mini|hochkant|Jörg Hube, 2007 Jörg Hube (* 22. November 1943 in Neuruppin; † 19. Juni 2009 in München) war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Kabarettist.

Leben Der in Brandenburg geborene Jörg Hube wuchs in Dießen am Ammersee und in München auf. mini|hochkant|Jörg Hube als Herzkasperl, 2007

„Seine Mutter war alleinerziehend und gab den kleinen Jörg ins Heim, als er drei Jahre alt war. In ergreifenden Kinderbriefen bittet er darum, dass sie ihn dort abholt. Als Schüler fiel Hube dann durch seine Aufmüpfigkeit auf. Er musste immer wieder die Schule wechseln, etwa weil er seine Lehrer beschimpft hatte. Ungerechtigkeit konnte ihn zeitlebens richtig wütend machen, er wollte nicht, dass Menschen sich betrügen lassen.“Aus dem Begleittext zur Fernsehsendung Capriccio des Bayerischen Rundfunks vom 8. Dezember 2011; vgl. auch „Mein Kopf ist eine Bombe.“ – Jörg Hube. Ein Künstlerleben. Ausstellung vom 9. Dezember 2011 bis 8. Juni 2012, Monacensia, München

Er verließ das Gymnasium vor dem Abitur und erlernte die Schauspielkunst an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule und am Salzburger Mozarteum. Ab 1984 unterrichtete er dann selbst an der Falckenberg-Schule und leitete sie ab dem Frühjahr 1991 bis zum Sommer 1993.

Sein erstes Engagement führte ihn von 1968 bis 1969 ans Stadttheater Trier, wo er unter anderem die Hauptrolle in Heinrich von Kleists Prinz von Homburg spielte. Von dort wechselte er zurück nach München an die Kammerspiele und später ans Bayerische Staatsschauspiel. Zusammen mit Helmut Ruge bildete Hube von 1971 bis 1973 das Kabarett Die Hammersänger. Von 1973 bis 1975 spielte er am Münchner Theater der Jugend. Schließlich entwickelte Hube – gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth Fanderl (einer Tochter des Musikers, Volksmusikpflegers und Volksliedsammlers Wastl Fanderl) – jene Figur des Herzkasperls, die seine Paraderolle werden sollte und mit der er ab 1975 in den Kabarettprogrammen Herzkasperls Altstadtfunk, Herzkasperls Salto Normale, Herzkasperls Abermakaber sowie Herzkasperls Biograffl und Herzkasperls Her- und Hinrichtung (2003) glänzte. Auf der Jubiläumswiesn zum 200. Geburtstag des Oktoberfestes 2010 trug ein traditionelles Bierzelt auf dem Historischen Oktoberfest Jörg Hube zu Ehren den Namen Herzkasperl Festzelt, welches nun auf der Oidn Wiesn weiterbesteht.

1973 sprach er in der Radiohörspiel-Reihe Meister Eder und sein Pumuckl in der Episode Pumuckl paßt auf einen Autofahrer.

Weitere Gastspiele an mehreren deutschen Bühnen folgten, so etwa 1977 als Danton in Dantons Tod bei den Gandersheimer Domfestspielen und 1980 in Heidelberg als Bürgermeister in Gogols Der Revisor. Ab 1973 trat Hube regelmäßig an den Münchner Kammerspielen auf. Die Theaterkritik feierte ihn besonders als Rabensteiner in Dieter Dorns Inszenierung von Peter Weiss’ Der neue Prozess und als Edgar in Franz Xaver Kroetz’ Nicht Fisch nicht Fleisch (beide 1983).

Erste Bekanntheit beim Fernsehpublikum erlangte er 1981 als Hauptfigur der vom Bayerischen Rundfunk produzierten Fernsehserie Der Gerichtsvollzieher. 1982 spielte er in Michael Verhoevens Kinofilm Die weiße Rose mit Lena Stolze als Sophie Scholl den zuständigen Oberregierungsrat – 23 Jahre später war er als Vater von Sophie Scholl auch in Sophie Scholl – Die letzten Tage zu sehen. Bundesweit bekannt wurde Hube 1984 durch Edgar Reitz’ Hunsrücksaga Heimat in der Rolle des Ingenieurs Otto Wohlleben, den der Bau der Reichshöhenstraße in den Hunsrück verschlagen hat und der schließlich beim Entschärfen einer Fliegerbombe ums Leben kommt. Als Kommissar Ludwig Grandauer und dessen Sohn Karl, die er beide in verschiedenen Lebensaltern verkörperte, prägte Hube das Gesicht der preisgekrönten BR-Serie Löwengrube, für die er 1992 zusammen mit Schauspielkollegin Christine Neubauer, Regisseur Rainer Wolffhardt und Autor Willy Purucker mit dem Adolf-Grimme-Preis mit Gold ausgezeichnet wurde.

Nach seinem Fernseherfolg mit der Löwengrube widmete sich Hube sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur wieder verstärkt den Kammerspielen. Hube war auch regelmäßig in der Bayerischen Staatsoper in der Operette Die Fledermaus in der Rolle des Gefängniswärters Frosch zu sehen. Sein Programm Sugardaddy, in dem er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Beatrix Doderer auf der Bühne stand und das 2005 Premiere feierte, war im Marstall des Bayerischen Staatsschauspiels und deutschlandweit zu sehen. mini|hochkant|Grabkreuz am Neuhauser Winthirfriedhof

Jörg Hube machte sich mit großer Stimmenvielfalt auch als Sprecher von Hörspielen und beim Bayerischen Rundfunk sowie mit engagierten Lesungen aus den Werken von Lion Feuchtwanger, Oskar Maria Graf und Karl Kraus einen Namen.

