Die ab 1939 gebauten Einheits-Güterzuglokomotiven der Baureihe 50 mit einer führenden Laufachse und fünf Kuppelachsen zählen zu den gelungensten Konstruktionen der Deutschen Reichsbahn.

Diese Baureihe wurde im Rahmen der Kriegsvorbereitung in Deutschland beschafft. Bis 1948 wurden 3164 Maschinen der 80 km/h schnellen Baureihe 50 von nahezu allen europäischen Lokomotivfabriken – zuletzt als Übergangskriegslokomotive 50 ÜK – gebaut. Sie wurde mit diversen Schlepptendern betrieben, die den Betriebsvorrat an Wasser und Brennstoff mitführten.

Am Ende der Dampflokzeit ist sie zur Universalgattung geworden, die dank der niedrigen Achslast auch auf Nebenbahnen mit leichterem Oberbau eingesetzt werden konnte. Sie löste somit die Baureihen 58, 52 und 57 im Güterverkehr ab. Da es im Nebenbahnnetz nicht überall für derartig lange Maschinen ausreichende Drehscheiben gab, wurden die Lokomotiven für eine Geschwindigkeit von 80 km/h in beiden Richtungen ausgelegt. Auffälliges Merkmal ist deshalb eine Schutzwand mit Fenstern an der Vorderseite des Tenders (2’2’ T 26). Die Maschinen konnten bis zu 2.200 Tonnen schwere Erzzüge schleppen. Die Grenzlast in der Ebene lag bei 2.900 Tonnen, wobei solche Züge bereits angeschoben werden mussten. Auf Steigungen von 1:60 konnte die Maschine die Grenzlast von 550 Tonnen mit 30 km/h schleppen.

Geschichte Deutsche Reichsbahn (bis 1945) miniatur|links|50 163 mit einem Güterzug im Elbtal, Foto von Werner Hubert Ab 1937 wurde eine neue Einheitslokomotive entwickelt, die die veralteten Länderbahn-Güterzuglokomotiven auf Nebenbahnen ablösen sollte. Von April bis Juli 1939 wurden die ersten zwölf Lokomotiven von Henschel & Sohn ausgeliefert. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges ließ den Bedarf an Güterzuglokomotiven ansteigen, so dass sie in großer Stückzahl gebaut wurde. Allein im Jahr 1939 wurden schon 228 Maschinen der Baureihe 50 geliefert. Bis 1945 waren insgesamt 3164 Maschinen gefertigt worden. Ab 1942 wurde eine vereinfachte Übergangs-Kriegslokomotive ohne Windleitbleche, Frontschürze und zweites Führerhausseitenfenster gebaut, teilweise auch mit Scheibenrädern an der Vorlaufachse und einem eckigen Sandkasten. Der Übergang war fließend, so dass sich unterschiedliche Ausführungen finden lassen. Einschließlich der Nachfolgebaureihe 52 und den 286 Nachbauten aus Rumänien waren sogar weit über 10.000 Loks gebaut worden.

Deutsche Bundesbahn mini|links|50 2602 mit Güterzug auf der rechten Rheinstrecke (1961) mini|links|50 777 mit Personenzug bei Peine (1961) Trotz der Kriegsverluste waren 1945 noch sehr viele Maschinen übrig geblieben. Allein von der Deutschen Bundesbahn wurden 2159 einsatzfähige Lokomotiven übernommen. Inklusive der beschädigten Loks waren 2489 bis 2563 Exemplare bei der Bundesbahn verblieben. Sie waren in allen Direktionen des Bundesgebietes zu finden und bildeten lange Zeit mit der DR-Baureihe 44 das Rückgrat des Güterverkehrs. Auch im Personenzugverkehr wurden sie eingesetzt. An der Ausbesserung der Schadloks beteiligten sich bis in die 1950er-Jahre hinein die Werke Rheinfelden (1946–48), Esslingen, Henschel/Kassel (1945–1948), Jung/Jungenthal (bis 1952), Stahlwerke Braunschweig (bis 1948) und die Werft Bremer Vulkan (1947–1948), da die Ausbesserungswerke größtenteils im Krieg zerstört worden waren. 50 Lokomotiven konnten nicht wiederhergestellt werden und wurden deshalb sofort ausgemustert. Maschinen, die in Frankreich gebaut worden waren, wurden zudem nach Frankreich abgegeben. Der Bestand der Bundesbahn wurde zum 1. Juli 1950 auf 2144 Lokomotiven festgelegt.

