300px|mini|Der Name des Spieles Canasta (span.: Korb) leitet sich davon ab, dass die Karten des Stoßes und des Ablegestapels in einen sog. Kartenkorb (Canasta tray) gelegt werden. Auf diesem Bild enthält der Ablegestapel eine wilde Karte und ist somit eingefroren. Canasta (von span. canasta: Korb) ist ein Kartenspiel für vier Personen in zwei Partnerschaften; es existieren auch Varianten für zwei, drei, fünf oder sechs Personen. Es handelt sich um ein Spiel, das vom klassischen Rommé abgeleitet wurde und es wird mit 108 französischen Spielkarten (2×52 Blatt plus 4 Joker) gespielt. Ziel des Spiels ist es dabei, Gruppen von Karten mit gleichem Wert zu bilden und dann zum Abschluss alle Karten auf der Hand auszuspielen oder abzulegen.

Meint man das Spiel, so ist Canasta sächlich (das Canasta), meint man jedoch die Meldung von sieben gleichrangigen Karten, so wird meistens der männliche Artikel (der Canasta) gesetzt. Das spanische Wort canasta ist hingegen feminin (la canasta).

Geschichte Laut der Schilderung von Philip E. Orbanes in The Canasta Story wurde Canasta im Jahre 1939 vom Rechtsanwalt Segundo Santos und seinem Bridge-Partner im Jockey Club in Montevideo in Uruguay, dem Architekten Alberto Serrato, entwickelt. Von hier kam es nach Argentinien, wo es „in Form gebracht“ wurde. Anfang der 1940er verbreitete es sich bald über Uruguay und Argentinien hinaus. Josefina Artayeta de Viel brachte das Spiel 1949 nach New York, über die USA gelangte das Spiel nach Großbritannien und auf den europäischen Kontinent. Laut John Scarne wurde die Erfolgsstory des Spiels eine der größten in der Kartenspielgeschichte, der Hype überstieg selbst den von Mah-Jongg in den 1920ern und den von Contract Bridge in den 1930ern. In den 1950er Jahren war Canasta noch vor Bridge das am häufigsten gespielte Kartenspiel in den Vereinigten Staaten und es entwickelten sich gerade zu Beginn der 1950er zahlreiche Varianten in den USA und in Lateinamerika, die mit Namen wie „Samba“, „Bolivia“, „Yucatan“, „Chile“ oder „Mexikana“ bezeichnet wurden. Für das brasilianische Samba wurde dabei auch ein eigener Kartensatz entwickelt.

Nach Hugo Kastner sei es eines der „wenigen ‚erfundenen‘ Spiele, das, zumindest für einige Jahre, in den USA und in Europa fast eine Hysterie ausgelöst“ habe. Er schreibt zudem, dass eine Legende besage, „dass Canasta die Antwort der Damen von Montevideo auf die Pokermanie der Herren war.“

John R. Crawford und Oswald Jacoby, zwei sehr erfahrene Bridge- und Backgammon-Spieler, verfassten Anfang der 1950er Jahre vielgelesene Werke zur Spielstrategie für Canasta. Um für ihre Bücher zu werben, forderten sie im Januar 1950 zum Great Canasta Challenge Match für gemeinnützige Zwecke heraus, in dem sie das Team aus Sam Fry Jr. und Theodore A. Lightner besiegten. Binnen weniger Jahre entstanden zahlreiche Varianten, darunter als eine der bekanntesten das Samba-Canasta mit drei Kartenpaketen oder jeweils Varianten mit leichten Unterschieden, die etwa in Uruguay, Brasilien, Bolivien, Mexiko und in anderen Staaten gespielt werden. Zudem gibt es Varianten für eine veränderte Spielerzahl, in der Zählweise der Punkte und in weiteren Details des Spiels.

Kastner schreibt den großen Erfolg des Spiels vor allen den „relativ einfachen Regeln, der großen Spannung, die meist bis zur letzten Karte anhält, und der für Sammelspiele ungewöhnlichen Möglichkeit, in Partnerschaften zu je zwei Personen zu spielen zu.“

Spielregeln für das Regular Partnership Canasta Die folgende Beschreibung stützt sich auf die Official Canasta Laws, welche der angesehene New Yorker Regency Whist Club gemeinsam mit Spielexperten aus Südamerika in den Jahren 1949/51 verfasste und die von den National Canasta Laws Commissions der USA und Argentinien herausgegeben wurden. Diese gilt als Regular Partnership Canasta für das Spiel mit vier Personen. Diese Regeln werden in zahlreichen Regelbüchern wiedergegeben, wir folgen hier im Wesentlichen der Darstellung von Hugo Kastner aus dem Jahr 2005.

