mini|Piña Colada mit Zutaten: Rum (hier ein gereifter, meist wird aber nur weißer Rum verwendet), Sahne, Ananas, Kokosnusssirup (hier anstatt Cream of Coconut)

Die Piña Colada [] (von und colada ‚Guss‘) ist ein süßer, cremiger Cocktail aus Rum, Kokosnusscreme und Ananassaft. Sie ist namensgebend für eine ganze Gruppe von Cocktails, den Coladas. Die Piña Colada wurde in den 1950er Jahren populär und gehört zu den weltweit bekanntesten Cocktails. Die alkoholfreie Variante – ohne Rum – wird Virgin Colada, Baby Colada oder Piñita Colada genannt.

Zubereitung Eine Piña Colada wird in der Regel aus weißem karibischem Rum, Kokosnusscreme (, einer zähflüssigen, fetthaltigen und leicht gesüßten Masse aus dem Fleisch der Kokosnuss), frischer Ananas oder Ananassaft und zerstoßenem Eis im elektrischen Blender zubereitet. Oft wird noch Sahne hinzugefügt und gelegentlich der weiße Rum ganz oder teilweise durch einen kräftigeren goldenen oder braunen Rum ersetzt.

mini|hochkant|Piña Colada im Fancy-Glas mit typischer Dekoration: Ananasstück (hier karamellisiert) und Cocktailkirsche. In Bars wird statt Cream of Coconut häufig preiswerter Kokos-Sirup verwendet, also Zuckersirup mit Kokosnussaroma, der kein Kokosfett enthält und sich daher leichter verarbeiten lässt als die zähflüssige Cream, so dass eine Zubereitung im Cocktail-Shaker möglich ist. Kokos-Sirup ist jedoch wesentlich süßer und muss anders dosiert werden, zudem wird ein cremiger Drink dann nur mit zusätzlicher Sahne erreicht. Ungesüßte Kokosmilch oder Kokoswasser eignen sich nicht als Ersatz für Cream of Coconut, kommen aber gelegentlich in Varianten vor. Auf den Kleinen Antillen wird die Piña Colada oft mit einer Prise Muskatnuss oben auf dem Schaum bestreut.

Das Standardrezept der International Bartenders Association für eine Piña Colada sieht 5 cl weißen Rum, 3 cl Cream of Coconut sowie 5 cl Ananassaft vor, bei Zubereitung im Blender mit zerstoßenem Eis und einer Ananasscheibe und einer Cocktailkirsche als Dekoration., ehemals (englisch), aufgerufen am 2. August 2018. Nach der Überarbeitung und Neugliederung der Official Cocktails Ende 2011 war jedoch zeitweise – bis 2016 – Coconut Milk (Kokosmilch) anstelle von Cream of Coconut zu lesen: Piña-Colada-Rezept , , 2016 und . An deutschen Barschulen wird in der Regel die Zubereitung mit Sahne gelehrt, z. B. mit je 4 cl weißen Rums und Cream of Coconut, 8 cl Ananassaft und 2 cl Sahne,Geprüfter Barmixer / Geprüfte Barmixerin. Rahmenplan mit Lernzielen, Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern in Zusammenarbeit mit verschiedenen weiteren IHKs, München 2007, S. 22. so dass der Drink noch cremiger, aber auch milder und geschmacklich weniger markant wird.

Die Firma Coco López, deren Gründer in den 1950er Jahren die erste industriell hergestellte Kokosnusscreme auf den Markt brachte, bewirbt seit Jahrzehnten eine Version aus 2 oz. (entspricht ca. 6 cl) Coco López Cream of Coconut, 1,5 oz. (ca. 4,5 cl) weißem Rum aus Puerto Rico, 2 oz. (ca. 6 cl) Ananassaft; Zubereitung ebenfalls im Blender mit cracked ice (zerkleinertem Eis).Jared Brown: If you Like Piña Coladas. The History of the Piña Colada. In: Mixologist. The Journal of the American Cocktail. Mixellany, New York 2005, ISBN 0-9760937-0-7, S. 102. Brown zitiert eine Werbebroschüre von Coco López von 1977.Rezept für Piña Colada. Coco López Inc., Florida; abgerufen am 27. Januar 2010.

