Die Boeing EC-135 ist eine Variante des militärischen Transportflugzeugs C-135 mit spezieller elektronischer Ausrüstung. Die United States Air Force (USAF) setzte sie von 1961 bis 2003 für verschiedene Zwecke ein. Unter anderem nutzte das Strategic Air Command (SAC) sie als luftgestützten Kommandoposten und fliegendes Funkrelais. Die NASA verwendete die EC-135 zur Beobachtung und zur Datenübertragung zwischen Raumfahrzeugen und Bodenstationen.

Nur die EC-135C waren neu gebaute Flugzeuge, wenn auch unter abweichender Bezeichnung. Alle übrigen EC-135 sind umgerüstete Transporter C-135 und Tanker KC-135.

Varianten Überblick EC-135A: Zu luftgestützten Kommandozentralen des Strategic Air Command umgebaute KC-135A; 14 Stück ab 1964 EC-135B: C-135B mit ARIA-Ausstattung; 2 Stück ab 1979 EC-135C: luftgestützte Kommandozentralen des SAC; umbenannte KC-135B, 17 Stück ab 1965 EC-135E: modernisierte EC-135N; 4 Stück ab 1982 EC-135G: luftgestützte Kommandozentralen mit erweiterter Technik; 4 Stück ab 1965 EC-135H: luftgestützte Kommandozentralen für den europäischen und atlantischen Kommandobereich der US-Streitkräfte; 5 Stück ab 1966 EC-135J: Notfall-Befehlszentrale für die US-Regierung und später Kommandozentrale für den pazifischen Bereich; 4 Stück ab 1966 EC-135K: luftgestützte Kommandozentralen des Tactical Air Command (TAC); 3 Stück ab 1961 EC-135L: luftgestütztes Funkrelais; 8 Stück ab 1965 EC-135N: ehemalige C-135A für Raumfahrt-Telemetrie (ARIA); 8 Stück ab 1966 EC-135P: luftgestützte Kommandozentralen des pazifischen Bereichs; 5 Stück ab 1967 EC-135Y: luftgestützte Kommandozentrale des Central Command; 1 Stück ab 1983

EC-135A, -C und -G Ursprung 1960 begann die US-Luftwaffe, fünf KC-135A Stratotanker testweise in fliegende Befehlszentralen (Airborne Command Post, ACP) für das Strategic Air Command (SAC) umzurüsten. Mit ihrer Hilfe sollten seine Bomber und Interkontinentalraketen auch dann noch einsatzbereit sein, wenn die herkömmlichen Kommunikationseinrichtungen und Befehlszentralen am Boden bereits durch einen Angriff zerstört sind. Die Maschinen erhielten eine Betankungsanlage, um die Einsatzdauer verlängern zu können. Auf dem Hauptdeck entstand ein Abteil mit Kommunikationsgeräten und einem Tisch für Besprechungen, an der Außenseite wurden zusätzliche Antennen angebracht. Das Gesamtsystem bezeichnete das SAC auch als Post Attack Command and Control System (PACCS). Solange die ACPs nicht für bestimmte Einsätze vorgesehen waren, lautete ihr allgemeiner Einsatzname beim SAC Cover All.

Looking Glass mini|Eine EC-135C (62-3585) des 7th ACCS, Offutt Air Force Base, mit MILSTAR-Ausrüstung Im Februar 1961 begannen die fliegenden Befehlszentralen des SAC mit regelmäßigen Einsätzen unter dem Namen Looking Glass. Bis Ende 1962 wuchs die Flotte auf 16 Stück. Gleichzeitig orderte die USAF 17 neue Flugzeuge für diesen Zweck, die Boeing von 1963 an als KC-135B baute und von Februar 1964 bis Februar 1965 auslieferte. Diese Kommandoposten der zweiten Generation hatten verglichen mit der älteren Version leistungsfähigere Turbofantriebwerke des Typs Pratt & Whitney TF33-P-9, zusätzliche Drahtantennen für Längstwellenfunk und modernisierte Kommunikationstechnik. Auch sie konnten in der Luft betankt werden.

Wegen ihrer speziellen Rolle erhielten die ACPs ab 1964 neue Bezeichnungen. Die KC-135A mit dem Kennzeichen 62-3579 wurde am 2. September 1964 als erste in EC-135A umbenannt. Zum 1. Januar 1965 erhielten fast alle auf der KC-135A beruhenden Kommandoposten der ersten Generation diese Bezeichnung, die KC-135B hießen von nun an EC-135C. Nach der Indienststellung der neueren Version dienten die EC-135A als Reservemaschinen und unter anderem als fliegende Relaisstation für militärischen Funkverkehr. Von 1965 bis 1967 wurden drei KC-135A-Kommandoflugzeuge und eine EC-135A in EC-135G umgebaut. Sie unterschieden sich von den übrigen EC-135A durch modernere Elektronik und konnten zusätzlich als Funkrelais genutzt werden. Die Tankanlage einschließlich Teleskopausleger blieb bei all diesen Maschinen erhalten und wurde regelmäßig zum Training oder für Notfälle benutzt. Anfang 1990 rüstete die Air Force vier EC-135C durch das Programm Pacer Link mit einer Anlage zur Satellitenkommunikation aus, äußerlich erkennbar an einem Höcker auf dem Rumpf, unter dem sich die Antenne für den MILSTAR-Funk verbarg.

