mini|Energydrinks verschiedener Hersteller in einem deutschen Supermarkt Energydrink, auch Energy-DrinkEnergydrink. Duden.de; abgerufen am 9. August 2016. (; verdeutscht auch Energiegetränk), ist die Bezeichnung für Getränke, die laut Herstellerangaben eine „anregende“ Wirkung auf den Organismus haben sollen.

Geschichte Die Idee für diese Getränke stammt aus Japan, wo nach dem Zweiten Weltkrieg japanischen Piloten Taurin zur Verbesserung der Sehleistung verabreicht wurde. Folglich kamen dort Energydrinks wie Lipovitan-D in Mode. Aus Asien (genauer: aus Thailand) importierte später auch der Vermarkter von Red Bull, Dietrich Mateschitz, die Idee nach Europa und wurde damit Ende der 1980er Jahre vor allem durch geschicktes Marketing in der alternativen Jugend- und Club-Szene (Techno, Mountainbiking, Snowboarding) sehr erfolgreich.

Auf dem Weltmarkt werden jährlich ca. fünf Milliarden Liter Energydrinks verkauft, davon hat Red Bull derzeit einen Marktanteil von ca. 20 bis 25 %. In Deutschland trinken 3,2 % der Bürger mindestens einmal pro Woche einen Energydrink, 76,3 % konsumieren Energydrinks laut der Studie „Typologie der Wünsche“ dagegen nie bzw. so gut wie nie.Genusshäufigkeit von Energy-Drinks. statista.org, Typologie der Wünsche 2006/2007.

Bestandteile und Inhaltsstoffe mini|hochkant=0.6|1,5-Liter-Flasche des Energy­drinks „Magic Man“

In der Regel hat ein Energydrink folgende Inhaltsstoffe (je nach Marke unterschiedlich): Wasser Zucker, bei zuckerfreien Varianten Süßstoff Kohlensäure Koffein (oft auch in Form von Guaraná) Taurin Glucuronolacton Vitamine (häufig aus der Gruppe der B-Vitamine, Inosit) Mineralstoffe Natürliche, naturidentische oder synthetische Aromastoffe Farbstoffe

Die Marketingbotschaft dieser Getränke betont den belebenden Effekt, der hauptsächlich durch das enthaltene Koffein erzielt wird.F. van den Eynde, P. C. van Baelen, M. Portzky, K. Audenaert: The effects of energy drinks on cognitive performance. In: Tijdschrift voor psychiatrie, 2008, Band 50, Nummer 5, S. 273–281; . PMID 18470842. (Review). Energydrinks sind oft sehr energiereich; der enthaltene Zucker kann zusätzlich kurzfristig die Leistungsfähigkeit erhöhen. Einige Hersteller haben zuckerfreie Varianten herausgebracht, denen damit jedoch ein wesentlicher Energieträger fehlt. Die zuckerfreie Variante von Red Bull hat z. B. nur noch 14 kJ je 100 ml (zum Vergleich: 188 kJ in der zuckerhaltigen Variante). Die weiteren Inhaltsstoffe sollen laut den Herstellern ebenfalls die Leistungsfähigkeit steigern, was aber umstritten ist. Der maximal zulässige Koffeingehalt liegt in Deutschland bei 32 mg pro 100 ml. In der Regel liegt der Koffeingehalt von Energydrinks daher bei ca. 80 mg pro Dose (250 ml). Zum Vergleich: Eine Tasse mit 150 ml Filterkaffee enthält ca. 50–100 mg Koffein.

In Deutschland definiert die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung „Energydrink“ als koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk, das zusätzlich einen oder mehrere der folgenden Stoffe in folgender Höchstkonzentration je Liter enthält: Taurin (4000 mg), Inosit (200 mg) bzw. Glucuronolacton (2400 mg).§ 4 Abs. 2 FrSaftErfrischGetrV und Anlage 8. gesetze-im-internet.de

Leistungseffekte Der Effekt von Energydrinks ist umstritten. Das enthaltene Koffein wird als „leistungssteigernd“ vermarktet, wobei in der Regel jegliche Aussage darüber vermieden wird, welche „Leistung“ als Bezugsgröße herangezogen wird und wie ihre „Steigerung“ ermittelt werden könnte. Die oftmals von Konsumenten behauptete stimulierende Wirkung von Taurin ist nicht nachgewiesen. Eine einzelne Studie will Einflüsse durch Taurin auf Oxydationsprozesse von Aminosäuren im Stoffwechsel entdeckt haben.M. Zhang, I. Izumi, S. Kagamimori, S. Sokejima, T. Yamagami, Z. Liu, B. Qi: Role of taurine supplementation to prevent exercise-induced oxidative stress in healthy young men. In: Amino acids. Band 26, Nummer 2, März 2004, S. 203–207, doi:10.1007/s00726-003-0002-3. PMID 15042451.

