Kinderfilme sind Filme, die sich in ihrer Themenwahl und Gestaltung an Kinder richten. Im Gegensatz zu generationsübergreifend konzipierten Familienfilmen sind Kinderfilme als eigenes Angebot für diese Altersgruppe gedacht.Hans Jürgen Wulff: Kinderkino. Filmlexikon der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, abgerufen am 9. Juni 2025

Merkmale des Kinderfilms Unter der Bezeichnung „Kinderfilm“ verstand man anfangs oftmals auch von bestimmten Zielgruppen unabhängige Filme, bei denen Kinder lediglich in exponierteren Rollen als Darsteller mitwirkten. Im weiteren Verlauf der Filmgeschichte entwickelte sich der Kinderfilm zu einem eigenständigen Genre, das sich zunehmend den Ansprüchen und Bedürfnissen der Zielgruppe anzupassen versuchte.

Kinderfilm-Genres Ziel des Kinderfilms ist im Allgemeinen, den Kindern etwas über die Welt um sie herum zu erzählen, ihre Phantasie anzuregen und sie vielleicht auch etwas lernen zu lassen. Ein Schwerpunkt ist dabei die Beschreibung der charakterlichen Entwicklung der Protagonisten. Dieser entwickelt sich zu einem besonderen Individuum, wie bei Whale Rider (2002) oder Der zehnte Sommer (2003). Die Zuschauer sollen angeleitet werden, sich mittels der Reflexion bezüglich der Hauptpersonen über sich selbst bewusst zu werden.

Realfilm Fast alle Filmgenres finden sich im Kinderrealfilm wieder. Die Palette reicht vom Liebesfilm (Eva und Adam, 2001) über den Tierfilm – der sowohl die amerikanischen Klassiker Lassie in Heimweh (1943) und Flipper (1963) wie moderne Filme wie Vier Freunde und vier Pfoten (2003), Free Willy – Ruf der Freiheit (1993), Hogi’s Family (2009) oder Amundsen der Pinguin von 2003 umfasst – über das Roadmovie wie bei Selma und Johanna (1997) bis zum Kriminalfilm (Die Distel (1992), Paulas Geheimnis von 2005/2006). Eine Reihe von Kinderfilmen enthalten Elemente des Abenteuerfilms (Die Goonies, 1985) oder des Märchens (Die Braut des Prinzen, 1987).

Von dem Horrorfilm-Genre wird nur die abgeschwächte Variante der Gruselgeschichten, etwa Spuk unterm Riesenrad oder Spuk im Hochhaus verwendet. Auch Der kleine Vampir (2000) und Scooby Doo 2 – Die Monster sind los (2004) werden allgemein als kindgerecht angesehen. Auch Filmreihen wie Die Wilden Kerle bedienen sich fantastischer und gruseliger Effekte. Eine Reihe vor allem amerikanischer Kinderfilme sind letztlich bloße Actionfilme, bei denen sich die Zuschauer als kleine Erwachsene fühlen können (wie Spy Kids, 2001) und die die kindlichen Bedürfnisse eher vernachlässigen.

Ein großes Interesse bei Kindern können mitunter auch Dokumentarfilme wecken. Dabei sind diese thematisch nicht nur auf Tierdarstellungen beschränkt (Die Wüste lebt (1953), Mikrokosmos – Das Volk der Gräser (1996), Die Reise der Pinguine (2005)). Der weiße Planet (2006) macht auf den Klimawandel aufmerksam.

Animationsfilm Zeichentrickfilme wurden in der westlichen Kultur lange als Kinderfilme wahrgenommen, wozu insbesondere die Filme der Walt Disney Company beitrugen, die oftmals Adaptionen von Kinderbüchern waren.

Konkurrenzprodukte zu Disney aus den 1980er Jahren wie das 1982 produzierte Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH, Watership Down (1979), Die Hunde sind los (1982) und Wenn der Wind weht (1986) waren zwar ab sechs Jahren freigegeben, aber nicht für ein ausschließlich kindliches Publikum gedacht. Auch zogen sie durch ihre düstere Atmosphäre, ihre Mehrdeutigkeit und ihre durchaus vorhandene gesellschaftskritische Haltung ebenfalls ein älteres Publikum an, das – soweit Tiere als Protagonisten eingesetzt wurden – dessen Fabelcharakter erkannte.

