Metropolregion Rhein-Ruhr Land: Landschaftsverbände: Rheinland,Westfalen-Lippe Regierungsbezirke: Arnsberg,Düsseldorf,Köln,Münster Fläche: 7.110,4 km² Einwohner: 11.391.459 (31. Dezember 2025) Bevölkerungsdichte: Einwohner pro km² Höchster Punkt: (Iserlohn) Niedrigster Punkt: (Wesel) Nord-Süd-Ausdehnung: 126 km West-Ost-Ausdehnung: 121 km geographische Lage: 50° 44′ – 51° 49′ n. Br.6° 17′ – 7° 59′ ö. L. Gliederung: 20 kreisfreie Städte,11 Kreise 295px|zentriert|Lage der Metropolregion Rhein-Ruhr (rot) in Nordrhein-Westfalen und in DeutschlandLage der Metropolregion Rhein-Ruhr (rot)in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland(in abgewandelter Abgrenzung) thumb|Signet Metropolregion Rhein-Ruhr 2025 Die Metropolregion Rhein-Ruhr (MRR) ist ein geographischer Raum, der sich als polyzentrischer Verdichtungsraum in Nordrhein-Westfalen an den namensgebenden Flüssen Rhein und Ruhr erstreckt und in enger Verflechtung ihrer Gebietskörperschaften die größte Stadtlandschaft Deutschlands darstellt. Fläche und Bevölkerungszahl ändern sich je nach gewählter räumlicher Abgrenzung.
Rhein-Ruhr liegt zentral in der rund 100 Millionen Einwohner zählenden europäischen Megalopolis. Innerhalb dieser Megaregion ist Rhein-Ruhr besonders stark mit dem Rhein-Main-Gebiet, der Randstad sowie den Regionen Brüssel-Hauptstadt und Antwerpen verflochten.
Bei sieben Mal höherer Bevölkerungsdichte und kleinerer Fläche ist sie vor der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg die bevölkerungsreichste Metropolregion Deutschlands.
Ihre Bevölkerungsschwerpunkte sind das Ruhrgebiet, Köln/Bonn, Düsseldorf und das Bergische Städtedreieck.
Im Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen (1995–2017) war die Metropolregion als Vorgabe der Raumordnung zwar räumlich, aber sachlich kaum bestimmt. In geänderter räumlicher Abgrenzung wird die Metropolregion Rhein-Ruhr heute im Initiativkreis Europäische Metropolregionen in Deutschland vom Regionalverband Ruhr („Metropole Ruhr“, „Business Metropole Ruhr“, „Metropolregion Ruhr“) und 24 Gebietskörperschaften um und einschließlich Köln und Düsseldorf („Metropolregion Rheinland“) im Rahmen des Regionalmarketings vertreten und umfasst rund 14 Millionen Einwohner.Metropolregion Rhein-Ruhr, Webseite im Portal deutsche-metropolregionen.org Im Rahmen der Olympiabewerbung Nordrhein-Westfalens 2036, 2040 oder 2044 wurde 2026 die Bezeichnung „KölnRheinRuhr“ als Name der Bewerberregion etabliert.Kampagnenstart KölnRheinRuhr: Bewerbung für Olympische Spiele und Paralympics In: osp-rheinruhr.nrw
Landesentwicklungsplanung 1995–2017 Auf der Grundlage der Evidenz einer neuen, gesteigerten Bedeutung von Metropolen, die auf Thesen (Weltstadthypothese, Global-City-Konzept) gründete, welche von John Friedman und Saskia Sassen publiziert worden waren,Heinz Reif: Metropolen. Geschichte, Begriffe, Methoden. CMS Working Paper Series, No. 001-2006, S. 16 (PDF) sowie einem 1995 gefassten Beschluss der Ministerkonferenz für Raumordnung wurde die Ausweisung der Region Rhein-Ruhr zur Metropolregion durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen (Kabinett Rau IV) im Zusammenhang mit der Entwicklung eines Europäischen Raumentwicklungskonzepts vorangetrieben. Landesplanungsrechtlich wurde die „europäische Metropolregion Rhein-Ruhr“ im Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen (Teil A) 1995 räumlich bestimmt und sachlich in Form von textlich formulierten „Zielen“ unter dem Abschnitt B.I.2. behandelt.Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen: , abgerufen am 30. April 2010. mini|Metropolregion Rhein-Ruhr gemäß dem Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen 1995 Die Metropolregion Rhein-Ruhr war im Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen 1995 gemeindescharf definiert. Als Konzept der Raumordnung umfasste sie ein Gebiet von etwa 7000 Quadratkilometern mit ungefähr zehn Millionen Einwohnern und befand sich vollständig im Land Nordrhein-Westfalen. Damit war sie die mit Abstand bevölkerungsreichste und am dichtesten besiedelte Metropolregion in Deutschland und zählte zu den fünf größten Metropolregionen Europas.
