Die Kanarischen Inseln () oder Kanaren sind eine geologisch zu Afrika, politisch zu Spanien (und damit zur EU) und biogeografisch zu Makaronesien gehörende, aus acht bewohnten und einer Reihe unbewohnter Inseln bestehende Inselgruppe im östlichen Zentralatlantik, etwa 100 bis 500 Kilometer westlich der Küste von Marokko. Die Autonome Gemeinschaft der Kanaren () ist eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens. Diese wiederum besteht aus zwei Provinzen: der Provinz Santa Cruz de Tenerife (La Palma, Teneriffa, La Gomera und El Hierro) und der Provinz Las Palmas (Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote), deren Verwaltungssitz in Las Palmas auf Gran Canaria ist.
Die Kanarischen Inseln gehören zum Schengen-Raum und zum Zollgebiet der Europäischen Union, nicht aber zum Steuergebiet für Verbrauchsteuern und Mehrwertsteuern. Während Personengrenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums nicht mehr stattfinden, werden Zollkontrollen für Waren mit Ziel auf oder Herkunft von den Kanarischen Inseln weiterhin durchgeführt. Toponym
Die Inseln werden traditionell mit den mythischen Inseln der Seligen (siehe Makaronesien) gleichgesetzt. Sie wurden von den Römern um 40 v. Chr. besucht. Plinius der Ältere beschreibt in seiner Naturalis historia die größte der Inseln, Canaria (das heutige Gran Canaria), die so genannt worden sei „wegen der großen Zahl großer Hunde“ (multitudine canum ingentis magnitudinis). Er fügt hinzu, dass König Juba II. von Numidien zwei der Hunde mitnahm, die wahrscheinlich Vorläufer des afrikanischen Schweißhundes waren. Die Römer kannten die Inselgruppe daher als Canariae Insulae, „Inseln der Hunde“. Der lokale guanchische Name für die Inseln ist Tamaran, „Land der Starken“.
Geographie mini|hochkant=1.5|Spanische und portugiesische Inseln (Beschriftung von Teneriffa fehlt) Die Kanarischen Inseln liegen im Atlantik in einer geographischen Region, die als Makaronesien bezeichnet wird. Dazu zählen außerdem die Kapverden, die Azoren, der Madeira-Archipel und die unbewohnten Inseln von Selvagens. Zwischen rund 27° 38' und 29° 30' nördlicher Breite sowie 13° 22' und 18° 11' westlicher Länge befinden sich die Kanaren zwischen 1028 und 1483 Kilometer vom Mutterland Spanien (mit dem Kap Trafalgar als äußerstem Punkt) entfernt, auf gleicher Breite mit der Sahara, Kuwait und Florida. Es gilt, im Gegensatz zum spanischen Festland, die westeuropäische Zeit.
Die Kanaren bestehen aus sieben größeren Inseln mit eigener Inselverwaltung (Cabildo Insular), einer weiteren bewohnten Insel (La Graciosa) und fünf unbewohnten Inseln. Darüber hinaus gibt es direkt an der Küste viele kleine unbewohnte Felseninseln, wie zum Beispiel die Roques de Salmor (0,035 km²) vor El Hierro, die Roques de Anaga (0,01 km²) und den Roque de Garachico (0,05 km²) vor Teneriffa. Der höchste Berg der Kanarischen Inseln und zugleich auch Spaniens ist der 3715 Meter hohe Pico del Teide auf Teneriffa.
eigene Verwaltung mitverwaltete Inseln Teneriffa 2034 km² Fuerteventura 1660 km² Lobos 4,58 km² Gran Canaria 1560 km² Lanzarote 846 km² La Graciosa 29 km² Alegranza 10,30 km² Montaña Clara 1,48 km² Roque del Este 0,06 km² Roque del Oeste 0,015 km² La Palma 708 km² La Gomera 370 km² El Hierro 269 km²
Geologie Die Kanarenschwelle Die Inselgruppe der Kanaren gehört geologisch zu Afrika. Sie befindet sich auf der Afrikanischen Platte, am Ostrand des Kanarischen Beckens, das bis in 6501 Meter Tiefe abfällt. Dieses Seebecken im Atlantik besteht aus dem kleineren Nordbecken und dem größeren Südbecken, die durch die Kanarenschwelle getrennt sind, an deren östlichem Ende sich die Kanaren erheben. Die Grenzen des gesamten Beckens bilden im Norden die Azorenschwelle, im Süden die Kapverdenschwelle und im Westen der Nordatlantische Rücken.
