mini|hochkant=1.3|Waldbröl, Luftaufnahme (2017) mini|Das Kreishaus Waldbröl auf einem Notgeldschein von 1920. Waldbröl ist eine Kleinstadt im Süden des Oberbergischen Kreises in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Sie trägt den Zusatznamen „Marktstadt“.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt an den Hängen des Nutscheids und gehört zum Naturpark Bergisches Land. Die Stadt Köln liegt 64 Kilometer und die Stadt Bonn 55 Kilometer westlich von Waldbröl.
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn beginnend im Norden sind das Reichshof, Morsbach, Wissen, Windeck, Ruppichteroth und Nümbrecht. Im Süden stellt die Stadtgrenze auch die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz mit seiner Stadt Wissen dar.
Stadtgliederung Neben der Kernstadt mit etwa 11.000 Einwohnern gibt es 64 Ortsteile: A Alfenzingen – Altehufen mini|zentriert|hochkant=1.3|Karte des StadtgebietesB Baumen – Bech – Bettenhagen – Bettingen – Beuinghausen – Biebelshof – Bladersbach – Bohlenhagen – Brenzingen – Bröl – Brölerhütte – BruchhausenD Dahl – Dickhausen – Diepenthal – Diezenkausen – DrinhausenE Escherhof – EichenF FahrenseifenG Geilenkausen – Geiningen – Großenseifen – Grünenbach – GrunewaldH Hahn – Happach – Heide – Helten – Helzen – Herfen – Hermesdorf – Hillesmühle – Hochwald – Hoff – HufenK KrahwinkelL LuetzingenM MühlenbachN Neuenhähnen – Niederhausen – NiederhofP Propach – Puhl – PulvermühleR Rölefeld – Romberg – Rossenbach – Rottland – RuhS Schnörringen – Schönenbach – Seifen – SpurkenbachT ThierseifenV Vierbuchen – VierbuchermühleW Wehn – Wies – Wilkenroth – WippenkausenZ Ziegenhardt
Geschichte mini|Erlass des Führers und Reichskanzlers über die Errichtung eines Traktorenwerks im Gebiet der Gemeinde Waldbröl und über städtebauliche Maßnahmen in dieser Gemeinde. Vom 28. Februar 1941 1131 wurde der Ort als Waltprugele in einer päpstlichen Besitzbestätigung für das Stift St. Cassius in Bonn das erste Mal urkundlich erwähnt. Papst Innozenz II. bestätigte in der Urkunde den Besitz der Kirche und des Zehnten in Waldbröl. Die Siedlung gehörte zu dieser Zeit zum Einflussbereich der ersten Grafen von Berg wie auch der Sayner. Im gleichen Jahr begann man auch mit dem Bau einer neuen Kirche, deren Turm heute noch steht (evangelische Kirche). 1174 kam Waldbröl an die Reichsherrschaft Homburg, die den Grafen von Sayn gehört. Die Besitzverhältnisse zwischen den Grafen von Berg und von Sayn blieben jedoch umstritten.
1212 fand der erste Einwohner von Waldbröl in einer Schenkungsurkunde Erwähnung, als der hier ansässige Priester Wolradus Besitztum an die Siegburger Abtei Michaelsberg überträgt. 1261 wurden die Rittergeschlechter von Isengarten, im Jahr 1300 von Diezenkausen und im Jahr 1323 von Beuinghausen das erste Mal genannt. Sie waren lange Zeit Ministeriale der Grafen von Sayn und von Berg und empfingen von den Grafen im Bereich der heutigen Stadt Lehensbesitz.
1314 erlebte Waldbröl eine Pestepidemie und eine große Hungersnot. Die ersten heutigen Ortsteile von Waldbröl wurden im Jahr 1316 erwähnt. 1575 fanden sich fast alle heutigen Ortsteile auf einer Karte von Arnoldus Mercator wieder.
Im Jahr 1604 fiel Waldbröl durch den Siegburger Vergleich an das Herzogtum Berg und wurde dem Amt Windeck zugeschlagen. Als Johann Wilhelm, der letzte Herzog von Jülich-Kleve-Berg, im Jahr 1609 starb, erhielt das Wittelsbacher Herzogtum Pfalz-Neuburg im Vertrag von Xanten Berg und damit auch Waldbröl zugeschrieben.
Waldbröl fiel 1806 an den französischen Satellitenstaat Großherzogtum Berg. Dort wurde bei der Einführung von Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild im Kanton Waldbröl des Arrondissements Siegen im Département Sieg auch die Mairie (Bürgermeisterei) Waldbröl eingerichtet. Nachdem das Gebiet 1814 an Preußen gefallen war, wurde aus der Mairie die preußische Bürgermeisterei Waldbröl. Diese kam 1816 zum neuen Kreis Waldbröl und bestand nur aus der Landgemeinde Waldbröl.Gemeindeverzeichnis Rheinprovinz 1871
Von 1816 bis 1932 war Waldbröl Landratssitz des zu jener Zeit bestehenden preußischen Kreises Waldbröl.
