Die Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen (, ) ist die staatliche Eisenbahngesellschaft des Königreichs Belgien mit Sitz in Saint-Gilles/Sint-Gillis. Das Unternehmen ist unter den niederländisch- und französischsprachigen Abkürzungen NMBS und SNCB bekannt, besonders von englischsprachigen Ausländern wird es mitunter B-Rail genannt. Im Firmensymbol, das Henry van de Velde 1936 entwarf, steht sprachneutral der Buchstabe B in einem liegenden Oval.

Geschichte Aufbauzeit mini|Erste belgische Lokomotive L’Éléphant (Holzmodell) in der Train World, Brüssel

Belgien war das erste kontinentaleuropäische Land, das über eine Eisenbahn verfügte, die erste Strecke wurde 1835 zwischen Mechelen und Brüssel eröffnet. Ziel des jungen, erst 1830 durch Abspaltung vom Königreich der Vereinigten Niederlande entstandenen Nationalstaates war, ein von den Kanälen unabhängiges Transportmittel zu haben, weil diese immer noch unter der Kontrolle der Niederlande standen. Belgien schuf als erstes Land in Kontinentaleuropa ein zusammenhängendes Eisenbahnnetz. Bis 1842 ließ der belgische Staat alle Eisenbahnen im Lande selber bauen. Dafür zuständig war die 1832 gegründete Chemins de fer de l’État belge, abgekürzt EB, auch L’État belge genannt, deutsch sinngemäß »Belgische Staatsbahnen«. Einen detaillierten Überblick zu den Mitte des 19. Jahrhunderts vorhandenen Eisenbahnstrecken liefert der belgische Baedeker-Reiseführer von 1853.Karl Baedeker: Belgien. Handbuch für Reisende. 5. Auflage. Coblenz 1853, S. XV ff. Digitalisat. Anschließend verkaufte der Staat Konzessionen – zunächst überwiegend an englische Gesellschaften, dann an eine Tochter der französischen Compagnie des chemins de fer du Nord, so dass schließlich etwa 600 Kilometern staatlicher Bahnen eine mehrfache Streckenlänge in privater Hand gegenüberstand. Ende des 19. Jahrhunderts kaufte er diese jedoch zum größten Teil wieder zurück und gründete die sogenannte „Eisenbahnverwaltung“. Michel Marin: Histoire des Chemins de Fer en Belgique.Brockhaus’ Konversationslexikon, 14. Auflage, 1894–1896, S. 688: Belgische Eisenbahnen.

Einige private Gesellschaften blieben jedoch weiter bestehen. Die letzten beiden, die Chemin de fer International de Malines à Terneuzen und die Chemin de fer de Chimay, wurden erst 1948 verstaatlicht.

Um 1900 hatte Belgien 170 Meter Eisenbahnstrecke pro Quadratkilometer, gegenüber 103 m/km² in England, 79 m/km² in Deutschland und 70 m/km² in Frankreich.

Streckeneröffnungen mini|Belgien 1844 mit den ersten Bahnstrecken

5. Mai 1835 – Mechelen–Brüssel (Linie 25) 3. Mai 1836 – Mechelen–Antwerpen (Linie 25) 2. Januar 1837 – Mechelen–Dendermonde–(28. September 1837) Gent–(22. August 1838) Brügge–(28. August 1838) Ostende 10./21. September 1837 – Mechelen–Löwen–Tienen–(1838) Ans (bei Lüttich; in die Stadt hinein zum Bahnhof Liège-Guillemins aber erst 1. Mai 1842) 25: August/22. September 1838 – Gent–Deinze–Kortrijk 19. Dezember 1841 – Brüssel–Jurbise–Tubize–Mons (Ligne Dorsale), bis Quiévrain an der französischen Grenze 7. August 1842 15. Oktober 1843 – Bahnstrecke Aachen–Lüttich (Linie 37) 23. Oktober 1843 – Brüssel–Luttre–Charleroi 23. Oktober 1843 – Charleroi–Namur 11. November 1848 – Jurbise–Tournai 20. Oktober 1849 – Charleroi–Mons Juni/Oktober 1854 – Antwerpen–Roosendaal – Oudenbosch–(erst 1. Mai 1876) Rotterdam (Linie 12) 14. April 1856 – Brüssel–Namur (Linie 161) 1. Mai 1856 – Brüssel–Gent 1. Oktober 1856 – Hasselt–Maastricht 7. Oktober 1858 – Namur–Arlon (Linie 162) 1. Dezember 1885 – Bahnstrecke Waimes–Trois-Ponts (Linie 45), auf damals deutschem Gebiet von der Preußischen Staatsbahn gebaut, 2007 stillgelegt 1861 – Bahnstrecke Lüttich–Maastricht (Linie 40) 1. Juli 1862 Namur–Dinat (Linie 154) 1863 – Dinat–Givet 1863 – Löwen–Aarschot–Herentals 1. Februar/1. Juli 1865 Aarschot–Diest–Hasselt 1. August 1866 – Marloie–Marche en Famenne–Melreux Hotton–Esneux–Angleur (Linie 42) 23. Februar 1867 – Bahnstrecke Pepinster–Stavelot (Linie 44) 22. März 1868 – Ostende–Torhout (Linie 62), 1963 stillgelegt 15. November 1869 – Libramont–Bastogne- (1885 eröffnet; 1984 stillgelegt) Gouvy– (nur 1915–1944) St. Vith (Linie 163) 1879 – Antwerpen–Geel–Lommel–Roermond Eiserner Rhein 4. November 1889 – Vennbahn, St. Vith–Ulflingen (Linie 47) und Raeren–St. Vith (Linie 48) 1. Juli 1890 – Bahnstrecke Rivage–Gouvy (Linie 42) 28. Februar 1917 – Bahnstrecke Aachen–Tongern (Linie 24)

