mini|Friedrich von Thun, 2012 rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.7|Unterschrift Friedrich von Thun
Friedrich von Thun (* 30. Juni 1942 als Friedrich Ernst Peter Paul Maria Thun-Hohenstein in Kwassitz, Protektorat Böhmen und Mähren) ist ein österreichischer Schauspieler.
Seinen Durchbruch als Filmschauspieler hatte er 1964 als Revierjäger Franzl Reiser in Lausbubengeschichten sowie dessen Fortsetzungen Tante Frieda – Neue Lausbubengeschichten (1965), Onkel Filser – Allerneueste Lausbubengeschichten (1966) und Wenn Ludwig ins Manöver zieht (1967). Im Fernsehen wurde er vor allem durch die Fernsehserien Der Bastian und Die Verbrechen des Professor Capellari bekannt. Sein internationaler Erfolg gelang ihm 1993 mit Steven Spielbergs Holocaust-Drama Schindlers Liste. In seinen Rollen verkörperte meist joviale Gestalten, Grandseigneurs oder den weltgewandten Gentleman, die mit ihrer Leutseligkeit oft ihre Intrigen und krummen Geschäfte bemänteln.
Leben Herkunft und Ausbildung Friedrich wurde 1942 als jüngster von vier Söhnen und viertes von fünf Kindern von Ernst Thun-Hohenstein (1905–1985; geb. Graf von Thun und Hohenstein)Aufgrund der Gesetze zur Aufhebung des Adels in der Republik Österreich und der Tschechoslowakei, die das Führen von Adelsprädikaten verbietet, lautet der amtliche Familienname Thun-Hohenstein. Siehe: „Gesetz Nr. 61 vom 10. Dezember 1918 (Abschaffung des Adels, Aufhebung der Familienfideikommisse, geändert durch Gesetze Nr. 243/1920 und 179/1924).“ Anmerkung zu § 106 Verfassung der tschechoslowakischen Republik vom 29. Februar 1920 (Sammlung der Gesetze Nr. 121/1920)Siehe auch Mikulas v. Práznovszky:: „… und die Führung von Adelstiteln und -Prädikaten als Teil des Namens untersagt wurden …“ und dessen Frau Marie Therese (1911–2007; geb. Freiin Wiedersperger von Wiedersperg) geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der Enteignung und Vertreibung sowie einem Aufenthalt in einem tschechoslowakischen Lager übersiedelte die Familie – seine Eltern, der dreijährige Friedrich und seine drei älteren Brüder Jaroslav (* 1935), Johann (1936–1993) und Franz (* 1939) – im Jahr 1945 von Mähren nach Österreich. Seine Schwester Elisabeth wurde 1949 in Litschau in Niederösterreich geboren.
1953 kam von Thun mit seiner Familie nach Leoben, wo die Familie rund zehn Jahre lang in einem Haus in der Max-Tendler-Straße lebte.Friedrich von Thun in Leoben. In: Stadtmagazin Leoben. Amtliche Nachrichten und Informationen. 6/17, S. 28. In dieser Zeit kam er auch zu ersten Kontakten mit dem Theater, als er Kinderaufführungen im Stadttheater Leoben besuchte. Er besuchte zunächst die Volksschule in Leoben-Stadt, wechselte später an das das Abteigymnasium Seckau.Zum 80.Geb. v. Friedrich von Thun am 30.6.2022: matinee – Orte der Kindheit – Friedrich von Thun, abgerufen am 30. Dezember 2025. Nach der Matura 1960 studierte er in München Germanistik und Theaterwissenschaften und nahm privaten Schauspielunterricht.
Theater Friedrich von Thun sammelte seine ersten schauspielerischen Erfahrungen während seines Studiums der Germanistik und Theaterwissenschaften in München als Mitglied eines Studentenkabaretts. Seine professionelle Bühnenlaufbahn begann im Jahr 1962, nachdem er bei dem renommierten Regisseur und Schauspieler Axel von Ambesser vorsprach. Von Ambesser erkannte sein Talent, besetzte ihn in ersten kleinen Filmrollen und vermittelte ihm schließlich den Einstieg in das klassische Theaterfach. Durch diese Förderung erhielt von Thun im Jahr 1963 sein erstes Festengagement an den renommierten Münchner Kammerspielen, denen er bis 1967 als festes Ensemblemitglied angehörte. Sein Debüt gab er unter Ambessers Regie in Gewitter am See von Wolfgang Christlieb. Unter der Intendanz von August Everding und der Regie prägender Theatermacher erarbeitete er sich in dieser Zeit ein breites Repertoire. Er übernahm Rollen in klassischen Dramen von William Shakespeare und Friedrich Schiller, war jedoch ebenso in modernen zeitgenössischen Stücken sowie anspruchsvollen Boulevardkomödien zu sehen. Zu seinen frühen, prägenden Bühnenrollen gehörte unter anderem die des Vetter Franz in einer von Axel von Ambesser inszenierten Produktion.
