mini|300px|Blick über den Blackwater River auf die östliche Seite des Klosters Das Kloster Molana (, ) wurde im 6. Jahrhundert durch Máel Anfaid nahe der Südküste Irlands in der Diözese Waterford und Lismore auf einer Insel im Blackwater River gegründet. Es liegt im Townland Ballynatray Demesne Besondere Bedeutung erreichte das Kloster durch die Mitherausgabe der Collectio Canonum Hibernensis im 8. Jahrhundert. Im 12. Jahrhundert wurde im Rahmen einer Neugründung die augustinische Regel übernommen und das Kloster somit zu einem Priorat. Über die gesamte aktive Zeit des Klosters hinweg lag ein Schwerpunkt bei der Krankenpflege und der Betreuung der Armen. Die Reformation führte im Jahr 1541 zur Aufhebung des Klosters; seitdem befindet die Anlage sich in Privatbesitz. Seit spätestens dem 18. Jahrhundert ist sie verfallen, so dass heute nur noch Ruinen zu sehen sind.
Name des Klosters Der irische Name der Insel ist Dairinis, was sich als „Eicheninsel“ übersetzen lässt.Siehe etwa den Eintrag Dair auf Seite 67 in dem Werk von Deirdre Flanagan et al.: Irish Place Names. Gill & MacMillan, 1994, ISBN 0-7171-2066-X. In den aus dem frühen Mittelalter stammenden Textquellen wird dieser Name auch für das Kloster verwendet. Da es jedoch noch eine weitere Klosterinsel dieses Namens in Wexford gab, wurde bei Bedarf noch der Name des Gründers Máel Anfaid hinzugefügt, beispielsweise in der genitiven Form Dairinis Mailanfaid in einem Text aus dem 9. Jahrhundert.Siehe die Glosse zum 14. August in der Martyriologie des Oengus, Seite 184 unten in der Ausgabe von Whitley Stokes. Später wurde der altirische Inselname fallengelassen und der Name des Gründers alleine übernommen. So findet sich etwa der Name Insula Moelanfyd in einem urkundlichen Vermerk aus dem Jahr 1267.Der entsprechende Eintrag aus dem Black Book of Limerick wurde dokumentiert von T. J. Westropp: Island Molana Abbey, County Waterford. Aus: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland, Band 33, Jahrgang 1903, Seite 425 in der Rubrik Miscellanea. Hieraus wurde der heutige irische Name Mainistir Mhaolanfaidh. Die irische Bezeichnung wurde später zu Molana anglisiert.
Obwohl das Kloster nach der Neugründung im 12. Jahrhundert ein Priorat wurde und nie den Rang einer Abtei erhielt, wurde und wird das Kloster häufig Molana Abbey genannt, und entsprechend ist nicht selten von Äbten an Stelle von Prioren die Rede.Auf dem Kartenblatt 81 aus der Discovery Series des Ordnance Survey of Ireland, ISBN 1-901496-56-2, wird das Kloster Molana Abbey genannt (Kartengitterposition X 080 828). Leask setzt auf Seite 146 den Begriff Abbey in Anführungszeichen und weist danach sofort auf den Rang eines Priorats hin.
Geographische Lage mini|300px|Von der Flussinsel des Klosters konnte stromaufwärts sehr leicht Lismore besucht werden, und seewärts ließen sich auch entfernte Ziele wie Iona oder die Bretagne gut erreichen. Das Kloster liegt auf einer ehemaligen Flussinsel des Blackwater River, die 1806 durch den Bau zweier Dämme auf der Westseite mit dem Festland verbunden wurde.Das geht aus einer Steintafel hervor, die beim Kloster selbst von den damaligen Besitzern angebracht wurde: This Abbey anciently called Darinis or The Island of Saint Molanfide since Molana was united to the Mainland of Ballynatry by Grice Smyth Esq AD 1806. It was an Abbey of Canons Regular, founded in the 6th Century by Saint Molanfide who was the first Abbot. Im Werk von Geraldine Carville auf Seite 71 wird davon abweichend das Jahr 1850 genannt: The Occupation of Celtic Sites in Ireland by the Canons Regular of St Augustine and the Cistercians. Cistercian Publications, Kalamazoo, Michigan, 1982, ISBN 0-87907-856-1. Die durch diesen Eingriff entstandene Lagune verlandete alsbald, wodurch das Kloster inzwischen am Prallhang eines Flussmäanders liegt. Das Gelände ist nur wenige Kilometer entfernt von der Flussmündung und dem Naturhafen von Youghal an der Südküste Irlands. Der Zugang zur See war im frühen Mittelalter von hoher Bedeutung und wurde intensiv zu Kontakten zu anderen über See- und Flusswegen erreichbaren Klöstern in Irland und in der Bretagne genutzt.Siehe Seite 128 im Werk von E. G. Bowen: Saints, Seaways and Settlements in the Celtic Lands, University of Wales Press, 1977, ISBN 0-7083-0650-0. Laut einigen Überlieferungen war eine Seefahrt in frühchristlicher Zeit zwischen Südirland und der Bretagne in drei Tagen und Nächten möglich.Siehe den Aufsatz von Léon Fleuriot: Die Bretagne und die Bretonen in den Beziehungen zwischen den keltischen Ländern und Kontinentaleuropa vom IV. bis zum X. Jahrhundert. In: Heinz Dopsch, Roswitha Juffinger (Hrsg.): Virgil von Salzburg. Salzburg 1985, S. 52–58. Zum Einsatz kamen hier Curraghs, die genügend seetüchtig waren.Siehe das 6. Kapitel aus dem Werk von Meike Blackwell: Ships in Early Irish History. Ballinakella Press, 1992, ISBN 0-946538-21-2.
