Supertramp war eine britische Pop-/Rockband, die in den 1970er-Jahren und Anfang der 1980er-Jahre ihre größten Erfolge hatte.

Der typische „Supertramp-Sound“ definiert sich durch das synkopische Spiel auf einem Wurlitzer Electric Piano und durch die unterschiedlichen Stile der beiden Köpfe der Band – Rick Davies mit seiner rauen Stimme und seiner Vorliebe für Jazz und Rhythm and Blues (R & B) und Roger Hodgson mit seiner hohen Falsettstimme und eher dem Pop zugewandt. Auf den Veröffentlichungen sind die Lieder Davies und Hodgson gemeinsam zugeschrieben. Nach Hodgsons Darstellung schrieben die beiden jedoch spätestens ab Crime of the Century getrennt voneinander und behielten den gemeinsamen Autorenvermerk lediglich bei. Gesungen wurde ein Stück jeweils von seinem Urheber, an der Ausarbeitung der Stücke des anderen waren beide beteiligt. Eine individuelle Note entstand auch durch den Einsatz in damaliger Rock- und Popmusik bis dahin unüblicher Instrumente wie zum Beispiel Klarinette (Breakfast in America) oder Saxophon (The Logical Song).

Hodgson, aus dessen Feder die Mehrzahl der Hits der Gruppe stammt, stieg 1983 aus der Band aus und gab persönliche Gründe hierfür an. Er tritt seitdem als Solokünstler auf. Supertramp bestand mit Unterbrechungen mit der Musik im Davies-Stil weiter, konnte aber nie mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Die meisten der bisher verkauften 60 Millionen Alben stammen aus der Zeit mit Hodgson; mehrere Versuche einer Wiedervereinigung mit ihm scheiterten. 2018 gab Davies zu Protokoll, seines Erachtens sei die Zeit von Supertramp als Band vorüber.

Bandgeschichte 1969 bis 1973 Die Band wurde 1969 von den beiden Komponisten und Sängern Rick Davies († 2025) und Roger Hodgson gegründet, finanziell unterstützt durch den holländischen Millionär Stanley „Sam“ August Miesegaes († 1990). Nach Davies’ Darstellung ging der Beiname Sam auf dessen Initialen zurück. Miesegaes lebte in der Schweiz und kam auf die Gruppe zu, als sie in München ohne Geld festsaß. Weitere Musiker der Urbesetzung waren der Gitarrist Richard Palmer (eigentlich: Richard Palmer-James) und der Schlagzeuger Keith Baker. Palmer schrieb die Texte der Band,Rollenangaben nach der Werkdatenbank der GEMA, Werknummern 428108-001 (Surely), 424979-001 (And I Am Not Like Other Birds of Prey), 431658-001 (Words Unspoken), 427467-001 (Maybe I’m a Beggar), 425090-001 (Home Again), 428255-001 (Nothing to Show), 426094-001 (Shadow Song) und 430616-001 (Try Again), abgerufen am 11. September 2026. zudem war er für deren Namen verantwortlich, den er dem Titel des Buches The Autobiography of a Super-Tramp von W. H. Davies entlieh. Nach Davies’ Darstellung hatte Palmer eine Liste möglicher Bandnamen zusammengestellt, aus der Davies den Namen auswählte. Von 1972 bis 1975 war Palmer King-Crimson-Texter.

Die Band absolvierte ihren ersten öffentlichen Auftritt noch unter dem Namen „Daddy“ im Münchener PN-Club in der Leopoldstraße. Dort drehte der Filmemacher Haro Senft einen Kurzfilm über die Band, der unter dem Titel Supertramp Portrait 1970 veröffentlicht wurde und unter anderem beim 1970er Sanremo-Festival gezeigt wurde. Senft war es auch, der Supertramp im Sommer 1970 beauftragte, den Soundtrack für seinen Film Fegefeuer aufzunehmen, der im März 1971 zur Erstaufführung kam.

Mittlerweile war der zu Uriah Heep gewechselte Keith Baker durch den Schlagzeuger Robert „Bob“ Millar ersetzt worden. Im Juli 1970 erschien das Debütalbum Supertramp, dessen Songs deutlich im Stil des Progressive Rock komponiert sind und musikalische Anleihen bei Bands wie Caravan, Traffic oder King Crimson zeigen. Als Autoren sämtlicher Stücke nennt das Album Davies, Hodgson und Palmer gemeinsam.Angaben nach den Plattenetiketten: Supertramp: Supertramp. A&M Records, 1970, LP, AMLS 981 (Großbritannien), Seite 1 und Seite 2. In der Werkdatenbank der GEMA sind Davies und Hodgson als Komponisten und Palmer als Textdichter eingetragen. Im gleichen Jahr nahm Supertramp neben The Doors, The Who und Jimi Hendrix am Isle of Wight Festival teil.

