Girona [] (bis 1984 offiziell [] Spanisches Gesetz zur Benennung der Provinzen Girona und Lleida vom 28. Februar 1992. (Spanisch)) ist eine spanische Stadt im Nordosten Kataloniens. Sie hat Einwohner (Stand: ) und ist Hauptstadt der Provinz Girona und der .

Geographie Girona liegt an der Mündung des Onyar (span. Oñar, 34 km Länge) in den Ter (208 km Länge). Auch auf dem Stadtgebiet münden die Flüsschen Güell (13,5 km) in den Ter und Galligants (4,5 km) in den Onyar.

Klimatabelle

Geschichte Die ersten Bewohner der Region waren vermutlich die Iberer. Später errichteten die Römer ein Kastell, das genannt wurde. Die Westgoten herrschten über Girona bis zur Eroberung durch die Mauren. Karl der Große eroberte die Stadt 785 zurück und machte sie zu einer der vierzehn ursprünglichen Grafschaften Kataloniens (siehe auch Grafschaft Girona). 793 wurde Girona von Hischam I., dem Emir von Córdoba, zerstört, gebrandschatzt und entvölkert. Wilfried I. schlug 878 Girona der Grafschaft Barcelona zu. Alfons II. verlieh Girona im 12. Jahrhundert die Stadtrechte.

Die frühere Grafschaft wurde 1351 zu einem Herzogtum, als König Peter IV. von Aragon den Titel des Herzogs an seinen erstgeborenen Sohn Johann weitergab. 1414 vergab König Ferdinand I. den Titel des Fürsten von Gerona an seinen erstgeborenen Sohn, Alfons. Der Titel Princesa de Girona wird derzeit von der Infantin Leonor von Spanien geführt. mini|Das maurische Badehaus Im 12. Jahrhundert lebte eine große jüdische Gemeinde in Girona. Dort war der Sitz einer der wichtigsten kabbalistischen Schulen in Europa. Der Rabbiner von Girona, Nachmanides, wurde zum Oberrabbiner Kataloniens. Die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft Gironas endete 1492, als die „Katholischen Könige“ mit dem Alhambra-Edikt alle Juden aus Spanien vertrieben. Das jüdische Ghetto Gironas (genannt ) ist eines der besterhaltenen in ganz Europa und eine der bekanntesten touristischen Attraktionen.

Mehrfach fanden um die Festung Girona Kämpfe mit Frankreich während des 17. und 18. Jahrhunderts statt. Im Spanischen Erbfolgekrieg kam es 1711 zu einer größeren Belagerung. Während des Freiheitskrieges gegen die Franzosen befahl Napoleon 1808 deren Einnahme. Erst beim dritten Versuch (Belagerung von 1809) fiel die Stadt nach einer siebenmonatigen Belagerung in die Hände der Franzosen. Die Stadtmauern wurden geschleift, was im 19. Jahrhundert die Vergrößerung der Stadt ermöglichte.

Die Zeit vor dem Spanischen Bürgerkrieges war geprägt von den sozialen Verwerfungen der Weltwirtschaftskrise, weswegen Offiziere der Garnison Girona den Staatsstreich des Generals Francisco Franco vom 19. Juli 1936 unterstützten. Nach der Niederschlagung des Staatsstreiches in Barcelona verweigerten am 22. Juli 1936 die Soldaten der Garnison den Offizieren den Gehorsam. Von den damals rund 30.000 Einwohnern Gironas waren 6.000 in der syndikalisten Gewerkschaft C.N.T organisiert, die nach der unblutigen Niederschlagung des Staatsstreiches in Girona die Verwaltung der Stadt übernahm. Die eingeleiteten syndikalisten Reformen umfassten neben der Verbesserung der hygienischen Verhältnisse durch die Sanierung des Abwassersystems auch die Kollektivierung von Unternehmen. Zur Verteidigung der Republik zogen insgesamt 2.000 Gironeser an die Front.Augustin Souchy: Nacht über Spanien. Anarcho-Syndikalisten in Revolution und Bürgerkrieg 1936–39. Ein Tatsachenbericht (1955). Neuauflage Alibri Verlag, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-900-8, S. 124. Nach der Einnahme Barcelonas durch die Truppen Francos am 26. Januar 1939 floh Ministerpräsident Negrín wie viele republiktreue Einwohner Spaniens über Girona nach Frankreich, wo sie in das Internierungslager Argelès-sur-Mer kamen. Am 4. Februar 1939 besetzten die Truppen Francos die Stadt. Während des Krieges erlitt die Stadt Verwüstungen durch die Kämpfe und die Belagerung durch die Truppen Francos.

2016 wurde die Stadt mit dem Europapreis für ihre herausragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet.

Demografie Gironas Bevölkerungsentwicklung weist seit 1842 drei Phasen auf:

Von 1842 bis 1960 vervierfachte sich die Einwohnerzahl von ca. 8.000 auf ca. 32.000 Einwohner. Das Wachstum verlief im Vergleich zu anderen Städten der Industrialisierung stetig, aber langsam. Zwischen 1960 und 1981 fand in nur 2 Jahrzehnten annähernd eine Verdreifachung der Einwohnerzahl statt, bis auf 86.624 Einwohner. Dieser Entwicklung liegt unter anderem die Eingemeindung der Gemeinden Palau-sacosta, Sant Daniel und Santa Eugènia im Jahr 1962 zugrunde. 1968 kamen noch Salt und Sarrià de Ter hinzu. Bis 1991 war die Einwohnerzahl zunächst auf 68.656 gesunken, nachdem Salt und Sarrià de Ter wieder ausgemeindet worden waren. Seitdem fand bis zur Volkszählung 2021 ein anhaltendes Wachstum von +48 % statt.