Bei vielen Lokomotiven wurden die Wagner-Windleitbleche nach dem Krieg durch solche der Bauart Witte ersetzt. Bei 735 Maschinen der DB wurde der Tender mit einer Zugführerkabine ausgerüstet, wobei nur das Kohlenkastenvolumen reduziert werden musste. Da die Deutsche Bundesbahn über genügend Güterzuglokomotiven verfügte, konnte sie rasch auf die DR-Baureihe 52 verzichten und mit deren Kesseln die nicht alterungsbeständigen Kessel der Baureihe 50 ersetzen. Über 500 Maschinen erhielten einen St34-Kessel der Reihe 52. Auch die Wannentender der Kriegslokomotiven wurden u. a. bei der Baureihe 50 weiterverwendet. Die letzten 120 Maschinen mit den Betriebsnummern 3045 bis 3164 hatten als ÜK-Loks schon ab Werk einen Wannentender bekommen. Weitere Loks erhielten später noch bei der Bundesbahn einen Wannentender, sodass es schätzungsweise 128 Wannentenderloks der Baureihe 50 gab. Weitere bekannte Wannentenderloks waren die Loks mit den Nummern 028, 2428, 629, 2367, 2074, 1832, 2935 und 1524. Für zehn Maschinen wurde auch ein Steifrahmentender bestellt. Ausgerüstet wurden aber nur die beiden Loks mit den Nummern 2955 und 2960.

In den 1950er-Jahren dienten einige Lokomotiven der Baureihe 50 als Versuchsträger. So erhielten 35 Maschinen Kessel mit Henschel-Mischvorwärmern statt der Oberflächenvorwärmer und Turbo-Speisepumpen, und die 50 1503 wurde mit einem Giesl-Ejektor ausgerüstet. 1955 erhielten die ersten Maschinen des Bw Treysa eine Funkausrüstung. Zur Kohleersparnis erhielten 1959 zehn Lokomotiven einen Kessel mit kleinerer Rostfläche.

Noch im Jahr 1968 waren insgesamt 1444 bis 1452 Maschinen bei der DB im Betrieb, sodass für das EDV-Nummernsystem neben der 050 die Baureihen 051, 052, und 053 eingeführt werden mussten.

Die letzten 50er der DB wurden per Verfügung zum 21. Februar 1977 ausgemustert. Alle fünf Maschinen waren damals im Bw Duisburg-Wedau beheimatet. Die letzte Güterzugleistung erbrachte am 17. Februar die 052 508. Als letzte Lok der Baureihe verabschiedete sich die 051 724, als sie am 19. Februar zusammen mit der 044 508 einen Sonderzug der DGEG bespannte.Großes Finale in: Lok Magazin 7/2007, S. 32 ff. Ebenfalls zu den letzten gehörte die Lok 053 075-8, die nach ihrem letzten Arbeitstag am 30. Dezember 1976 aus eigener Kraft das Bahnbetriebswerk Wedau verließ. mini|Lokschildersatz Baureihe 50 mini|Vorbeifahrt der Lokomotive vom Typ F 50 in Rathen

DB-Baureihe 50.40

1954 wurde eine Lokomotive als Franco-Crosti-Lokomotive umgebaut, wegen der guten Erfahrungen folgten ab 1958 30 weitere Maschinen.

DB-Baureihen 050, 051, 052 und 053

In das neue EDV-Baureihenschema wurden noch 1452 Lokomotiven aufgenommen. 88 davon waren allerdings schon auf z-gestellt. Da die Ordnungsnummer nur noch dreistellig sein durfte, wurden zusätzlich zur Nummer 050 die Bezeichnungen 051, 052 und 053 eingeführt. Indem man die erste Stelle der Ordnungsnummer in die Baureihenbezeichnung aufnahm, konnte man sicherstellen, dass so die wahre Identität jeder Lok erkennbar blieb. Bei der DB wurden die letzten Lokomotiven 1977 im Bw Duisburg-Wedau ausgemustert.

Die ehemalige Baureihe 50 verteilte sich damit wie in der Tabelle angeführt: Bezeichnung Anzahl davon z-gestellt 050 521 36 051 413 22 052 450 23 053 77 7

Die dabei neu entstandene „Quasi“-Baureihe 052 (mit führender Null, DB nach 1968) darf nicht mit der „echten“ Baureihe 52 (ohne führende Null, DB vor 1968, DR vor und auch noch nach 1970, s. u.) verwechselt werden. Die Baureihe 52 („Kriegslok“) war eine „entfeinerte“ Version der Baureihe 50, was für Nicht-Spezialisten aufgrund der nahen technischen Verwandtschaft teilweise nur schwer unterscheidbar ist.