Don Bluth, der Regisseur von Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH, drehte 1986 Feivel, der Mauswanderer und zwei Jahre danach In einem Land vor unserer Zeit, die noch einfacher gehalten waren als die Disney-Filme und jeweils Fortsetzungen erhielten (In einem Land vor unserer Zeit erreichte 2007 Teil 13). Zunehmend wird für Kinder- und Jugendfilme auf Fortsetzungen gesetzt, etwa 2006 Ice Age 2: Jetzt taut’s, wobei der Alterungsprozess der menschlichen Darsteller im Realfilm umgangen werden kann. Ein zunehmendes Merkmal der Vermarktung von amerikanischen Zeichentrick- und Animationsfilmen ist die Einführung von Fortsetzungen, die nach dem Prinzip der Direct-to-DVD-Produktion erstellt werden, nach dem die Erstverwertung gleich auf der DVD erfolgt. Das Dschungelbuch 2 (2003) und der Pu-der-Bär-Ableger Heffalump – Ein neuer Freund für Winnie Puuh (2005) sind allerdings Beispiele dafür, dass diese Filme gleichwohl den Sprung in europäische Kinos schaffen können.

Eine andere Art von Trickfilmen stellt die Stop-Motion-Technik dar, mit der etwa die Wallace-&-Gromit-Filme produziert wurden. Ein weiteres Beispiel hierfür ist das düstere, schwarzhumorige Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche von 2005.

Fernsehserien Als eine Besonderheit des Kinderfilms werden häufiger verschiedene Folgen einer Kinderserie zusammengefasst und in Filmlänge als „Special“ oder im Fernsehen oder Kino gezeigt. Dies gilt vor allem für Die Biene Maja (1975), Heidi (1974) und Nils Holgersson (1980), aber auch für Pingu (1987) und den Kleinen Maulwurf (2002). Von Pumuckl gab es hingegen 1994 ein erstes neues Kino-Abenteuer: Pumuckl und der blaue Klabauter. Von den Die Peanuts entstanden ab 1969 vier eigene Kinofilme. Die Muppet Show erhielt bislang sechs Kinoableger. Auch von Zeichentrickserien wie Der kleine Eisbär, Pettersson und Findus (ab 1999), der im KiKA erfolgreichen Hundedame Lotte (Lotte im Dorf der Erfinder von 2006) und von Der kleine König Macius, den Janusz Korczak ersann und der später Serienheld wurde, gibt es mittlerweile eigenständige Kinoabenteuer.

Der Kinderfilm in Deutschland bis 1945 Deutsches Kaiserreich Filme, die speziell für Kinder produziert wurden, gab es in den Anfängen der Filmgeschichte nicht. Zwar war bereits 1897 ein Hänsel-und-Gretel-Film gedreht worden, jedoch galten Märchen als allgemeines Kulturgut, deren Verfilmungen nicht primär für Kinder vorgenommen wurde. Zwei frühe Märchenverfilmungen, Rübezahls Hochzeit (1916) und Der Rattenfänger (1918), inszenierte Paul Wegener. Ebenfalls noch während des Ersten Weltkrieges führte Paul Leni 1917 bei Dornröschen Regie.

Weimarer Republik Als Pionierin des Kinderfilms in Deutschland gilt Lotte Reiniger. Sie produzierte ab 1919 zahlreiche, z. T. extrem stilisierte Scherenschnittfilme mit expressionistischer Tendenz, die hohe Anforderungen an die Sehgewohnheiten selbst für Erwachsene stellten. Dabei verarbeitete sie nicht nur Märchen ihrer Landsleute, sondern auch Motive aus Tausendundeiner Nacht und Doktor Dolittle und seine Tiere aufgriff.

Einer der ersten Real-Kinderspielfilme mit Ton ist die Erich-Kästner-Adaption Emil und die Detektive (1931), für die Billy Wilder das Drehbuch verfasste.

Nationalsozialismus Das wichtigste Kinderfilmgenre im Nationalsozialismus bildete der Märchenfilm. Obwohl das NS-Kino einige Kinderdarsteller hervorbrachte, wurden diese nicht in speziellen Kinderfilmen eingesetzt. Siehe dazu auch Kinder- und Jugendfilm im Nationalsozialismus.

Die Kinderfilmproduktion in Deutschland nach 1945 Bundesrepublik Deutschland Im Nachkriegsdeutschland wurden kaum Kinderfilme gedreht. Vielmehr wurden die so genannten Lustspiele mit Heinz Rühmann, Liselotte Pulver oder Heinz Erhardt als kindgerechte Familienfilme angesehen. Eine realistische Darstellung der Gefühls- und Verhaltenswelt von Kindern fand dort nicht statt. Die Kinder verhalten sich bei allen Streichen in Filmen wie Vater braucht eine Frau (1952) und Wenn der Vater mit dem Sohne (1955) immer gehorsam, respektvoll und harmoniesüchtig. Es handelt sich stets eher um eine Wunschvorstellung, wie die Elterngeneration ihre Kinder gerne sähe. Hinzu kam, dass durch die Nivellierung des Jugendschutzgesetzes von 1957 der Kinobesuch von Kindern unter sechs Jahren verboten wurde. Erst 1985 wurde das Verbot wieder aufgehoben. Dementsprechend wurden in dieser Zeit auch keine Filme für kleinere Kinder produziert.