Nach dem Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen 1995 gehörten insgesamt 11 Kreise mit 70 Städten/Gemeinden zur Metropolregion Rhein-Ruhr. In einigen Kreisen zählten nur bestimmte Gemeinden zur Metropolregion. Die einzigen kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen, die dieser Metropolregion nicht angehörten, waren Aachen, Bielefeld und Münster.
Im Landesentwicklungsplan 1995 wurde der Erhalt und Ausbau der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion als vorrangiges Ziel aufgeführt. Bis zur Ablösung des Plans im Jahr 2017 war die rechtliche Bedeutung der europäischen Metropolregion Rhein-Ruhr jedoch bloß als schlichte Planaussage der Raumordnung und Landesplanung zu bewerten. Denn aufgrund mangelnder sachlicher Bestimmtheit blieb fraglich, welche konkreten Rechtsfolgen die entsprechende Planaussage des Landesentwicklungsplans auslösen sollte. Das Konzept blieb deskriptiv und enthielt keine konkreten Anweisungen für nachgeordnete Ebenen.Stefan Bege: Das Konzept der Metropolregion in Theorie und Praxis. Ziele, Umsetzung und Kritik. Dissertation Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 2009, Gabler Verlag/Springer Fachmedien, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8349-2147-5, S. 129 (Google Books)
Landesentwicklungsplanung ab 2015/2017 Das Land Nordrhein-Westfalen schuf 2015 im Entwurf zu einem neuen Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen als Ersatz für das Raumkonzept Metropolregion Rhein-Ruhr den Begriff Europäischer Metropolraum Nordrhein-Westfalen und versteht darunter sein gesamtes Staatsgebiet. 2017 erlangte der Entwurf Rechtskraft. Das Land fasst darunter einen Raum für „verstärkte regionale Kooperationen“ mit „internationalen Standortvoraussetzungen in den Bereichen Infrastruktur, Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung, Wirtschaft, Wissenschaft, sowie Kultur, Erholung, Freizeit und Tourismus“ und erklärte entsprechende Entwicklungsabsichten (nunmehr bloß) zu einem Grundsatz der Raumordnung.Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen: Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen. Lesefassung, S. 40 ff. (PDF)
Unter Einbeziehung der als „Nordrhein-Restfalen“ sich planungspolitisch als vernachlässigt ansehenden peripheren Räume des Landes griff Nordrhein-Westfalen mit dem Terminus Metropolraum im Zuge der Diskussion über eine Weiterentwicklung des in der Praxis kaum realisierten Konzepts der Metropolregion Rhein-Ruhr damit ein neues Konzept des Raumforschers Hans Heinrich Blotevogel auf, der einen Metropolraum vor allem als eine analytische Kategorie verstanden wissen will, als Region mit einer oder mehreren metropolitanen Kernstädten und ihren Umlandräumen, die gleichwohl im Hinblick auf ihre Eignung als Metropolregion betrachtet werden könne. Blotevogel analysierte als „Metropolitätsindizes“ die Funktionen Entscheidungs- und Kontrollkapazität, Innovation und Wettbewerb sowie Gateway-Funktion (globale Verflechtung) und gliederte den Ballungsraum Rhein-Ruhr allerdings in drei Metropolräume auf, den Metropolraum Ruhr, den Metropolraum Düsseldorf und den Metropolraum Köln-Bonn.Hans Heinrich Blotevogel, Kati Schulze: 1 oder 2 oder 3? Zur Konstituierung möglicher Metropolregionen an Rhein und Ruhr. In: Raumforschung und Raumordnung, Band 68 (2010), S. 255–270
Struktur und Lage Der Verdichtungsraum der Metropolregion Rhein-Ruhr erstreckt sich entlang der Flüsse Rhein und Ruhr. Entlang der Ruhrachse verläuft der Teilraum Ruhrgebiet. Der Teilraum entlang des Rheins, etwa von Wesel bis Bonn, wird gemeinhin als Rheinschiene bezeichnet. Der Siedlungskörper innerhalb der Metropolregion Rhein-Ruhr, der auch Siedlungsflächen links des Rheins, etwa im Kölner, Mönchengladbacher und Krefelder Raum, oder die Siedlungsflächen der rechtsrheinischen Großstädte Wuppertal, Remscheid und Solingen einschließt, ist in seiner faktischen räumlichen Ausprägung nicht klar konturiert, sondern zeigt aufgrund ungleichmäßiger Besiedlungsdichte diffuse Ränder und innere Zäsuren. Siedlungs- und wirtschaftsgeografisch wird die Metropolregion als zentrales Glied innerhalb der europäischen Megalopolis betrachtet, insbesondere als Teil des Raumkonzepts „Blaue Banane“.
