mini|Amorbach von Südosten nach Nordwesten mini|300px|Stadtkern von Amorbach mit Gotthardsberg und Gotthardsruine
Amorbach [] ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg mit knapp 4000 Einwohnern.
Geographie Geographische Lage Amorbach liegt im Odenwald in waldreicher Umgebung in dem in Süd-Nord-Richtung zum Main führenden Mudtal. Der topographisch höchste Punkt der Stadt befindet sich mit am Gipfel der Boxbrunner Höhe, der niedrigste liegt an der Mud auf .
Naturräumliche Zuordnung Naturräumlich gehört Amorbach zur Haupteinheit Sandsteinodenwald, die nach der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (gemäß Meynen/Schmithüsen et al.) Teil der Haupteinheitengruppe Odenwald, Spessart und Südrhön ist.
Gemeindegliederung Amorbach hat elf Gemeindeteile (in Klammern der Siedlungstyp):
Neudorf und Reichartshausen bilden eine östlich vom übrigen Gemeindegebiet gelegene Exklave.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Amorbach, Beuchen, Boxbrunn i.Odenwald, Otterbach, Reichartshausen (Gemarkungsteil 0) und Weilbach (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Amorbach liegt hat eine Fläche von 26,504 km². Sie ist in 4237 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6255,47 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Amorsbrunn, Pulvermühle und Walkmühle.
Geologie und Böden Amorbach wird durch triassischen, festländisch abgelagerten Sandstein des Buntsandsteins bestimmt. Im Stadtgebiet kommen Schichten des Unteren Buntsandsteins, des Mittleren Buntsandsteins und des Oberen Buntsandsteins vor. Der tiefrote Buntsandstein prägt nicht nur die Landschaft von Amorbach, sondern verleiht auch einer Vielzahl an historischen Gebäuden und Flurdenkmälern ihr charakteristisches Äußeres. Im Mudtal wurden Flussschotter und Kiese im Quartär abgelagert. In den Auenbereichen der Mud bildeten sich Vegaböden aus und auf den Sandsteinstandorten des profilierten Landschaftsraumes sind Braunerdeböden als prägender Bodentyp vorherrschend.
Klima Die Stadt liegt in der kühl-gemäßigten Klimazone und weist ein humides Klima auf. Der Landschaftsraum von Amorbach befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Nach der Klimaklassifikation von Köppen/Geiger zählt Amorbach zum warmgemäßigten Klima (C-Klima). Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt in Amorbach 813 Millimeter. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 66 Prozent der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der September, die meisten Niederschläge fallen im Monat Dezember mit 1,5 mal so viel wie im September. Die Niederschläge variieren nur minimal und sind extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 5 Prozent der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
Flächennutzung + Flächennutzung Amorbach 2017 Nutzung HektarWohnbaufläche 82Industrie- und Gewerbefläche 37Verkehrsfläche 179Waldfläche 3573Landwirtschaftliche Fläche 1077Fläche der Gewässer 12Gesamtfläche 5090 Die Stadt ist aufgrund ihrer Lage und Struktur ländlich geprägt. Dies spiegelt sich in der Flächennutzung der Kommune wider. Wald, Wiesen und Ackerflächen (Vegetationsflächen) bilden zusammen 92,4 Prozent der Stadtfläche, wie die Flächennutzungstabelle zeigt. Die Kommune weist einen sehr hohen Anteil an Waldflächen auf, der bei 70,2 Prozent liegt. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen nehmen mit 21,2 Prozent einen deutlich geringeren Anteil des Stadtgebiets ein. Der Anteil der Wohnbauflächen umfasst hingegen lediglich 1,6 Prozent. Industrie- und Gewerbeflächen nehmen einen vergleichsweise geringen Flächenanteil von Amorbach in Höhe von 0,8 Prozent ein. Der Verkehrsflächenanteil liegt bei 3,5 Prozent.
Schutzgebiete Landschaftsschutzgebiet Der Landschaftsraum der Stadt Amorbach ist als Landschaftsschutzgebiet unter Schutz gestellt. Das 30.541 Hektar große Schutzgebiet Landschaftsschutzgebiet innerhalb des Naturparks Bayerischer Odenwald (LSG-00562.01) erstreckt sich über zwei Landkreise.
