mini|Grab von Julius Bartels auf dem Stadtfriedhof Göttingen

August Julius Bartels (* 17. August 1899 in Magdeburg; † 6. März 1964 in Göttingen) war ein deutscher Geophysiker. Er widmete sich vor allem der „Entwicklung, Verwendung und Vervollkommnung statistischer Methoden bei der Analyse meteorologischer und erdmagnetischer Beobachtungsreihen“. Er befasste sich auch mit den Wechselwirkungen Sonne–Erde.

Sein gemeinsam mit dem britischen Geophysiker Sydney Chapman verfasstes Werk Geomagnetism, erschienen 1940, war für einige Jahrzehnte das Standardwerk zum Erdmagnetismus.

Leben 1917 begann er sein Studium in Göttingen, welches er 1923 mit der Dissertation Neue Methoden zur Berechnung und Darstellung der täglichen Luftdruckschwankung bei starken unperiodischen Störungen bei Wilhelm Meinardus abschloss. Zu seinen Lehrern gehörten neben Emil Wiechert u. a. Max Born, Richard Courant, James Franck und David Hilbert. Er selbst war später Lehrer des bekannten Geophysikers und Hydrodynamikers Hans Ertel.

Nach der Promotion 1923 wurde Bartels wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geomagnetischen Observatorium Potsdam bei Adolf Schmidt.Adolf Best: Zur Geschichte des Adolf-Schmidt-Observatoriums für Erdmagnetismus in Niemegk. In: Geschichte Telegrafenberg. (PDF; 0,2 MB) gfz.de

Er habilitierte sich 1927 an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, lehrte danach als Professor für Meteorologie und Physik an der Forstlichen Hochschule in Eberswalde, ab 1936 als ordentlicher Professor für Geophysik an der Berliner Universität und seit 1946 als Professor für Geophysik an der Universität in Göttingen. Er war zugleich Direktor des Instituts für Geophysik der Georg-August-Universität Göttingen.

Von 1936 bis 1945 war Bartels Direktor des Geophysikalischen Instituts in Potsdam, dem das Adolf-Schmidt-Observatorium für Erdmagnetismus in Niemegk unterstand. Von 1931 bis 1940 war er auch als Research Associate am Department of Terrestrial Magnetism der Carnegie-Institution of Washington tätig.

Von 1955 bis 1964 war er Direktor des Instituts für Physik der Stratosphäre des Max-Planck-Instituts für Aeronomie in Katlenburg-Lindau.

Das Internationale Geophysikalische Jahr 1957/58 gestaltete Bartels als Initiator und Planer mit.

Julius Bartels identifizierte die Sonne als Quelle regelmäßig wiederkehrender geomagnetischer Störungen. Er entwickelte 1949 als Maß für die geomagnetische Aktivität den Kp-Index, der mit einem standardisierten Verfahren aus den Daten von 13 weltweiten Observatorien bestimmt wird und auch heute noch weite Anwendung findet. Der Kp-Index ist von der IUGG/IAGA (International Association of Geomagnetism and Aeronomy) als wichtige Maßgröße anerkannt und wird seit 1997 am erdmagnetischen Observatorium Niemegk bestimmt.

Der Physiker Alfred Ehmert bemerkte zur wissenschaftlichen Leistung Bartels‘:

Den Tod von Julius Bartels kommentierte Ehmert mit den Worten:

Julius Bartels‘ Persönlichkeit beschrieb Ehmert so:

Mitgliedschaften Julius Bartels war Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften und von fünf Akademien, unter anderem: Im Jahr 1941 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt. 1947 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 31 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse, Folge 3, Band 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse, Folge 3, Band 50). 1956 und 1958 war er Präsident der Akademie. Internationale Union für Geodäsie und Geophysik (IUGG) Internationales Komitee für Weltraumforschung (COSPAR) (Vizepräsident) Deutsche Kommission für Weltraumforschung (Stellv. Vors.)

Ehrungen 1953 Charles-Chree-Medaille der British Physical Society Er wurde 1955 mit der aus diesem Anlass erstmals verliehenen Emil-Wiechert-Medaille geehrt. 1964 William Bowie Medal der American Geophysical Union Ihm zu Ehren wird die Julius-Bartels-Medaille von der Abteilung für solar-terrestrische Beziehungen der European Geosciences Union verliehen.Julius-Bartels-Medaille. copernicus.org Nach ihm benannt ist die Bartels’sche Rotationszahl der Sonne sowie der Mondkrater Bartels.

Publikationen Geophysik. C. Winter, Heidelberg 1944. Hrsg. mit Gustav Angenheister: Geophysik, Fischer Bücherei, 1960, 1969. Mitarbeit an Beno Gutenberg (Hrsg.): Lehrbuch der Geophysik. Gebrüder Borntraeger, Berlin 1929. mit Sydney Chapman Geomagnetism. Clarendon Press, Oxford 1940.

Literatur Einen Nachruf auf Julius Bartels hat Wilfried Schröder im Jahre 1964 in der Meteorologischen Rundschau veröffentlicht. Weitere Nachrufe sind von Hans Ertel im Jahrbuch der deutschen Akademie der Wissenschaften 1964 und von Walter Kertz in Forschungen und Fortschritte 1964 (S. 317) erschienen. Wilfried Schröder hat die Beziehungen zwischen Sydney Chapman und Julius Bartels vorgestellt (Beiträge Geschichte Geophysik und Kosmische Physik, 2008). Karl-Heinz Bernhardt, Hannelore Bernhardt: Der Geophysiker Julius Bartels als Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 2000, S. 109–125 (Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, Band 43).

Weblinks

Lebenslauf. copernicus.org

Einzelnachweise

Kategorie:Geophysiker Kategorie:Sonnenforscher Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Person als Namensgeber für einen Mondkrater Kategorie:Absolvent der Georg-August-Universität Göttingen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1899 Kategorie:Gestorben 1964 Kategorie:Mann