Seine letzte Rolle spielte er an der Seite von Stefanie Stappenbeck als lebenskluger Kriminalhauptkommissar Papen in der Polizeiruf-110-Folge Klick gemacht um die Nachwirkungen eines Sprengstoffanschlags auf einen Bundeswehr-Konvoi in Afghanistan. Nachdem Jörg Hube im Juni 2009 vor Beginn der Dreharbeiten der nachfolgenden Polizeiruf 110-Folge Die Lücke, die der Teufel lässt verstorben war, wurde die Figur des Friedl Papen am Beginn der Episode durch eine Bombenexplosion getötet. Jörg Hubes Rolle wurde dabei von einem Ersatzdarsteller übernommen.

Jörg Hube lebte in München und starb im Juni 2009 im Alter von 65 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er wurde auf dem Winthirfriedhof in München beigesetzt.knerger.de: Jörg Hubes Grab Sein Nachlass wird seit 2011 im Münchner Literaturarchiv Monacensia betreut, das auch eine Ausstellung des Nachlasses organisiert.FAZ vom 8. Januar 2011, Seite 33

Theater Weitere Theaterrollen von Jörg Hube: 1973 in Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W., München 1974 in Brechts Die heilige Johanna der Schlachthöfe 1978 in Widmers Nepal, München 1981 in Mitterers Kein Platz für Idioten, München 1985 in Franz Xaver Kroetz’ Bauern sterben, München 1993 in William Shakespeares Coriolan (Rolle: Sicinius Velutus) – Regie: Deborah Warner (Salzburger Festspiele – Felsenreitschule) 1994 als Klosterbruder in Lessings Nathan der Weise, München 1995 als Franz Schritt in Kroetz' Bauerntheater, München 1998 als Puntila in Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti, München 1998 in Ringsgwandls König Ludwig II. – Die volle Wahrheit 1999 in Polymestor in Euripides’ Hekabe, München

Filmografie 1972: Der Italiener 1977: Das feuerrote Spielmobil – Das Haus mit der Nr. 30 1976: Anschi und Michael 1976: Der Fall Bundhund (als Bundhund) 1976: Tatort: Wohnheim Westendstraße 1977: Tatort: Schüsse in der Schonzeit 1979: Kreutzer 1979: Andreas Vöst 1979: Blauer Himmel den ich nur ahne 1979: Die letzten Jahre der Kindheit 1980: Tatort: Der Zeuge 1981: Der Gerichtsvollzieher oder Die Gewissensbisse des Florian Kreittmayer 1982: Tatort: Das Mädchen auf der Treppe 1982: Die Weiße Rose 1983: Monaco Franze – Der ewige Stenz 1983: Rote Erde 1984: Polizeiinspektion 1 – Gebrochene Herzen 1984: Morgen in Alabama 1984: Heimat – Eine deutsche Chronik 1986: Der Alte – Das Attentat 1986: Rette mich, wer kann 1986: Schafkopfrennen 1987: Die Hausmeisterin 1987: Die Chinesen kommen 1987: Das Treibhaus 1988: Der Schwammerlkönig 1989: Schweinegeld – Ein Märchen der Gebrüder Nimm 1989–1992: Löwengrube 1992: Abgetrieben 1993: Großstadtrevier – Bodo 1994: Polizeiruf 110: Gespenster 1995: Transatlantis 1996: Der schönste Tag im Leben 1997: Sophie – Schlauer als die Polizei 1997: Das ewige Lied 1998: Kreuzwege 1998: Neue Freiheit – Keine Jobs 1999: Die Verbrechen des Professor Capellari: Tod eines Königs 1999: Requiem für eine romantische Frau 2000: Geschichten aus dem Nachbarhaus – Hoffest 2000, 2002: Café Meineid (TV-Serie, zwei Folgen) 2002: Ich hab es nicht gewollt – Anatomie eines Mordfalls 2004: Der Alte – Ein mörderisches Geheimnis 2005: Sophie Scholl – Die letzten Tage 2007: Das große Hobeditzn 2008: Tatort: Der oide Depp 2008: Die Geschichte vom Brandner Kaspar 2009: Franzi 2009: Polizeiruf 110: Klick gemacht

Auszeichnungen mini|Jörg Hube beim Bayerischen Poetentaler, 2004 1982 Deutscher Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett 1982 Ernst-Hoferichter-Preis 1985 Ludwig-Thoma-Medaille der Stadt München 1992 Adolf-Grimme-Preis mit Gold für Löwengrube (zusammen mit Willy Purucker, Rainer Wolffhardt und Christine Neubauer) 1993 Theaterpreis der Landeshauptstadt München 1993 Adolf-Grimme-Preis mit Bronze für Unter deutschen Dächern: Der Ami geht heim (zusammen mit Christian Bauer) 1996 Deutscher Kabarettpreis Hauptpreis 1999 Prix Pantheon Kategorie Reif & Bekloppt 1999 Schwabinger Kunstpreis Ehrenpreis 2000 Oberbayerischer Kulturpreis 2000 Wilhelm-Hoegner-Preis, gemeinsam mit der Biermösl Blosn 2004 Bayerischer Poetentaler 2008 Medaille „München leuchtet – Den Freunden Münchens“ in Gold 2009 Bayerischer Kabarettpreis Ehrenpreis 2009 Bayerischer Verdienstorden posthum

Literatur Eva Demmelhuber (Hrsg.): Jörg Hube – Herzkasperls Biograffl. Ein Künstlerleben. (mit einem Vorwort von Gerhard Polt) LangenMüller, München 2011, ISBN 978-3-7844-3276-2 Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 440. C. Bernd Sucher (Hg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 1995, 2. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 323 f.

Einzelnachweise

Weblinks

König Stier. Nachruf der Süddeutschen Zeitung vom 19. Juni 2009

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