Es wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren hauptsächlich Märchenfilme wie zum Beispiel Frau Holle (1961) gedreht. Die Dramaturgie dieser Märchenfilme setzte dabei ganz auf die bewahrpädagogischen Ansätze der Adenauer-Ära, die Kinder von allen Dingen des realen Lebens fernhalten wollte. In den Märchenfilmen wurden sämtliche Gewaltszenen aus den Vorlagen soweit es ging herausgelassen und Kindern wurde eine „heile Welt“ gezeigt. In den 1960er-Jahren gab es eine Kinokrise in Deutschland. Die Ursache lag großteils in der Verbreitung des Fernsehens.

In den 1970er-Jahren kamen die ersten Impulse eines veränderten Medienverständnisses für Kinder aus dem Fernsehen. Die Idee, Kinder nicht mehr vor allem zu schützen, sondern ihnen Anregungen zu geben, Wissen zu vermitteln und ihr soziales Lernen zu unterstützen, galt nun auch für Kinderfilme. Dies führte zu einer Modernisierung und zur Entwicklung neuer ästhetischer Erzählweisen. Einer der ersten, die diese Vorstellungen umsetzten, war Hark Bohm bei der Realisierung von Tschetan, der Indianerjunge (1972). Die nachfolgenden Filme setzten sich glaubwürdig mit den Problemen von Kindern auseinander, wie beispielsweise Ein Tag mit dem Wind (1978) oder Metin (1979). Die Verfilmung des Kinderbuchs Die Vorstadtkrokodile (1977) erzählt beispielsweise vom Umgang mit einem behinderten Jungen.

Kinderfilme, die sich speziell mit der Gefühlswelt der Kinder auseinandersetzen, wurden in den 1980er-Jahren in der BRD kaum gedreht. Zwei der wenigen Ausnahmen drehte Arend Agthe: zum einen den 1983 entstandenen erfolgreichen Kinderfilm Flußfahrt mit Huhn, der als moderner Klassiker dieses Genres gilt, sowie Der Sommer des Falken von 1987. Sehr häufig entstanden dagegen Komödien mit Thomas Gottschalk, Mike Krüger, Dieter Hallervorden und Otto Waalkes, welche man als Familienunterhaltung einstufte.

Bei der 1984 vorgenommenen Verfilmung des erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchs Die unendliche Geschichte Michael Endes wurde mehr Wert auf besondere Filmtricks gelegt als auf eine genaue Umsetzung des Buches. Bei der Adaption von Momo desselben Autoren hingegen gelang es 1986, die Vorzüge des Romans auf die Leinwand zu übertragen.

Deutsche Demokratische Republik

In der sowjetischen Besatzungszone wurde die Produktion von Spielfilmen massiv vorangetrieben. Ziel der Kulturpolitik war in den 1940er- und 1950er-Jahren die Erziehung des deutschen Volkes im humanistischen, antifaschistischen und demokratischen Geist. 1946 wurde zu diesem Zweck die DEFA gegründet.

Der erste Film, in dem Kinder im Mittelpunkt standen, war 1946 Irgendwo in Berlin, in dem Gustav und seine Freunde das Trümmerfeld Berlin zu einem Abenteuerspielplatz machen. Der erste gezielt für Kinder produzierte Film war Die Störenfriede (1953). In diesem Film geht es um die 13-jährige Vera, die es sich zur Aufgabe setzt, zwei aufmüpfige Jungen zu guten Pionieren zu erziehen.

Die DEFA gründete in den 1950er-Jahren ihren Ruf einer Produktionsfirma hervorragender Kinderfilme vor allem auf ihre aufwendigen Märchenfilme wie Die Geschichte vom kleinen Muck, Zwerg Nase und Das kalte Herz. Noch bis zum Ende der DDR entstanden märchenhafte Filme wie Gritta von Rattenzuhausbeiuns (1984).

Aufgrund der Filmzensur konnten in der DDR nicht alle Themen behandelt werden. Kinderfilme wurden deshalb als Möglichkeiten gesehen, den Zwängen auszuweichen. So finden sich zum Beispiel in Märchenfilmen wie Wie heiratet man einen König? von 1969 und Sechse kommen durch die Welt (1972) zahlreiche hintersinnige Anspielungen auf den DDR-Alltag.