Die Looking-Glass-Missionen bestanden aus Achtstundenschichten. Konnte die Ablösung aufgrund schlechten Wetters oder wegen technischer Probleme nicht stattfinden, verlängerte sich der Einsatz eines ACP um weitere acht Stunden. Bei Bedarf wurde in der Luft nachgetankt. Die Besatzung bestand neben der eigentlichen Flugzeugbesatzung (Pilot, Copilot, Navigator, Auslegerbediener) aus weiteren 10 bis 14 Mitgliedern, darunter ein SAC-Befehlshaber (oft ein General, mindestens aber ein Oberst), stellvertretender Einsatzleiter, Spezialisten für Nachrichtendienst, Datenverarbeitung und Wetter sowie mehrere Funktechniker. Die USAF stationierte die EC-135 zunächst in Andrews Air Force Base (Maryland), Barksdale AFB (Louisiana), March AFB (Kalifornien), Offutt AFB (Nebraska) und Westover AFB (Massachusetts). Waren sie zuerst noch bestehenden Tanker- und Aufklärungseinheiten zugeordnet, gründete das Strategic Air Command zum 1. April 1970 eigenständige Staffeln für die PACCS-Flugzeuge, die Airborne Command and Control Squadrons (ACCS) und verteilte sie auf verschiedene weitere Stützpunkte der USA.

Vom 3. Februar 1961 bis zum 24. Juli 1990 befand sich ständig eine solche Looking-Glass-Maschine in der Luft. Nur zweimal, 1963 und 1972, wurde die Mission für längstens 20 Minuten unterbrochen, als jeweils ein erkranktes Besatzungsmitglied abgesetzt werden musste. Zumindest in den zwei Jahren bis zur Auflösung des Strategic Air Command am 1. Juni 1992 startete nur noch ein Einsatz pro Tag. Vier EC-135C legte die Luftwaffe 1992 und 1993 still und lagerte sie im 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) ein. Rund ein halbes Dutzend blieb noch bis Ende der 1990er-Jahre beim 7th ACCS des Air Combat Command in Offutt zur Unterstützung des United States Strategic Command im Dienst. Ab dem 1. Oktober 1998 übernahmen die Boeing E-6 TACAMO der US-Marine die Looking-Glass-Einsätze. Die MILSTAR-Ausrüstung wurde aus den EC-135C aus- und in die E-6A eingebaut, die daraufhin die Bezeichnung E-6B erhielten.

Weitere Verwendung mini|Inneneinrichtung einer EC-135 als Airborne Launch Control Center Eine weitere Besonderheit der EC-135C, EC-135G und einiger EC-135A war die Möglichkeit, von Bord aus ferngesteuert Starts von Interkontinentalraketen auszulösen, falls die Startzentralen am Boden etwa durch einen gegnerischen Angriff zerstört worden wären. Diese Airborne Launch Control Center (ALCC) waren am 31. Mai 1967 offiziell einsatzbereit. Während des Kalten Krieges hätten im Krisenfall zwei bis drei ALCCs über den Raketensilo-Feldern der USA gekreist und auf den Befehl gewartet, die Minuteman oder Peacekeeper zu starten.

Die EC-135C waren auch dafür ausgerüstet, im Ernstfall den Präsidenten, seinen Stellvertreter und den Verteidigungsminister (National Command Authority) an Bord zu nehmen. Sie fungierten als National Emergency Airborne Command Post (NEACP), also als Befehlszentrale für den Fall des Ausnahmezustands (state of emergency). Dafür hatten die Maschinen zusätzliche Funkgeräte zur besonders geschützten, verschlüsselten Kommunikation mit anderen Befehlsstellen. Drei dieser Flugzeuge ließ die Luftwaffe ab 1965 zu EC-135J modernisieren.

Eine EC-135C (USAF-Kennzeichen 63-8050) baute die Luftwaffe 1993 für das Air Force Materiel Command zu einem Testflugzeug für Laserwaffensysteme um. Ab 1993 war sie auf der Edwards Air Force Base stationiert. Im Oktober 1996 erhielt sie die Bezeichnung NKC-135B und wurde später auch Big Crow II genannt. Seit Anfang 2006 nennt die USAF sie NC-135E. Ihr Vorderrumpf trägt seither auf der Backbordseite eine komplett schwarze Lackierung, auf die eine weiße Rakete aufgemalt ist. Am Heck dieser „Rakete“ sind starke Licht- und Wärmequellen installiert, die den heißen Rückstoßstrahl einer Rakete simulieren. Von der Kirtland Air Force Base aus soll damit die Zieleinrichtung des Prototyps Boeing YAL-1A Airborne Laser getestet werden.

