mini|hochkant=1.3|Luftbild von Heidenau (2010)
Heidenau ist eine Stadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen. Sie liegt im Oberen Elbtal an der Mündung der Müglitz in die Elbe. Heidenau grenzt im Nordwesten an die Landeshauptstadt Dresden. Mit rund 17.000 Einwohnern auf elf Quadratkilometern Fläche weist Heidenau die drittgrößte Bevölkerungsdichte aller sächsischen Gemeinden auf.
Geographie Heidenau besteht aus den Stadtteilen Gommern, Großsedlitz, Heidenau-Süd, Kleinsedlitz, Mügeln und Wölkau.
Geschichte Erste Erwähnung bis Neuzeit Die Stadtflur wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Große freigelegte Gräberfelder aus der Bronzezeit zeugen vom uralten Besiedlungsgebiet. Seit etwa dem 7. Jahrhundert wurde der Raum Heidenau von Slawen besiedelt.
Erste urkundliche Nachweise des Ortes Gommern stammen aus dem Jahre 1288. Mügeln und Heidenau wurden 1347/49 erstmals urkundlich erwähnt, Großsedlitz 1412, Wölkau 1420 und Kleinsedlitz im Jahr 1501.
Heidenau war bis in das späte 19. Jahrhundert hinein ein ruhiges Bauerndorf. Wahrscheinlich hat der Dohnaer Burggraf Otto Heyde das Dorf als Vorwerk der Burg gegründet. Die überlieferten Dorfnamen im 14. Jahrhundert Heydenowe und Heydenaw weisen darauf hin.
Das Dorf Meuscha, gelegen im Bereich der Stadtgrenze zu Dohna, fiel während des Dreißigjährigen Krieges bis auf ein bis ins 19. Jahrhundert genutztes Einzelgut wüst. Erhalten blieb die Flurbezeichnung Meuschaer Höhe.
Während Heidenau bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts agrarisch geprägt blieb, befindet sich in Großsedlitz einer der bedeutendsten Barockgärten Sachsens. 1719 hatte Graf August Christoph von Wackerbarth das Rittergut Kleinsedlitz und weite Teile der umliegenden Gegend gekauft und eine Schlossanlage, das Friedrichschlösschen Großsedlitz, errichtet. 1723 verkaufte er sie an den Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen, genannt August der Starke.
Industriezeitalter bis Weimarer Republik 1848 wurde der jetzige Ortsteil Mügeln an die Bahnstrecke Tetschen–Dresden angeschlossen, was das Aufkommen der ersten Industriebetriebe in der Region zur Folge hatte. 1890 wurde die nach Altenberg (Erzgebirge) führende Müglitztalbahn eröffnet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden Zellulose- und Papierfabriken, Unternehmen der Maschinen- und Metallwarenfabrikation, Elektrizitäts- und Elektromotorenwerke, Netz- und Farbwerke sowie chemische und fotochemische Industrie.
Das heutige Heidenau wurde 1920 aus den Dörfern Mügeln, Heidenau und Gommern gebildet. 1923 wurde der Ort Großsedlitz eingemeindet, im Jahr darauf erhielt die Gemeinde das Stadtrecht. Heidenau wurde als Name der Stadt gewählt, weil die weitaus meisten Industriebetriebe ihren Sitz auf der Heidenauer Flur hatten und einer Namensänderung ablehnend gegenüberstanden. 1933 kam noch der Stadtteil Kleinsedlitz dazu, 1950 schließlich Wölkau.
Beim Hochwasser im Osterzgebirge 1927 erlitt Heidenau schwere Schäden.
Zeit des Nationalsozialismus Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden politische Gegner und anders Unerwünschte verfolgt.