+Einwohnerzahlen seit 1842Jahr2021201120011991198119701960195019401930192019101900188718601842Einwohner101.64896.11374.87968.65686.62447.74732.24226.16323.51822.24217.61417.41615.66816.56414.3418.172

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kathedrale, Blick vom Kreuzgang zum Turm Karls des Großen mini|Häuser am Fluss Onyar mini|Farinera Teixidor – eines der bedeutendsten Bauwerke von Rafael Masó i Valentí mini|Flanier-Allee im Stadtzentrum Kathedrale von Girona Arabische Bäder Bauwerke von Rafael Masó i Valentí Kloster Sant Pere de Galligants Basílica de Sant Feliu Museu d'Art de Girona Museu d'Història dels Jueus

Bildung Die Universität Girona hat 14.000 Studenten.

Wirtschaft und Infrastruktur Girona hat den internationalen Flughafen Girona, der als Ausweichflughafen der Billigfluggesellschaften für Barcelona benutzt wird.

Seit 2013 ist Girona an die Schnellfahrstrecke Madrid–Barcelona angeschlossen, die mittlerweile über die LGV Perpignan–Figueres bis nach Frankreich verlängert wurde und dort Anschluss an die LGV in Frankreich hat.

Ökologie Wie alle spanischen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern sollte Girona zum 1. Januar 2025 eine Umweltzone (Zona de Bajas Emisiones, ZBE) ausweisen. Die nur für das historische Zentrum ausgewiesene ZBE Girona soll aber erst ab Sommer 2025 in Kraft treten. Die Einfahrtbeschränkungen sollen täglich von 7 bis 20 Uhr gelten, wobei jeder Einwohner bis zu 24 unbegründete Ausnahmen für sich in Anspruch nehmen können soll.

Küche Eines der besten Restaurants der Welt, das El Celler de Can Roca, liegt in Girona.

Sport Der Fußballverein FC Girona spielt seit dem 19. Juni 2022 in der Primera División.

Girona ist außerdem ein Zentrum des Radsports und als solches Wahlheimat dutzender Rennradprofis.

Girona war einer der Austragungsorte bei der Frauen-Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2002.

Söhne und Töchter der Stadt Narcissus von Girona (4. Jahrhundert), Bischof von Girona (legendärer Apostel zur Hl. Afra) Mosche ben Nachman (Nachmanides) (1194–1270), Rabbiner, Arzt, Philosoph und Dichter Jona Gerondi (1200–1263), Rabbiner und Moralist Lluís Borrassà (1375?–1425), Maler Francesc Sans i Cabot (1828–1881), Maler Richard Guino (1890–1973), französischer Bildhauer katalanischer Herkunft Xavier Cugat (1900–1990), Komponist, Cartoon-Zeichner, Sänger, Arrangeur und Orchesterleiter Luis Santaló (1911–2001), Mathematiker Xavier Montsalvatge (1912–2002), Komponist und Musikkritiker Domènec Fita i Molat (1927–2020), Bildhauer, Maler, Glasmaler und Zeichner Ricardo Estarriol (1937–2021), Osteuropaexperte, Journalist Pedro Brugada (* 1952), Kardiologe Joan Planellas i Barnosell (* 1955), katholischer Geistlicher, Erzbischof von Tarrgona Miquel Soler (* 1965), Fußballspieler José Antonio Escuredo (* 1970), Bahnradsportler Isaki Lacuesta (* 1975), Filmregisseur César Rendueles (* 1975), Soziologe, Hochschullehrer, Herausgeber und Essayist Cristina Bes Ginesta (* 1977), Skibergsteigerin Ferran Corominas (* 1983), Fußballspieler Ángel Martínez Cervera (* 1986), Fußballspieler Sergi Reixach (* 1989), Pokerspieler Marta Xargay (* 1990), Basketballspielerin Pau López (* 1994), Fußballspieler Pol Toledo Bagué (* 1994), Tennisspieler Albert Arenas (* 1996), Motorradrennfahrer Aleix García (* 2000), Ruderer Djordje Cikusa Jelicic (* 2005), Handballspieler Ashlin Barry (* 2007), US-amerikanischer Radrennfahrer

Städtepartnerschaften Reggio nell’Emilia (Italien), seit 1982 Albi (Frankreich), seit 1985 Bluefields (Nicaragua), seit 1987 Farsia (Westsahara), seit 1997 Nueva Gerona (Kuba), seit 2001 Nashville (Tennessee, Vereinigte Staaten), seit 2005

Literatur Fritz René Allemann / Xenia von Bahder: Katalonien und Andorra. Köln 4. Auflage 1986. (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 114, Abb. 20–27. Farbtafel 9,10 Marcel Durliat: Romanische Kunst. Herder, Freiburg-Basel-Wien 1983. Farbtafel 157 (Teppich) Abb. 284–285 Alain Erlande-Brandenburg: Gotische Kunst. Herder, Freiburg-Basel-Wien 1984, Abb. 856 Nikolaus Pevsner: Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 3. Auflage 1973, S. 200 José María Gironella: Die Zypressen glauben an Gott. (Roman) Paul-List-Verlag, München 1953

Weblinks

Website der Stadt Girona

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Katalonien Kategorie:Provinzhauptstadt in Spanien

Kategorie:Träger des Europapreises Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Spanien