Zum „fünfzigsten Jubiläum“ der Piña Colada veröffentlichte das Hotel Caribe Hilton, in dessen Bar die heute bekannte Piña Colada 1954 entstanden sein soll, unter dem Namen „Caribe Hilton’s Piña Colada“ ein Rezept mit 2 oz. weißem Rum, je 1 oz. Coconut Cream und Sahne (heavy cream), 6 oz. frischem Ananassaft und 1/2 Tasse crushed ice. Zubereitung im Blender, bis alles cremig ist (ca. 15 Sekunden) und als Garnitur eine Ananasspalte und eine Maraschinokirsche.Werbeflyer des Caribe Hilton von 2004 (frei übersetzt), zitiert nach: Jared Brown: If you Like Piña Coladas. The History of the Piña Colada. In: Mixologist. The Journal of the American Cocktail. Mixellany, New York 2005, ISBN 0-9760937-0-7, S. 91. Cocktailkirschen habe man allerdings in den 1950er Jahren im Caribe Hilton noch nicht als Dekoration verwendet, auch die Sahne als Zutat in den ursprünglichen Rezepten des Caribe Hilton ist umstritten, vgl. ebd. S. 111.

Geschichte Die „Erfindung“ der Piña Colada wird in der Literatur meist mit der Caribe Hilton’s Beachcomber Bar der Ende 1949 eröffneten Hotelanlage Caribe Hilton in Puerto Rico in Verbindung gebracht und vom Hotel selbst auf den 15. August 1954 datiert, wobei sowohl das genaue Datum als auch die weiteren Umstände und das Originalrezept unter den noch lebenden Zeitzeugen, die der amerikanische Cocktailhistoriker Jared Brown im Jahr 2005 befragte, umstritten sind.Jared Brown: If you Like Piña Coladas. The History of the Piña Colada. In: Mixologist. The Journal of the American Cocktail. Mixellany, New York 2005, ISBN 0-9760937-0-7, S. 90 ff.

mini|hochkant|Gedenktafel mit der Inschrift: „In diesem Gebäude wurde 1963 die Piña Colada von Don Ramon Portas Mingot kreiert.“ Einer anderen Version zufolge entstand die „Piña Colada“ 1963 in der Bar La Barrachina in San Juan, Puerto Rico. Eine Tafel an dem Gebäude erinnert noch heute an diese „Erfindung“ des Barkeepers Don Ramon Portas Mingot.

Tatsächlich aber waren Getränke mit Ananas, Kokosnuss und Rum schon wesentlich früher bekannt. So soll der Pirat Roberto Cofresí (1791–1825) aus Cabo Rojo eine Mischung aus diesen Zutaten bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts an seine Seeleute ausgeschenkt haben. Ob die Legende stimmt, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen, aber sie ist plausibel: Der in der Karibik destillierte Rum wurde zu jener Zeit nicht nur von der britischen Marine, sondern auch von Piraten an ihre Besatzungen ausgeschenkt, und zwar vorzugsweise verdünnt;Wayne Curtis: and a Bottle of Rum. New York 2006, ISBN 1-4000-5167-3, S. 58 f. Kokoswasser, also die in einer Kokosnuss enthaltene Flüssigkeit, diente seit jeher als Trinkwasserersatz, wenn keine natürlichen Quellen vorhanden waren, und Ananas wurden noch vor Ende des 16. Jahrhunderts in den meisten tropischen Ländern angebaut. Allerdings wird Cofresís Getränk noch ohne Eis ausgekommen sein.

Auch die Bezeichnung „Piña Colada“ war 1954 nicht neu: In zahlreichen Quellen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird von gekühltem, gesüßten Ananassaft als piña fria, piña fria colada (wörtlich: gekühltem, gesiebten Ananassaft) oder schlicht piña colada gesprochen.Piña Colada bei Webtender.com (englisch) mit zahlreichen Zitaten, abgerufen am 27. Januar 2010. Ein Piña Colada genannter Rum-Cocktail mit Ananassaft wurde 1922 beschrieben:

1937 erwähnt der Middletown Times Herald eine Piña Colada genannte Kokosnuss- und Ananas-Mischung (cocoanut[sic] and pineapple mixture called Pinacolada[sic]). Aus einem Artikel der New York Times geht hervor, dass bereits 1950 ein gleichnamiger Cocktail auf Kuba verbreitet war, der mit Rum, frischer Ananas und Kokosmilch zubereitet wurde:

Entscheidend für die Entstehung der Piña Colada in ihrer heutigen Form waren jedoch, neben der Verfügbarkeit der Zutaten, noch zwei weitere Faktoren: die Entwicklung industriell hergestellter Kokosnusscreme und des Elektromixers.

Kokosnusscreme ( oder Coconut Cream) war Mitte des 20. Jahrhunderts eine bekannte und verbreitete Zutat in der karibischen Küche, allerdings recht mühsam herzustellen: Das Fruchtfleisch frischer Kokosnüsse musste gemahlen oder gerieben und mit Wasser (oder Kokoswasser) aufgekocht werden. Die Masse wurde dann, zum Teil mehrmals, durch ein Tuch gepresst, die entstandene Flüssigkeit mehrere Stunden stehen gelassen und schließlich die gewünschte Coconut Cream abgeschöpft.