Natura-2000-Gebiet Die Täler der Odenwald-Bäche um Amorbach sind als Bestandteil des europäischen Netzwerks Natura 2000 an die Europäische Kommission gemeldet (Nr. 6321-371). Das Gebiet der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie umfasst 552 Hektar und weist vier geschützte Lebensraumtypen auf. Neben feuchten Hochstaudenfluren (6430) kommen magere Flachland-Mähwiesen (6510), Weichholzauenwälder mit Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) und Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) (91E0) sowie Fließgewässer mit flutender Wasservegetation (3260) vor. Das Bachsystem im Sandsteinodenwald und die offenen Hangbereiche zeichnen sich durch eine charakteristische Artenausstattung bestehend aus Groppe (Cottus gobio), Bachneunauge (Lampetra planeri) sowie Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Glaucopsyche nausithous) und Hellen Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling (Glaucopsyche teleius) aus.
Naturpark Amorbach ist in dem 39.950 Hektar großen Naturpark Bayerischer Odenwald (BAY-01) gelegen. Der vielfältige Landschaftsraum mit seiner typischen Naturausstattung wurde wegen seiner Erholungseignung im Jahre 1982 unter Schutz gestellt. Es sollen dem Schutzzweck entsprechend Landschaftsteile der Allgemeinheit zugänglich gemacht und erhalten werden. Die Bewahrung des für den bayerischen Odenwald charakteristischen Landschaftsbildes in Form seiner Schönheit, Vielfalt und Eigenart ist ein weiterer Schutzzweck, neben der Sicherung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.
Naturdenkmäler Die Zittenfeldener Quelle ist eine als Naturdenkmal ausgewiesene Quelle. mini|Kloster Amorbach 1735
Geschichte Frühere Schreibweisen aus diversen historischen Karten und Urkunden lauten auf Amerbach (Jahr 993) oder Ammerbach (1144). Erst um 1200 wandelte sich der Name in Amorbach.mini|Amorbach um 1800 mini|Fürstentum Leiningen
Ursprünglich entstand der Ort aus dem Benediktinerkloster Amorbach, das sich nach und nach zu einem Ort entwickelte, der 1253 zur Stadt erhoben wurde. In späteren Jahren wechselte die im Grenzgebiet von Hessen, Bayern und Baden-Württemberg gelegene Stadt mehrmals den Landesherrn. Sie gehörte vor 1803 lange zu Kurmainz und somit auch zum Kurrheinischen Reichskreis. Zwischen 1803 und 1806 war sie Residenzstadt des Fürstentums Leiningen. Erst 1816 wurde Amorbach bayerisch (Vgl. auch Vertrag von München (1816)). Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. In Amorbach existierte um 1600 ein mittelalterliches Leprosorium, das als „Siechenhaus“ benannt war.
Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Miltenberg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Amorbach lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Amorbach war nun eine der 31 Gemeinden im Altkreis Miltenberg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Obernburg am Main zum neuen Landkreis Miltenberg zusammen.
Von 1965 bis 2015 war Amorbach als Luftkurort anerkannt.Chronik der Stadt Amorbach
Am 1. April 1973 wurde die Gemeinde Boxbrunn im Zuge der Gebietsreform in Bayern eingegliedert. Am 1. Januar 1975 kam von der aufgelösten Gemeinde Beuchen, die bis 1870 Beuchen-Zittenfelden hieß, der Gemeindeteil Beuchen hinzu, während Zittenfelden dem Markt Schneeberg zugesprochen wurde. Reichartshausen kam am 1. Januar 1976 hinzu.
Einwohnerentwicklung Die Bevölkerungsentwicklung war zwischen 1840 und 2017 leicht positiv. Lebten 1840 noch 3614 Bürger in Amorbach, waren es 2017 bereits 3958 Einwohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen starken Zuzug in die Kommune und im Jahre 1950 zählte die Stadt Amorbach mit 4640 Menschen die höchste Einwohnerzahl. Danach war die Einwohnerentwicklung tendenziell rückläufig. Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Einwohner 3614 3003 2723 2974 2884 4640 4443 4481 4273 3988 3956 3904 4011 3975 4004 3966 3984 3987 3958
Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 4230 auf 3990 um 240 Einwohner bzw. um 5,7 %. 1992 hatte Amorbach einen Stand von 4359 Einwohnern erreicht.
