mini|Rathaus Eschede (Am 23. April 2025 ist die Gemeindeverwaltung in die ehemalige alte Grundschule in der Bahnhofstr. 4 umgezogen)
Eschede ist eine Gemeinde zwischen Celle und Uelzen, am Rand des Naturparks Südheide, in der Lüneburger Heide. Eschede gehört zum Landkreis Celle in Niedersachsen.
Geografie Eschede liegt 19 km nordöstlich von Celle am Rand eines großen zentralen Waldgebiets mit Verbindung zum Lüßwald und ist mit der Stadt durch die Bundesstraße 191 sowie die Bahnstrecke Hannover–Hamburg verbunden.
Die Gemeinde Eschede ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den Ortschaften Eschede (Kernort), Habighorst, Höfer, Scharnhorst, Dalle, Endeholz und Marwede. Ortsteile und Siedlungsgebiete der Ortschaften sind unter anderem Aschenberg, Aschauteiche, Burghorn, Habighorster Höhe, Heeseloh, Kragen, Lohe, Marinesiedlung, Ohe, Queloh, Rebberlah, Schelploh, Starkshorn und Weyhausen.
Geschichte Dieser Abschnitt behandelt ausschließlich die Geschichte der Ortschaft Eschede. Zur Geschichte der Ortschaften Habighorst, Höfer, Scharnhorst, Dalle, Endeholz und Marwede sehen Sie bitte die jeweiligen Artikel.
Die Verdener Geschichtsquellen nennen Eschede bereits in einer Urkunde vom Jahre 1227. Der Inhalt wird dort folgendermaßen zusammengefasst:Wilhelm von Hodenberg: Verdener Geschichtsquellen, Erstes Heft, Celle, Capaun-Karlowa’sche Buchhandlung, 1856, S. 78, Urk. 48.
Kunigunde, Wittwe des Grafen Bernhard von Wölpe, welche sammt ihrem Gemahle und ihrem Sohne Konrad in die Brüderschaft der Verdener Kirche aufgenommen ist, verkauft dem Verdener Domcapitel unter Zustimmung des Bischofs Iso, als Vormundes seines Brudersohnes und ihres Sohnes, des Grafen Konrad, das Obereigenthum des halben Zehnten zu Eschede (Kirchsp. in d. A.-V. Beedenbostel), welchen Konrad vom Honhofe der Verdener Kirche verkauft und ihr und ihrem Sohne resigniert hat, und stellt dem Domcapitel Bürgen dafür, daß ihr Sohn, sobald er majorenn geworden, diesen Verkauf bestätigen soll. Neustadt, 30. März 1227. In nomine domini amen.
Im Februar 1900 wurde die Freiwillige Feuerwehr Eschede als Turnerfeuerwehr des Turnvereins Einigkeit gegründet.Ausführlich: Matthias Blazek: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900. Adelheidsdorf 2006, ISBN 978-3-00-019837-3, S. 492 f.
In Eschede ereigneten sich im 20. Jahrhundert zwei schwere Unglücks- bzw. Katastrophenfälle: Im Sommer 1975 kam es in der Umgebung von Eschede zum Brand in der Lüneburger Heide, einer Reihe von großflächigen Wald- und Heidebränden.Klaus Luttermann: Die große Waldbrandkatastrophe. Celle 1976; Blazek, Matthias: 15000 Helfer aus ganz Deutschland kämpften im August 1975 gegen die Flammenhölle. In: Cellesche Zeitung, 8. August 2000. Am 3. Juni 1998 entgleiste auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Eschede der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ und brachte die Brücke der Rebberlaher Straße zum Einsturz. Beim Eisenbahnunfall von Eschede kamen 101 Menschen ums Leben. Auslöser für die Katastrophe waren ein abgerissener Radreifen und eine darauf folgende Verkettung unglücklicher Ereignisse. Der Grund für den Radreifenriss war höchstwahrscheinlich mangelhafte Wartung der ICE-Räder.Vgl. Udo Bauch: Zugunglück von Eschede überlebt. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2003, ISBN 3-8330-0807-5.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Dalle, Rebberlah, Starkshorn und Weyhausen eingegliedert. Am 1. März 1973 kamen Gebietsteile der Nachbargemeinde Unterlüß mit damals weniger als 50 Einwohnern hinzu. Zum 1. Januar 2014 erfolgte die Auflösung der Samtgemeinde Eschede; die ehemaligen Mitgliedsgemeinden Habighorst, Höfer und Scharnhorst wurden Ortsteile der neu gebildeten Gemeinde Eschede als Einheitsgemeinde.Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Eschede, Landkreis Celle vom 19. Juni 2013, Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 10 vom 25. Juni 2013, S. 164.