mini|Supertramp, 1971 1971 kam es zu personellen Umbesetzungen innerhalb der Band: Für Palmer kam der Bassist und spätere Co-Writer von Leo Sayer, Frank Farrell (1947–1997). Der Perkussionist Kevin Currie (später: Wild Turkey) ersetzte den nach einem Nervenzusammenbruch ausgestiegenen Millar. Außerdem stieß der Saxophonist David Winthrop (später Chicken Shack) zur Gruppe. Die neue Besetzung spielte das stärker an Rock ’n’ Roll und Blues orientierte Nachfolgealbum Indelibly Stamped ein, das allerdings ebenso wie sein Vorgänger keine breite Käuferschaft fand. Zumindest durch das Cover, welches einen tätowierten nackten Oberkörper einer Frau zeigt, erlangte die Scheibe einige Aufmerksamkeit.

Im Oktober 1972 stieg der Sponsor der Band, Miesegaes, der offenbar das Interesse als Rockmäzen verloren hatte, aus. Als Abschiedsgeschenk erließ er der Band sämtliche Schulden.

Frank Farrell, der ebenfalls die Band verlassen hatte, wurde durch den Schotten Dougie Thomson (Bass) ersetzt. Mit dem neuen Bassisten wurden im November 1972 und im Juni 1973 Studioaufnahmen für die John-Peel-Sessions der BBC produziert.

Gemeinsam mit Thomson formierten Davies und Hodgson Supertramp im September 1973 neu. Die neuen Bandmitglieder waren John A. Helliwell (Saxophon, Klarinette) und Bob Siebenberg – bis 1980 unter dem Künstlernamen Bob C. Benberg – (Schlagzeug und Perkussion).

1974 bis 1983 – Klassische Phase Die erste, in der neuen Supertramp-Besetzung produzierte Single Land Ho (A-Seite; Hodgson) / Summer Romance (B-Seite; Davies) vom März 1974 fand zwar kaum Käufer, war jedoch für die Band der Start in eine erfolgreiche Karriere, da der Produzent Ken Scott (u. a. David Bowie und Elton John) die Produktion übernahm.

Unter Scotts Regie entstand dann 1974 auch das Album Crime of the Century, das in den britischen Albumcharts Platz 4 erreichte, mit der Single Dreamer Platz 13 der dortigen Singlecharts belegte und auch den Titel School enthielt. Mit der Singleauskopplung Bloody Well Right war die Band erstmals in den USA erfolgreich. Für die meisten Musikkritiker gilt Crime of the Century heute als Supertramps bedeutendstes Album. Der Band gelang hier die Fusion von eingängiger und anspruchsvoller Musik, changierend zwischen Bluesrock, Pop und Progressive-Rock. Supertramps unverwechselbarer Sound, bestehend aus Hodgsons Falsettgesang, Rick Davies’ ostinatem Keyboard- und Klavierspiel und der Arbeit des Saxophonisten John Anthony Helliwell, war hier erstmals zu hören.

Mit den folgenden Alben Crisis? What Crisis? (1975) und Even in the Quietest Moments … (1977), mit dem der Band der Durchbruch in den USA gelang, wurde der Erfolg fortgesetzt. Even in the Quietest Moments … beinhaltet mit Give a Little Bit eine Hit-Single, die es in Deutschland wie auch international in die Charts schaffte. Das Lied hatte Hodgson mit 19 Jahren geschrieben und erst fünf oder sechs Jahre später der Band vorgespielt. Nach Hodgsons Aussage wurde der Song inspiriert vom Beatles-Song All You Need Is Love. Die Alben von Supertramp waren grundsätzlich wesentlich erfolgreicher als ihre Singles, und so verhielt es sich auch mit Even in the Quietest Moments …, das in Kanada die Spitzenposition der Album-Charts belegte. Zu dieser Zeit siedelte die Band auf Dauer nach Los Angeles um.

An die großen Album-Erfolge knüpfte auch das Album Breakfast in America (1979) an, mit dem Supertramp ihren kommerziell größten Erfolg erreichten. Es verkaufte sich mehr als 18 Millionen Mal und enthielt mit den Hodgson-Songs Breakfast in America, The Logical Song, Take the Long Way Home und der Davies-Komposition Goodbye Stranger vier internationale Top-Hits. Damit beinhaltete dieses eine Album mehr Hits als die ersten fünf Alben zusammen. Es folgte die ausgedehnte Welttournee Breakfast in America, bei der die Band 120 Konzerte in 10 Monaten absolvierte und die alle bisherigen Besucherrekorde in Europa und Kanada brach. Am Ende dieser Tournee beschlossen die Bandmitglieder, eine Pause vom Touren und von den Plattenaufnahmen einzulegen.

