Das 1. Buch der Könige (abgekürzt 1 Kön) ist ein Buch des (jüdischen) Tanach und des (christlichen) Alten Testamentes. In den Ostkirchen heißt es 3. Buch der Königreiche. Ursprünglich, in der wechselvollen Geschichte seiner Entstehung mit seinen mehrfachen Überarbeitungen, bilden das 1. und das 2. Buch der Könige (2 Kön) eine Einheit, also nur ein biblisches Buch. Bei der Beschreibung der Entstehungsgeschichte und seiner theologischen Inhalte ist es daher sinnvoll, die beiden Bücher zusammen zu betrachten.

Das Buch erzählt die Geschichte vom betagten König David und seinem Sohn Salomo, der ihm auf den Thron Israels folgt, als weiser Richter „salomonische Urteile“ fällt, dem Reich Wohlergehen und eine lange, 40-jährige Friedenszeit beschert (Salomo von hebräisch schalom) und für Israel den ersten Tempel auf dem Berg Moria in Jerusalem bauen lässt. Nach dem Tode Salomos zerfällt das seit David bestehende Reich in ein Nordreich (Israel) und ein Südreich (Juda). Könige kommen und gehen, die Propheten Elija und Elischa treten auf. Das erste Buch der Könige endet – etwas abrupt – damit, dass Ahasja, der Sohn Ahabs, König über Israel wird und wie schon sein Vater dem Gott Baal und nicht JHWH dient.

Teilung und Bezeichnung des Buches der Könige Der Schluss von 2 Kön () legt nahe, dass die beiden Bücher der Könige zusammen nur ein Buch darstellen sollen. Diese Annahme belegt auch die inhaltlich kaum begründbare Zäsur am Ende vom 1. Buch, die vom Erzählverlauf nicht gerechtfertigt ist, da hier die Geschichte Ahasjas von Israel in zwei Teile (1 Kön und ) unterbrochen wird.

Erstmals findet sich diese Aufteilung des Königsbuches in zwei Bücher im 3./2. Jahrhundert v. Chr. bei den Übersetzern der Septuaginta (LXX), wo sie, wie bei dem Buch Samuel, technisch, nämlich vom Umfang der Buchrollen motiviert war. Dass die Königsbücher ursprünglich eine Einheit bildeten, belegen die Angaben über die Zahl der biblischen Bücher bei Flavius Josephus (Ap. 1,8) und im babylonischen Talmud (BB 14b). Die Aufteilung der Septuaginta wurde später in die Vulgata und im 15./16. Jahrhundert in die hebräische Bibel übernommen.

In der LXX werden die Samuel- und die Königsbücher (1 Sam, 2 Sam, 1 Kön und 2 Kön) als die „vier Bücher der Königsherrschaften (bzw. Königreiche)“ (1. bis 4. Buch) bezeichnet. Dieser Name wurde von den christlichen Ostkirchen und der Vulgata übernommen.

Einordnung des Buches in den biblischen Kanon Die hebräische Bibel, der Tanach, zählt die Bücher der Könige zu den Prophetenbüchern (Nevi’im), während es im christlichen Kanon des Alten Testaments in die Bücher der Geschichte eingeordnet wird. Der Tanach unterscheidet die „vorderen“ und die „hinteren“ Propheten. Zu den vorderen Propheten zählt er die Bücher Josua, Richter, Samuel und Könige, die hinteren Propheten bilden die Bücher Jesaja, Jeremia und Ezechiel sowie die Propheten des Zwölfprophetenbuches (Dodekapropheton).

Zunächst geht es im Josuabuch um die historisch nicht belegbare Landnahme der Zwölf Stämme Israels. Darauf folgt die Richterzeit und dann die Königszeit, die für Israel bzw. Juda im Jahre 587 v. Chr. mit dem Babylonischen Exil endet. Die Zeit der Monarchie in Israel bzw. Juda, die in den Samuel- und Königsbüchern beschrieben wird, dauert demnach etwa 400 Jahre, angefangen bei den Königen Saul (um 1020 v. Chr.), David und Salomo. Im Jahr 926 v. Chr. erfolgt die Reichsteilung in Nord- und Südreich (Israel und Juda), und 722 v. Chr. wird das Nordreich von den Assyrern erobert und geht unter. Das Königreich Juda besteht bis zu König Jojachin, der im Jahr 587 v. Chr. mit der judäischen Oberschicht ins Exil nach Babylon gehen muss.

Aufbau Die drei Hauptabschnitte Die Bücher der Könige beginnen im ersten Teil mit dem betagten König David, dessen Sohn Salomo ihm auf dem Thron folgt. Nach Salomos Tod erzählt der zweite Hauptteil die Geschichte der getrennten Reiche. Im dritten Teil wird die Geschichte der Könige Juda (Südreich mit Jerusalem) behandelt, die (in ) mit der Begnadigung Jojachins endet.