Alternative Begriffe und Abgrenzungen Alternativ werden gelegentlich die Begriffe Ballungsraum Rhein-Ruhr oder Rhein-Ruhr verwendet. Häufig bleibt dabei aber unklar, ob damit nur der dichter besiedelte Kernbereich der Metropolregion gemeint ist, also der mehr oder weniger zusammenhängenden Siedlungskörper, der sich von Hamm im Osten bis nach Viersen im Westen sowie von Bonn im Süden nach Wesel im Norden erstreckt, oder ob auch Räume an den fließenden Grenzen ins Bergische Land, Sauerland und Münsterland begrifflich eingeschlossen sind.
Entwicklungskonzepte mini|Siedlungsstruktur Nordrhein-Westfalens und Verdichtungsraum der Städte an Rhein und Ruhr Bereits 1952 hatte die Stadt Düsseldorf das Konzept einer „Stadtlandschaft Rhein-Ruhr“ erstellt, das zur Darstellung der Lagegunst und Mittelpunktfunktion Düsseldorfs den Verdichtungsraum der Städte an Rhein und Ruhr in den Blick nahm.Abbildung 13 in: Werner Durth: Düsseldorf: Demonstration der Modernität. In: Klaus von Beyme u. a. (Hrsg.): Neue Städte aus Ruinen. Deutscher Städtebau der Nachkriegszeit. Prestel-Verlag, München 1992, ISBN 3-7913-1164-6, S. 243. Damit machte sie auf ihre zentrale Position im Rhein-Ruhr-Gebiet aufmerksam, die aus Hochindustrialisierung und Tertiärisierung hervorgegangen war. Unter der Metapher „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ war ihre führende Rolle zu dieser Zeit bereits sprichwörtlich geworden. Schon auf der Städte-Ausstellung Düsseldorf 1912 und in dem dort präsentierten Generalbebauungsplan „Groß-Düsseldorf“ war die Stadt von Planern als „Mittelpunkt des rheinisch-westfälischen Industrie-Gebiets“ eingestuft worden.Der Wettbewerb zur Erlangung eines Bebauungsplanes der Stadt Düsseldorf. In: Deutsche Bauzeitung. XLVI. Jahrgang (1912), Hefte 63–70; insbesondere Heft 63 (7. August 1912), Abb. S. 552, Heft 65 (14. August 1912), S. 561 ff. (PDF)
Die „Rhein-Ruhr-Ballung“ klassifizierte der Statistiker und Regionalwissenschaftler Olaf Boustedt nach dem Vorbild des erstmals 1949 amtlich definierten Konzepts der Metropolitan Statistical Area, das für Zwecke der Statistik und Planung Kernstädte und ihr Umland nach Pendlerbeziehungen abgrenzt, ab 1953 als Agglomeration („Stadtregion“) von Ruhrgebiet und Rheinschiene mit elf Millionen Einwohnern.Olaf Boustedt: Stadtregionen. In: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.): Handwörterbuch der Raumforschung und Raumordnung. 2. Auflage, Jänecke, Hannover 1970, Sp. 3207–3237.Olaf Boustedt: Die Stadtregion. Ein Beitrag zur Abgrenzung städtischer Agglomerationen. In: Allgemeines statistisches Archiv, 37 (1953), S. 13–26. 1989 erklärte eine Gruppe um den französischen Geographen Roger Brunet Rhein-Ruhr als Kernraum einer zusammenhängenden europäischen Megalopolis, der sogenannten Blauen Banane. Seit den 1990er Jahren wies das Globalization and World Cities Research Network darauf hin, dass innerhalb des Ballungsraums die Stadt Düsseldorf den höchsten Grad globaler Verflechtungen im Sinne einer „Global City“ aufweise.
Die Metropolregion in ihrer raumplanerischen Bedeutung wurde von der deutschen Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) 1995 abgegrenzt und für die Verwendung in der Raumordnung empfohlen. Das Land Nordrhein-Westfalen griff diese Empfehlung daraufhin in seinem Landesentwicklungsplan auf und gab Planaussagen zur Europäischen Metropolregion Rhein-Ruhr als Ziel der Raumordnung gesetzlich vor, um einen Verdichtungsraum mit besonderer zentralörtlicher Bedeutung für die öffentlichen und privaten Planungen zu kennzeichnen. Auf der europäischen Ebene der Raumordnung floss die Raumeinheit der Metropolregion Rhein-Ruhr in das Europäische Raumentwicklungskonzept ein.