Da die verbliebenen Loks der Baureihe 52 bei der Deutschen Bundesbahn bis 1963 bereits ausgemustert waren, wurde keine Umbenennung in Baureihe 052 notwendig. Diese Bezeichnung war somit frei für die Loks 50-2nnn. Eine einzige Lok der Baureihe 52 gelangte über die Deutsche Reichsbahn, zwischenzeitlich zur DR-Baureihe 52.80 rekonstruiert, in den Besitz der Deutschen Bahn AG und wurde als 052 134 eingereiht. Mit dieser Ausnahme war eine „Zweiundfünfzig mit führender Null und angehängter Prüfziffer“ also eine ehemalige „Fünfzig“ aus Beständen der Deutschen Bundesbahn. Ab 1992 erhielten allerdings auch 112 weitere 52.80 die Baureihenbezeichnung 052, was ja möglich war, da es bei der DB keine Dampflokomotiven mehr gab. Auch die Denkmallok 52 8015 und die ehemalige DR-Lok und spätere Museumslok 50 2740 erhielten vorübergehend die EDV-Nummer 052. Letztere hat während ihrer Betriebszeit als Museumslok immer wechselnd die EDV-Nummer 052 740-8 oder 50 2740 getragen.

Deutsche Reichsbahn (nach 1945) Der Deutschen Reichsbahn in der sowjetischen Besatzungszone waren nach dem Krieg nur 364 Exemplare der Baureihe 50 geblieben. Dieser schon relativ geringe Bestand schrumpfte weiter zusammen: Ende 1946 kamen 93 Lokomotiven zu den sowjetischen Lokomotivkolonnen, 28 Lokomotiven gingen 1947 als Reparationsleistungen an die polnische PKP und in die Sowjetunion. Durch den Schadpark verringerte sich der Bestand der Baureihe 50 bei der DR auf 324 Exemplare im Jahr 1954. Da auch von der stärkeren Baureihe 44 nur ein kleiner Teil von 335 Loks in die DDR gelangte, war dort in vielen Gegenden die Baureihe 52 die dominierende Güterzuglok, von der auch nach dem Ende der Reparationsleistungen im Jahre 1955 noch über 800 Maschinen bei der DR vorhanden waren. Die Baureihe 50 bildete das Schlusslicht des DR-Neubauprogramms in der Dampflokproduktion. Als es nicht möglich war, 80 neue Dampfloks der CSD Baureihe 556 an die DR zu liefern, entwickelte sie eine eigene Type mit der Baureihenbezeichnung 50.40. 350 Exemplare sollten geliefert werden, doch es kam zwischen 1956 und 1960 nur zum Bau von 88 Stück. Die am 30. Dezember 1960 fertiggestellte Lok 50 4088 war die letztgebaute Dampflok der DR. Stattdessen wurden von den Original-Lokomotiven der Baureihe 50 208 Exemplare zur Baureihe 50.35 umgebaut, die den gleichen Kesseltyp mit knapp 18 m² Strahlungsheizfläche bekamen wie die 50.40. Für die Neubaulokomotiven der Baureihe 50.40 wurde auch eine neue Tendervariante entwickelt. Statt des bisher verwendeten 2’2’T26-Einheitstenders wurde der 2’2’T28-Neubautender gekuppelt, von dem einige nach der Ausmusterung der Neubauloks für die Reko-50.35 verwendet werden konnten. Die Altbaulokomotiven liefen vor allem im Süden der DDR. Seit Mitte der 1970er-Jahre wurden sie verstärkt ausgemustert, so dass sie in den 1980er-Jahren absolute Raritäten waren. Dennoch beendete die letzte ihren aktiven Dienst erst 1987 in Zwickau. In Sachsen lösten sie nach und nach die Baureihe 58 ab.

Bei der DR wurde zwar ab 1970 auch das Nummernsystem geändert und dabei u. a. eine Prüfziffer angehängt, aber die zwei Ziffern „50“ ohne führende Null blieben unverändert. Inzwischen sind etliche Museumsloks wieder mit ihrer alten Vorkriegsnummer gekennzeichnet. Bei Exemplaren aus der DDR wird jedoch zum Teil die nach 1970 vergebene „neue“ Nummer beibehalten, die ja inzwischen auch schon wieder historisch ist.

16 Lokomotiven der DR waren mit einem Wannentender ausgerüstet. Der Rest der Baureihen 50 und 50.35 besaß einen 2’2’T26-Einheitstender oder einen 2’2’T28-Neubautender. Die letzte Wannentenderlok 50 3048 war im Jahre 1966 auch für einige Zeit mit einem Steifrahmentender ausgerüstet, ehe sie wieder einen Wannentender erhielt. Die 15 restlichen Loks mit Wannentender bekamen Ende der 1960er-Jahre ebenfalls 2’2’T26-Einheitstender.

DR-Baureihe 50.35 mini|50 3552 der DR 2009 in Frankfurt am Main

Bei der Deutschen Reichsbahn wurden 208 Lokomotiven zur Baureihe 50.35 umgebaut. Durch den Umbau erhielten die Loks unter anderem neue, leistungsfähigere Kessel mit einem Mischvorwärmer. Anlass des Umbaus war, dass man ohnehin Kessel aus nicht alterungsbeständigem Stahl St 47 ersetzen musste.