Die Originalregeln sehen auch Regeln für das Spiel um Geld vor: die Partei mit der geringeren Punktezahl zahlt demnach nach dem Spiel an die gewinnende Partei einen der Punktedifferenz entsprechenden Betrag. Das Spiel um Geld ist allerdings nicht mehr üblich. Für das Spiel werden traditionelle Karten genutzt, es gibt jedoch auch spezielle Karten mit aufgedruckten Punktewerten für das Canasta-Spiel.

Spielziel Canasta wird mit einem Spielkartenset aus 108 französischen Karten (2×52 Blatt plus 4 Joker) gespielt. Es ist ein Spiel, bei dem jeweils zwei Spieler als Partner gegen ein anderes Team spielen. Ziel des Spiels ist es, durch Meldungen gleichrangiger Karten möglichst viele Punkte zu machen. Vor allem der namensgebende „Canasta“, ein Set aus sieben gleichrangigen Karten, ist dabei besonders wertvoll und die Auslage von mindestens einem Canasta im Team ist zum Beenden der Runde notwendig. Ein Spiel endet, wenn ein Spieler nach Rückfrage bei seinem Spielpartner alle Karten aus seiner Hand abspielt.

Vorbereitungen Vor Beginn einer Partie werden die Partnerschaften (Parteien) gelost; jeder Spieler zieht eine Karte, die beiden höchsten Karten bilden ein Team gegen die beiden niedrigeren. Sollten zwei oder mehr Spieler gleichrangige Karten ziehen, so gilt die vom Bridge her bekannte Reihung der Farben, also Kreuz oder Treff (♣) gilt als niedrigste Farbe, gefolgt von Karo (♦), Herz (♥) und Pik (♠).

Der Spieler mit der höchsten Karte ist Vorhand im ersten Spiel; sein Partner sitzt gegenüber; sein Nachbar zur Rechten teilt die Karten für das erste Spiel aus, das Austeilen wechselt nach jedem Spiel im Uhrzeigersinn.

Der Geber mischt, lässt abheben und teilt aus. Jeder Spieler erhält einzeln hintereinander elf Karten, die verbleibenden Karten bilden den Stoß oder Talon und werden verdeckt als Stapel in die Mitte des Tisches gelegt. Die oberste Karte des Talons wird als erste Karte des Abwurfstapels aufgedeckt und daneben gelegt. Ist diese Karte ein Joker, ein Zweier oder ein roter oder schwarzer Dreier, so wird solange eine weitere Karte darübergelegt, bis eine natürliche Karte (eine Karte mit Wert von Vier bis Ass, s. u.) aufliegt.

Die Karten und ihre Bewertung Die Kartenwerte

In dem Spiel unterscheidet man verschiedene Kartentypen: Die Joker und Zweier nennt man wilde Karten, die roten Dreier sind Prämienkarten, schwarze Dreier sogenannte Sperrkarten. Alle anderen Karten mit den Werten Vier bis Ass nennt man natürliche Karten.

Die Karten werden wie folgt bewertet: Echter Joker 50 Punkte Ass, Zwei 20 Punkte König, Dame, Bube, Zehn, Neun, Acht 10 Punkte Sieben, Sechs, Fünf, Vier, schwarze Drei (♠ 3, ♣ 3) 5 Punkte Je nach Spielsituation können die Kartenwerte positiv wie auch negativ gewertet werden. Die roten Dreier (♥ 3, ♦ 3) werden gesondert bewertet (s. u.).

Die roten Dreier Erhält ein Spieler beim Austeilen oder später beim Kauf vom Stoß einen roten Dreier, so legt er diesen offen vor sich und nimmt dafür vom Stoß eine Ersatzkarte. Für einen roten Dreier, der mit dem Paket gekauft wird (vgl. Kauf des Pakets), wird keine Ersatzkarte gezogen.

Bei der Abrechnung eines Spiels zählt jeder rote Dreier 100 Pluspunkte, wenn die Partei Karten gemeldet hat, bzw. 100 Minuspunkte, falls die Partei keine Erstmeldung machen konnte. Hat eine Partei alle vier roten Dreier, so werden diese mit 800 Punkten insgesamt (plus oder minus, je nachdem). Behält allerdings jemand einen roten Dreier auf der Hand, so werden ihm nach Ende des Spiels 500 Punkte abgezogen, vorausgesetzt der Spieler war mindestens einmal am Zug.