Nach der Reichstagswahl 1933 wollte der Stadtverordnete Georg Schreiber (NSDAP) auf dem Rathaus durch SA-Leute die Hakenkreuzfahne hissen lassen. Bürgermeister Paul Gröger verweigerte dies und wurde am 22. April 1933 beurlaubt. Am 19. Juni 1933 wurde er in das Konzentrationslager Hohnstein gebracht. Während seiner Gefangenschaft misshandelten ihn die stationierten SA-Leute mehrfach brutal. Rudolf Nützenadel, Beamter und ebenfalls SPD-Mitglied, der auch verhaftet und im Konzentrationslager eingesperrt war, hat niedergeschrieben, wie Paul Gröger von der SA mehrmals über den Burghof geschleift und dann in eine große Grube geworfen wurde, die mit stinkendem, schmutzigem Wasser und Jauche gefüllt war. Am 12. Juli 1933 meldete der Pirnaer Anzeiger die Entlassung Paul Grögers aus dem Konzentrationslager Hohnstein. Er war schwer erkrankt, konnte nicht mehr laufen und sein Gesundheitszustand verschlimmerte sich weiter. Am 27. August 1933 nahm sich Paul Gröger auf Grund der im Konzentrationslager erlittenen Misshandlungen das Leben. Heute erinnert ein vor dem Rathaus verlegter Stolperstein an ihn. Siehe auch: Abschnitt „Stolpersteine“
Zu den Verfolgten gehörte auch der Kommunist Fritz Gumpert, der im April 1933 in das frühe Konzentrationslager Königstein-Halbestadt verbracht und dort von SA-Männern zu Tode gefoltert wurde. Fotos des bestialisch Gefolterten, die nach Öffnung seines Sarges angefertigt wurden, gelangten über Prag in die europäische Öffentlichkeit und lösten Empörung über den NS-Terror aus.
mini|1947 entstand gegenüber dem Bahnhof Heidenau-Nord ein Ehrenmal für die Rote Armee. Während des Zweiten Weltkriegs forderte die Elbtalwerke AG für ihre Produktion KZ-Häftlinge an, die ihr wahrscheinlich auch zugesprochen wurden. Eine Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg befand sich in Heidenau.Christine O’Keefe: Concentration Camps. Am letzten Tag des Krieges, dem 8. Mai 1945, kam es zu einem verheerenden Bombenangriff auf Heidenau, bei dem 40 Menschen starben. 32 Häuser wurden zerstört, 412 Gebäude zum Teil schwer beschädigt.
Deutsche Demokratische Republik Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Wölkau eingegliedert.
Zu DDR-Zeiten entstanden mehrere neue Wohngebiete. Dennoch konnte der erhebliche Wohnungsmangel in dieser Zeit nicht beseitigt werden. Heidenau war ein bedeutender Industriestandort zwischen Dresden und Pirna.
Geschichte nach 1989 In den 1990er-Jahren wurde Heidenau durch den weitgehenden Niedergang der Industrie Ostdeutschlands und eine hohe Arbeitslosenquote schwer getroffen. Die Industriebrachen und Fabrikruinen sowie die damals herrschenden Zustände am zentralen Bahnhof haben den Ruf Heidenaus in großen Teilen der umliegenden Städte und Dörfer nachhaltig geprägt. An der B 172 entstanden in der Zeit verschiedene großflächige Einzelhandelsgeschäfte.
mini|Die Müglitz in Heidenau während des Hochwassers 2013 Im August 2002 richtete das Hochwasser der Müglitz schwere Verwüstungen in Heidenau an. Durch das kurz darauf nachfolgende Elbehochwasser standen etliche Stadtteile unter Wasser. Da zu diesem Zeitpunkt Gasrohre ausgetauscht wurden und so das Rohrnetz an mehreren Stellen geöffnet war, wurden große Teile des Gasrohrnetzes überflutet und die Gasversorgung musste für mehrere Tage unterbrochen werden. Zum Schutz vor einem Hochwasser wurde daraufhin an der Elbe an einen Industriebahndamm angrenzend ein Hochwasserschutzdamm gebaut, der an den Zugängen zum Elberadweg geöffnet ist und im Hochwasserfall zugeschoben werden kann. Dadurch wurden zum Beispiel größere Schäden beim Winterhochwasser 2005 verhindert.
Das Max-Leupold-Stadion wurde durch das Hochwasser ebenfalls überschwemmt und in den darauffolgenden Jahren mit der angrenzenden Radrennbahn, die mit Wasser volllief und dadurch abgerissen sowie neu gebaut werden musste, und dem umgebenden Gelände umgebaut. 2005 wurde das Gelände als „Sportforum“ eingeweiht.
mini|Rathaus Da die Stadt aus mehreren Dörfern gebildet wurde, existierte kein Marktplatz. Daher wurde ab Juli 2006 die Fläche zwischen Bahnhofstraße und Brunneneck zum Marktplatz umgebaut, der aber auf Karten nicht als solcher bezeichnet wird. Am Marktplatz wurde das Stadthaus gebaut, in dem unter anderem die Touristinformation und der Heimat- und Kulturverein Heidenau ihr Domizil haben.
Das 1910 erbaute Rathaus wurde seit September 2011 rund 15 Monate lang modernisiert. Am 23. Februar 2013 wurde zum Abschluss der Bauarbeiten ein Tag der offenen Tür im Rathaus veranstaltet.