Geschichte Frühchristliche Zeit mini|links|hochkant|Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in Erinnerung an Máel Anfaid im Innenhof des Klosters eine Statue errichtet, die ihn aber historisch falsch als augustinischen Regularkanoniker darstellt. Das Kloster wurde im 6. Jahrhundert von Máel Anfaid gegründet.Siehe Sir James Ware, Seiten 195–196. Bei der 1820 errichteten Statue des Máel Anfaid wird das Jahr 501 genannt: This statue is erected to the memory of Saint Molanfide who founded this Abbey for Canons regular A.D. 501. He was the first Abbot and is here represented as habited according to the Order of Saint Augustine. This Cenotaph and Statue are erected by Mrs. Mary Broderick Smyth A.D. 1820. Hierfür sind jedoch keine weiteren Belege bekannt. So übernimmt etwa Gwynn nur die Angabe von Sir James Ware. Über den Gründer, der auch als Abt genannt wird,Siehe Seite 55 in Whitley Stokes: Martyrology of Oengus the Culdee ist nur wenig bekannt.Eine kleine Heiligenlegende zu ihm findet sich auf Seite 56 in Whitley Stokes: Martyrology of Oengus the Culdee. Sie wurde auch aufgenommen auf Seite 296 in der Sammlung A Celtic Miscellany. Penguin Classics, ISBN 0-14-044247-2. Es gibt auch die Hypothese, dass Máel Anfaid bis in das 7. Jahrhundert hinein lebte, da eine kleine Heiligenlegende über ihn überliefert ist, laut der er erfährt, dass Molua mac Ocha verstorben ist. Da in den zeitgenössischen Annalen das Todesjahr von Molua mit 608 recht zuverlässig überliefert ist, würde dies bedeuten, dass Máel Anfaid mindestens bis 608 gelebt hat.Diese Hypothese wird von Peter O’Dwyer auf Seite 37 diskutiert. Die entsprechenden Einträge in den Annalen sind U609.1 bei den Annalen von Ulster bzw. M605.3 bei den Annalen der vier Meister. Die Datierung wurde korrigiert entsprechend dem Tabellenwerk von Daniel P. Mc Carthy: The Chronology of the Irish Annals, 1998, Proceedings of the Royal Irish Academy, Band 98C, Seiten 203–255, weitere Informationen und Link zum Text
Als einer der weiteren Äbte der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts ist Fachnan Mongach überliefert.Wenn die zuvor genannte Hypothese zutrifft, dann lässt sich diese Datierung nicht halten. Annalistische Belege für ihn gibt es nicht. Die Datierung wurde von Aubrey Gwynn mit dem Zusatz apparently übernommen. Als Quellen zitiert er die 1645 von John Colgan herausgegebenen Acta Sanctorum Hiberniae und Walter Harris: The works of Sir James Ware concerning Ireland revised and improved. Erster Band, Dublin 1739. Walter Harris geht sogar von der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts aus: St. Fachnan, a Man of wisdom and probity (as the Writer of the Life of St. Mocoemog calls him) flourished in the beginning of the sixth Century. Dies findet sich auch so im entsprechenden Eintrag zum 14. August in den Acta Sanctorum der Bollandisten für DE S. Fagnano episc. et conf. in Hibernia: Waræus, quem antea citavi, pag. 220 de episcopis Rossensibus agens, S. Fagnanum eisdem accenset primo loco, variasque insuper de illo suggerit notitias: “Sanctus Fagnanus, vir sapiens & probus” (ut eum vocat scriptor Vitæ S. Mochoëmogi) claruit seculo sexto ineunte. Dabei wird das Werk De praesulibus Hiberniae, commentarius A prima gentis hibernicae ad fidem Christianam conversione, ad nostra usque tempora von Sir James Ware zitiert, das 1665 in Dublin erschien. Peter O’Dwyer geht in seiner Diskussion zur Eingrenzung der Lebenszeit von Máel Anfaid nicht auf Fachnan Mongach ein. Er gründete auch den Bischofssitz in Ross Carbery und wurde dessen erster Bischof.Siehe 583 bei Walter Harris: The works of Sir James Ware concerning Ireland revised and improved. Erster Band, Dublin 1739. Ein teilweiser Beleg dazu findet sich auch in den Handschriften Rawlinson B. 505 und Laud 610 in der Bodleian Library. Siehe Seite 185 in Whitley Stokes: Martyrology of Oengus the Culdee. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts gehörte das Kloster zu den Ersten in Irland, die sich der römischen Berechnung des Osterdatums anschlossen.Siehe Seite 133 in Kathleen Hughes: The Church in Early Irish Society. Methuen & Co Ltd, 1966.