In dieser Pause erschien das Live-Doppelalbum Paris (1980), das während der Breakfast-in-America-Tour am 29. November 1979 im Pavillon de Paris aufgenommen wurde und sieben Lieder aus dem 1974er Album Crime of the Century enthält. In dieser Phase zog Hodgson mit seiner Familie aus Los Angeles weg in die Berge des nördlichen Kalifornien, wo er ein Aufnahmestudio errichtete, um ein Solo-Album aufzunehmen und sich dennoch gleichzeitig auf seine Familie konzentrieren zu können. Bedingt durch diese geographische Trennung wurde die Kluft zwischen Hodgson und dem Rest der Band vergrößert. Für Hodgson und Davies wurde es während der Aufnahmen zu ihrem nächsten Album “…famous last words…” zusehends schwieriger, ihre musikalischen Ideen miteinander zu verbinden und es war für die anderen Bandmitglieder offensichtlich, dass Hodgson die Band verlassen wollte.Melhuish, Martin (1986). The Supertramp Book. Toronto, Canada: Omnibus Press. S. 167–175. ISBN 0-9691272-2-7.

Nach der Veröffentlichung des Studioalbums “…famous last words…” (1982) und einer großen Abschiedstournee mit Tour-Ende im Jahr 1983 verließ Roger Hodgson die Band zugunsten einer Solokarriere. Roger Hodgson begründete seinen Weggang von Supertramp mit der Motivation, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen und Solo-Aufnahmen machen zu wollen und dass persönliche oder professionelle Probleme zwischen ihm und Rick übertrieben dargestellt wurden.Melhuish, Martin (1986). The Supertramp Book. Toronto, Canada: Omnibus Press. S. 167–175. ISBN 0-9691272-2-7.

Nach Davies’ Angaben regeln rund 600 Seiten an Dokumenten und Verträgen aus dem Jahr 1983, welche Stücke er weiterhin spielen darf. Er halte sich an seinen Teil der Abmachung und spiele die Musik, die die Band damals gemeinsam veröffentlicht und auf die Bühne gebracht habe. Die Frage, ob er einen Rechtsstreit fürchte, verneinte er.

Dass die Gruppe nie zu den Lieblingen der Presse zählte, führte Davies darauf zurück, dass ihr ein Mitglied fehlte, das den Umgang mit den Medien beherrschte. Sie beschäftigte keinen PR-Agenten und versuchte auch nicht, mit Klatschmeldungen in die Zeitungen zu kommen.

1984 bis 2002 Im deutschen Sprachraum erschien 1984 das erfolgreiche Best-of-Album Supertramp – Die Songs einer Supergruppe, das Hits aus der klassischen Phase der Band mit den von 1974 bis 1982 veröffentlichten Studioalben enthält.

Roger Hodgsons erstes Soloalbum In the Eye of the Storm (1984) unterscheidet sich klanglich wenig von der bis dahin bekannten Supertramp-Musik, insbesondere die von ihm interpretierten Stücke.

Davies hingegen vollführte mit Supertramp einen Stilschwenk in Richtung Jazz und R&B, wobei er bereits in der vorherigen Zeit teilweise Lieder dieses Genres schrieb. Das noch am Neo-Prog orientierte Album Brother Where You Bound (1985) verkaufte sich gut und enthielt mit der Single „Cannonball“ sogar einen für Supertramp untypisch tanzbaren und groovenden Song, der sich in den USA in die Top 30 platzieren konnte.

1986 erschien das erfolgreiche Best-of-Album The Autobiography of Supertramp, das Hits aus der Zeit von 1974 bis 1985 enthält. Das folgende Studioalbum Free as a Bird (1987) und das Livealbum Live ’88 konnten an die vergangenen Erfolge nicht anknüpfen, weil die Band einen weiteren Stilschwenk hin zum Jazz und R&B machte, was vielen Fans, die sich vorher auf Hodgsons Popmusik konzentriert hatten, nicht gefiel. Die Bandmitglieder trennten sich daraufhin im Jahr 1988.

1990 und 1992 erschienen die erfolgreichen Best-of-Alben The Very Best of Supertramp und The Very Best of Supertramp 2, die Hits aus der Zeit von 1974 bis 1987 enthalten.

mini|hochkant|Rick Davies beim Konzert im Kulturpalast Dresden (2002)