1912 besuchte der damals noch wenig bekannte englische Romancier D. H. Lawrence die in Waldbröl lebende Cousine Hannah Krenkow. Neben zahlreichen Briefen an seine Geliebte Frieda von Richthofen verfasste Lawrence in Waldbröl Teile des Romans „Sons and Lovers“ („Söhne und Liebhaber“), der im Jahr darauf erschien und den Weltruhm des Autors begründete.Dieter Mehl: D. H. Lawrence in Waldbröl. In: Notes and Queries. Band 31, Nr. 1 = Nr. 229, 1984, S. 78–81.
1913 erhielt die Stadt Besuch von Kaiser Wilhelm II., ihm zu Ehren wurde die Hauptstraße in „Kaiserstraße“ umbenannt.
Der aus Niederbreidenbach bei Nümbrecht stammende Robert Ley, einer der führenden Repräsentanten des Nationalsozialismus, beabsichtigte, aus Waldbröl die „größte Stadt zwischen Köln und Kassel“ zu machen. Geplant wurden unter anderem die so genannten „Volkstraktorenwerke“, eine „Adolf-Hitler-Schule“ und ein KdF-Hotel. Mit den Planungen wurde Clemens Klotz beauftragt.Birgit Rosendahl-Kraas: Die Stadt der Volkstraktorenwerke. Eine Stadtutopie im „Dritten Reich“. Die Planungen und Großbauten der Deutschen Arbeitsfront für die Stadt Waldbröl. Martin Galunder-Verlag, Wiehl 1999, ISBN 3-931251-45-4, S. 9, 17, 20–21. Umgesetzt wurde davon nichts bis auf das Hotel nach einem Entwurf von Karl Preus, das aber auch nicht fertig wurde.Birgit Rosendahl-Kraas: Die Stadt der Volkstraktorenwerke. Eine Stadtutopie im „Dritten Reich“. Die Planungen und Großbauten der Deutschen Arbeitsfront für die Stadt Waldbröl. Martin Galunder-Verlag, Wiehl 1999, ISBN 3-931251-45-4, S. 47–55. Die Einwohnerzahl sollte auf bis zu 300.000 steigen. Es sollten eine U-Bahn, Kasernen, ein Theater, ein Kino sowie eine Autobahnanbindung eingerichtet werden. Die Planungen liefen bis zum Herbst 1944, blieben jedoch aufgrund der Kriegsentwicklung und Leys schwindendem Einfluss in den Grundzügen stecken. Lediglich die topographischen Untersuchungen des Garten- und Landschaftsgestalters Wilhelm Heintz, der zuvor bereits an der Entwicklung der Stadtpläne der „Stadt der Hermann-Göring-Werke“ (Salzgitter) und der „Stadt des KdF-Wagens“ (Wolfsburg) beteiligt war, wurden weitgehend abgeschlossen. Von den wenigen errichteten Bauten ist bis auf einige Bauruinen nur das „KdF-Hotel“ erhalten, das nach dem Krieg als Krankenhaus, dann der Bundeswehr und seit 2006 einer buddhistischen Glaubensgemeinschaft als Begegnungsstätte dient.Birgit Rosendahl-Kraas: Die Stadt der Volkstraktorenwerke. 1999. Außerdem existiert noch das ehemalige Architektenhaus der geplanten Adolf-Hitler-Schule.Birgit Rosendahl-Kraas: Die Stadt der Volkstraktorenwerke. Eine Stadtutopie im „Dritten Reich“. Die Planungen und Großbauten der Deutschen Arbeitsfront für die Stadt Waldbröl. Martin Galunder-Verlag, Wiehl 1999, ISBN 3-931251-45-4, S. 16–17. Es ist seit den frühen 1950er Jahren das Schullandheim des Humboldt-Gymnasiums Düsseldorf.
mini|Kreis Waldbröl in den 1960er Jahren 1957 bekam Waldbröl als dritte Gemeinde im Oberbergischen Kreis das Stadtrecht verliehen.
Von 1963 bis 1988 hatte die Bundeswehr die „3. Batterie des Flugabwehrraketen Bataillon 22“ mit dem „Flugabwehrraketensystem NIKE“ im Rahmen der integrierten NATO-Luftverteidigung in Waldbröl stationiert, um den Luftraum Deutschlands vor feindlichen Angriffen im Bereich großer Höhen zu schützen. Der Personalumfang zählte ca. 300+ sowie ein „Team Amerikaner“ mit Personal der US-Streitkräfte. Am 18. Oktober 1964 wurde Waldbröl Garnisonsstadt.