Mentale Effekte Energydrinks steigern laut Studien vorübergehend die Reaktionsgeschwindigkeit und das Erinnerungsvermögen bei Gedächtnisaufgaben.

Sportliche Effekte Die sportliche Leistungsfähigkeit wird durch Energydrinks zum Teil positiv beeinflusst. Dies dürfte nicht nur auf die Koffeinwirkung, sondern auch auf die Kombination der verschiedenen Inhaltsstoffe zurückzuführen sein.

Anaerobe Kraft und Ausdauer Die anaerobe Leistungsfähigkeit bezeichnet die Muskelleistung, die ohne (oder mit deutlich ungenügender) Sauerstoffversorgung produziert werden kann.

Im Wingate-Test, bei dem auf einem Fahrradergometer für 30 Sekunden mit maximaler Geschwindigkeit gegen einen größeren, konstanten Widerstand getreten wird, ergab sich bei drei Runden mit jeweils zwei Minuten Erholungszeit dazwischen keine Leistungsverbesserung oder -verschlechterung durch Energydrinks.S. C. Forbes, D. G. Candow, J. P. Little, C. Magnus, P. D. Chilibeck: Effect of Red Bull energy drink on repeated Wingate cycle performance and bench-press muscle endurance. In: International journal of sport nutrition and exercise metabolism. Band 17, Nummer 5, Oktober 2007, S. 433–444, . PMID 18046053. Auch eine weitere randomisierte Doppelblindstudie mit Studenten ergab keine besseren Wingate-Testleistungen. Im gewissen Gegensatz dazu stellten Alford u. a. eine Leistungsverbesserung bezüglich der Aufrechterhaltung der maximalen Geschwindigkeit auf dem Fahrradergometer fest.

Bei drei Serien Bankdrücken mit einer Belastung von 70 % der Maximalkraft und einer Pause von jeweils einer Minute dazwischen zeigte sich eine statistisch signifikante Leistungssteigerung in Form von mehr möglichen Wiederholungen durch Energydrinks.

Aerobe Ausdauer Die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit bezeichnet die Leistung, welche mit vollständiger Sauerstoffversorgung produziert werden kann.

Alford u. a. stellten eine statistisch signifikante Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit der Fahrradergometerleistung im Bereich von 65 bis 75 % der maximalen Herzfrequenz fest.C. Alford, H. Cox, R. Wescott: The effects of red bull energy drink on human performance and mood. In: Amino acids. Band 21, Nummer 2, 2001, S. 139–150, . PMID 11665810. Auch Geiss u. a. stellten bei Ausdauersportlern eine Verbesserung der aeroben Ausdauer fest, die von der Kombination der Substanzen und dem Vorhandensein von Taurin darin abhingen.K.-R. Geiß, I. Jester, W. Falke, M. Hamm, K. -L. Waag: The effect of a taurine-containing drink on performance in 10 endurance-athletes. In: Amino Acids. 7, 1994, S. 45–56, doi:10.1007/BF00808445.

Echokardiografische Untersuchungen an trainierten Ausdauersportlern ergaben einen messbaren Einfluss von Energydrinks auf die Herzmuskelarbeit, der die reine Koffeinwirkung überstieg.M. Baum, M. Weiss: The influence of a taurine containing drink on cardiac parameters before and after exercise measured by echocardiography. In: Amino acids. Band 20, Nummer 1, 2001, S. 75–82, . PMID 11310932.

Zur Wirkung des Inhaltsstoffes Koffein alleine liegen zahlreiche Studien vor, die eine Verbesserung der aeroben Langzeitausdauer feststellten (bei 3 bis 9 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht – dies entspricht ca. 3 bis 9 Dosen bei 80 Kilogramm Körpergewicht), aber auch solche, die keine positiven Effekte fanden. Auch Mittelzeitausdauerbelastungen von 3 bis 8 Minuten, insbesondere solche mit 100 % der maximalen Sauerstoffaufnahme, scheinen von Koffein positiv beeinflussbar zu sein.

Schnelligkeit und Koordination Die Beibehaltung einer maximalen Geschwindigkeit auf dem Fahrradergometer wird durch Energydrinks positiv beeinflusst.