NPD-Hof mini|NPD-Hof Im Februar 2019 wurde vom NPD-Landesverband Niedersachsen in Eschede ein Bauernhof, nach dem Vorbesitzer „Hof Nahtz“ genannt, erworben. Danach fanden hier regelmäßig „Brauchtumsfeiern“ wie völkische Erntedankfeste, Sonnenwendfeiern oder Kinder- und Jugend-Zeltlager sowie Landesparteitage der NPD statt. Eine Bürgerinitiative hat 2021 etwa 41.000 Unterschriften gesammelt, um das NPD-Zentrum schließen zu lassen. Sie übergab die Liste Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius.Bündnis gegen Rechts übergibt Unterschriften gegen NPD-Haus. Die NPD plante für den Hof einen Ausbau zu einem Gemeinschafts- und Schulungszentrum. Die Anwohner im Umkreis demonstrierten bereits mehrfach gegen die Präsenz verschiedener rechtsextremer Gruppen. Der Landkreis Celle untersagte aufgrund eines Verstoßes gegen die Niedersächsische Bauordnung einen Betrieb als Schulungszentrum.
Religion Der mittelalterliche Kirchenbau dürfte auf die Zeit um 1220/30 stammen. 1712 wurde dieser Bau wegen Baufälligkeit abgerissen. An seiner Stelle errichtete der Maurermeister Diedrich Goldberg 1712/13 eine barocke Saalkirche.
Die Reformation wurde im Fürstentum Lüneburg 1527 durch Ernst den Bekenner eingeführt. Seit Mitte des 16. Jh. ist eine Kirchspielschule in Eschede belegt. In Eschede existiert die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde als Teil des Kirchenkreises Celle. Die Johanniskirche Eschede erhielt 1969 ihren Namen.Kirchengemeindelexikon: Eschede
Bis 2017 gab es auch eine römisch-katholische Kirche mit St. Theresia vom Kinde Jesu, die profaniert wurde.
Politik
Rat Der Rat der Gemeinde Eschede setzt sich aktuell aus 16 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Dies ist die gemäß § 46 NKomVG festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 5.001 und 6.000 . Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister. Neben dem Rat bestehen Ortsräte in den Ortschaften Eschede (Kernort), Habighorst und Höfer. In den Ortschaften Scharnhorst, Endeholz, Marwede und Dalle werden Ortsvorsteher durch den Rat benannt.
Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung im Rat:Website Landkreis Celle, Wahlergebnis 2021, abgerufen am 29. Dezember 2021
Die letzten Kommunalwahlen ergaben die folgenden Sitzverteilungen und Ergebnisse: Kommunalwahl BÜFE CDU SPD Grüne parteilos FDP UWG Gesamt 2021Ergebnisse Kommunalwahl 2021 8 Sitze (49,0 %) 5 Sitze (27,7 %) 2 Sitze (14,8 %) 1 Sitz (7,5 %) 0 (1,0 %) – – 16 Sitze 2016Gemeinderatswahl 2016 Ergebnis 4 Sitze (27,3 %) 6 Sitze (38,8 %) 4 Sitze (24,0 %) 1 Sitz (5,8 %) – 1 Sitz (4,1 %) – 16 Sitze 2011 – 8 Sitze (52,5 %) 5 Sitze (34,4 %) 2 Sitze (13,0 %) – – – 15 Sitze 2006 – 8 Sitze (53,5 %) 6 Sitze (37,9 %) – – – 1 Sitz (6,2 %) 15 Sitze 2001 – 8 Sitze 6 Sitze – – – 1 Sitz 15 Sitze
Bürgermeister 1945–1946: Friedrich Stolte (Niedersächsische Landespartei) 1964–1972: Hugo Reuter (* 1930; † 2021) (SPD)Gemeinde Eschede: Chronik 2021 1973–1981: Heinrich Lange (* 1912; † 1992) (CDU), Ehrenbürger der Gemeinde EschedeEhrenbürger der Gemeinde Eschede: Heinrich Lange und George Tabori 1981–2005: Heinz-Jürgen Carstens (* 1942; † 2015) 2005–2013: Gerd Bakeberg (CDU) 2014–2021: Günter Berg; von 2006 bis 2013 war er Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor seit 2022: Heinrich Lange (parteilos)Bürgermeisterwahl 2021
Ortsrat Der Ortsrat, der den Kernort Eschede vertritt, setzt sich aus sieben Mitgliedern zusammen. Die Ortsratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Fahrbücherei des Landkreises Celle hat ihren Sitz in Eschede und steuert vierzehntäglich die Gemeinden und Ortsteile des Landkreises ohne Gemeindebücherei als Leihbibliothek an.