Im 8. Jahrhundert entstand in Irland die kirchliche Reformbewegung Célí Dé, die die zunehmende Säkularisierung der Kirchen und Klöster ablehnte, auf eine strenge Askese achtete und sich insbesondere auch den Armen und Kranken zuwandte.Siehe James F. Kenney: The sources for the early history of Ireland: Ecclesiastical, ISBN 1-85182-115-5, Seite 468 und folgende. Die bisher ausführlichste Darstellung dieser Reformbewegung findet sich in dem Werk von Peter O’Dwyer. Die Zuwendung den Armen und Kranken gegenüber wird belegt von Colmán Etchingham: Church Organisation in Ireland AD 650 to 1000, ISBN 0-9537598-0-6, S. 359. Fer-dá-chrích, bis zu seinem Tod im Jahr 748 Abt des Klosters Molana,Siehe die Annalen von Ulster, Eintrag U747.12. Die Datierung wurde korrigiert entsprechend dem Tabellenwerk von Daniel P. Mc Carthy: The Chronology of the Irish Annals, 1998, Proceedings of the Royal Irish Academy, Band 98C, Seiten 203–255, weitere Informationen und Link zum Text gehörte zu den Mitgliedern dieser Bewegung, und es gibt sogar Indizien, die nahelegen, dass Máel-Rúain, der als Abt von Tallaght die führende Kraft dieser Bewegung war, zuvor ein Schüler von Fer-dá-chrích gewesen sein könnte.Siehe Kenney, Seiten 468 und 469. Kenney gründete wohl seine Vermutung auf den Eintrag zu Fer-dá-chrích zum 15. August: Aedh was his name in reality, Grandson of Aithmet, good was his deed, True brother, after victory with fame, To Maelruain, our teacher. Aedh ist der eigentliche Name von Fer-dá-chrích. Letzteres bedeutet nur „Mann der zwei Distrikte“, was auf seine Doppelfunktion als Abt und Bischof hinweist. Ein entsprechender Eintrag findet sich im Martyrologium des Oengus zum 15. August. Peter O’Dwyer geht auf Seite 30 in seinem Werk fest davon aus: His teacher was Ferdácrích who seems to have been a relation of his. Es wird sogar aufgrund weiterer Belege angenommen, dass die Reformbewegung in den Klöstern Molana, Daire Eidnech und Lismore ihren Ursprung hatte, die alle recht nahe zueinander in den Grenzen der heutigen Grafschaften Waterford und Tipperary lagen.Siehe die Seiten 59 und 193 bei Peter O’Dwyer. Im Rahmen dieser Reformbewegung stellte im Kloster Molana der Mönch Rubin in Zusammenarbeit mit dem Ioner Mönch Cú Chuimne zu Beginn des 8. Jahrhunderts mit der Collectio Canonum Hibernensis die bedeutendste kirchenrechtliche Sammlung des frühen Mittelalters zusammen, die dank der engen Kontakte zur Bretagne sich rasch über ganz Westeuropa verbreiten sollte.Zur Verbindung der Hibernensis mit der Reformbewegung siehe die Seiten 15 und 193 bei Peter O’Dwyers Werk Célí Dé, ISBN 0-906553-01-6. Rubin starb im Jahr 726.Siehe die Annalen von Ulster, Eintrag U725.4. Die Datierung wurde korrigiert entsprechend dem Tabellenwerk von Daniel P. Mc Carthy: The Chronology of the Irish Annals, 1998, Proceedings of the Royal Irish Academy, Band 98C, Seiten 203–255 (weitere Informationen und Link zum Text).