Buchten und Strände entlang der Ufer, sowie durch Morros genannte Granithügel, die zu den Ausläufern der Serra do Mar gehören.

Zu diesen Granithügeln gehören auch die beiden Wahrzeichen Rios, der 394 Meter hohe Zuckerhut, unmittelbar auf einer Halbinsel in der Guanabara-Bucht gelegen, sowie der 704 Meter hohe Corcovado mit der Christusstatue auf dem Gipfel. Ein weiterer ist der 533 Meter hohe Morro Dois Irmãos. Die höchsten Punkte des Stadtgebietes sind der 1022 Meter hohe Pico da Tijuca und der 1025 hohe Pico da Pedra Branca, die beide inmitten ausgedehnter Naturschutzgebiete liegen.

Eine Hügelkette trennt das Stadtgebiet in zwei Teile. Die Zona Sul (Süd-Zone) erstreckt sich entlang der Atlantikküste mit den berühmten Strandbezirken Ipanema und Copacabana. Im nördlichen Teil sind das historische Stadt- und heutige Geschäftszentrum sowie einige Stadtteile.

Stadtgliederung

Rio de Janeiro gliedert sich in 4 geographische Regionen (Nord, Süd, West und Zentral), diese sind weiter in 8 Unterpräfekturen (Subprefeituras), 33 Verwaltungsregionen (Regiões Administrativas) und 160 Stadtteile (Bairros) unterteilt. Diese sind wiederum statistisch fünf Planungsgebieten (Áreas de Planejamento) zugeordnet. Die Planungsgebiete sind:

Área de Planejamento 1: Centro, Paquetá, Portuária, Rio Comprido, Santa Teresa, São Cristóvão Área de Planejamento 2: Botafogo, Copacabana, Lagoa, Rocinha, Tijuca, Vila Isabel Área de Planejamento 3: Anchieta, Complexo do Alemão, Ilha do Governador, Inhaúma, Irajá, Jacarezinho, Madureira, Maré, Méier, Pavuna, Penha, Ramos, Vigário Geral Área de Planejamento 4: Barra da Tijuca, Cidade de Deus, Jacarepaguá Área de Planejamento 5: Bangu, Campo Grande, Guaratiba, Realengo, Santa Cruz

mini|zentriert|Rio de Janeiro und seine Zonen.

Klima Aufgrund der Lage Rio de Janeiros in den niederen Breiten, am Atlantischen Ozean und an der Guanabara-Bucht ist das Klima der Stadt tropisch mit zwölf humiden Monaten. Es dominiert warmes Klima, das jedoch durch die steten Passatwinde gemildert wird.

Die höchste Temperatur in Rio de Janeiro wurde offiziell am 14. Januar 1984 an der Wetterstation im Stadtteil Bangu mit 43,2 °C gemessen, die tiefste am 19. Juli 1926 an der Wetterstation im Stadtteil Campo dos Afonsos mit 4,8 °C.Ciudad Maravillosa: Acerca de Rio de JaneiroBrasil Abaixo de Zero: A super onda de frio do inverno de 1955

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 22,6 °C bei nur geringen monatlichen Abweichungen (Höchsttemperatur im Januar/Februar: 25,5 °C, Tiefsttemperatur im Juli: 20,2 °C) und einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 1173 Millimetern. Die höchsten Niederschläge fallen in den Monaten Dezember bis April, wenn auf der Südhalbkugel Sommer ist. Der wenigste Niederschlag fällt in den Wintermonaten Juli und August.