Anfang der 1950er Jahre gelang es dem Lebensmittelchemiker Don Ramón López-Irizarry, dieses Produkt erstmals maschinell herzustellen. In gesüßter Form brachte er seine Cream of Coconut 1954 unter der Marke Coco López in Puerto Rico auf den Markt. Das Caribe Hilton soll zu seinen ersten Kunden gezählt haben, allerdings habe sich Irizarry zeit seines Lebens nicht für Alkohol oder gar Cocktails interessiert. Anfangs wurden nur etwa 300 Kokosnüsse täglich verarbeitet. Später begann eine Kooperation mit dem Getränkehersteller Norman Parkhurst, der in der Nähe Fruchtsaftkonserven abfüllte und die Produktion schließlich vollständig von Irizarry übernahm. Der neue Kokossirup wurde mit Hilfe spezieller „Piña Colada-Sets“ intensiv beworben und durch David Ballachow auch auf dem US-amerikanischen Markt eingeführt.Jared Brown: If you Like Piña Coladas. The History of the Piña Colada. In: Mixologist. The Journal of the American Cocktail. Mixellany, New York 2005, ISBN 0-9760937-0-7, S. 105.

Elektrische Mixer (engl. Blender) verbreiteten sich etwa zur selben Zeit, als auch die Piña Colada bekannt wurde. Als Erfinder des Blenders gilt Steven Poplawski, dem die The Stevens Electric Company in Racine (Wisconsin) gehörte. Er platzierte als erster ein rotierendes Messer am Boden des Mixbechers und ließ seine Erfindung 1922 patentieren. Allerdings war das Produkt noch nicht ausgereift. Erst Jahre später, nach dem Verkauf der Firma an John Oster im Jahr 1946, wurde ein verbessertes Modell, der Osterizer, kommerziell erfolgreich. Doch bereits 1937 hatte der Musiker Fred Waring, der die entsprechenden Rechte von Fred Osius erworben hatte, einen funktionierenden Blender auf der National Restaurant Show in Chicago vorgestellt. In den Folgejahren wurden diese Waring Blender zunehmend auch an Bars verkauft, wo sie beispielsweise die Zubereitung von Frozen Daiquiris enorm erleichterten. Im Jahr 1954, als man im Caribe Hilton die angeblich ersten Piña Coladas mixte, konnte Waring schon das millionste Gerät verkaufen.Werbeflyer des Caribe Hilton von 2004, zitiert nach: Jared Brown: If you Like Piña Coladas. The History of the Piña Colada. In: Mixologist. The Journal of the American Cocktail. Mixellany, New York 2005, ISBN 0-9760937-0-7, S. 105f. Mitte der 1950er Jahre, als in der Bar des Caribe Hilton fast 50 Beschäftigte arbeiteten, verfügte man dort allerdings nur über drei bis vier elektrische Mixer, so dass etliche Piña Coladas noch im Shaker zubereitet wurden.Jared Brown: If you Like Piña Coladas. The History of the Piña Colada. In: Mixologist. The Journal of the American Cocktail. Mixellany, New York 2005, ISBN 0-9760937-0-7, S. 103, unter Berufung Hector Torres, Bartender im Caribe Hilton in den 1950er Jahren, demzufolge eine Piña Colada aus 1/2 Tasse shaved ice (geschabtem Eis), 4 oz. Ananassaft, 1,5 oz. weißem Rum und 2 oz. Coconut Cream bestand, wenn kein Blender zur Verfügung stand. Das Eis aus dem Shaker wurde nach dem Abseihen ebenfalls in das Glas gegeben.

Welcher der in den 1950er Jahren im Caribe Hilton beschäftigten Barkeeper letztlich dort zum ersten Mal eine Piña Colada mixte, ist nicht gesichert. Das Hotel erwähnte 50 Jahre lang allein Ramón „Monchito“ Marrero Pérez aus Aguas Buenas (Puerto Rico), der zuvor mehrere Monate lang an dem Drink gefeilt haben soll, und feierte das 50-jährige Jubiläum dieses Ereignisses im Jahr 2004. Sein Kollege Ricardo Gracia, der seit 1952 im Caribe Hilton beschäftigt war, behauptete indes in einem Interview im Jahr 2005, er habe die Piña Colada spontan entwickelt, als ihm für seinen beliebten Drink Coco Loco (unter anderem aus Rum, Kokoswasser und Kokosnusscreme, der in einer ausgehöhlten Kokosnuss serviert wurde) die Kokosnüsse ausgingen. Stattdessen hätten reichlich frische Ananas zur Verfügung gestanden, in denen er das Getränk schließlich servierte.Jury Alexandra Diedwardo: Coastal Character: Ricardo Gracia. In: Coastal Living, März 2005. Wenig später antwortete Gracia auf die Frage, wer die Piña Colada denn nun erfunden habe: