mini|Theodor Fahr, vor 1923 mini|hochkant|Grabstätte Theodor Fahr auf dem Friedhof Ohlsdorf Karl Theodor Fahr (* 3. Oktober 1877 in Pirmasens; † 28. Oktober 1945 in Hamburg) war ein deutscher Pathologe und Nephrologe.

Leben Theodor Fahr, Sohn des Lederfabrikanten Ernst Fahr,Inaugural-Dissertation: Ueber totale Nekrose beider Nieren nach Thrombose der Nierenvenen, von Münchow’sche Hof- und Universitäts-Druckerei, Gießen 1903, Lebenslauf, S. 35. studierte nach dem Besuch des Progymnasiums Pirmasens und des humanistischen Gymnasiums zu Speyer an der Hessischen Ludwigs-Universität in Gießen, an der Ludwig-Maximilians-Universität München, an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Medizin. 1898 wurde er Mitglied des Corps Starkenburgia.Kösener Korps-Listen 1910, 57/489. Im April 1902 begann er ein Volontariat am pathologischen Institut zu Gießen. 1903 wurde er in Gießen, wo er sich zuvor im Studium der pathologischen AnatomieWerner E. Gerabek: Fahr, Theodor. 2005, S. 390. zugewandt hatte, zum Dr. med. promoviert.Inaugural-Dissertation: Ueber totale Nekrose beider Nieren nach Thrombose der Nierenvenen, von Münchow’sche Hof- und Universitäts-Druckerei, Gießen 1903, 36 Seiten. Er absolvierte daraufhin seine Assistentenzeit in Hamburg und wurde 1906 Prosektor im dortigen Hafenkrankenhaus. 1909 übernahm er die Leitung des Pathologischen Instituts des Mannheimer Krankenhauses.Werner E. Gerabek: Fahr, Theodor. 2005, S. 390. 1919 wurde er zum a.o. Professor und 1924 zum o. Professor für Pathologie in Hamburg berufen. In der Zeit des Nationalsozialismus unterzeichnete er am 11. November 1933 das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, 2. aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 143.

Er beendete sein Leben am 28. Oktober 1945 durch Suizid. Fahr war Mitglied des Academischen Clubs zu Hamburg. Seine letzte Ruhestätte fand Theodor Fahr auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf im Planquadrat AE 6.

Forschung Von 1909 bis 1915 arbeitete er mit dem Kliniker Franz Volhard in Mannheim an einer (neuen) Klassifikation der Krankheiten der Niere. In der umfassenden Schrift Die Bright’sche Nierenkrankheit: Klinik, Pathologie und Atlas (1914) unterschieden sie zwischen degenerativen (Nephrosen), entzündlichen (Nephritis) und arteriosklerotischen (Sklerosen) Nierenerkrankungen. Hinsichtlich der NephroskleroseTheodor Fahr: Über Nephrosklerose. In: Virchows Archiv für pathologische Anatomie. Band 226, 1919, S. 119–178. wurden eine gutartige und eine bösartigeTheodor Fahr: Über maligne Nierensklerose (Kombinationsform). In: Zentralblatt für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie. Band 27, 1916, S. 481–498. Form unterschieden. Durch die neue Einteilung und Nomenklatur der Nierenkrankheiten durch Volhard und Fahr in Nephrosem, Nephritiden und Nephrosklerosen wurde die Krankheitbezeichnung Morbus Brightii überflüssig.

Im Jahr 1923 äußerte Theodor Fahr bei einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie als einer der ersten Wissenschaftler die Vermutung, dass zwischen dem Rauchen und dem Bronchialkarzinom ein ursächlicher Zusammenhang bestehe:Diskussionsbemerkung zu Teutschländer: „Über Metaplasie und Krebsbildungen“. Verhandlungen der Deutschen Pathologischen Gesellschaft, Nummer 19 (1923), S. 192.