Eine weitere EC-135C (62-3582) wurde nach 1998 in WC-135C umbenannt und dient der Messung meteorologischer und atmosphärischer Daten. Die übrigen EC-135A und -C ließ die Luftwaffe entweder beim AMARC einlagern oder ebenfalls in andere Varianten umbauen.

EC-135B, -E und -N ARIA mini|EC-135E ARIA im USAF-Museum Anfang der 1960er Jahre begannen die US-Weltraumbehörde NASA und das Verteidigungsministerium mit dem Ausbau eines globalen Kommunikationsnetzes zur Unterstützung ihrer Raketen- und Satellitenprogramme, vor allem für die Apollo-Missionen zum Mond. Hierfür sollten Schiffe und Flugzeuge beschafft werden, die die Raumfahrzeuge orten, verfolgen und Sprech- und Datenfunk an das Kontrollzentrum weiterleiten. Die Luftwaffe stimmte im November 1964 zu, für diesen Zweck acht Jet-Transporter C-135A an die NASA weiterzugeben. Die USAF benötigte sie nicht mehr als Frachter, da die neue C-141 Starlifter zunehmend diese Aufgabe übernahm.

Im Rahmen der Pacer Liner genannten Umrüstung baute Douglas ab 1966 die Flugzeugzellen der C-135A um, während Bendix für die technische Ausstattung zuständig war. Die Maschinen erhielten ein großes Bugradom von drei Meter Durchmesser, die Snoopy-Nase. Sie beherbergte die damals größte bewegliche Antenne an Bord eines Flugzeugs, eine um zwei Achsen steuerbare Parabolantenne mit einem Durchmesser von 2,13 m. Sie war optimiert für die Übertragung von Sprechfunk und Telemetriedaten im P- und S-Band. Die über 13 Tonnen schwere Elektronik mit Bedienkonsolen auf dem Hauptdeck bestand aus mehreren Subsystemen: Sende- und Empfangsgeräte für verschiedene Frequenzen für den Kontakt mit Raumfahrzeugen und Bodenstationen, Datenverarbeitungsgeräte, Magnetband-Rekorder, Kameras und eine hochgenaue Rubidiumuhr. Vier Maschinen konnten die erweiterte optische Ausrüstung ALOTS (Airborne Lightweight Optical Tracking System) mitführen. Dafür konnte außen auf der Frachttür am linken vorderen Rumpf eine Kamera angebracht werden, die wegen ihrer stromlinienförmigen Verkleidung und Größe wie ein fünftes Triebwerk aussah. Nach der pro Maschine mindestens vier Millionen US-Dollar teuren Umrüstung bekamen die Flugzeuge die Bezeichnung EC-135N ARIA (für: Apollo Range Instrumentation Aircraft). Der Erstflug fand am 19. September 1966 statt. Die NASA stationierte die ARIAs auf der Patrick Air Force Base in Florida.

mini|Von einer EC-135N ARIA aus aufgenommenes Foto der Saturn-V-Rakete von Apollo 11 Zum ersten Mal gemeinsam zum Einsatz kamen die acht EC-135N im April 1968 bei Apollo 6. Eine typische ARIA-Mission begann rund eine Woche vor einem geplanten Raketenstart in Florida mit der Verlegung der EC-135 in ihre Einsatzgebiete. Zum Beispiel drei Maschinen zu den Bermudas für den Atlantik, zwei nach Hawaii für den Pazifik, während drei in Florida blieben, um den Golf von Mexiko in der Startphase abzudecken. Mindestens zwei Stunden vor dem Ende des Countdowns, starteten die ersten ARIAs und flogen vorausberechnete Routen ab, um stets eine optimale Funkverbindung sowohl zur Rakete als auch zu Bodenstationen oder Satelliten zu gewährleisten. Die pazifischen ARIAs stellten dann in der Regel nach dem Wiedereintritt der Landekapsel den ersten Funkkontakt zu den Astronauten her, so auch bei der riskanten Rückkehr von Apollo 13. In der Landephase beobachteten die EC-135N die Kapsel und konnten vor allem bei Abweichungen die Bergemannschaften zur Wasserungsstelle lotsen. Die ARIA-Flüge dauerten im Schnitt zehn Stunden. Die Besatzung bestand neben der vierköpfigen Cockpitcrew aus einem Einsatzleiter und 8 bis 18 Technikern.