1914–1945 mini|Schnellzuglokomotive der Baureihe 1 aus den 1930er Jahren

Nach der Besetzung Belgiens im Ersten Weltkrieg 1914 durch das Deutsche Reich wurde der Eisenbahnverkehr zunächst einem deutschen Eisenbahn-Verwaltungsrat und ab dem 1. Juni 1915 einer deutschen Militär-Generaldirektion unterstellt. Dieser nachgeordnet waren Militär-Eisenbahndirektionen und Linien-Kommandanten, denen die Betriebsführung oblag.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 12. Juni 1915, Nr. 31. Nachrichten, S. 207. Der Militär-Generaldirektion Brüssel wurden alle deutscherseits als Kriegsbeute beschlagnahmten Eisenbahnwagen zugeordnet und dafür neu nummeriert. Um deren Herkunft später noch identifizieren zu können, wurden die Nummern mit zusätzlichen Kennbuchstaben versehen, die auf die früheren Eigentümer hinwiesen.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 23. Oktober 1915, Nr. 53. Bekanntmachung Nr. 706, S. 345–346; Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 27. November 1915, Nr. 58. Bekanntmachung Nr. 764, S. 376.

1926 wurde die Chemins de fer de l’État belge in Société nationale des chemins de fer belges (SNCB) umbenannt, was später im amtlichen deutschen Sprachgebrauch Belgiens in ‚Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen‘ übersetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die neue Gesellschaft im Besitz von 4624 Lokomotiven, 9319 Personenwagen, 1602 Gepäckwagen und 123 941 Güterwagen. 1927 wurde diese Gesellschaft bereits privatisiert.

Ende der 1930er Jahre besaß die belgische Eisenbahn mit die schnellsten dampfbespannten Züge Europas und der Welt. Zwei mit Stromlinienlokomotiven der NMBS/SNCB-Reihe 12 bespannte Zugpaare zwischen Brüssel und Ostende erreichten 1939 planmäßig Reisegeschwindigkeiten von 114,3 km/h und hielten damit für kurze Zeit den Weltrekord für komplette Zugläufe. Auf dem Abschnitt zwischen Brüssel und Brügge errangen die Züge 401 und 405 mit einer Reisegeschwindigkeit von 120,46 km/h einen bis heute gültigen Europarekord für die höchste Reisegeschwindigkeit eines dampfbespannten Zuges zwischen zwei planmäßigen Haltebahnhöfen.Ronald Krug: Aus dem Zugförderungsdienst: Die schnellsten Dampfzüge. Rekorde, Höchstgeschwindigkeiten und Reisegeschwindigkeiten im internationalen Vergleich. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 2014, ISBN 978-3-88255-770-1, S. 58.

Ab 1927 verkehrte als erster Pullmanzug in Belgien der Étoile du Nord von Paris über Brüssel nach Amsterdam, gefolgt ab 1928 vom Edelweiss mit dem Laufweg Amsterdam – Brüssel – Namur – Luxemburg – Strasbourg – Basel – Zürich. Ab 1929 wurden der Oiseau Bleu von Paris über Brüssel nach Antwerpen sowie der Ostende-Köln-Pullman-Express eingesetzt. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs beendete den Einsatz dieser Luxuszüge.