Vulkanismus und Erosion mini|Piedra de la Rosa, eine Lavarosette, die durch sternförmige Risse in erkaltender Lava entstand mini|Roque Cinchado im Vordergrund und Pico del Teide im Hintergrund mini|Die endemische Kanarische Kiefer hat sich an die häufigen Waldbrände angepasst. Sie treibt nach der Verkohlung durch Brand wieder aus. Die Kanarischen Inseln sind ein Archipel, der seine Entstehung dem Intraplattenvulkanismus und einem unter ihm liegenden Hotspot verdankt. Sowohl seismische Tomographie als auch geochemische Analysen deuten auf eine tief im Erdmantel liegende Anomalie als Quelle der Magmen hin. Die unstete zeitliche Entwicklung der Inseln kann am besten mit einer sogenannten Edge-Driven Convection (Plattenrandkonvektion) erklärt werden, welche einen aufsteigenden Plume durcheinanderwirbelt.Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands (= Classic Geology in Europe. Band 4). Harpenden, Terra, 2002, ISBN 1-903544-07-6, S. 1; Hans-Ulrich Schmincke, M. Sumita: Geological Evolution of the Canary Islands. Görres, Koblenz 2010, ISBN 978-3-86972-005-0. Siehe allgemein zur geologischen Entstehung auch J. C. Carracedo u. a.: The Canary Islands, an Example of Structural Control on the Growth of Large Island Volcanoes. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research. Band 60, 1994, S. 225–241 (PDF, englisch; 1,4 MB) (PDF)
Die Inseln sind zum Teil noch vulkanisch aktiv. Die östlichen Inseln Fuerteventura und Lanzarote sind mit 22 Mio. Jahren bzw. 15,5 Mio. Jahren die ältesten. Gran Canaria entstand vor etwa 14,5 Mio. Jahren, Teneriffa vor etwa 12 Mio. und La Gomera vor etwa 11 Mio. Jahren. La Palma und El Hierro sind mit 2 bzw. 1,2 Mio. Jahren die jüngsten Inseln des Archipels.Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands (= Classic Geology in Europe. Band 4). Harpenden, Terra, 2002, S. 2.
Die Hotspot-Wanderung wird als die schlüssigste Erklärung für die Entstehung der Kanarischen Inselkette angesehen: Über dem ortsfesten Hotspot wandert die Afrikanische Platte mit einer Driftgeschwindigkeit von 1,2 cm/Jahr nordostwärts. Der Wert leitet sich aus dem Entstehungszeitraum der Kanarischen Inseln bis zur jüngsten Insel El Hierro und dem Abstand zwischen den Inseln ab.Rainer Olzem: Der Kanarische Hotspot – Hypothesen zur Entstehung der Kanarischen Inseln. In: Rainer-Olzem.de, (private Website). Olzem bezieht sich dabei auf S. Duggen, K. A. Hoernle, F. Hauff, A. Klügel, M. Bouabdellah, M. F. Thirlwall: Flow of Canary Mantle Plume Material Through a Subcontinental Lithospheric Corridor Beneath Africa to the Mediterranean. In: Geology. Band 37, 2009, Nr. 3, S. 283–286, doi:10.1130/G25426A.1; K. Hoernle, J. C. Carracedo: Canary Islands, Geology. In: R. G. Gillespie, D. A. Clague (Hrsg.): Encyclopedia of Islands (= Encyclopedias of the Natural World.). University of California Press, Berkeley 2009, S. 133–143 . Siehe auch José Mangas Viñuela: The Canary Islands Hot Spot. Universidad de Las Palmas de Gran Canaria, zuletzt aktualisiert am 21. Dezember 2007. Die im GPS ermittelte Driftgeschwindigkeit am Standort La Palma im Zeitabschnitt 2008 bis 2012 beträgt 1,7 cm/Jahr und 1,6 cm/Jahr (gemessen über die Verschiebung auf dem Breiten- und dem Längengrad).
Jede Insel weist eine individuelle Entstehungsgeschichte auf, außer Lanzarote und Fuerteventura, die eine ähnliche geologische Geschichte durchlaufen haben. Die beiden Inseln und die dazwischen liegende Nebeninsel Lobos waren über Jahrtausende hinweg während des niedrigen Wasserstands in den Kaltzeiten zu einer einzigen Insel verbunden. Auch heute trennt sie nur eine etwa 40 Meter tiefe und 10 Kilometer breite Meerenge.Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands (= Classic Geology in Europe. Band 4). Harpenden, Terra, 2002, S. 56.