Schwarze Dreien

Die schwarzen Dreien (♣3 und ♠3) nehmen im Canasta eine Sonderstellung ein. Sie können grundsätzlich nicht zusammen mit anderen Karten zu einer normalen Meldung ausgelegt werden. Werden schwarze Dreien auf den Ablagestapel gelegt, haben sie eine Sperrwirkung und verhindern, dass der nächste Spieler den Ablagestapel aufnehmen kann. Werden schwarze Dreien zum Beenden des Spiels ausgelegt, müssen sie einzeln ausgelegt werden und dürfen nicht gemeinsam mit anderen Karten ausgelegt werden.

Sperrkanasta

Als optionale Sonderregel kann ein Sperrkanasta aus allen vier schwarzen Dreien und den Jokern gebildet werden. Hierzu werden alle vier schwarzen Dreien zusammen mit der Anzahl an Jokern ausgelegt, die erforderlich ist, um insgesamt sieben Karten zu erhalten. Ein vollständiger Sperrkanasta besteht somit aus vier schwarzen Dreien und drei Jokern. Der Sperrkanasta wird mit 1.000 Punkten gewertet. Er hat darüber hinaus keinen weiteren Einfluss auf das Spiel und verändert insbesondere weder die Sperrwirkung schwarzer Dreien noch die Möglichkeit, den Ablagestapel aufzunehmen. Die Bildung eines Sperrkanastas ist eine optionale Sonderregel und muss vor Beginn des Spiels vereinbart werden.

Das Spiel

Karte nachziehen vom Stoß optional: Melden: Kartensets auslegen Paket kaufen Ausmachen / Beenden Karte ablegen

Wenn ein Spieler am Zug ist, so beginnt er sein Spiel, indem er die oberste Karte vom Stoß aufnimmt. Sodann darf er Karten melden (unter Beachtung der u. a. Regeln), und er beendet sein Spiel, indem er eine Karte ablegt, d. h. offen zuoberst auf das Paket legt.

NB: Beim Ablegen ist darauf zu achten, dass immer nur die oberste Karte sichtbar ist.

Das Melden Für eine Meldung legt ein Spieler ein Set aus mindestens drei Karten offen aus; dies muss zumindest zwei natürliche Karten und darf höchstens drei wilde Karten enthalten. Nutzt der Spieler eine vierte wilde Karte, ist das ein Verstoß gegen die Regeln und er muss diese zu einer anderen Meldung legen oder abwerfen. Sets aus Schwarzen Dreiern dürfen nur am Ende beim „Ausmachen“ gemeldet werden, im Spiel werden sie als Sperrkarten genutzt.

mini|hochkant|Ein reiner Canasta (sieben 7er) und ein gemischter Canasta (8er-Canasta mit drei wilden Karten) Eine Meldung von sieben gleichrangigen Karten nennt man einen Canasta. Enthält ein Canasta wilde Karten, so ist es ein gemischter Canasta und wird mit 300 Punkten bewertet. Besteht der Canasta aus sieben natürlichen Karten, so handelt es sich um einen reinen Canasta, der mit 500 Punkten prämiert wird. Ist ein Canasta vollständig, wird er zusammengeschoben. Bei einem reinen Canasta wird eine rote Karte offen nach oben gelegt, bei einem gemischten eine schwarze Karte.

Ein Spieler kann im weiteren Spielverlauf weitere Karten desselben Ranges an eigene Meldungen des Teams anlegen, allerdings diese weder als neues Set eröffnen noch an Meldungen der gegnerischen Partei anlegen; es darf also nur ein Set bzw. Canasta desselben Wertes pro Team gebildet werden, Karten können jedoch auch über die siebte Karte hinaus an einen bestehenden Canasta angelegt werden. Eine angelegte, gemeldete Karte darf nicht mehr in die Hand zurückgenommen werden; auch ist es nicht gestattet, wilde Karten von einer Meldung zu einer anderen zu verschieben.

Bei der ersten Meldung müssen die gemeldeten Karten insgesamt einen bestimmten Mindestwert erreichen, der von der Punktezahl der laufenden Partie abhängig ist:

Punkte der Partei Limit für die Erstmeldung < 0 Punkte(negative Punktzahl) 15 Punkte 0 bis 1495 Punkte 50 Punkte 1500 bis 2995 Punkte 90 Punkte 3000 bis 4995 Punkte 120 Punkte

Prämienpunkte für rote Dreier oder Canasta (vgl. Abrechnung eines Spieles) zählen nicht zum Limit für das erste Herauslegen.

Kauf des Pakets