Gesundheitliche Risiken Die neueste Risikobewertungsstudie der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) belegt, dass eine Koffeinzufuhr von bis zu 400 mg pro Tag (das entspricht ungefähr 5,7 mg/kg Körpergewicht bei einer 70 kg schweren Person) als sicher einzustufen ist.Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA NDA Panel (EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies). In: EFSA Journal. 13(5), 2015, S. 4102. Auch für Schwangere, Stillende und Kinder wurden Richtwerte ermittelt: Für schwangere und stillende Frauen gilt, dass eine über den gesamten Tag verteilte Koffein-Aufnahme aus allen Quellen von bis zu 200 mg pro Tag für den Fötus unbedenklich ist. Für Kinder und Jugendliche pendelt sich der Richtwert bei 3 mg/kg Körpergewicht ein und gilt bei dieser Dosierung als unbedenklich. Dieselbe Studie zeigt auch, dass eine Koffeinzufuhr von 400 mg pro Tag für erwachsene Personen keinerlei gesundheitliche Risiken hervorrufen kann.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte vor gesundheitlichen Risiken und forderte Warnhinweise auf den Verpackungen, dass beim Konsum größerer Mengen derartiger Getränke im Zusammenhang mit ausgiebiger sportlicher Betätigung oder mit dem Genuss von alkoholischen Getränken unerwünschte Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können und derartige Getränke, insbesondere in größeren Mengen, nicht für Kinder, Schwangere, Stillende und koffeinempfindliche Personen zu empfehlen sind. Vor allem wird im Zusammenhang mit Alkohol oder Sport vor unerwünschten Wirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen oder Nierenversagen insbesondere bei Risikopersonen gewarnt. Eine neue Studie konnte eine veränderte Kontraktilität des Herzmuskels für mindestens eine Stunde nach Genuss eines Energydrinks nachweisen.Caffeine and Taurine Containing Energy Drink Improves Systolic Left-ventricular Contractility in Healthy Volunteers Assessed by Strain Analysis Using Cardiac Magnetic Resonance Tagging (CSPAMM). (PDF; 179 kB) rsna.org Deswegen raten Experten bei Kindern und Patienten mit Herzrhythmusstörungen von diesen Getränken ab. In einer australischen Studie konnte der Nachweis erbracht werden, dass der Konsum von Energydrinks bei jungen Erwachsenen zu einer deutlichen Erhöhung der Aggregation von Thrombozyten führt.M. I. Worthley, A. Prabhu, P. De Sciscio, C. Schultz, P. Sanders, S. R. Willoughby: Detrimental effects of energy drink consumption on platelet and endothelial function. In: Am J Med., Februar 2010, 123(2), S. 184–187. PMID 20103032

Eine Literaturauswertung kam zu dem Schluss, dass die in der wissenschaftlichen Literatur beschriebenen Probleme primär mit dem Koffein zusammenhängen und im Wesentlichen den für diese Substanz bekannten Nebenwirkungen entspricht. Insofern dürfte das Risiko in etwa dem eines entsprechenden Kaffeekonsums entsprechen.

Neuere Untersuchungen der Komponenten der Energydrinks konnten zytotoxische Effekte nachweisen.F. Zeidán-Chuliá, D. P. Gelain, E. A. Kolling, J. L. Rybarczyk-Filho, P. Ambrosi, S. R. Terra, A. S. Pires, J. B. da Rocha, G. A. Behr, J. C. Moreira: Major components of energy drinks (caffeine, taurine, and guarana) exert cytotoxic effects on human neuronal SH-SY5Y cells by decreasing reactive oxygen species production. In: Oxid Med Cell Longev. 2013, S. 791–795. PMID 23766861.

Koffein Aufgrund des hohen Koffeingehaltes sollten Energydrinks nicht in großen Mengen getrunken werden. Für Kinder und koffeinempfindliche Personen sind Energydrinks nicht geeignet.B. J. Wolk, M. Ganetsky, K. M. Babu: Toxicity of energy drinks. In: Curr Opin Pediatr. Band 24, Nr. 2, April 2012, S. 243–251. Review. PMID 22426157. Regelungen gibt es weder in Deutschland noch in Österreich. In Polen sind Energydrinks wegen des Koffeingehalts für Minderjährige verboten.

Als wesentliche mit dem Koffein zusammenhängende mögliche Probleme werden von Clauson u. a. folgende Symptome genannt: Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen, Tachykardie (beschleunigter Puls) sowie selten gar koffeinbedingte Todesfälle. Nach einer wissenschaftlichen Risikobewertung der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit), ist eine Koffeinaufnahme von bis zu 400 mg pro Tag für die gesunde erwachsene Allgemeinbevölkerung unbedenklich. Für Schwangere werden indessen 200 mg pro Tag als unbedenklich eingestuft.

Taurin