Nach dem Ende seines Festengagements im Jahr 1967 entschied sich von Thun für eine Laufbahn als freischaffender Schauspieler. Trotz seiner zunehmenden Verpflichtungen für Film und Fernsehen blieb er der Theaterbühne über die Jahrzehnte hinweg durch regelmäßige Gastengagements treu. So gastierte er an zahlreichen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen, darunter in München, Wien, Hamburg und Berlin. 1992 spielte er an der Seite von Christiane Hörbiger im Stück Das Konzert im Stadttheater Leoben. Seine bislang letzte große Theaterrolle übernahm von Thun im Jahr 2018 am Staatstheater am Gärtnerplatz in München. In einer viel beachteten, bairischen Inszenierung des Erfolgs-Musicals My Fair Lady verkörperte er den noblen und charmanten Oberst Pickering.
Nach diesem Engagement fokussierte er seine Live-Auftritte auf szenische Lesungen und literarische Bühnenprogramme. Seine in diesem Bereich am längsten laufende und bis heute andauernde Theaterpräsenz ist das literarisch-szenische Format Loriot: Szenen einer Ehe. Als Rezitator und Darsteller der männlichen Hauptparts steht er in diesem Stück seit Jahren im Wechsel mit Senta Berger (sowie bei ausgewählten Gastspielen mit Aglaia Szyszkowitz) auf führenden deutschen und österreichischen Bühnen.
Film und Fernsehen Friedrich von Thun gab sein Filmdebüt unter der Regie von Helmut Käutner, der ihn 1964 in der Ludwig-Thoma-Adaption Lausbubengeschichten in der Rolle des Revierjägers Franzl Reiser besetzte. In den von Werner Jacobs inszenierten erfolgreichen Fortsetzungen Tante Frieda – Neue Lausbubengeschichten (1965), Onkel Filser – Allerneueste Lausbubengeschichten (1966) und Wenn Ludwig ins Manöver zieht (1967) spielte er die Rolle ebenfalls. Danach verlagerte sich sein Arbeitsschwerpunkt zunehmend auf das Fernsehen. Einem breiten Publikum wurde er 1973 durch die populäre Vorabendserie Der Bastian bekannt, in der er unter der Regie von Rudolf Jugert den Bruder des von Horst Janson gespielten Titelhelden darstellte. Im Jahr 1979 besetzte ihn Michael Verhoeven im Fernsehdrama Verführungen.
Ab den 1990er-Jahren etablierte sich von Thun als einer der gefragtesten Charakterdarsteller des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wegweisend wurde dabei die Zusammenarbeit mit Regisseur Bernd Fischerauer für die Arztserie Dr. Schwarz und Dr. Martin (1994–1996). Hier bildete von Thun gemeinsam mit Senta Berger ein Duo, das von den Medien fortan als deutsches „TV-Traumpaar“ gefeiert wurde. Fischerauer besetzte beide kurz darauf auch im vierteiligen Drama Liebe und weitere Katastrophen (1998). Gleichzeitig feierte von Thun internationale Erfolge. Weltweit bekannt wurde er 1993 in Steven Spielbergs siebenfach oskargekröntem Holocaust-Drama Schindlers Liste, in dem er an der Seite von Liam Neeson und Ben Kingsley die Rolle des SS-Obergruppenführers Rolf Czurda übernahm. Kurz darauf stand er für George Lucas in der US-Abenteuerserie The Young Indiana Jones Chronicles vor der Kamera. Seinen bis dahin größten Serienerfolg im ZDF feierte er von 1998 bis 2004 in der Titelrolle der Krimireihe Die Verbrechen des Professor Capellari. Als ermittelnder Kriminologe spielte er hier unter anderem neben Harald Leipnitz und Gilbert von Sohlern.
In den 2000er-Jahren profilierte sich von Thun vermehrt in verschiedenen Fernsehkömödien, aber auch in tiefgründigen Fernsehdramen. In der prominent besetzten Familienkomödie Unser Papa, das Genie (2002) übernahm von Thun unter der Regie von Sabine Landgraeber die Titelrolle des genialen, aber im Alltag vollkommen zerstreuten Astrophysikers Julius Stern. Seine geplagte Ehefrau wurde darin von Simone Thomalla verkörpert, während Charles Brauer den Institutschef spielte. 2003 spielte er an der Seite von Heiner Lauterbach und Monica Bleibtreu im Drama Eine Liebe in Afrika. Im selben Jahr verkörperte er General Erich Ludendorff im internationalen Historienzweiteiler Hitler – Aufstieg des Bösen. Für seine Darstellung in der Tragikomödie Helen, Fred & Ted (2006) neben Götz George wurde er mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.