Geschichte Kolonialzeit

mini|Karte von Rio de Janeiro 1867

Entsprechend dem Vertrag von Tordesillas erhoben die Portugiesen Anspruch auf das Ende des 15. Jahrhunderts entdeckte Gebiet des heutigen Brasilien. Frankreich erkannte den Vertrag nicht an und gründete 1555 auf der Ilha do Serigipe vor der Küste des heutigen Rio de Janeiro unter Vizeadmiral de Villegagnon das Fort Coligny; das von hier aus kontrollierte Gebiet erhielt den Namen France Antarctique. An der gegenüberliegenden Küste gründete de Villegagnon dann die Siedlung Henriville. Zu jener Zeit lebten in dieser Region Tupi-Indianer der Stämme der Tamoios und Tupinambás, mit denen die Franzosen sich verbündeten. Zehn Jahre später, 1565, wurden die Franzosen durch die Portugiesen von dort vertrieben, die daraufhin am 1. März 1565 am heutigen Morro do Castelo die Stadt São Sebastião do Rio de Janeiro gründeten. Rio de Janeiro wurde am 1. März 1565 von dem portugiesischen Seefahrer und Offizier Estácio de Sá gegründet.

1680 wurde Rio de Janeiro Hauptstadt der südlichen Regionen Brasiliens; zu dieser Zeit war die Siedlung mit rund 4000 Einwohnern einer der wichtigsten portugiesischen Stützpunkte auf brasilianischem Gebiet. Seit 1700 entwickelte sich Rio de Janeiro zur wichtigsten Hafenstadt in Brasilien, vor allem ausgelöst durch Goldfunde in der benachbarten Region Minas Gerais.

Die Stadt wurde 1710/1711 von den Franzosen angegriffen und nach der Schlacht von Rio de Janeiro 1711 besetzt. Die Franzosen zogen nach Zahlung eines hohen Lösegeldes ab. Die Stadt erholte sich in den nachfolgenden Jahren rasch und wurde am 27. Januar 1763, abgefragt am 30. August 2011 Hauptstadt des Vizekönigreiches Brasilien. Seit 1793 wurden geschätzte 1,839 Mio. Sklaven nach Rio de Janeiro verschifft und von hier weiterverkauft.

Einen weiteren Bedeutungsgewinn erfuhr Rio de Janeiro 1808, als der portugiesische Hof im Zusammenhang mit den französischen Invasionen vor den auf Lissabon zumarschierenden Streitkräften Napoleons dorthin flüchtete. Die Stadt wurde damit die Hauptstadt des Königreichs Portugal. Mit dem Hof siedelte eine Vielzahl Künstler, Wissenschaftler und Adlige nach Brasilien über, und das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt veränderte sich enorm. So geht die Brasilianische Nationalbibliothek beispielsweise auf die Bestände zurück, die das portugiesische Königshaus mitbrachte. 1815 wurde Rio de Janeiro die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs von Portugal, Brasilien und den Algarven.

Anfang des 19. Jahrhunderts wuchs die Bedeutung von Rio als Umschlagplatz für den afrikanischen Sklavenhandel in Südamerika weiter. Über den 1811 begonnenen Valongo-Kai im Stadtzentrum gelangten etwa 900.000 Sklaven auf den Kontinent.Valongo Wharf Archaeological Site – UNESCO World Heritage Centre Durch die Lei Áurea wurde die Sklaverei 1888 in Brasilien abgeschafft. In der Folgezeit kam es zu einer Landflucht, die eine Bevölkerungsexplosion in Rio de Janeiro auslöste und bis in die 1980er-Jahre anhielt. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts durchlief die Stadt gleichzeitig eine enorme wirtschaftliche Entwicklung, die Urbanisierung und Suburbanisierung einschließlich der Entstehung riesiger Favelas beförderte. Innerhalb von knapp hundert Jahren stieg die Bevölkerungszahl auf über 500.000 Einwohner (1891) an und erreichte bis 1980 circa fünf Millionen.

