Steinfurth ist ein Stadtteil von Bad Nauheim im hessischen Wetteraukreis.

Nachbarorte

Geschichte miniatur|Ansicht von Steinfurth 1624 mit Allegorie auf die Wappentiere der Löw von Steinfurth im Thesaurus Philopoliticus

Ortsgeschichte Die älteste erhaltene Erwähnung von Steinfurth stammt von 914 und findet sich in einer Schenkungsurkunde König Konrads I. an die Kirche zu Weilburg. Seit dem Mittelalter war Steinfurth zu großen Teilen im Besitz der Familie Löw von Steinfurth, die sich nach dem Ort benannten. Im Ortskern ist mit dem Löwschen Schloss ein Herrenhaus der Familie aus dem frühen 19. Jahrhundert erhalten.

1806 fiel Steinfurth durch die Rheinbundakte Art. 25 Rheinbundakte. an das Großherzogtum Hessen und lag hier im Fürstentum Oberhessen (ab 1816: Provinz Oberhessen). Die Niedere Gerichtsbarkeit blieb den Standesherren erhalten und wurde durch deren „Patrimonialgericht Steinfurt“ ausgeübt. Diese Einschränkung staatlicher Souveränität störte das Großherzogtum selbstverständlich.

Dem Großherzogtum gelang es bei der Verwaltungsreform der Jahre 1820 bis 1822 Steinfurth weiter in die staatlichen Strukturen zu integrieren. Mit dieser Verwaltungsreform wurden auch auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt. Für die bisher in den Ämtern wahrgenommenen Verwaltungsaufgaben wurden Landratsbezirke geschaffen, für die erstinstanzliche Rechtsprechung Landgerichte. 1822 wurde Steinfurth faktisch in den Landratsbezirk Butzbach eingegliedert, da die Löw von Steinfurth darauf verzichteten, polizeiliche Rechte selbst wahrzunehmen. Die Rechtsprechung übernahm das neu eingerichtete Landgericht der Freiherren von Löw mit Sitz in Friedberg. Dieses bestand aber keine drei Jahre, bevor die Löw zu Steinfurth es in das Landgericht Friedberg eingliedern ließen. Die Übertragung der die Justiz-Verwaltung betreffenden Gerechtsame der Freiherrlichen Familie von Löw von und zu Steinfurt an den Staat betreffend vom 22. September 1825. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 38 vom 29. September 1825, S. 401. Ab 1867 war dann das neu gegründete Landgericht Nauheim zuständig.Ziff. III und Nr. 3 Bekanntmachung betreffend die Gerichtsbarkeit in den durch den Friedensvertrag mit der Krone Preußen vom 3. September v. J. erworbenen Gebietstheilen vom 18. Dezember 1866. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 2 vom 9. Januar 1867, S. 9f. Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 wurden Organisation und Bezeichnungen der Gerichte reichsweit vereinheitlicht. Zum 1. Oktober 1879 hob das Großherzogtum Hessen deshalb die Landgerichte auf. Funktional ersetzt wurden sie durch Amtsgerichte.§§ 1, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f. So ersetzte das Amtsgericht Nauheim das Landgericht Nauheim. Das Amtsgericht Bad Nauheim bestand bis 1968. Anschließend war das Amtsgericht Friedberg zuständig.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Steinfurth zum 1. August 1972 kraft Landesgesetzes als Stadtteil in die Stadt Bad Nauheim eingegliedert. Für den Stadtteil Steinfurth wurde, wie für die anderen eingegliederten ehemals eigenständigen Gemeinden sowie die Kernstadt, Ortsbezirke eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Steinfurth angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Freiherr Löw von Steinfurth (Mannlehen von Nassau) ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Fürstentum Oberhessen, Patrimonialgericht von Löw ab 1815: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Hessen, Patrimonialgericht von Löw ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Butzbach1825: Trennung von Justiz (Landgericht Friedberg) und Verwaltung. ab 1829: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Friedberg ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Bad Nauheim

Bevölkerung Einwohnerentwicklung 1961: 1641 evangelische (= 80,32 %), 345 katholische (= 16,89 %)

Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Steinfurth 2829 Einwohner. Darunter waren 156 (5,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 534 Einwohner unter 18 Jahren, 1173 zwischen 18 und 49, 615 zwischen 50 und 64 und 507 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1104 Haushalten. Davon waren 270 Singlehaushalte, 321 Paare ohne Kinder und 408 Paare mit Kindern, sowie 81 Alleinerziehende und 24 Wohngemeinschaften. In 216 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 744 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Politik Ortsbeirat Für Steinfurth besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Steinfurth) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2026 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 61,17 %. Dabei wurden gewählt: drei Mitglieder der Liste „Freien Wähler/Unabhängige Wählergemeinschaft Bad Nauheim“ (FW), sowie je ein Mitglied der CDU und ein Mitglied der Grünen. Der Ortsbeirat wählte Torsten Jung (FW) zum Ortsvorsteher.

Wappen

Flagge Die Flagge wurde am 31. August 1954 durch das Hessische Innenministerium genehmigt. Flaggenbeschreibung: „Auf der weißen Mittelbahn des rot-weiß-roten Flaggentuchs das Wappen der Gemeinde Steinfurth.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

Architektonischer und kultureller Mittelpunkt des Dorfes ist die spätgotische ev. Pfarrkirche. Den ansonsten schlicht gestalteten Innenraum des im späten 15. Jahrhundert errichteten, nach Teilzerstörung im Dreißigjährigen Krieg verändert wiederaufgebauten Gotteshauses zieren die sehenswerten Prunkgrabmäler einiger Mitglieder des ortsansässigen Adelsgeschlechts der Freiherren von Löw. Als Gemeindepfarrer amtierten 1954–1959 Hans Knorrek, 1959–1971 Rudolf Weber, 1971–1980 Alfred Rose, 1982–1990 Birgit Gröger, 1991–2008 Horst Rockel, 2008–2023 Siegfried Nickel. Seit dem Wechsel Nickels in das Dekanat Wetterau ist die Pfarrerstelle der Kirchengemeinde Steinfurth-Wisselsheim vakant.

Das Steinfurther Rosenfest mini|Steinfurther Rosenfest – Motivwagen mit rund 60.000 Rosenblüten

Vereine Steinfurth verfügt über ein vielfältiges Vereinsleben. So gibt es u. a. einen Aerobic-Verein, Angelsportverein, Deutsche Lymphschulung e. V., Freiwillige Feuerwehr und die Jugendfeuerwehr Steinfurth, Gesangverein Frohsinn, Heimat- und Geschichtsverein Steinfurth „Die Rosisten“ e. V., Kleintierzuchtverein, Landfrauenverein, Modellbausportclub, Oldtimer-Club-Steinfurth e. V., Radfahrverein, Seniorenclub, Sportverein SV 1930 Steinfurth, Tischtennisclub Steinfurth, Turnverein 1905 Steinfurth, VDK Steinfurth und die Zimmerschützengemeinschaft.

Im ehemaligen Schulhaus in der Alten Schulstraße befindet sich heute der Vereinstreff, der von den örtlichen Vereinen und dem Ortsbeirat als Versammlungs- und Veranstaltungsraum benutzt wird.

Medien Steinfurth liegt im Einzugsgebiet der Wetterauer Zeitung. Darüber hinaus wird vom Kultur- und Sportausschuss seit 1998 monatlich das unabhängige Gemeindeblatt Steinfurther Blättchen herausgegeben. Der Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Steinfurth-Wisselsheim gab bis November 2023 quartalsweise den Gemeindebrief Die Eule heraus. Nach 251 Ausgaben wurde er vom Gemeindebrief GemeindeLeben der evangelischen Kirchengemeinden von Bad Nauheim und Ober-Mörlen abgelöst.

Wirtschaft und Infrastruktur Das Rosendorf Steinfurth ist ein in Fachkreisen international bekanntes Zentrum des Rosenanbaus und der Rosenzucht; etwa 40 ortsansässige Betriebe sind auf diesem Sektor tätig, darunter auch das 1868 gegründete älteste deutsche Rosenzuchtunternehmen. In den Sommermonaten besuchen zahlreiche Touristen die öffentlichen Blumenschaugärten.