Eine herausragende schauspielerische Leistung zeigte er 2007 in dem berührenden Drama Zeit zu leben unter der Regie von Matti Geschonneck. An der Seite von Nicole Heesters verkörperte er den todkranken Rolf Waldheim, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchte, das Gift jedoch rätselhafterweise überlebt. Im selben Jahr spielte er erneut unter Geschonnecks Regie im Entführungsdrama Entführt den millionenschweren Großindustriellen Albert Targensee. Einen großen Publikumserfolg im Ersten markierte die zweiteilige Liebes- und Familienkomödie unter der Regie von Nikolai Müllerschön. Im Film Hochzeiten (2012) und dessen Fortsetzung Just Married – Hochzeiten zwei (2013) stand von Thun abermals an der Seite seiner langjährigen Partnerin Senta Berger vor der Kamera. Er spielte den egozentrischen Großunternehmer Bernhard, der sich mit seiner geschiedenen Ex-Frau Claire anlässlich der Hochzeit ihrer gemeinsamen Tochter Sophie (gespielt von Lisa Martinek) – sowie beim anschließenden gemeinsamen Ruhestand zusammenraufen muss.
Unter der Regie von Rainer Kaufmann entwickelte sich von Thun zum idealen Darsteller für Patriarchenrollen in komplexen Familiengeschichten. So spielte er den Familienvorstand Karl Maillinger in den Tragikomödien Das Beste kommt erst (2008) und In den besten Familien (2012) in einem prominenten Ensemble um Katja Riemann und Sophie von Kessel. 2017 besetzte ihn Regisseur Stefan Ruzowitzky in seinem Thriller Die Hölle – Inferno und er kam für Dreharbeiten der Sendereihe Orte der Kindheit wieder in seine einstige Heimat Leoben zurück. Zu später Popularität verhalf ihm im ARD-Freitagabendprogramm die Reihe Zimmer mit Stall an der Seite von Aglaia Szyszkowitz und Elena Uhlig, wo er von 2018 bis 2023 den sturen Bauernhofbesitzer Barthl Fuchsbichler verkörperte.
In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Regisseur Simon Verhoeven. Verhoeven holte ihn 2024 für die Gesellschaftskomödie Alter weißer Mann vor die Kamera, in der von Thun als Opa Georg neben Jan Josef Liefers und Nadja Uhl zu sehen war. Direkt im Anschluss besetzte ihn Verhoeven 2025 erneut in der Verfilmung des Joachim-Meyerhoff-Bestsellers Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke in der Rolle des Erich Maier-Mannhart. Hier spielte er abermals an der Seite von Senta Berger. Für das Jahr 2026 stand von Thun zudem für das Fernsehdrama Endstation Weihnachten unter der Regie von Felix Ahrens vor der Kamera.
Friedrich von Thun wirkte zudem in einigen Kinder- und Jugendproduktionen, etwa 2008 als König Carlasto in Franziska Buchs Märchenadaption Der Froschkönig nach den Brüdern Grimm und 2019 als Zoodirektor Herr Tierlieb im Kinofilm Benjamin Blümchen von Tim Trachte.
Privates Friedrich von Thun heiratete 1970 die österreichische Designerin und Münchner Society-Lady Gabriele „Yella“ Bleyler (1941–2023). Aus dieser Ehe entstammen zwei Kinder, die Filmproduzentin Gioia von Thun (eigentlich Katharina Thun-Hohenstein, * 1974) und Max (* 1977), der ebenfalls den Schauspielberuf ergriff. Von 1999 bis 2009 war er mit Gabriele „Gaby“ Schniewind (1952–2018) verheiratet.Ehe-Aus nach zehn Jahren In: bunte.de, 29. Juli 2009. Abgerufen am 25. Dezember 2010. Friedrich von Thun lebt in München.
Filmografie Kino
Fernsehen Fernsehfilme
Fernsehserien und -reihen
Auszeichnungen 1999: Bambi 2006: Steiger Award 2006: Auslandsösterreicher des Jahres 2007: Bayerischer Fernsehpreis in der Kategorie „Fernsehfilme“ für Helen, Fred und Ted 2017: Sudetendeutscher Kulturpreis für darstellende und ausübende Kunst 2025: Großer Josef-Krainer-Preis
Literatur