Der Kulturverein Randlage Eschede veranstaltet Vorträge, Musikabende und Ausstellungen in der alten Mühle (Musenmöhl).
Bauwerke
1490 wurde erstmals in Eschede eine Kirche urkundlich erwähnt. Die heutige ev.-luth. Johanniskirche wurde 1713 fertiggestellt. 1968 wurde die Kirche saniert. Dabei brannte der freistehenden hölzernen Glockenturms ab und die Glocken wurden zerstört. Sie sind an der Kirchenmauer aufgestellt. 1979 wurde der hölzerne Glockenturm wieder aufgebaut. Ehem. katholische Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu von 1953 an der Grünackerstraße, 2017 profaniert Hofanlage Südstraße 13 mit Haupthaus von 1806 in Fachwerk Hofanlage Albert-König-Straße 5 von 1850 in Fachwerk Flohrmühle Eschede von 1874 als Erdholländerwindmühle mit rundem dreigeschossigem Backsteinturm; nach Kauf der Ruine durch die Gemeinde und der Sanierung finden in ihr seit 1981 Ausstellungen und Trauungen statt Neuer Friedhof Eschede von ab 1848 und FriK903, seit 2025 Rathaus Marwede: Wassermühle Marwede von 1796 Hofanlage An der Lutter 1 vom 19. Jh. in Fachwerk Hofanlage An der Lutter 2 vom 19. Jh. in Fachwerk Hofanlage Endeholzer Straße 23, Haupthaus von 1856 in Fachwerk Hofanlage Endeholzer Straße 24 von um 1850 in Fachwerk Rebbelah: Außenschafstall Rebberlaher Heuweg von 1796 Hofanlage Heuweg 1 von 1871, Scheune von 1779 Hofanlage Heuweg 3 vom 18. und 19. Jh. Hofanlage Wildecker Weg 2 vom 18. bis 20. Jh. Wohnhaus Vor dem Hofe 2 von um 1900 im Heimatstil Jagdhaus Wildeck von um 1930 im Heimatstil Starkshorn: Hofanlage Starkshorn 2, Haupthaus 1828, Speicher 1775
Natur und Tierwelt Durch Eschede fließt aus Richtung Unterlüß die Aschau, deren Quellgebiet in den Loher Teichen liegt und die danach das große Teichgebiet Aschauteiche bildet. Die Teiche der Samtgemeinde haben insgesamt eine Fläche von 348 Hektar. Die Teichflächen sind seit 1982 Teil eines Wasserschutzgebietes. 1987 sind sie auch als Vogelschutzgebiet ausgewiesen worden. Seit 2003 ist das Gebiet EU-Vogelschutzgebiet und seit 2005 im Rahmen des EU-Naturschutzvorhabens Natura2000 dem FFH-Gebiet 86 „Lachte-Lutter-Aschau“ zugeordnet.
Da Eschede am Rand eines sehr großen Waldgebiets liegt, ist die Brunft des Rotwildes in Starkshorn bei Eschede eine herbstliche, geräuschvolle Attraktion, die Zuschauer aus ganz Niedersachsen anzieht. Dort versammeln sich jährlich knapp 200 Hirschkühe auf den Wiesen. von Joachim Gries auf eschede.de, abgerufen am 10. Januar 2015. Waldreiche Verbindungen nicht nur über Unterlüß weit nach Norden, sondern auch zu den Truppenübungsplätzen Munster und Bergen oder über Fuhrberg bis in die Nähe von Burgwedel (s. Lüßwald), sorgen auch für die Verbreitung des sich dort bereits zahlreich vermehrenden Wolfes. Im Februar 2014 gelang anhand eines Fotofallenbildes der Nachweis von zwei erwachsenen Wölfen im Raum Eschede, die mittlerweile ein eigenes Rudel gebildet haben. auf der Seite Wildtiermanagement in Niedersachsen, abgerufen am 10. Januar 2015 vom Freundeskreis freilebender Wölfe e. V., 25. November 2014, abgerufen am 10. Januar 2015
Neben den Aschauteichen und den Loher Teichen befinden sich noch größere Teichflächen an der Bahnstrecke Hannover–Hamburg, die um 1845 beim Sandaushub für den Bahndamm dieser Trasse entstanden. Außerdem gibt es um Eschede viele Moore und Sümpfe und auch weitere Teiche, die oft versteckt in den umliegenden Wäldern liegen.
Wirtschaft, Verkehr und Einrichtungen mini|Ehemalige Molkerei Eschede, Bahnhofstraße