Rosenmuseum

Geschichte des Rosenanbaus 1868 – Heinrich Schultheis gründete die erste Rosenbaumschule in Deutschland und begann mit seinen Brüdern, die Rosen baumschulmäßig anzubauen. 1890 – Um die Jahrhundertwende gab es schon um die 50 Rosenanbaubetriebe in Steinfurth. 1970 – Steinfurth hatte 210 Rosenanbaubetriebe mit einer jährlichen Produktion von 12 bis 14 Millionen Rosenpflanzen, d. h. etwa 40 % der gesamten deutschen Rosenproduktion.

Bildung Steinfurth hat eine Grundschule, die seit 2005 den Namen Rosendorfschule trägt.

Verkehr Straße Durch Steinfurth verläuft die Landesstraße 3134, die Anschluss an die B 3 bzw. B 275 und von dort an die A 5 Richtung Kassel und Frankfurt am Main bietet.

Bus Durch den Ort verkehren die von der Stroh Bus Verkehrs GmbH bedienten Stadtbus-Linien FB-12 und FB-15, die Bad Nauheim mit Steinfurth und den Stadtteilen Wisselsheim und Rödgen verbinden und am Kaiserberg bzw. Bahnhof Bad Nauheim enden. Außerdem verkehrt die Linie FB-53 durch den Ort, die Bad Nauheim über Steinfurth mit Oppershofen, Rockenberg, Griedel und Butzbach verbindet und am dortigen Bahnhof endet. Vereinzelt fährt diese Linie hauptsächlich zur Schülerbeförderung auch direkt nach Nieder- und Ober-Mörlen. Betrieben wird die Linie FB-53 von der ESE Verkehrsgesellschaft mbH, die zum Fahrplanjahr 2024 die HLB Hessenbus ablöste. Steinfurth gehört zum Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Schiene mini|Bahnübergang in der Bad Nauheimer Straße

Steinfurth liegt an der Butzbach-Licher Eisenbahn, die heute von der Eisenbahnfreunde Wetterau e. V. (EFW) im Museumsbetrieb befahren wird. Der Bahnhof Steinfurth , dessen Empfangsgebäude mittlerweile zu einem Wohnhaus umgebaut wurde, besitzt einen mittig zwischen dem Durchgangs- und Ausweichgleis angeordneten Bahnsteig. Er befindet sich kurz hinter dem Bahnübergang in der Bad Nauheimer Straße.

Ungefähr 100 Meter vom Steinfurther Bahnhof entfernt direkt auf der anderen Seite dieses Bahnübergangs befindet sich zusätzlich der Haltepunkt Steinfurth Rosenbahnsteig , der von der EFW ausschließlich einmal alle zwei Jahre zur Beförderung von Fahrgästen zum Rosenfest angefahren wird.

Literatur Sabine Kübler: Blatt für Blatt die Rose. Katalog des Rosenmuseums Steinfurth; Rosenmuseum Steinfurth, Steinfurth 1992; 107 Seiten, gebunden; ISBN 3-929319-00-4. Reimer Stobbe: Die Löw von Steinfurth. Die Geschichte um das Herrenhaus von Löw in Steinfurth anlässlich der Wiederherstellung 1994. Deutscher Sparkassenverlag, Stuttgart 1994; 63 Seiten, gebunden; ISBN 3-09-303812-X. Birgit Philippi: Die Wunderwelt der Rose. Von der Antike bis in die Neuzeit. Verlag Genealogie-Service.de GmbH, Reichelsheim 2004; 84 Seiten, 181 meist farbige Abb., gebunden; ISBN 3-9808739-6-X. Sabine Kübler: Brot und Rosen. Steinfurth – Vom Dorf der arme Leute zur Rosenindustrie. In: Michael Keller, Herfried Münkler (Hrsg.): Die Wetterau – Landschaft zwischen Tradition und Fortschritt. Verlag Sparkasse Wetterau, Friedberg 1990, ISBN 3-924103-06-2, S. 131–143.

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