Allgemein gehen Geologen von einer dreiphasigen Entstehungsgeschichte aus, die mit Hilfe der Argon-Isotop-Datierung der vulkanischen Gesteine belegt ist: Sie begann vor mindestens 142 Millionen JahrenPaul van den Bogaard: The Origin of the Canary Island Seamount Province – New Ages of Old Seamounts. In: Scientific Reports. Band 3, 2013, doi:10.1038/srep02107, HTML. mit unterseeischen Eruptionen, wobei sich aus Kissenlaven, Hyaloklastiten und Intrusionen zunächst unterseeische Berge aufbauten. Nach etlichen Millionen Jahren ragten diese über die Meeresoberfläche hinaus und es bauten sich in anhaltenden Eruptionsserien Schildvulkane auf, ähnlich wie auf Hawaii oder Surtsey. Danach gab es auf den ältesten Vulkaninseln Fuerteventura, Lanzarote, Gran Canaria und La Gomera eine mehrere Millionen Jahre andauernde eruptive Pause, die durch starke Erosion oberhalb des Meeresspiegels nachweisbar ist. Späterer erneuter Vulkanismus im Pliozän und Quartär formte die Inseln. Auch hier sind Ruhephasen mit Erosionsschichten nachweisbar.Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands (= Classic Geology in Europe. Band 4). Harpenden, Terra, 2002, S. 4.
In der Folge kam es auf allen Inseln wiederholt zum Flankenkollaps und zu Trümmerlawinen, deren Schuttfächer bis weit ins Meer hinaus noch heute nachweisbar sind. Zusammen mit großen explosiven Ausbrüchen bildeten sich dabei auch die großen Calderen auf Gran Canaria, Teneriffa und La Palma.Juan Carlos Carracedo, Simon Day: Canary Islands (= Classic Geology in Europe. Band 4). Harpenden, Terra, 2002, S. 9 f.
Die vulkanischen Aktivitäten halten mit großen Ausbrüchen im 18. Jahrhundert auf Lanzarote und dem letzten Ausbruch zu Lande auf La Palma 2021 bis in die heutige Zeit an: Ab dem 10. Oktober 2011 entstand, etwa 270 Meter unter dem Meeresspiegel und wenige Kilometer südlich der Küste vor der Insel El Hierro, ein neuer Vulkan, dessen Auswurfprodukte auch die Meeresoberfläche erreichten; die unterseeischen Eruptionen endeten Anfang März 2012.
Klima Das subtropische Klima der Kanaren ist aufgrund seiner Nähe zum nördlichen Wendekreis zwischen dem 27. und 29. Breitengrad das ganze Jahr über angenehm, was dem Archipel den Beinamen Inseln des ewigen Frühlings eingebracht hat. Der gleichbleibend kühle Kanarenstrom, ein Teil des Golfstroms, gleicht die Temperaturen aus, und der Nordostpassat hält die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara meist fern und bringt vor allem an den Nordküsten der Inseln bisweilen Niederschläge. Eine Ausnahme bildet die mit Calima bezeichnete Wetterlage, die bei Südostwind trockene, heiße Luft mit feinem Saharasand auf die Inseln bringt. Grundsätzlich kann zwischen einer Trockenzeit im Sommer und einer regenreicheren Zeit im Winter unterschieden werden; die südlichen Regionen der Inseln sind trockener als die nördlichen. In den Küstenregionen liegen die Durchschnittstemperaturen im Sommer kaum höher als 25 °C, im Winter um 18 °C.
Hinzu kommt eine wesentliche Abhängigkeit des Klimas von der Topografie der Inseln. Der Nordostpassat hat dabei wesentlichen Einfluss auf die hohen westlichen Inseln, deren Nordosten durch starke Wolkenbildung an den Gebirgen deutlich feuchter und kühler ist als deren Süden. Da auf diesen Inseln die Höhenunterschiede im Vergleich zur Fläche sehr groß sind, gibt es deutlich zu differenzierende vertikale Klimazonen. Diese reichen von den trocken-heißen Küstenregionen über die feucht-kühle und deshalb oft bewaldete Zone bis hin zu kühl-trockenen Zonen mit teilweisem Hochgebirgsklima. Wenig Einfluss hat der Passat auf die flachen östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura, auf denen durchweg ein arides (trockenes) Klima herrscht. Außerdem existieren auf allen Inseln in Bereichen tiefer Schluchten und hoher Felswände Mikroklimata mit großer Pflanzenvielfalt.
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