1931 beschrieb er den Morbus Fahr (auch Fahrsche Krankheit, Fahrsches Syndrom oder Fahrsche Verkalkung); damit wird die idiopathische nicht-arteriosklerotische intrazerebrale Gefäßverkalkung mit einer im ersten bis dritten Lebensjahrzehnt beginnenden progredienten Demenz mit extrapyramidalen und zerebellaren Symptomen, mit Paresen und mit Krampfanfällen bezeichnet.Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 3. Ordner (F–Hyperl), München / Berlin / Wien 1969, ISBN 3-541-84000-5, S. F 16. Als Fahrsche Nephrosklerose oder Fahr-Volhard-Nephrosklerose wurde die maligne Form der Nephrosklerose bezeichnet.Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage, Verlag Urban & Fischer, München / Jena 1984, ISBN |3-437-15156-8, S. 588. Um 1951 beschrieben dann Zollinger (Zürich 1950) und G. W. Pickering (London 1952) Übergänge von der Arteriolosklerose (mit relativ gutartiger Hypertonie) zur gefährlicheren Arteriolonekrose (mit maligner Nephrosklerose Fahr).Paul Martini: Über das Wesen und die Behandlung des essentiellen Hochdrucks. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 33–42 (O. Bollinger-Vorlesung, gehalten in München am 11. Dezember 1952), hier: S. 42.

Ehrung In Hamburg-Langenhorn ist seit 1961 eine Straße nach ihm benannt.David Templin: Wissenschaftliche Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen. (zu Theodor Fahr: S. 109–112)

Veröffentlichungen (Auswahl) Ausführliche Zusammenstellungen von 29 seiner Veröffentlichungen finden sich in den Literaturverzeichnissen im achten Band der vierten Auflage des Handbuches der inneren Medizin, Springer-Verlag, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1951, S. 288, 499, 731 und 835 f. Im Namensverzeichnis des zweiten Teils des sechsten Bandes der zweiten Auflage dieses Handbuches fand sich 1931 auf Seite 2085 der Name Theodor Fahr 215-mal.

mit Franz Volhard: Die Bright’sche Nierenkrankheit: Klinik, Pathologie und Atlas. Springer-Verlag, Berlin 1914, doi:10.1007/978-3-662-26316-7. Über atypische Befunde aus den Kapiteln des Morbus Brightii nebst anhangsweisen Bemerkungen zur Hypertoniefrage. In: Virchows Archiv für pathologische Anatomie. Band 248, 1924, S. 323–336. Kreislaufstörungen der Niere. In: Friedrich Henke, Otto Lubarsch (Hrsg.): Handbuch der speziellen pathologischen Anatomie und Histologie. 6. Band, 1. Teil („Niere“), Springer-Verlag, Berlin 1925, S. 121–155. Pathologische Anatomie des Morbus Brightii. In: Friedrich Henke, Otto Lubarsch (Hrsg.): Handbuch der speziellen pathologischen Anatomie und Histologie. 6. Band, 1. Teil („Niere“), Springer-Verlag, Berlin 1925, S. 156–472. mit Otto Lubarsch: Die Nierengewächse. In: Friedrich Henke, Otto Lubarsch (Hrsg.): Handbuch der speziellen pathologischen Anatomie und Histologie. 6. Band („Harnorgane – Männliche Geschlechtsorgane“, bearbeitet von Theodor Fahr, Georg B. Gruber, Max Koch, Otto Lubarsch, O. Stoerk), 1. Teil („Niere“), S. 587–720, Springer-Verlag, Berlin 1925, 792 Seiten.

Literatur Johanna Bleker: Die Geschichte der Nierenkrankheiten. Mannheim 1972 (= Medizinhistorische Schriftenreihe der Studienreihe Boehringer Mannheim. Band 2), S. 121–125 (Die endgültige Abschaffung des Begriffs „Morbus Brightii“ durch die Einteilung von Volhard und Fahr).

Martin Staemmler: Die Bedeutung von Theodor Fahr für die moderne Nierenpathologie. In: Die Medizinische. Band 3, Nummer 22, 31. Mai 1958, S. 897–902, PMID 13565201. A. Heidland, Werner Erwin Gerabek, K. Sebekova: Franz Volhard and Theodor Fahr: achievements and controversies in their research in renal disease and hypertension. In: Journal of human hypertension. Band 15, Nummer 1, Januar 2001, S. 5–16, , PMID 11223997 (Review). Werner Erwin Gerabek: Fahr, Theodor. In: Werner Erwin Gebarek, Bernhard Dietrich Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Verlag Walter de Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 390.

Weblinks

David Templin: Wissenschaftliche Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen (zu Theodor Fahr: S. 109–112) Theodor Fahr in der Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene

Einzelnachweise

Kategorie:Pathologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Hamburg) Kategorie:Person (Pirmasens) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1877 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent der Justus-Liebig-Universität Gießen