Quelle: Einwohnerzahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik
Politik
Stadtrat Die Sitzverteilung im Stadtrat nach der Kommunalwahl vom 8. März 2026 ist in nebenstehendem Diagramm dargestellt:
Bürgermeister An der Gemeindespitze steht als 1. Bürgermeister seit 22. Dezember 2006 Peter Schmitt (CSU); 2012 wurde er mit 95,3 % wiedergewählt; 2020 mit 93,67 %; 2026 mit 91,9 %. Seine Stellvertreter sind als 2. Bürgermeister Wolfgang Härtel (SPD) und als 3. Bürgermeister Bernhard Springer (CSU).
Wappen
Städtepartnerschaften , Region Auvergne-Rhône-Alpes, Frankreich, seit 1967
Kultur und Sehenswürdigkeiten Pfarrkirche St. Gangolf mini|Pfarrkirche St. Gangolf und Marktplatz in Amorbach
St. Gangolf, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende katholische Pfarrkirche, ist vor allem für die Deckenmalereien und die Orgel bekannt.
Fürstlich-Leiningensches Palais Amorbach
mini|Sammlung Berger mit Teekannenmuseum mini|Ehemalige Schlossmühle mini|Häuserzeilen am Fluss
Museen Einmalig, zumindest im europäischen Raum, war das Museum Sammlung Berger mit Teekannenmuseum. Neben Exponaten moderner Kunst von Arman, Michael Buthe, Chagall, Christo, Keith Haring, Otto Reichart, Rebecca Horn, Yves Klein, Roy Lichtenstein, Nam June Paik, Niki de Saint-Phalle, H. A. Schult, Daniel Spoerri, Ben Vautier, Dick Higgins und anderen zeigte das Museum die größte Teekannensammlung Europas mit 2467 figürlichen Teekannen aus aller Welt und rund 500 Miniaturteekannen. Seit Ende 2017 ist das Museum jedoch von dem privaten Besitzer geschlossen worden (nach Auskunft der Tourist Information Amorbach).
Zehntscheuer Die Zehntscheuer, 1488 erbaut, hat seit fünf Jahrhunderten eine zentrale Bedeutung für die Stadt. Ursprünglich für die Aufbewahrung der Naturalsteuer Zehnt des Mainzer Kurfürsten erbaut, wurde sie in den 1960er Jahren nach umfassenden Umbauarbeiten als Kino betrieben.
Der Kulturkreis Zehntscheuer Amorbach e. V., der das Gebäude 1991 zur Kleinkunstbühne umgestaltete, hat sich neben dem angebotenen Programm zur Aufgabe gemacht, das im historischen Stadtkern gelegene Gebäude zu erhalten und zu renovieren. Der Kauf der Zehntscheuer erfolgte im Jahr 2001. In den vergangenen Jahren wurden nach und nach die Toilettenanlagen modernisiert und erweitert, der aus Kinozeiten stammende schräge Fußboden wurde begradigt sowie der komplette Innen- und Außenputz samt Anstrich saniert bzw. erneuert. Ebenfalls gab es eine Licht- und Tonanlage sowie eine den Vorschriften entsprechende Küche. Für die Außenfassade wurden unter fachmännischer Anleitung alte Farben und Techniken verwendet. 2.500 freiwillig geleistete Arbeitsstunden und weit über 120.000 Euro waren nötig, um dies zu erreichen. Der Kauf wurde unter anderem durch Spendenaktionen, Benefizkonzerte und finanzielle Rücklagen des Vereines möglich.
Der zweite große Bauabschnitt waren die Ertüchtigung des Außenputzes samt Anstrich sowie ein komplett neues Dach im Jahre 2013 mit einem Gesamtvolumen von weiteren 100.000 Euro. Diese Maßnahme wurde gefördert von der Joachim und Susanne Schulz Stiftung, dem Regierungsbezirk Unterfranken, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz sowie der Bayerischen Landesstiftung. Ein weiteres Ziel ist die Renovierung des Innenraumes unter der Maßgabe, den Stil möglichst zu erhalten.Kulturkreis Zehntscheuer Amorbach
Templerhaus
Das Templerhaus ist ein mittelalterlicher Adelssitz im Bautyp eines Festen Hauses. Es stammt aus dem 13. Jahrhundert und gilt als das älteste erhaltene Fachwerkhaus in Bayern.
Kapelle Amorsbrunn