1945–1990 mini|Rangierlokomotive der Baureihe 82 am Hafenbahnhof Zeebrugge mini|Mehrsystemlok der Baureihe 25.5 im niederländischen Bahnhof Amsterdam CS

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte dann eine erneute Verstaatlichung der NMBS/SNCB. 1957 führte sie, gemeinsam mit anderen europäischen Staatsbahnen, den Trans-Europ-Express (TEE) ein. Am 20. Dezember 1966 beendete die NMBS/SNCB den Betrieb mit Dampflokomotiven, damals bespannte die Lokomotive 29.013 der NMBS/SNCB-Reihe 29 den letzten dampfbespannten Zug zwischen Ath und Denderleeuw.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand eine Reduktion auf wichtige Verbindungen statt: Einige in dünn besiedelte Gebiete führende Strecken wurden stillgelegt und durch kostengünstigere Autobusse ersetzt, beziehungsweise einige im Krieg zerstörte Strecken gar nicht erst wieder aufgebaut (z. B. Gouvy – St. Vith). Während man auch in den 1980er Jahren zahlreiche eher schwach frequentierte Haltepunkte schloss, fand zeitgleich – und im Vergleich zu anderen europäischen Bahnen schon recht früh – auch eine Renaissance des Bahnverkehrs in ländlichen Gebieten statt; man eröffnete Strecken neu und machte den Fuhrpark attraktiver. Beispiele für reaktivierte Strecken sind Antwerpen – Neerpelt und Welkenraedt – Eupen, für einen attraktiveren Fuhrpark stehen die Fernzüge zwischen Oostende und Köln, die ab Ende der 1970er Jahre weitestgehend aus den neuen standardisierten Eurofima-Wagen gebildet wurden. Diese Wagen waren klimatisiert und boten somit für Reisende der zweiten Klasse mehr Komfort als das damalige Spitzenprodukt der Deutschen Bundesbahn, das IC-Netz von 1979, auf dem in der zweiten Klasse erst etwa die Hälfte der Wagen klimatisiert war. Mit den Eurofima-Wagen hielt auch die gleichfalls standardisierte Eurofima-C1-Lackierung (reinorange mit lichtgrauem Streifen) Einzug, darüber hinaus wurden auch zahlreiche weitere belgische Reisezugwagen entsprechend lackiert.

Ebenfalls in den 1980er Jahren wurde ein landesweit einheitliches vertaktetes InterCity/InterRegio-Netz für den Fernverkehr geschaffen. So verbanden – im europaweiten Vergleich ebenfalls recht früh – ab dem 3. Juni 1984 13 IC- und 16 IR-Linien die 70 wichtigsten Bahnhöfe Belgiens. Für den lokalen Nahverkehr wurden P- und L-Züge eingeführt. Während Letztere – ähnlich den ICs und IRs – vertaktet sind, fahren die P-Züge (Piekuurtrein=Spitzenverkehrszug in Deutschland auch als Verstärkerzüge bekannt), welcher die Fläche mit Oberzentren, wie Brüssel und Antwerpen verbindet, nur im Zeitraum von 6 bis 9 und 16 bis 19 Uhr. Ergänzend fahren die sogenannten T-Züge (des trains touristiques) in der Urlauberzeit. Dieses Zugsystem hat sich bis heute bewährt und wurde im InterCity- und InterRegio-Bereich um mehrere Linien ergänzt, sodass gegenwärtig 38 IC-Linien landesweit verkehren. auf b-rail.be, abgerufen am 6. Juni 2014. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 wurden die Interregio-Linien in IC umbenannt, außerdem die vorherigen Buchstaben durch Ziffern ersetzt, so wurde aus der Linie IC A bspw. die IC 01.

1991 bis heute mini|Triebzug der Baureihe 41 in Gent – ein buntes Farbschema prägt heute die Züge

Seit 1991 ist die NMBS/SNCB ein sogenannter „selbständiger Betrieb“.

Um den weiteren Anforderungen des europäischen Eisenbahnverkehrs gerecht zu werden, entschied man sich in den 1990er Jahren zum völligen Neubau von Strecken, wie der Hochgeschwindigkeitstrasse Brüssel–Lüttich–Aachen, zur großzügigen Modernisierung von wichtigen Bahnhöfen und zur weiteren Modernisierung des Fahrzeugparks. In diesem Jahrzehnt wurde die NMBS/SNCB auch Gründungsmitglied der Eurostar Group auf eurostar.com (englisch), abgerufen am 10. August 2014. und der Thalys International.