Jeder der drei Hauptteile enthält eine Rahmung sowie Leitwörter bzw. Leitmotive, die das Buch gliedern.

1. Geschichte Salomos (1 Kön – ) Rahmung: König David war alt … (1 Kön ); Salomo entschlief zu seinen Vätern (1 Kön ) Leitmotive: Salbung Salomos; Salomo saß auf seinem Thron; die Herrschaft war fest in seiner Hand. 2. Geschichte der getrennten Reiche (1 Kön – 2 Kön ) Rahmung: Rehabeam soll König über Israel werden; Was die Väter taten, tun auch die Kinder Leitmotive: Die Sünde Jerobeams; der Höhenkult 3. Geschichte der Könige Judas (2 Kön – ) Rahmung: Hiskija wurde König von Juda; Jojachin wird begnadigt. Leitmotive: Er tat, was dem Herrn gefällt; Er tat, was dem Herrn missfiel.

Die sich auf das ungeteilte Reich und auf das Reich Juda beziehenden Teile weisen starke Parallelen zur ersten Hälfte des 2. Chronikbuches auf, inhaltlich sind sie aber merklich kritischer.

Gliederung 1. Geschichte Salomos (1 Kön 1,1 – 11,43) Kapitel Überschrift gemäß der Elberfelder Bibel Adonijas Versuch, König zu werden Salomos Salbung zum König Adonijas Unterwerfung Davids letzter Wille und Tod Salomos Urteil über Adonija, Abjatar, Joab und Schimi Salomos Heirat – Sein Gebet um Weisheit – Gottes Verheißung Salomos weises Urteil – Salomonisches Urteil Salomos Beamte und Dienstleute Salomos Macht und Weisheit Salomos Vertrag mit Hiram – Vorbereitungen zum Tempelbau Salomos Tempelbau Salomos Paläste Tempelausstattung Tempelweihe – Salomos Ansprache, Gebet und Festopfer Gottes Antwort auf Salomos Gebet Salomos Gabe an Hiram – Salomos Zwangsarbeiter, Festungsbauten, Vorratsstädte und Schifffahrt Die Königin von Saba bei Salomo Salomos Reichtum Salomos Vielweiberei und Götzendienst Salomos Widersacher und Tod

2. Geschichte der getrennten Reiche (1 Kön 12,1 – 2 Kön 17,41) Kapitel Überschrift gemäß der Elberfelder Bibel Rehabeams Torheit – Teilung des Reiches – Jerobeam Jerobeams Götzendienst Weissagung gegen Jerobeam durch den Mann Gottes aus Juda – Ungehorsam und Tod des Propheten Gerichtsandrohung Ahijas gegen Jerobeam und dessen Ende Rehabeam von Juda Abija von Juda Asa von Juda Nadab von Israel – Bascha von Israel Ela von Israel und die Verschwörung Simris – Simris Ende Omri von Israel – Ahab von Israel – Sein Götzendienst und Elias Gerichtsandrohung Elia am Bach Krit und in Zarpat Elias Begegnung mit Obadja und Ahab Elia und die Propheten des Baal auf dem Karmel Elias Flucht vor Isebel und Begegnung mit Gott am Horeb Berufung Elisas Ahabs Siege über Aram – Bund mit dem König von Aram Ahabs Bund mit dem König der Aramäer – Gottes Gerichtsandrohung Ahabs Gewalttat an Nabot – Elias Strafrede und Ahabs Buße Ahabs und Joschafats Kriegsabsichten – Weissagung des Micha Gemeinsamer Krieg Ahabs und Joschafats – Joschafats Rettung und Ahabs Tod Ahasja von Israel  Die Fortsetzung dieser Gliederung findet sich im Artikel: 2. Buch der Könige

Die Königsdarstellungen Die Darstellung der israelitischen und judäischen Könige weist einen stereotypen Rahmen auf, der ein Charakteristikum für die Art der Geschichtsschreibung in den Königsbüchern ist. Dieser Rahmen ist als Erzählgerüst um die Beschreibungen der individuellen Taten der Könige gelegt. Weder bei König Saul noch bei König David gibt es bereits Elemente eines solchen Darstellungsrahmens, aber bei Salomo (1 Kön und folgende) ist der Schluss gerahmt. Wo ausführlichere Erzählungen aus dem Leben von Königen vorliegen (Jerobeam I, Jehu), können Elemente der Erzählstruktur fehlen. Bei der judäischen Königin Atalja fehlt die Rahmenstruktur komplett, wodurch zum Ausdruck gebracht wird, dass ihr die Rechtmäßigkeit ihrer Herrschaft verweigert wird.