Unabhängigkeit

mini|Tiradentes-Palast mini|Goldbond von der Stadt Rio de Janeiro vom 1. Februar 1928 Der portugiesische Königshof kehrte 1822 nach Portugal zurück, nachdem 1820 die liberale Revolution in Portugal ausgebrochen war. Nach der Abreise des portugiesischen Hofes erklärte sich Brasilien unter dem Prinzen Dom Pedro de Alcântara zum unabhängigen Kaiserreich Brasilien. Rio de Janeiro behielt den Status als Hauptstadt, in der der Prinz nun als Kaiser Pedro I. residierte. Wegen Thronfolgestreitigkeiten in Portugal und innenpolitischer Probleme in Brasilien dankte er im April 1831 ab und ließ seinen Sohn (* 1825) zurück. Dieser wurde 1831 zu Pedros Nachfolger ausgerufen und am 18. Juli 1841 als Dom Pedro II. gekrönt. Er initiierte unter anderem den Bau einer Eisenbahn, deren erster Abschnitt 1858 in Rio de Janeiro eröffnet wurde; die Companhia Ferro-Carril de São Cristóvão folgte 1873 (siehe auch Schienenverkehr in Brasilien#Geschichte).

1834 wurde Rio de Janeiro durch ein Zusatzgesetz zur brasilianischen Verfassung von 1824 aus der Provinz Rio de Janeiro ausgegliedert und bildete als „Neutrale Gemeinde“ eine eigenständige Verwaltungseinheit des Kaiserreichs Brasilien. Ihre Verwaltung war dem Kaiserhof unmittelbar unterstellt.

Auch als 1889 Brasilien nach einem Militärputsch zur Republik wurde, blieb Rio de Janeiro Hauptstadt. 1891 änderte sich der Status der Stadt nur insoweit, als die bisher dem Kaiserhof unterstellte „Neutrale Gemeinde“ zu einem Bundesdistrikt erklärt wurde. In dieser Ära entfaltete sich während der Belle Époque brasileira eine prunkvolle Stadtentwicklung, finanziert von Kautschuk- und Kaffeeoligarchen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte Rio de Janeiro eine gesellschaftliche Blüte, da die Stadt für Filmstars und die internationale High Society zum Anlaufpunkt wurde. Einige portugiesische Schriftsteller wie der Schriftsteller und Übersetzer Jorge de Sena suchten in Rio de Janeiro Zuflucht vor der von António de Oliveira Salazar gegründeten „ständestaatlich“ orientierten autoritären Diktatur Estado Novo in Portugal. Ein letzter kultureller Ausfluss dieser Epoche war die Entstehung des brasilianischen Jazz Bossa Nova ab 1957, der durch Lieder wie zum Beispiel Garota de Ipanema/The Girl from Ipanema von Antônio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes, weltberühmt wurde.

Durch den Massentourismus seit den 1950er Jahren hat sich insbesondere das Bild der strandnahen Stadtteile in der Zona Sul stark verändert.

1960 verlor Rio de Janeiro den Status als Hauptstadt und Bundesdistrikt an die unter Juscelino Kubitschek neu gebaute Stadt Brasília. Gleichzeitig wurde die Stadt ein eigenständiger Stadtstaat Guanabara, der 1975 mit dem Bundesstaat Rio de Janeiro zusammengeführt wurde. Die Stadt wurde dabei zur Hauptstadt des neuen Bundesstaates.

Brasilien war 1964 bis 1985 eine Militärdiktatur. Auf dem Platz vor der Kirche Candelária demonstrierten 1984 rund eine Million Brasilianer unter dem Slogan Diretas-Já! („Direkte Wahlen, jetzt!“) für die Abhaltung freier Wahlen und die Rückkehr zur Demokratie.

Internationale Beachtung erlangte die Stadt nochmals im Juni 1992, als dort der UN-Umweltgipfel abgehalten wurde. Als ein Spielort der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und als Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2016 hatte die Stadt erneut viel mediale Aufmerksamkeit; sie war danach aber insolvent und wurde von der Bundesregierung finanziell über Wasser gehalten. 2020 war Rio de Janeiro die UIA-UNESCO-„Welthauptstadt der Architektur“.Rio de Janeiro erste Welthauptstadt der Architektur, Artikel auf der Seite bauen-aktuell.eu, 22. Januar 2019, abgerufen am 1. August 2023.