Ende März 2012 kündigte der 64-jährige Bürgermeister Michael Jacobs an, zum Jahresende sein Amt niederzulegen. Jacobs war seit rund 22 Jahren Bürgermeister der Stadt. Zur Bürgermeisterwahl am 7. Oktober 2012 standen Jürgen Opitz (CDU, bis dahin Erster Beigeordneter), Steffen Wolf (Linke), Norbert Bläsner (FDP) und Michael Schürer (Heidenauer Bürgerinitiative, HBI). Jürgen Opitz gewann die Wahl mit 58,1 Prozent der Stimmen.
Am 26. Januar 2014 wurde im Rahmen eines Gottesdienstes die Lutherkirche entwidmet. Dies war aufgrund von Sparmaßnahmen nötig geworden. Am 9. Februar wurde in einem Gottesdienst die Kirchgemeinde mit den Gemeinden Dohna und Burkhardswalde zur Kirchgemeinde Heidenau-Dohna-Burkhardswalde vereinigt, was aufgrund von Streichungen und Kürzungen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens nötig geworden war.
mini|Heidenau, Skulptur „Miteinander“ des deutsch-türkischen Metallkünstlers Hüseyin Arda; Oktober 2015 – April 2016 in Heidenau
Rechtsradikale Ausschreitungen Am 21. August 2015 kam es im Anschluss an eine von der rechtsextremen NPD angemeldete Demonstration, an der sich rund 1000 Menschen beteiligt hatten, zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen gegen die Unterbringung von Asylbewerbern. Beim Versuch eines rechten Mobs, den Bezug der neu errichteten Notunterkunft durch Straßenblockaden zu verhindern, wurden 31 Polizisten verletzt. Beteiligt an den Krawallen waren auch Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppe Freital. Auch in den darauf folgenden zwei Nächten kam es zu Ausschreitungen von rechten und linken Gruppen. Führende Personen aus der Landes- und Bundespolitik verurteilten die Ausschreitungen scharf.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1834 159 1871 277 1890 538 1910 5.454 1925 16.198 1939 17.781 1946 18.694 1950 19.559 Jahr Einwohner 1960 19.386 1970 19.840 1980 20.252 1990 19.980 1995 18.998 2000 17.171 2005 16.735 2010 16.431 Jahr Einwohner 2015 17.085 2020 16.641
Politik
Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 22 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: CDU: 7 Sitze AfD: 7 Sitze Bürgerinitiative Oberelbe für mehr Demokratie (BOD): 2 Sitze Linke: 2 Sitze Freie Sachsen: 1 Sitz Heidenauer Bürgerinitiative (HBI): 1 Sitz SPD: 1 Sitz FDP: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD733,6529,5––CDU729,9625,81145,7Bürgerinitiative Oberelbe für mehr Demokratie29,116,3––Linke27,0313,9520,4Freie Sachsen16,2––––Heidenauer Bürgerinitiative15,914,916,3SPD14,214,716,3FDP14,229,528,2Grüne––15,415,6NPD––––17,5Wahlbeteiligung64,7 %59,8 %43,8 %
Bürgermeister Bürgermeisterin ist seit 2025 Conny Oertel (HBI).
+letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2025Conny OertelHBI51,42019Jürgen OpitzCDU65,1201258,12008Michael Jacobs71,3200154,3199460,1
Städtepartnerschaften (Nordrhein-Westfalen, Deutschland) (Tschechien) (Polen)
Heidenau gewann 2004 den Wettbewerb „Familienfreundliche Gemeinde Sachsen“ des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales. Heidenau ist seit 2010 zertifiziert mit dem „European Energy Award“ und zählt als Energiesparstadt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Wohnhaus Siegfried-Rädel-Straße 2, Kulturdenkmal mini|Luthersäule und Luthereiche
Bildung In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich in Großsedlitz eine von vier Bezirksführerinnenschulen des Reichsarbeitsdienstes der weiblichen Jugend (RADwJ).
Kultur Im Jahre 1905 erfolgte die Gründung der Firma Beckmann & Weis Luxusglaswerk durch Johann Wilhelm Beckmann und Franz Konrad Weis in Mügeln (heute Heidenau), die im Stil von Émile Gallé (* 4. Mai 1846 in Nancy; † 23. September 1904 in Nancy) vor allem Vasen und Kunstgegenstände aus Glas fertigten. 1915 wurde die Firma unter dem Namen Eichhorn & Weis GmbH weitergeführt, bis diese 1926 in die Heidenauer Glashütte AG umgewandelt wurde. 1933 erfolgte die Einstellung der Produktion.