Rahmen der Königsdarstellung (nach Zenger, Einleitung) Könige Judas Könige Israels Einleitung – Synchronische Datierung – Alter bei der Thronbesteigung – Regierungsdauer – Name der Königsmutter – Religiöse Beurteilung Einleitung – Synchronische Datierung – Regierungsdauer – Religiöse BeurteilungSchluss – Quellenlage – Todesnotiz – Bestattung(-sort) – Nachfolger Schluss – Quellenlage – Todesnotiz – Nachfolger

Die Prophetendarstellungen Die unterschiedlichen Propheten im Königsbuch sind die von JHWH gesandten Mahner, die den Königen den Untergang ihrer Herrschaft und des Landes ankündigen. Die Darstellung ihres Auftretens bzw. ihrer Wirkung unterliegen einer gewissen Stereotypie, deren vier gestalterische Elemente Wortereignisformel/Botenformel (1), Begründung (2), Drohung (3) und Erfüllung (4) sind. Mit dem Auftreten der Propheten wird theologisch (s. u. Schwerpunkte der Theologie) das Funktionieren des göttlichen Wortes in der Geschichte aufgezeigt.

Neben Elija und Elischa (s. u.) werden in den Königbüchern die folgenden Propheten erwähnt: Ahija von Schilo (auch Ahia von Silo) (1 Kön ; ; ; ) Semaja (1 Kön ) ungenannter Prophet (1 Kön –) (tritt auf gegen den Altar von Bethel) Zedekia (1 Kön ; ), der gegen einen weiteren Propheten, Micha ben Jimla, antritt Jesaja ( = )

Elija Erwähnung im Königsbuch: 1 Kön ; und ; darüber hinaus in anderen biblischen Büchern (siehe Artikel: Elija).

Der Nordreichprophet Elija ist während der Zeit der Könige Ahab und Ahasja tätig gewesen, also etwa zwischen 870 und 850 v. Chr. Er gehört zu den Wanderpropheten, die weder mit einem Heiligtum verbunden sind, noch in einer Prophetengemeinschaft lebte. Es gibt vier Erzählungen mit geschichtlichem Hintergrund: Die Erzählung von Dürre und Regenspenden, vom Gottesurteil auf dem Karmel, vom Justizmord an Nabot und von der versuchten Einführung des absoluten Königtums. Dass Elia mit seinen Ansichten beim Königshaus nicht durchgedrungen ist, zeigt die Erzählung von der Orakelbefragung.

Botschaft Elija verteidigte die grundlegenden Elemente des JHWH-Glaubens: Die Anerkennung des alleinigen Herrschaftsanspruchs JHWHs, die Bewahrung der Rechte des Untertanen (gegenüber dem König) und die Forderung, sich in Sorge um Gesundheit und Leben an JHWH zu wenden. Um den Glauben und das Staatswesen lebensfähig zu erhalten und zugleich Synkretismus zu vermeiden, führt er neue Elemente für den Glauben des Volkes Israel ein: Es ist nicht der Gott Baal, der dem Land Regen und Fruchtbarkeit gewährt, sondern JHWH. Der Mensch begegnet Gott hier nicht (mehr) in kriegerischen Auseinandersetzungen (Herr der Heerscharen / JHWH Zebaot / Heiliger Krieg) und auch nicht in furchteinflößenden Naturerscheinungen (Sturm, Erdbeben, Feuer), sondern in der Stille (Kontemplation / Meditation).

Theophanie am Gottesberg Horeb (1 Kön 19,11–13)

Elischa Überlieferung im Königsbuch: 1 Kön , ; ; – und ; zu berücksichtigen ist auch – Revolution Jehus.

Der Nordreichprophet Elischa hat im Unterschied zu Elija eine Prophetengemeinschaft um sich geschart, mit der er überwiegend an einem Ort wohnte. Er stand dem König sehr nahe und besaß politischen Einfluss, den er beispielsweise zur Hilfe für Notleidende geltend machen konnte.

Entstehung Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass das Buch der Könige unterschiedliche Entstehungsstadien durchlief. Die christlichen Exegeten sind sich aber uneins, wie die Bildung des Königsbuches tatsächlich vonstattenging.

Manche Forscher plädieren für ein Schichtenmodell, wonach das Buch in mehreren, zeitlich voneinander entfernten Schichten überarbeitet worden ist. Andere bevorzugen ein Blockmodell, das im Bibeltext verschiedene Redaktionsblöcke ausmachen will. Wieder andere versuchen beide Modelle zu kombinieren oder lehnen beide Modelle ab.

Eine zeitliche Einordnung scheint schwierig. Jahreszahlen für eine erste, zweite und dritte Redaktion des Buches oder Teilen davon werden beispielsweise mit 580 (nach 586), 550 und 500 v. Chr. angegeben. Je nach Entstehungsthese variieren die angenommenen Zeiten.

Eine grobe Einordnung, die als zeitlicher Rahmen für die Entstehung des Königsbuches angegeben werden kann, ist die Zeit des Exils und die Jahrzehnte danach.

Historischer Kontext