Zur 3. Batterie gehörten die „Nutscheid-Kaserne“ Büscherhof, (heute „PANABORA ein Naturerlebnispark“) und die Stellungsbereiche im Nutscheid „Hohes Wäldchen“ (renaturiert) und „Ommeroth“ (heute „Fort Ommeroth“ ein Reiterhof).
20 Jahre später, am 23. März 1984 wurde das „Team Amerikaner“ im Rahmen der „Denuklearisierung“ verabschiedet. In Waldbröl wurde das „Flugabwehrraketensystem NIKE“ außer Dienst gestellt und das „Flugabwehrraketensystem PATRIOT“ Nachfolger.
Am 4. Oktober 1988 wurde aus „3./FlaRakBtl22 (NIKE)“ das „6./FlaRakG 21 (PATRIOT)“ mit Einsatzdienst bis 2002. Mit Verlegung der Einheit (2003) wurde der Standort Waldbröl für die Flugabwehr aufgegeben.
Von 1990 bis 2006 war Waldbröl auch Standort der hier gegründeten Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation, die – gleich ihren Vorgänger-Einrichtungen „Zentrum für Transformation“, „Schule für psychologische Verteidigung“, „Akademie für Kommunikation“, „Amt für Studien und Übungen“ und „Zentrum für Analysen und Studien“ – im oben genannten „KdF-Hotel“ untergebracht wurde.
Ab 1972 war Waldbröl Ziel starker Zuwanderung von (Spät-)Aussiedlern aus der Sowjetunion bzw. der GUS; wenigstens 3.000 Zuwanderer wurden zu Neubürgern allein von Waldbröl. Dieser Prozess wurde unter anderem dadurch gefördert, dass der in Waldbröl beheimatete Horst Waffenschmidt von 1988 bis 1998 Aussiedlerbeauftragter der Bundesregierung war.
Einwohnerentwicklung Bevölkerungsstand von 1962 bis 2023 laut Landesdatenbank NRW (Auswahlkriterien nach Ort und Zeitraum möglich) Jahr Einwohner 1925 7.143 1950 11.167 1953 11.266 1957 11.601 1962 11.739 1965 12.591 Jahr Einwohner 1970 13.790 1975 14.192 1980 15.051 1985 14.574 1990 16.244 1995 18.490 Jahr Einwohner2000 18.8352005 19.6362010 19.3332015 19.1942020 19.5992023 20.041 mini|400px|links|Einwohnerentwicklung von Waldbröl von 1925 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle Politik
Stadtrat Der Stadtrat ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Waldbröl. Über die Sitzverteilung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl. Das Wahlergebnis der Stadtratswahl vom 14. September 2025 und die sich daraus ergebende Sitzverteilung zeigen die nebenstehenden Diagramme.
Bürgermeister 1999–2008: Christoph Waffenschmidt (CDU) 2008–2020: Peter Köster (CDU) seit 2020: Larissa Weber (parteilos)
Larissa Weber wurde zur Kommunalwahl am 13. September 2020 mit 64,96 Prozent der Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Am 14. September 2025 wurde sie ohne Gegenkandidaten mit 88,8 % der Stimmen in ihrem Amt bestätigt.
Wappen Der Stadt Waldbröl ist mit Urkunde des Innenministers vom 19. Juli 1952 das Recht zur Führung des folgenden Wappens verliehen worden:
Flagge und Banner
Der Stadt Waldbröl ist mit Urkunde des Innenministers vom 27. September 1958 das Recht zur Führung der folgenden Flaggen verliehen worden:
Bannerflagge
Hissflagge
Städtepartnerschaften Witham in der Grafschaft Essex in Großbritannien, seit 1986 Jüterbog in Brandenburg, seit 1990 Świebodzice (Freiburg/Schlesien) in Polen, seit 1996
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|300px|Blick vom Marktplatz – links die katholische, rechts die evangelische Kirche
Bildung In der Stadt gibt es drei Gemeinschafts-Grundschulen in Hermesdorf, Isengarten und Wiedenhof. Weiterführende Schulen sind die Roseggerschule (Förderschule), die städtische Realschule, die Gesamtschule und das Hollenberg-Gymnasium.
Bei den Berufsschulen sind das Berufskolleg Oberberg, Abt. Waldbröl, und die Krankenpflegeschule Kreiskrankenhaus Waldbröl (die seit dem 1. April 2005 zusammen mit der Krankenpflegeschule des Kreiskrankenhauses Gummersbach zum GBZ Oberberg zusammengefasst wurde) zu nennen.
Als weitere Aus- und Weiterbildungseinrichtung ist hier eine Zivildienstschule des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ansässig. mini|Schulzentrum, Luftaufnahme (2017)
Theater Der Verein WKTheater – Theater im Waldbröler Kulturtreff e. V. führt in der Aula des Hollenberg-Gymnasiums regelmäßige Theateraufführungen auf.
Religion Die evangelische Kirchengemeinde trifft sich in der evangelischen Stadtkirche, die katholische Pfarrgemeinde in St. Michael.